Balkon-Kraftwerke: Lohnt sich eine Mini-PV-Anlage für mich?

Balkonkraftwerke galten lange als Spielerei. Spätestens seit der Energiepreiskrise sind die Mini-PV-Anlagen aus ihrer Spielecke gekommen. Die Stromausbeute ist nicht vergleichbar mit Dachanlagen auf Einfamilienhäusern, dennoch senken Balkonkraftwerke die Stromkosten und leisten einen wichtigen Beitrag zur Energiewende. Natürlich, unabhängig vom Stromnetz wirst du damit bei weitem nicht. Aber, wie heißt es so schön? A bisserl was geht immer. Wir zeigen dir, was Steckermodule bringen – und auf was du bei Montage und Betrieb achten musst.

von Michael. - Lesezeit: 6 Minuten

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Was ist ein Balkonkraftwerk?

Die Installation einer PV-Anlage für ein Eigenheim ist normalerweise eine riesige Geschichte, die von langer Hand geplant werden muss, viel Geld kostet und fachgerecht installiert werden muss. Bei einem Steckersolarmodul ist der Name Programm: Es handelt sich um eine Mini-PV-Anlage, die du einfach nur in die Steckdose stecken musst. Sie kann jederzeit ausgesteckt und abgebaut werden, etwa bei einem Umzug. Du kannst sie also ganz einfach wieder mitnehmen. Weil Steckersolargeräte in Mehrparteiengebäuden vorrangig auf Balkonen platziert werden, hat sich der Begriff Balkonkraftwerk durchgesetzt.

Ein Balkonkraftwerk besteht meistens aus einem oder zwei Solarmodulen mit Leistungen von 300 bis 600 Watt. Ab dem 1.1. 2024 dürfen Balkonkraftwerke auch 800 Watt haben. Bei Anlagen für die Balkonbrüstung können es auch mal drei bis vier kleinere Module mit Leistungen zwischen 50 bis 150 Watt sein. Zu den entscheidenden Komponenten zählen außerdem ein Wechselrichter sowie ein Anschlusskabel.

Wechselrichter.

Bei Balkonkraftwerken sind derzeit nur Wechselrichter erlaubt, die eine Leistung von 600 Watt abgeben. Selbst wenn deine PV-Module mehr Leistung draufhaben, wird so garantiert, dass nicht mehr als 600 Watt in den Stromkreis deiner Wohnung fließen. Nach der PV-Strategie der Regierung soll die Leistungsgrenze jedoch ab 2024 auf 800 Watt angehoben werden. Viele Haushalte, die bereits ein Balkonkraftwerk nutzen, müssen dabei ihre Wechselrichter gar nicht austauschen. Viele Wechselrichter bereits eine Leistung von 800 Watt – sie wurden nur bei der Auslieferung auf 600 Watt gedrosselt, um die gesetzlichen Vorgaben zu erfüllen. Per WLAN kann das Gerät wieder auf 800 Watt umgestellt werden. Erkundige dich dazu am besten beim Hersteller, ob dies für deinen Wechselrichter zutrifft.

Kabel und Stecker.

Dein PV-Modul schließt du über ein Kabel mit Steckverbindung ans Stromnetz an. Als Anschluss eignet sich der Spezialstecker-Typ „Wieland“ oder ein herkömmlicher Schukostecker. Der Wieland-Stecker minimiert das Risiko einer Überhitzung und wird daher vom Verband der Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik (VDE) und vielen Netzbetreibern empfohlen. Der Wieland-Stecker kann allerdings nur von einer Elektrofachkraft installiert werden. Da auch die Schuko-Steckdose bei einer Leistung von 600 Watt als unbedenklich eingestuft wird, soll ein herkömmlicher Schuko-Stecker künftig auch offiziell anerkannt sein.

Wie funktioniert ein Balkonkraftwerk?

