Zero Waste

„Nur noch kurz die Welt retten“ – diese Lyrics sind mehr als ein Ohrwurm. Der Song von Tim Bendzko aus dem Jahr 2011 spiegelt den Zeitgeist wider – und birgt eine entlarvende Botschaft. Denn die Welt könnten wir eigentlich mindestens zehnmal pro Tag retten. Echt jetzt. Wir als Konsument:innen treffen zig Mal am Tag eine Entscheidung – und haben dabei viel Macht. Egal ob im Supermarkt, beim Online-Shopping oder bei der Wahl des Verkehrsmittels, um von A nach B zu kommen. Wir sagen dir, wie deine Macht wirkt.

von Ludwig

Das Blöde vorweg: Wir finden leider zu oft eine Ausrede, warum’s gerade jetzt nicht klappt, mit dem Welt retten. Das kennt auch der Sänger und Songschreiber Tim Bendzko. Hinter seinem bekannten Songtext „Nur noch kurz die Welt retten“ steckt nämlich eine Ausrede des Freundes von Bendzkos Mutter, um sich vor wichtigen Aufgaben zu drücken. Es geht laut Bendzko also nicht darum, die Welt zu retten, sondern nur vorzugeben, etwas ganz Wichtiges zu tun, um eigentlich Freizeit zu haben. Klingt das ein wenig vertraut?

Kein Stress, du kannst das im Alltag ganz einfach besser machen: Jedes Mal, wenn du in der globalisierten Welt der Waren und Konsumgüter etwas kaufst, triffst du eine Entscheidung. Eine Entscheidung für oder gegen bestimmte Werte wie faire Arbeitsbedingungen und Löhne, artgerechte Tier- oder Massentierhaltung oder eine nachhaltige und ressourcenschonende Produktion. Klar fällt es schwer, alles zu überblicken – wenn das überhaupt geht. Aber viel häufiger als du denkst, reicht der gesunde Menschenverstand und sich einfach der Aufgabe zu stellen. Eben keine Ausrede zu finden, sondern wirklich „die Welt zu retten“.

Macht wirkt: Sei Weltretter:in im Alltag.

Wir brauchen dich. Wirklich. Es gibt so viele gute Beispiele, die zeigen, dass mit der Macht der Konsument:innen Großartiges verändert werden kann.

Dank unserer Konsumentenmacht gibt’s heute mehr Bioprodukte, mehr grüne Geldanlagen, vegane Burger und zahlreiche Carsharing-Angebote.

Schau dir folgende Beispiele an und entfache deine Kräfte – für eine lebenswerte Zukunft.

Karotten
Bio-Lebensmittel werden immer beliebter.

Boom der Bio-Märkte und Bio-Produkte.

Dass es heute zahlreiche Bio-Supermärkte und Bioläden gibt, ist auch dem Einfluss von uns Konsument:innen zu verdanken. In Deutschland gilt der 1971 in Berlin eröffnete Bioladen „Peace Food“ als erster deutscher Biomarkt. Über die Jahrzehnte hinweg eröffneten und gründeten sich immer mehr Biomarkt-Ketten.

Laut Ökobarometer 2019 gab jede:r zweite Befragte in Deutschland an, regelmäßig Bioprodukte zu kaufen. 2020 investierten die Deutschen im Corona-Jahr laut Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW) 22% mehr in Bio-Lebensmittel als noch 2019. "Aus Gelegenheits- sind Gewohnheitskäufer geworden und auch insgesamt greifen immer mehr Verbraucher zu Bio-Produkten", sagt Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner. Mit der starken Nachfrage durch die Konsument:innen hat sich auch das Angebot erhöht. Bio-Produkte gibt es nicht mehr nur in hochpreisigen Ökohöfen und Lebensmittelmärkten, sondern auch bei Discountern wie Aldi und Lidl. Bio ist Mainstream – und das ist gut, wie wir finden.

