von Michael

Inzwischen achtet ein Großteil der Deutschen beim Einkauf auf Nachhaltigkeit. Vielleicht, weil dahinter ein echtes Bewusstsein steht. Vielleicht, weil es sie mittlerweile einfach überall gibt, die Bio-, Öko- oder Fair Trade-Produkte. Und dann kauft man das halt. Schlechter als herkömmlich können die nachhaltigen Produkte ja nicht sein. Oder?

Nachhaltigkeit ist Mainstream, und das muss sie auch sein. Die Zeiten, wo man sich auch noch dafür entschuldigen musste, dass das Leben der Kuh, deren Milch man gerade getrunken hat, nicht völlig jämmerlich war, scheinen zum Glück vorbei zu sein. 

Aber der Nachhaltigkeits-Mainstream hat auch seine Tücken. Er ist Fluch und Segen zugleich. Segen, weil angestrebte Veränderungen wie die Energiewende nur mit der breiten Unterstützung durchzuziehen sind. Fluch, weil inzwischen ja irgendwie alles nachhaltig ist. Wer blickt da noch durch?

Mainstream Tücken: Worin steckt echte Nachhaltigkeit?

Die Verbraucher selbst können den falschen Bio-Hasen, den die CSR-Küche da gerade zusammenbrutzelt, nun mal nicht riechen. Und an dieser Kreuzung verlieren wir leider viele Unterstützer auf dem Weg in eine nachhaltigere Zukunft. Denn, wo Begriffe wie „öko“, „bio“ und „fair“ zu Synonymen wie „Jetzt noch knuspriger“ werden – was sind sie dann eigentlich noch wert? 

Ein bisschen Nachhaltigkeit, besser als gar nichts?

Auch für die Energiewende sind die halbgaren Biobraten ein Problem. Vor allem im Wärmemarkt. Was im Mainstream noch nicht angekommen ist: 80 Prozent des privaten Energieverbrauchs fallen bei der Wärmenutzung an. Und die wird zu einem Großteil durch Gas gedeckt, bei dem es sich in 98,5 Prozent der Fälle um schmutziges, fossiles Erdgas handelt. Ehrlich gesagt, hat die Energiewende hier noch nicht mal angefangen. Die wenigen Öko- oder Biogastarife, die es gibt, nutzen einen ungeschützten Begriff: entweder handelt es sich um fossile Beimischprodukte mit einem Biogasanteil in Höhe von fünf bis 20 Prozent oder um herkömmliches Erdgas, das man sich über CO2-Zertifikate erst klimaneutral schönhandeln muss. Wie soll man damit umgehen? Ist ein bisschen Nachhaltigkeit besser als gar nichts? Oder lieber gescheit – was im Moment sowieso noch rar ist? Schließlich gibt es in Deutschland bislang nur sehr wenige Energieversorger, die wirklich nachhaltig erzeugtes Ökogas überhaupt anbieten. 

Oder lieber echte Nachhaltigkeit?

Manche haben ein schönes Bücherregal, um die Gäste zu beeindrucken, andere, um die Bücher tatsächlich zu lesen. Bei ökologischer oder sozialer Verantwortung ist das ähnlich. Will ich das machen, was andere minimal von mir erwarten? Oder mache ich das, weil ich es will? Es ist ein gutes Zeichen, dass mittlerweile viele Gründungen letzteren Aspekt in ihre Philosophie integrieren, ohne dass eigentlich jemand danach gefragt hätte. 

Die Extra-Meile Nachhaltigkeit

Zum Beispiel Coffee Circle aus Berlin. Die haben von Anfang an auf das Fair Trade-Siegel verzichtet, nicht weil sie es prinzipiell für schlecht hielten, sondern weil sie eben ihren eigenen Standard setzen wollten: statt eine Gebühr an eine dritte Organisation zu bezahlen, unterstützten die Berliner Kaffeebauern in Äthiopien lieber direkt – und investieren mit jedem Kilo Kaffee einen Euro in konkrete Projekte, zum Beispiel für die Trinkwasser- und Gesundheitsversorgung oder für Bildung. Im Schnitt bleibt dabei drei mal so viel bei den Menschen hängen, wie bei anderen Fair Trade-Ansätzen. 

Öko-, Bio- oder fair gehandelte Produkte stehen immer dann in der Kritik, wenn sie den Menschen vorgaukeln, sie hätten eine Macht, die sie tatsächlich nicht haben. Haben sie aber. Denn die Nachfrage bestimmt, wie Produkte hergestellt werden sollen. Wie man einkauft, hat woanders einen Effekt. Ob dieser Effekt positiv oder negativ sein soll, liegt an uns. Und wie positiv oder wie negativ dieser Effekt sein soll, auch.  Eigentlich eine rhetorische Frage, oder? 

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