Der Wechselrichter wandelt den Gleichstrom, den die PV-Anlage mithilfe der Sonnenergie produziert in 230-Volt-Wechselstrom um. Damit ist der Strom für den Haushalt nutzbar. Die elektrischen Geräte in der Wohnung bedienen sich sofort an deinem selbst gemachten Ökostrom. Du kannst zum Beispiel einen Laptop betreiben oder einen Teil der Grundlast decken. Dazu zählen Geräte, die im Dauerbetrieb sind, etwa der Kühlschrank oder der Router. Es lohnt sich auch, große Stromverbraucher wie die Waschmaschine oder den Geschirrspüler einzuschalten, wenn mittags die Sonne scheint und deine Anlage auf maximaler Leistung arbeitet. Den kompletten Stromverbrauch des Geräts deckst du nicht, benötigst aber viel weniger Strom aus dem Netz.

Was kostet ein Balkonkraftwerk – und gibt es Förderungen?

Der Kaufpreis eines Balkonkraftwerks hängt immer von der Größe und Leistung der Module ab und liegt meistens zwischen 500 Euro und 1.000 Euro. Das Gute ist, dass Steckersolargeräte gefördert werden und einige finanzielle Vorteile haben:

  • Die Mehrwertsteuer auf PV-Anlagen liegt seit dem 1.1.2023 bei 0 Euro.
  • Steckermodule werden von vielen Kommunen bezuschusst. Allerdings ist die Förderlandschaft sehr dynamisch; Programme laufen aus, sobald Fördertöpfe erschöpft sind. Ob es in deiner Kommune gerade Förderungen für Balkonkraftwerke gibt und wie hoch sie ausfallen, erfährst du zum Beispiel bei homeandsmart oder Finanztip. 2023 gibt es zum Beispiel in Berlin und Mecklenburg-Vorpommern 500 Euro Zuschuss für Mieter:innen. In Berlin gilt die Förderung auch für Eigentümer:innen, wenn sie selbst in der Wohnung leben. Es lohnt sich also, regelmäßig die Programme zu checken.
  • Und natürlich sparst du durch die selbst erzeugte Energie Stromkosten.

Geld sparen: Lohnt sich ein Balkonkraftwerk für mich?

Während Solarstrom in den Stromkreis deiner Wohnung fließt, drosselst du den Strombezug aus dem Netz und sparst dadurch Kosten. Eine Kilowattstunde aus dem Netz kostet um die 33 Cent, die Stromgestehungskosten liegen mit einem 600-Watt-Balkonkraftwerk um die 16 Cent pro Kilowattstunde. Mit Tools wie dem Stecker-Solar-Simulator der HTW Berlin findest du zügig heraus, wie viel Geld du sparen kannst.

Beispiel:

Bei einem Balkon nach Süden ohne Verschattung stellst du mit einer 600-Watt-Anlage laut HTW-Simulator 414 kWh Ökostrom im Jahr her. Dadurch sparst du dir 269 kWh Strombezug aus dem Netz. Warum keine 414 kWh? Ganz einfach, weil du in der Regel nicht all den erzeugten Strom nutzen kannst. Wenn es zum Beispiel total sonnig ist und viel Solarstrom erzeugt wird, du aber genau in dem Moment nicht so viel Strom brauchst, „verfällt“ der quasi für dich. Bei einem Jahresstromverbrauch von 2.200 kWh liegt die Selbstversorgungsquote grob bei 12 %. Kostet dich die Kilowattstunde aus dem Netz 33 Cent, sparst du mit deinem Balkonkraftwerk ca. 89 Euro im Jahr. Auf 15 Jahre gerechnet liegt die Ersparnis insgesamt bei 1.333Euro. Bei einem Kaufpreis von 650 Euro amortisiert sich deine Anlage nach ca. 8 Jahren.

Auch bei schlechten Bedingungen noch sinnvoll.

Wie viel Strom die Mini-PV-Anlage tatsächlich produziert, hängt stark von ihrer Ausrichtung und den Sonnenstunden ab. In unserem Fallbeispiel sind wir von einer Südlage ohne Verschattung ausgegangen – Idealbedingungen also. Im schlechtesten Szenario, das heißt bei einem Nordbalkon mit starker Verschattung, bringt das 600-Watt-Steckermodul aber immer noch was. Die Ersparnis liegt bei einem Kilowattstundenpreis von 33 Cent dann bei 51 Euro im Jahr.

Beim Kauf sollte man beachten, dass die entsprechenden Halterungen für die Montage ebenfalls Geld kosten. Die Befestigung sollte bei der Investitionsplanung immer mit einkalkuliert werden. Das PV-Magazin rät, Halterungen im Bundle mit der Solaranlage zu kaufen, weil Zubehör im Paket meist günstiger ist.

