Das Coronavirus hält uns aktuell sehr direkt vor Augen, was eine globale Pandemie bedeutet. Sie zeigt, wie fragil unsere Gesundheit ist, und dass neue gesundheitliche Gefahren drohen, die wir verstärkt im Blick haben müssen – so auch den Klimawandel. Steigende Temperaturen, die Ausbreitung von Erregern und Wetterextreme, das alles sind Folgen des Klimawandels. Und sie nehmen zu. Was das für unsere Gesundheit bedeutet und wie du dem entgegenwirken kannst, liest du hier.

von Tabatha

 

Höhere Temperaturen und Hitzewellen steigern die Sterblichkeit.

Hitzewellen und Temperaturen über 30 Grad nehmen durch den Klimawandel zu. Das gefährdet besonders Säuglinge, Kleinkinder und ältere Menschen, deren Kreislauf von der Hitze überfordert ist. Mögliche Folgen: Dehydrierung, Hitzeschlag, Herzinfarkt und akutes Nierenversagen. Die Hitzewelle im Jahr 2003 zeigt das deutlich: Laut einer Studie des Umweltbundesamtes starben in diesem Jahr etwa 7.500 Menschen mehr, als ohne Hitzewelle zu erwarten gewesen wäre. Besonders Altersgruppen ab 75 Jahren waren betroffen.

 

 

Hitzebedingte Todesfälle (Umweltbundesamt)
Hitzebedingte Todesfälle zwischen 2001 und 2015: Der Rekordsommer 2003 forderte besonders viele Opfer; Quelle: Umweltbundesamt.

 

Im wissenschaftlichen Bericht „The Lancet Countdown“ (2019) von 120 Experten und Wissenschaftlern wird der Zusammenhang von Klima und Gesundheit untersucht. Er bestätigt, dass im Jahr 2018 ein neuer Rekord an Hitzewellen erreicht wurde: 220 Millionen solcher „heatwave exposure events“ wurden gezählt. Das sind 11 Millionen mehr als im Jahr 2015, dem bisherigen Rekordjahr. Die Forscher des „Lancet Countdown“ warnen vor gesundheitlichen Folgen wie Hitzeschlägen – insbesondere, wenn die Erderwärmung nicht auf unter 2 Grad Celsius begrenzt werden kann.

Besonders chronisch kranke Menschen (z. B. mit Herzkrankheiten) bekommen die Auswirkungen extremer Hitze zu spüren. Bei Patienten mit hohem Blutdruck müsste beispielsweise die Dosierung blutdrucksenkender Medikamente angepasst werden und auch die Wundheilung wird durch hohe Temperaturen beeinflusst: nach einer OP kommt es so vermehrt zu Infektionen. Jürgen Floege, Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin, erklärt:

 

"Es ist mehr als nötig, dass sich die Politik und Ärzte damit auseinandersetzen. In vielen Fachdisziplinen ist das Thema noch nicht auf der Agenda"

 

Aus diesem Grund wurde auch die Deutsche Allianz Klimawandel und Gesundheit (KLUG) gegründet, ein Bündnis aus Einzelpersonen und Organisationen des Gesundheitsbereiches. Sie sehen den Klimawandel als globale Gefahr für die Gesundheit der Menschen. Das Ziel hinter dem Motto „Health for Future“: Die Anerkennung der Klimakrise als medizinscher Notfall und die Transformation hin zu einer klimaneutralen Gesellschaft.

 

Steigende Belastung durch Allergien und Atemwegserkrankungen.

Auch Allergiker haben durch den Klimawandel mehr gesundheitliche Probleme: Durch Hitze und Trockenheit ist die Pollenlast höher und intensiver als sonst. Denn Pflanzen blühen früher, was die Pollenflugsaison (tagesaktuelle Infos des Deutschen Wetterdienstes dazu findest du hier) verlängert. Gleichzeitig werden auch mehr Pollen freigesetzt. Es gibt sogar Pflanzen, wie die Ambrosie, die sich durch veränderte Klimabedingungen weiter ausbreiten. Das Problem bei ihr ist: Weil sie nur durch Samenbildung überleben kann, produzieren die Blüten bis zu einer Milliarde Pollen pro Pflanze! Dabei ist das allergene Potential der Ambrosiapollen um ein Vielfaches höher als etwa das von Gräserpollen.

 

 

So verbreitet sich die Ambrosie
So könnte sich die “ambrosia artemisiifolia” in Zukunft entwickeln; Quelle: WELT + Senckenberg Biodiversität und Klima Forschungszentrum (SBiK-F)

 

>>> Eine Übersicht darüber, welche Pollen in welchem Monat fliegen, findest du beim Deutschen Allergie- und Asthmabund (DAAB).

