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Wenn die Sonne im Sommer vom Himmel knallt, kann es schnell passieren, dass deine PV-Anlage deutlich mehr Strom erzeugt, als du im Haushalt benötigst. Dann schlägt die Stunde des Überschussladens. Beim PV-Überschussladen wird Solarstrom, der sonst ins Netz eingespeist würde, zum Laden des E-Autos verwendet. Wir erklären Vor- und Nachteile des Überschussladens, wie sich verschiedene Arten des PV-Überschussladens unterscheiden und was du an Ausstattung und Hardware dafür brauchst.

Rechnet sich PV-Überschussladen mit der Wallbox zuhause?

Wenn du dein Elektroauto mit Solarstrom vom eigenen Hausdach lädst, schonst du nicht nur das Klima und machst dich weniger abhängig vom öffentlichen Stromnetz, du sparst auch bei jeder Fahrt bares Geld. Und das nicht nur im Vergleich zu Autos mit Verbrenner-Motoren, sondern auch im Vergleich zu E-Autos, die mit zugekauftem Ladestrom aus dem Netz arbeiten.

Hier eine Beispielrechnung: Während du bei einer Ladung mit Netzstrom mit einem VW e-Golf (Stromverbrauch 15,8 kWh/100 km) im Schnitt 5,68 Euro für eine Fahrt Strecke von 100 Kilometern bezahlst, kostet dieselbe Menge Solarstrom – abhängig von Standort und Anlagengröße – deutlich weniger. Laut einer Studie des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme ISE beträgt der Durchschnittspreis dieser „Gestehungskosten“ nur rund 1,70 Euro.

Im Idealfall kannst du durch solares Überschussladen mehr als 70 % deiner Fahrtkosten sparen. Vorausgesetzt, du lädst dein E-Auto vollständig mit Solarstrom vom eigenen Dach auf (was in der Praxis eher nicht der Fall sein wird).

Wie funktioniert PV-Überschussladen mit Elektroauto?

Das Prinzip besteht aus Messen, Entscheiden und Regeln. Zuerst wird am Hausanschluss oder im Energiemanagement erfasst, wie viel PV-Leistung aktuell erzeugt wird und wie viel davon bereits im Haus gebraucht wird. Aus dieser Differenz ergibt sich der Überschuss. Diesen Überschuss meldet entweder ein externer Energiezähler direkt an die Wallbox oder ein Home Energy Management System (HEMS) übernimmt die Berechnung und Steuerung. Die Wallbox startet dann den Ladevorgang, pausiert ihn oder passt den Ladestrom laufend an. Wichtig ist, dass du für PV-Überschussladen eine spezielle Wallbox brauchst, die die Funktion integriert hat. Dazu gleich mehr.

Technisch wichtig ist dabei die Mindestladeleistung. Beim AC-Laden lässt sich die Ladeleistung typischerweise in 1-Ampere-Schritten regeln. Dadurch sind in der Praxis ungefähr 1,38 bis 1,4 kW bei einphasigem Laden möglich; bei rein dreiphasigem Laden liegt die Schwelle eher bei rund 4,1 bis 4,2 kW. Genau deshalb ist PV-Überschussladen ohne intelligente Regelung oft unbefriedigend: kleinere Solarüberschüsse reichen dann schlicht nicht aus, um die Ladung für dein E-Auto auf stabilem Niveau zu starten und zu halten.

Manuell, automatisch, dynamisch: Die Arten von Überschussladen werden unterschieden.

1. Manuelles Überschussladen.

Überschussladen geht auch manuell, aber dazu muss man die Stromerzeugung selbst immer im Blick haben und zuhause sein. Sobald du etwa in deiner App feststellst, dass es einen PV-Überschuss gibt, startest du den Ladevorgang. Deswegen ist die manuelle Variante wenig komfortabel.

Nachteil des manuellen Überschussladens ist, dass es viel Aufmerksamkeit erfordert. Das manuelle Steuern der Wallbox kann recht zeitintensiv sein. Vorteil des manuellen Überschussladens ist, dass es im Grunde mit jeder Wallbox realisierbar ist, technisch also kaum besondere Voraussetzungen notwendig sind. Damit der überschüssige Solarstrom bestmöglich genutzt werden kann, sollte deine Wallbox auch 1-phasig laden können, sprich mit einer möglichst geringen Leistung, beispielsweise ab 1,4 Kilowatt.