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Kann ich mit meinem Solargerät auch Strom einspeisen?

Deine Geräte bedienen sich immer sofort an deinem mit dem Balkonmodul selbst erzeugten Ökostrom. Selbst wenn du nicht zu Hause bist, wird dein Kühlschrank oder dein Router deinen Solarstrom verbrauchen. Wenn etwas übrigbleibt, fließt der Strom aus deinem Balkonkraftwerk ins Netz. Der bürokratische und technische Aufwand, um das bisschen Einspeisung zu messen und abzurechnen, würde sich dabei kaum lohnen. Daher erhältst du auch keine Einspeisevergütung, wie es bei großen PV-Dachanlagen der Fall ist.

Lohnt es sich, einen Stromspeicher zu ergänzen?

Nein, ein Stromspeicher für eine Balkon-PV-Anlage ist fast immer nicht sinnvoll. Dazu erzeugst du einfach zu wenig Strom und den größten Anteil nutzt du vermutlich für Elektrogeräte, die ständig in Betrieb sind wie der Kühl- und Gefrierschrank sowie der Router. Was dann noch übrig bleibt ist gering. Am Ende stehen die Kosten für den Stromspeicher gegenüber der Ersparnis bei den Energiekosten in keinem lohnenswerten Verhältnis.

Das Wetter spielt mit: Es gibt immer mehr Sonnenstunden.

Wo stelle ich das Balkonkraftwerk auf – und auf was muss ich achten?

Weil in Mietwohnungen vor allem der Balkon Platz für ein PV-Modul bietet, hat sich der Begriff Balkonkraftwerk durchgesetzt. Aufstellen lässt sich das steckerfertige Solarmodul selbstverständlich auch an anderen sonnigen Plätzchen: im Garten, auf der Terrasse oder einem Flachdach. An Außenwandflächen oder der Balkonbrüstung kann das Gerät ebenso montiert werden. Selbst an der Balkonbrüstung kann man das Panel noch mit einer Aufständerung befestigen, um die Ausrichtung zu optimieren. Bei der Aufstellung auf dem Balkon oder einer anderen Fläche rät das PV-Magazin, den benötigten Platz für die Solaranlage nicht zu unterschätzen. Typische Maße für ein Modul liegen um die 175 x 110 cm. Während das PV-Modul die volle Breitseite Sonne abbekommen darf, sollte der Wechselrichter nicht komplett den Elementen ausgesetzt sein und lieber hinter den Solarpanels platziert werden.

Brauch ich für das Balkonkraftwerk eine Genehmigung?

Eigentlich kann niemand etwas dagegen haben, wenn du ein Solar-Gerät einfach nur auf dem Balkon aufstellen möchtest. Die Verbraucherzentrale rät, trotzdem die Vermieter:innen über das Balkonkraftwerk zu informieren. Gerade, wenn du das Modul am Gebäude, der Balkonbrüstung anbringst, gibt es in manchen Mietverträgen Klauseln, dass dies abzusprechen ist mit dem:der Gebäudeeigentümer:in oder Immobilienverwalter:in. Bei einer festen baulichen Veränderungen benötigst du in jedem Fall die Zustimmung durch die Eigentümer:innen. Und Sicherheit geht vor. Eine Installation an der Balkonbrüstung oder Fassade wird am besten fachgerecht durchgeführt. Außerdem dürfen ab dem zweiten Stock nur noch Leichtmodule ohne Glas installiert werden.

Versicherung.

Dein Balkonkraftwerk ist dein Business, deshalb greift hier auch nicht die Gebäudeversicherung. Teilweise werden Balkonanlagen jedoch über die Haftpflichtversicherung gedeckt. Am besten kontaktierst du deinen Versicherer, um herauszufinden, ob dies in deinem Fall auch zutrifft.

Sind Balkonkraftwerke sicher?