Zunehmende Luftschadstoffe verursachen ferner bei vielen Pflanzen eine Veränderung des Proteinspektrums, was zur Freisetzung von Allergenen – auch ohne Pollen – führt. Zudem können Schadstoffe auf den Pollenfragmenten ihren allergenen Effekt erhöhen. Der Allergieinformationsdienst schreibt dazu:

“Insgesamt weisen Daten einer Reihe von Studien darauf hin, dass es einen Zusammenhang zwischen dem Klimawandel und einer weltweit beobachteten Zunahme von allergischen Atemwegserkrankungen gibt. Ein weiterer Anstieg sowie ein zunehmender Schweregrad der Erkrankungen ist zu erwarten.”

 

Die Pollenflugsaison wird vom Klimawandel beeinflusst
Länger und intensiver: Die Pollenflugsaison wird vom Klimawandel beeinflusst. Keine gute Nachricht für Allergiker.

 

Doch auch für Menschen ohne Allergie ist die Luftverschmutzung eine Gefahr. Sie führt laut den Wissenschaftlern hinter „The Lancet Countdown“ zu Atemwegserkrankungen wie Asthma, Pneumonie und Lungenversagen. In 83 % aller Städte ist die Luftverschmutzung höher als von der World Health Organisation (WHO) empfohlen. Allein im Jahr 2016 wurden laut „The Lancet Countdown“ weltweit 2,9 Millionen Todesfälle auf die Luftverschmutzung zurückgeführt.

 

Infektionskrankheiten breiten sich durch den Klimawandel schneller aus.

Infektionskrankheiten gehörten zu den häufigsten Todesursachen weltweit. Durch den Klimawandel werden besonders vektorübertragene* Krankheiten beeinflusst. Ein gutes Beispiel dafür sind Zecken: Durch höhere Temperaturen und ein besseres Nahrungsangebot im Winter erhöht sich die Überlebensrate von Wildtieren – und damit auch von Zecken. Diese können Krankheiten wie die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) und die Lyme-Borreliose übertragen.

Der Klimawandel bedeutet auch, dass Krankheiten, die bisher vor allem in der Subsahara-Region auftraten, vermehrt in Europa vorkommen können. Die Verbreitung bestimmter Stechmückenarten kann dazu beitragen, dass sich in Deutschland Infektionskrankheiten ausbreiten, die es hier bisher kaum gab. Dazu gibt es eine Studie des Umweltbundesamtes, die zeigt, dass die Asiatische Tigermücke, die etwa Erreger für Denguefieber, Gelbfieber und das West-Nil-Virus überträgt, nach Deutschland eingeschleppt wurde. Laut dem Robert Koch-Institut gab es 2019 den ersten durch Stechmücken übertragenen Fall einer West-Nil-Virus-Infektion in Deutschland. Auch der Japanische Buschmoskito kommt immer häufiger und in immer mehr Bundesländern vor. Natürlich spielt bei der Einschleppung solcher Mückenarten auch die Mobilität der Menschen eine wichtige Rolle. So wurde in der Studie des Umweltbundesamtes gezeigt, dass vor allem Autobahnen mit Reiseverkehr aus Italien und Frankreich als „Einfallspforte für invasive Stechmücken“ dienen. Jedoch sorgen erst die veränderten klimatischen Bedingungen dafür, dass solche Mückenarten sich hier festsetzen und vermehren können.

Auch schädlichen Bakterien kommen hohen Temperaturen zugute. Dazu zählen beispielsweise Cyano- und Vibrio-Bakterien, die beim Baden in Seen oder der Ostsee zum Problem werden können. Beispielsweise verursachen Vibrionen Wundinfektionen und Magen-Darm-Infektionen. Ein erhöhtes Risiko durch solche Bakterien bestätigt das Robert Koch-Institut:

„Bei steigenden Wassertemperaturen im Rahmen des Klimawandels ist in den deutschen Küstengewässern (aber zum Teil auch in Binnenseen) mit dem verstärkten Nachweis von Nicht-Cholera-Vibrionen im strandnahen Bereich und mit einer Zunahme der Erkrankungsfälle zu rechnen“

 

Wetterextreme und Katastrophen nehmen zu.

Die Gefahr durch extreme Wetterereignisse und Katastrophen, wie Brände, Fluten und Stürme nimmt zu. Der zentrale Auslöser dafür ist der sogenannte Jetstream: ein starkes Windband, das unser Wetter prägt.