2. Automatisches Überschussladen.

Beim automatisierten Überschussladen startet die Wallbox erst, wenn ein definierter Mindestwert für den PV-Überschuss erreicht ist, und stoppt wieder, wenn dieser Wert unterschritten wird. Das ist die einfachste Form und funktioniert oft schon mit Wallbox und externem Zähler.

Vorteil des automatischen Überschussladens ist der geringe technische Aufwand. Der Nachteil: Bei wechselnder Bewölkung oder kleineren Überschüssen wird oft gar nicht oder nur sehr unruhig geladen.

3. Dynamisches Überschussladen mit stufenloser Leistungsregelung.

Hier wird der Ladestrom laufend dynamisch an den aktuellen PV-Überschuss angepasst. Die Wallbox lädt also nicht nur „an“ oder „aus“, sondern beispielsweise mit 6 A, 7 A, 8 A und so weiter. Der wirtschaftliche Vorteil ist eine deutlich bessere Nutzung schwankender Solarleistung und weniger unnötiger Netzbezug. Diese Variante ist für die meisten Einfamilienhäuser der beste Standard.

Dynamisches Überschussladen kurz erklärt.

Beim dynamischen Überschussladen kommunizieren die Wallbox und ein Energiemanagementsystem oder Smart Meter kontinuierlich miteinander. Du brauchst also bspw. einen Smart Meter. Sobald ein PV-Überschuss entsteht, wird dieser automatisch von der Ladestation genutzt, ohne dass du einschreiten musst. Die Ladeleistung ändert sich dabei dynamisch: Die Kilowattzahl, mit der die Wallbox Strom abgibt, kann exakt auf den verfügbaren Energieüberschuss der PV-Anlage abgestimmt werden. Am sinnvollsten ist es dabei, einen dynamischen Stromtarif zu nutzen.

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4. Dynamisches Überschussladen mit automatischer 1-/3-Phasen-Umschaltung.

Das ist die technisch stärkste Form des PV-Überschussladens. Sie kombiniert die dynamische Stromregelung mit automatischem Phasenwechsel. Der große Vorteil: Schon kleine Überschüsse können einphasig genutzt werden, während bei hoher PV-Leistung automatisch dreiphasig geladen wird. Damit steigt die nutzbare Solarenergie im Fahrzeug spürbar. Gerade an Tagen mit wechselnder Einstrahlung ist das ein Effizienzgewinn. Ein Smart Meter ist hierfür zwingend erforderlich.

Welche Hardware brauche ich? Nachrüsten ist möglich.

Nicht jede Wallbox unterstützt PV-Überschussladen. Für echten Komfort ist eine intelligente Wallbox erforderlich, die automatisch reagiert und sich an den vorhandenen Überschuss anpassen kann. Im Kern brauchst du vier Bausteine, damit du überschüssigen Solarstrom clever nutzen kannst: eine PV-Anlage, ein Elektroauto, eine intelligente Wallbox und eine Mess- bzw. Steuereinheit für die Energieflüsse. Wichtig: Die Wallbox muss PV- oder solaroptimiertes Laden unterstützen, es eignen sich also nicht alle Wallboxen dafür.

Für gutes Überschussladen sollte eine Wallbox die Ladeleistung dynamisch regeln können; für sehr gute Ergebnisse zusätzlich automatisch zwischen 1 und 3 Phasen umschalten können. Ebenso wichtig ist die Messung am Hausanschluss. Dafür kommt meist ein bidirektionaler Energiezähler oder Smart Meter zum Einsatz, der erkennt, ob gerade Strom eingespeist oder aus dem Netz bezogen wird. Je nach System wird direkt messend oder indirekt über Stromsensoren beziehungsweise CT-Klemmen gearbeitet. Manche Wallboxen lesen diesen Zähler direkt aus, andere werden über ein HEMS geführt. Ein HEMS oder Energiemanager ist nicht in jedem Aufbau zwingend, aber oft sehr sinnvoll.

Tipp: Hast du bereits eine Wallbox fürs E-Auto zuhause, kannst du sie zum Überschussladen auch nachrüsten. Das geht mit ein paar Komponenten quasi im Handumdrehen.