Schätzungen zufolge werden in Deutschland etwa 1 Million Steckersolargeräte genutzt ( es sind längst nicht alle Anlagen registriert). Über Unfälle ist trotz großer Verbreitung bislang nichts bekannt. Wichtig ist, dass du das Stromnetz in deiner Wohnung nicht überlastest. Deshalb darf die Maximal-Leistung des Wechselrichters von 600 Watt nicht überschritten und pro Stromkreis nur ein Balkonkraftwerk angeschlossen werden. Die Verbraucherzentrale rät dazu, nur Geräte zu benutzen, die beides erfüllen: die Sicherheitsstandards der Deutschen Gesellschaft für Sonnenenergie (DGS) und die Konformitätserklärung gemäß VDE AR 4105 für Wechselrichter. Unter anderem gehst du dadurch sicher, dass dein Balkonkraftwerk das Stromnetz nicht belastet.

Muss ich mein Steckersolargerät irgendwo anmelden?

Obwohl die Leistung des Balkonkraftwerks gering ist und man das Gerät eigentlich nur in die Steckdose stecken muss, muss man auch ein Balkonkraftwerk dringend beim Netzbetreiber sowie beim Marktstammdatenregister der Bundesnetzagentur (MaStR) anmelden. Werden Anlagen nicht angemeldet, drohen Bußgelder. Die Anmeldung kannst du beim Netzbetreiber eigenständig durchführen, solange deine Anlage, beziehungsweise der Wechselrichter, eine Leistung von über 600 Watt (beziehungsweise 800 Watt ab 1.1.2024) nicht übersteigt. Die Anmeldung ist deshalb wichtig, damit der Netzbetreiber einschätzen kann, ob möglicherweise ein neuer Zähler eingebaut werden muss, wenn du einen Zähler ohne Rücklaufsperre hast.

Erlaubt sind folgende Stromzähler:

  • Analoger Zähler mit Rücklaufsperre.
  • Digitaler Stromzähler als Zweirichtungszähler oder eben Zähler mit Rücklaufsperre.
  • Intelligenter "smarter" Stromzähler.

So funktioniert die Anmeldung.

Die Anmeldung beim Netzbetreiber kannst du in der Regel über ein Online-Formular auf der Website des Netzbetreibers durchführen. Falls nicht, gibt es Musterbriefe, zum Beispiel von der Deutschen Gesellschaft für Sonnenenergie. Deine Anmeldung im Marktstammdatenregister funktioniert ebenso online. Nach Plänen der Bundesregierung sollen die bürokratischen Hürden so weit gesenkt werden, dass künftig nur noch eine Anmeldung im Markstammdatenregister nötig ist.

Wirklich Ökostrom von Polarstern.

Balkonkraftwerke sind nicht nur dafür geeignet, Stromkosten zu sparen; sie leisten auch einen wichtigen Beitrag für die Energiewende. Entscheidend ist, dass auch der übrige Strom, den du aus dem Netz beziehst, die Energiewende fördert. Das können manche Tarife besser als andere – und Wirklich Ökostrom von Polarstern kann das besonders gut: Für jede Kilowattstunde Wirklich Ökostrom, die du verbrauchst, investieren wir 1 Cent in den Ausbau der erneuerbaren Energien, vor allem in Solarkraft. Bei Polarstern unterstützt du die Energiewende nicht nur in Deutschland, sondern auch in Kambodscha und Madagaskar. In Madagaskar fördern wir ebenso die Photovoltaik. Gemeinsam mit unserem Partner Africa GreenTec ermöglichen wir dort Solarparks für ganze Dörfer. Denn erneuerbare Energien brauchen wir überall.

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Als Mieter:in noch mehr Photovoltaik nutzen.

Das Gute ist, dass die Photovoltaik auch im größeren Stil in immer mehr Wohngebäude einzieht. So wie bei unseren Mieterstrom-Projekten von Polarstern. Hier nutzen Bewohner:innen Ökostrom, der lokal am Gebäude erzeugt wird. Längst passiert das nicht allein auf dem Dach, auch Fassaden und Balkone werden längst zur Solarstromerzeugung für das ganze Gebäude genutzt. So wie bei diesem Mieterstrom-Projekt in Staufen bei Freiburg.

Portrait von Michael.

Michael. | Team Wirklich

E‑Mail: michael@polarstern-energie.de

Michael ist ein alter Hase im Marketing-Team und schon seit 2012 dabei. Als Online-Redakteur stammen viele Texte auf unserer Seite und im Polarstern Magazin aus seiner unverwechselbaren Feder.