 

 

Der Jetstream beeinflusst unser Klima
Der Jetstream ist ein maßgeblicher Klimafaktor; Quelle: NASA, GODDARD SPACE FLIGHT CENTER

 

Der Jetstream verändert sich aufgrund des Klimawandels: Die Winde, die normalerweise mit Geschwindigkeiten von mehreren hundert Kilometern pro Stunde wehen, verlangsamen sich. Sie haben Forschern zufolge seit 1990 um über 10 % abgenommen. Gleichzeitig schlagen sie weiter in Richtung Norden und Süden aus. Der Grund: Die Erwärmung der Arktis durch den Klimawandel. Diese Veränderungen des Jetstreams sorgen für extreme Wetterereignisse, wie etwa Kaltlufteinbrüche (beispielsweise im Januar 2019 in Nordamerika), Hitzewellen und Trockenheit. Cristina Archer, Wissenschaftlerin an der University of Delaware erwartet auch zunehmende Stürme:

“Jetstream-Winde unterbinden oder behindern normalerweise die Geburt von Hurrikanen. Wenn sich der Strahlstrom also von den Subtropen entfernt, in denen die Stürme entstehen, so werden diese vielleicht häufiger und stärker.”

 

Eine Zunahme solcher Extremwettererscheinungen wirkt sich auch auf unsere Gesundheit aus. Stürme und Überschwemmungen können zu Infektionen, Verletzungen und sogar Todesfällen führen. Auch psychische Auswirkungen, wie Stress, Traumata und Angstzustände steigen durch solche Katastrophen. Das Umweltbundesamt schreibt:

„Es wird auch erwartet, dass sich Stürme und Orkane sowie Hochwasser und Überschwemmungen auf die Gesundheit auswirken werden, sei es durch direkte Schädigung oder durch psychische Belastungen.“

 

Veränderte Umweltbedingungen beeinflussen auch die Trinkwasserversorgung und seine Qualität. Genauso wird das Angebot an Lebensmitteln durch den Klimawandel beeinträchtigt, wenn sich die Bedingungen für Anbau und Ernte verschlechtern, was in einigen Regionen zu Unterernährung führen kann.

 

Dein Beitrag zum Klimaschutz ist ein Beitrag für deine Gesundheit.

Fakt ist, Forscher warnen immer dringlicher vor den Auswirkungen des Klimawandels auf unsere Gesundheit. Die World Health Organisation (WHO) erwartet in den kommenden drei Jahrzehnten etwa 250.000 Todesfälle durch klimabedingte Veränderungen:

“Between 2030 and 2050, climate change is expected to cause approximately 250 000 additional deaths per year, from malnutrition, malaria, diarrhoea and heat stress alone. The direct damage costs to health is estimated to be between USD 2-4 billion per year by 2030.”

 

Deshalb unterstützt die WHO Entwicklungsländer, in denen das Gesundheitssystem besonders schwach ist, sich für den Klimawandel zu rüsten. Hierzulande werden ebenfalls Maßnahmen ergriffen: Der Deutsche Wetterdienst hat inzwischen ein Hitzewarnsystem eingerichtet, um möglichst früh vor hohen Temperaturen zu warnen. Auch du selbst kannst helfen: Indem du deinen CO2-Fußabdruck senkst, trägst du aktiv zum Klimaschutz und damit zum Schutz der Gesundheit bei.

>>> Tipps: So senkst du deinen CO2-Fußabdruck.

Eine einfache Maßnahme mit großer Wirkung für den Klimaschutz ist der Wechsel zu Ökoenergie. Denn indem du Energie aus 100 % regenerativen Quellen beziehst, vermeidest du eine Menge Treibhausgase. Wir bei Polarstern investieren zusätzlich in die weltweite Energiewende. Und als Social Business setzen wir uns für mehr Gemeinwohl und Verantwortungsbewusstsein in der Wirtschaft ein.

>>> Mehr über Wirklich Ökostrom von Polarstern.

Übrigens: Oft wird unterschätzt, wie sehr der bewusste Umgang mit Ressourcen das Klima schont. Dazu gehören das Reparieren und Recyceln von Geräten, der bewusste Konsum und die Unterstützung nachhaltiger Unternehmen. Letztlich hängt alles zusammen und indem wir unseren Planeten krank machen, machen wir am Ende uns selbst krank.

 

*Ein Vektor ist ein lebender Organismus, der Krankheitserreger vom Tier auf den Menschen übertragen kann.

 

 

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