Mehr über Smart Meter

Deine Hardware-Checkliste sieht so aus:

  • Solaranlage
  • intelligente Wallbox mit PV-Überschuss-Funktion
  • Smart Meter
  • Energiezähler am Netzanschlusspunkt
  • optional ein Heim-Energiemanagementsystem (HEMS)
  • optional ein Batteriespeicher

Bei der Wallbox solltest du besonders auf PV-Modus, dynamische Ladeleistungsregelung, optionale Phasenumschaltung, Lastmanagement und Kompatibilität zum vorhandenen Wechselrichter oder Energiemanager achten.

Überschüssigen PV-Strom clever nutzen – auch mit Wärmepumpe?

Zunächst müssen wir uns vor Augen führen, dass der meiste überschüssige PV-Strom natürlich im Sommerhalbjahr von April bis August anfällt. Gleichzeitig ist das nicht die typische Heizsaison, so dass du schon siehst, dass du überschüssigen PV-Strom zuhause sinnvollerweise eher zum Laden des Autos nutzt als zum Heizen mit Wärmepumpe.

Trotzdem kann überschüssiger Solarstrom auch für eine Wärmepumpe genutzt werden. Das gilt vor allem dann, wenn es sich um eine reversible Wärmepumpe handelt, also eine Wärmepumpe, die sowohl heizen als auch im Sommer kühlen kann. Dann kann die Wärmepumpe, die quasi als Kühlanlage funktioniert, perfekt überschüssigen Solarstrom nutzen. Noch ein Anwendungsfall sind die Übergangsjahreszeiten, also etwa die Monate März oder September, in denen die Sonnenscheindauer noch relativ lang und somit der PV-Ertrag gut ist, du aber eventuell schon heizen musst an kühlen Tagen.

Und so funktioniert’s: Der Wechselrichter fungiert als Master und signalisiert der Wärmepumpe per potenzialfreiem Kontakt oder über Netzwerkschnittstellen, dass genügend Solar-Überschuss (ab ca. 1 kW) vorhanden ist. Die Wärmepumpe wandelt überschüssige elektrische Energie effizient in thermische Energie um und speichert diese im Warmwasser- oder Pufferspeicher.

Gut zu wissen: Die Erhöhung der Speichertemperatur (z.B. auf 60°C) verringert zwar die Effizienz der Wärmepumpe leicht, erhöht aber den Anteil an selbst genutztem PV-Strom.

Dieses Video erklärt, wie überschüssiger PV-Strom clever mit einer Wärmepumpe genutzt werden kann:

Fazit: Unter dem Strich kannst du überschüssigen PV-Strom deiner Photovoltaikanlage auch für den Betrieb einer Wärmepumpe nutzen. Im Gegensatz zum Überschussladen sind aber die Anwendungszeiten aufs ganze Jahr gesehen deutlich kürzer als beim Laden, weil die Wärmepumpe im Sommerhalbjahr nicht läuft. Ausnahme: eine reversible Wärmepumpe.

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Auswirkungen und Folgen von zu viel erneuerbarem Strom im Netz.

Überschüssiger Strom ist ein Problem. Aber was genau versteht man darunter und was passiert, wenn zu viel Überschussstrom erzeugt wird? Wie bei Wind ist die Stromerzeugung gerade von erneuerbaren Energien wie Solarkraft schwankend. An einigen Tagen, besonders im Winter, gibt es beispielsweise auch mal kaum Solarstrom, an langen sonnigen Sommertagen hingegen produzieren die Millionen PV-Anlagen deutschlandweit so viel Strom, dass die Menge gar nicht vollständig genutzt werden kann. Das ist zum Beispiel öfter an Sommer-Wochenenden der Fall, wenn der Stromverbrauch geringer ist als unter der Woche.

Negative Strompreise an der Börse, Rekord in ersten fünf Monaten 2025.