Die wichtigsten Gründe für den Kauf von Biolebensmitteln sind artgerechte Tierhaltung und die Regionalität der Produkte, wie aus der Studie hervorgeht.

Aber nicht nur wir Verbraucher:innen können Macht ausüben – auch die Landwirte können die Lebensmittelkonzerne zu einem Umdenken bewegen. Wie? Indem sie sich für biologische statt konventionelle Landwirtschaft entscheiden. Laut dem Spitzenverband BÖLW wurden 2020 5,3% mehr Flächen ökologisch bewirtschaftet als im Jahr zuvor. Fachleute sprechen von einem "historischen Bio-Plus". Gemeinsam bewegen wir also eine ganze Menge.

Öko-Landwirtschaft: Große regionale Unterschiede.

Der ökologische Landbau ist in den Bundesländern unterschiedlich ausgeprägt. Bei der sogenannten Bodennutzungshaupterhebung 2020 hat das Statistische Bundesamt hohe Flächenanteile für den Ökolandbau im Saarland (18,0 %), in Hessen (14,9 %), Brandenburg (13,2 %) und in Baden-Württemberg (12,3 %) ermittelt. In Niedersachsen (4,7 %), Nordrhein-Westfalen (5,7 %) und Thüringen (6,5 %) wurden deutlich weniger Flächen ökologisch bewirtschaftet. Immerhin: Die ökologisch bewirtschafteten Flächen haben in den vergangenen fünf Jahren stetig zugenommen.

Weniger Verpackungen, weniger blödes Plastik.

Die Unverpackt-Läden sind ein sehr schönes Beispiel, wie aus einer Graswurzelbewegung ein gesellschaftlich verbreitetes Phänomen wird. Die Macht der Konsument:innen, die sich dem „Zero Waste“-Prinzip verpflichtet fühlen, hat eine ganz neue Form der Lebensmittelmärkte entstehen lassen.

Bis vor wenigen Jahren waren diese Supermärkte, in denen du verpackungsfrei einkaufen kannst, noch kaum verbreitet. Inzwischen existieren aber zumindest in den Großstädten schon eine ganze Reihe dieser Geschäfte und es ploppen immer mehr auf der Landkarte auf.

In Deutschland gibt es bereits sehr viele solcher Läden. Gregor Witt, Vorsitzender des Unverpackt e.V. sagt zu der Entwicklung: „Trotz Corona haben im letzten Jahr 70 Unverpackt-Läden eröffnet. Das Konzept des Unverpackt-Ladens wird mittlerweile von großen Teilen der Gesellschaft angenommen.“ Im Berufsverband Unverpackt sind aktuell rund 380 Unverpackt-Läden gelistet (Stand: November 2021). 312 weitere Shops sind demnach bereits in Planung. Eine ausführliche Liste an Unverpackt-Läden hat übrigens das „Enorm“-Magazin erstellt. Guck mal vorbei.

Zero Waste bedeutet nicht nur, ohne Verpackungsmüll einzukaufen, sondern auch bewusst zu kaufen. Also nur Dinge zu kaufen, die du wirklich brauchst oder kaputte Gegenstände zu reparieren. Dass diese Macht wie beschrieben zu einer neuartigen Form von Supermärkten geführt hat und sogar die großen Konzerne zum Umdenken bewegt, zeigt der Trend hin zu weniger Verpackung. Bei Netto, Edeka, Aldi und anderen großen Supermärkten gibt es seit einiger Zeit zum Beispiel Joghurt ohne Plastikdeckel. Entweder verzichten die Hersteller ganz auf den Plastikdeckel oder Konsument:innen können Mehrfach-Deckel für Joghurt vor Ort im Supermarkt kaufen.

Ebenfalls ein gutes Beispiel, wie du mit deiner Macht etwas verändern kannst: Nimm zum Essen holen in der Mittagspause deine eigene Box mit.

Sharing-Angebote boomen.