Ist mehr Strom im Netz als benötigt wird, sinken die Preise teils ins Negative. Die Bundesnetzagentur hat ermittelt, dass es im Schaltjahr 2024 in 457 von 8.784 Stunden negative Börsenstrompreise gab. 2023 waren es noch 301 von 8.760 Stunden. Die Stunden mit negativen Strompreisen nehmen seit einigen Jahren stetig zu. 2025 gab es in den ersten fünf Monaten sogar einen Rekord bei der Anzahl an Stunden mit negativen Strompreisen. Das ergab eine Auswertung von Daten der Plattform Energy Charts durch das Handelsblatt. Den Daten zufolge, die vom Fraunhofer-Institut ISE stammen, sank der Börsenstrompreis von Januar bis Mai 2025 insgesamt in 248 Stunden unter null Euro pro Megawattstunde. Das ist ein neuer Rekord, der alte lag demnach bei 204 Stunden. Zwar gibt es einige Vorteile für Unternehmen etwa, aber auf lange Sicht würden die Vorteile von Problemen und Kosten überlagert.

Direkt von niedrigen Strompreisen profitieren Großverbraucher in der Industrie, deren Strompreise mit den Strombörsenpreisen oft direkt gekoppelt sind. Privatkund:innen sind von negativen Börsenpreisen meist nur indirekt betroffen, weil ihre Verträge auf einem langfristigen Stromeinkauf basieren. Inzwischen gibt es aber auch für sie flexible und dynamische Stromtarife, bei denen die Preisschwankungen stärker durchschlagen – im Positiven wie im Negativen. Bei uns bei Polarstern gibt es Wirklich Ökostrom Flex Plus, einen dynamischen Tarif mit 100 % Ökostrom.

Welche Aussage zu E-Autos trifft auf dich zu?

Mit Batteriespeicher überschüssigen PV-Strom nutzen.

Um den Stromüberschuss aus Wind und Sonne besser steuern zu können, sind Batteriespeicher von großer Bedeutung – auch und gerade für Privathaushalte, die damit ihren PV-Strom-Eigenverbrauch erhöhen. Zum Glück läuft der Speicher-Ausbau gerade richtig an – sowohl bei Großspeichern, als auch bei Heimspeichern. Sie können Überschussstrom zwischenspeichern und ihn zu einem späteren Zeitpunkt wieder abgegeben, etwa am Abend und in der Nacht. So wird weniger überflüssiger, nicht direkt benötigter PV-Strom ins Netz eingespeist. Mit immer mehr industriellen Großspeichern können auch bald Windräder seltener abgeriegelt werden.

Energiemanagement-System nutzen und Eigenverbrauch steigern.

Das beste Mittel gegen PV-Stromüberschuss ist, den Solarstrom dann zu verbrauchen, wenn er erzeugt wird. Also Waschmaschine, Geschirrspüler oder E-Auto dann zu nutzen, wenn die Sonne gerade eh ihr Bestes gibt.

Klar kann man die Waschmaschine morgens vorprogrammieren, damit sie nachmittags läuft, wenn die Sonne am meisten Energie liefert. Das geht aber nicht mit allen Geräten. Energiemanagement-Systeme und steuerbare Geräte, die miteinander kommunizieren können, übernehmen diesen Job für dich. Dann empfiehlt sich definitiv auch ein Smart Meter.

Mit der Elektrifizierung der Wärmeversorgung und der Mobilität kommen weitere große Stromverbraucher wie Wärmepumpen hinzu, die ein Energiemanagement-System (HEMS) daheim sinnvoll machen. Auch die immer häufiger in Haushalten genutzten Stromspeicher lassen sich über ein Energiemanagement-System steuern und be- und entladen. 

Mit Home Energy Management Systems (HEMS), Großverbrauchern wie Wärmepumpe und Elektroauto lässt sich der Eigenverbrauch des PV-Stroms optimal und sinnvoll nutzen und eine hohe Autarkie erzielen.

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✔️ Der Eigenverbrauchsbonus wird dir auf der jährlichen Rechnung gutgeschrieben.

Portrait von Ludwig.

Ludwig. | Team Wirklich

E‑Mail:  ludwig.o@polarstern-energie.de

Ludwig ist ausgebildeter Journalist und hat viele Jahre bei einem großen Medienhaus in München gearbeitet. Bei Polarstern ist er Redakteur im Marketing-Team und schreibt Artikel für das Polarstern-Magazin und Neuigkeiten für unsere Newsletter. Außerdem kümmert er sich um Events wie die Earth Hour und den Isar Cleanup.