Sharing is caring. Und Sharing ist heute quasi überall angesagt. Ob bei Mobilität, Lebensmitteln, Kleidung, Werkzeug oder beim Reisen. Car-Sharing-Dienste und zahlreiche Sharing-Anbieter für Räder und E-Scooter sind nur einige Beispiele. Airbnb hat das Sharing im Tourismus etabliert. Mit Urban Gardening können sich Menschen öffentliche Anbauflächen für Obst und Gemüse teilen, die selbst keinen Garten oder Balkon haben. Mit Kleiderkreisel kann man Mode tauschen und teilen. Und über Plattformen wie nebenan.de oder pumpipumpe.ch können sich Nachbar:innen gegenseitig helfen und zum Beispiel Alltagsgegenstände, Werkzeuge und Arbeitsgeräte ausleihen.

Die Sharing Economy wächst weltweit – auch als Folge unseres Konsumverhaltens. Das Umfrageinstitut YouGov kommt in einer Studie zu dem Ergebnis, dass immerhin 36 Prozent der Deutschen den Begriff Sharing Economy kennen und ein Fünftel mindestens einmal ein Sharing-Angebot genutzt hat. Weil die Konsument:innen die Dienste und Produkte annehmen und im Teilen auch einen (finanziellen) Vorteil für sich haben, boomt die Sharing Economy in vielen Branchen. Du siehst, deine Macht wirkt auch hier.

Sharing is caring. Empfiehl unseren Ökostrom weiter.

Nachhaltige Geldanlage: der Impact gewinnt an Bedeutung.

Was eine Bank mit dem Geld ihrer Kund:innen macht, ist für viele Menschen immer wichtiger. Zum Glück. Das unterstreicht eine Studie der Nachhaltigkeits-Bank Triodos: Die Unzufriedenheit mit dem Ansehen ihrer Bank ist bei 16 % der Wechselwilligen ein Grund, die Bank zu wechseln. Sie wollen, dass ihre Bank mit dem anvertrauten Geld verantwortungsvoll umgeht – und damit nicht auf Lebensmittel oder andere Waren spekuliert und fragwürdige Branchen finanziert. Häufige Wechselgründe für Bankkund:innen sind laut Studie beispielsweise, wenn die Bank Hilfe zur Steuervermeidung leistet, spekulative Geschäfte mit Lebensmitteln macht oder Rüstungsunternehmen und Atomkraft finanziert.

Auch aus einem anderen Grund kehren Kund:innen ihrer Bank den Rücken. Die Zeiten, in denen es dicke Zinsen auf das ersparte Bankguthaben gab, sind vorbei. Angesagt sind grüne Investments etwa in nachhaltige ETFs. Im Juni 2021 lag das gesamte in nachhaltige Fonds investierte Kapital der Deutschen bei 361 Milliarden Euro; im Juni 2020 waren es noch 120 Milliarden Euro.

Mit nachhaltigen Geldanalgen tust du nicht nur etwas für dein Geld, sondern auch was für die Veränderung der Wirtschaft. Du stärkst mit deinem Investment grüne Unternehmen und deren Geschäftsmodelle. Dass es explizit grüne und nachhaltige Fonds gibt, zeigt, dass die verstärkte Kundennachfrage zu diesen Finanzprodukten überhaupt erst beigetragen hat.

So legst du dein Geld nachhaltig an.

Ökostrom hat fast jeder Versorger.

Und noch ein Beleg für deine Macht. Schau dir die Zahl der Energieversorger an, die heute Ökostromtarife anbieten. Die ist in den vergangenen Jahren rasant gestiegen. Inzwischen hat so gut wie jedes Energieunternehmen nachhaltige Stromtarife. Auch das ist ein guter Beweis dafür, dass wir Konsument:innen auch die großen Unternehmen zum Umdenken bewegen.

Aber Vorsicht: Im selben Atemzug musst du wissen, dass es bei der Vielzahl an Ökostromtarifen erhebliche Unterschiede hinsichtlich der Qualität gibt. Private Stromkunden haben die Wahl zwischen mehr als 1.100 Stromanbietern und vielen hundert Ökostromtarifen.

Augen auf bei der Wahl des Ökostroms!

Aber nur ein Bruchteil dieser Ökostromtarife unterstützt die Energiewende. Echt jetzt! Das hat sogar ÖkoTest nochmal untersucht und ganze 70 % der untersuchten Tarife fallen im Test durch. Wenn du echten Ökostrom suchst, informiere dich, woher der Ökostrom kommt und ob der Ausbau erneuerbarer Energien gefördert wird. Das Grüner Strom-Label, das auch Polarstern-Ökostrom auszeichnet, sowie das ok-power-Label garantieren dir, dass durch den Ökostrombezug Neuanlagen gefördert werden. Achte auch auf die Geschäftspolitik des Ökostromanbieters: Setzt sich das Unternehmen für den Ausbau der erneuerbaren Energien ein? Mit der Wahl eines Ökostromtarifs kann man somit ein wichtiges politisches Signal zugunsten der erneuerbaren Energien senden.

Letzter Tipp, der immer gilt: Schau hinter die Fassade.

Fall bei deinen Bemühungen nicht auf Greenwashing rein. Dass in immer mehr Märkten der grüne, faire, vegane Trend greift, ist super. Nur mischen sich dann gerne Anbieter darunter, denen es weniger um die Werte geht, sondern rein ums Geld geht. Die würden provokativ gesagt, auch auf den entgegengesetzten Zug aufspringen, wenn der lukrativer ist.

Also schau dir Unternehmen an, von wem du etwas kaufst. Ehrlich nachhaltige Firmen und Konzerne erkennst du daran, dass sie das Thema ganzheitlich anpacken. Ein glaubwürdiger Wegweiser, um sozial und ökologisch nachhaltige Unternehmen zu finden, ist die Gemeinwohl-Zertifizierung der Gemeinwohl-Ökonomie oder auch die B Corp Auszeichnung. Beide Standards bewerten bei Unternehmen deren Gesamt-Performance in Sachen Nachhaltigkeit, also nicht nur einzelne Produkte. Wenn du Produkte von einem Gemeinwohl-Unternehmen kaufst, tust du nicht nur etwas Gutes, sondern stärkst damit auch das soziale Wirtschaften. Du bewirkst also etwas!

Wir von Polarstern sind nicht nur durch die Gemeinwohl-Ökonomie zertifiziert, sondern haben auch eine Social Business Landkarte erstellt, mit der du nachhaltige Unternehmen in ganz Deutschland findest. Schau doch mal rein und nutze deine Macht.

Finde coole Unternehmen mit der Social Business Landkarte.

Die Beispiele zeigen es: Du als Bürger:in entscheidest, ob Geschäftsmodelle funktionieren oder nicht, ob sie weiter bestehen oder sogar aussterben. Es sind ermutigende Zeichen, dass immer mehr Firmen eine Bio-Sparte oder -Serie einführen, Finanzanlagen ökologische und soziale Kriterien berücksichtigen und Unternehmen stärker Rohstoffe aus fairem Handel verarbeiten. Das alles sind auch Folgen einer neuen Konsumentenmacht und letztlich der Macht von dir. Nutze sie!

May the force be with you!

Mehr Artikel zu den Themen

Ökostrom ist viel günstiger als du denkst!

Wirklich besserer Strom ist keine Rolex. Und sogar meist günstiger als die Grundversorgung.

Weiterempfehlen vervielfacht deine Wirkung!

Und wir bedanken uns mit 20 Euro. Schnapp dir jemanden, der auch zu wirklich besserer Energie wechseln möchte – und ihr bekommt beide 20 Euro auf eure nächste Stromrechnung gutgeschrieben. Gemeinsam verändern wir mehr!

Polarstern weiterempfehlen