Seit unsere Großeltern 1970 in der Natur spazieren gegangen sind, ist der Bestand der Wirbeltiere laut dem Living Planet Index um 60 % zurückgegangen. Elche, Braunbären und Papageitaucher sind in Deutschland bereits ausgestorben und sogar der Feldhamster ist vom Aussterben bedroht. 

von Tabatha

Der Index wurde vom WWF und dem UNEP-WCMC ins Leben gerufen, als Gradmesser für den ökologischen Zustand der Erde. Er zeigt viele besorgniserregende Werte für unsere Biodiversität – angeheizt jüngst durch den Klimawandel. Wenn du dich fragst, was wir dagegen tun können und wie du selbst beim Artenschutz helfen kannst, bist du hier genau richtig.

 

Wir alle sind von der Biodiversität abhängig.

Gesunde Ökosysteme sorgen für saubere Luft, frisches Wasser, Medikamente, Nahrung und mehr. Ohne all das geht es uns schlechter. So bedeuten weniger Bienen zum Beispiel weniger Auswahl bei der Ernährung. Konkret würden Schätzungen zufolge etwa ein Drittel der Nutzpflanzen (insbesondere Obst und Gemüse) ohne die Bestäubung durch Bienen wegfallen. Ganz schön viel, oder?

Und so beeinflusst die Biodiversität am Ende unser ganzes Leben: Vom Nahrungsangebot über die medizinische Versorgung bis hin zur Wirtschaft.

 

 

Ohne Bienen sinken die landwirtschaftlichen Erträge und gibt es weniger Lebensmittel.
Ohne Bienen sinken die landwirtschaftlichen Erträge und gibt es weniger Lebensmittel.

 

Der Weltumwelttag am 5.6. sollte sich dieses Jahr ganz um die Biodiversität drehen. Es waren auch internationale Konferenzen dazu geplant, die diesem Thema mehr Aufmerksamkeit verleihen sollten. Besonders wichtig wäre der UN-Gipfel im Oktober 2020 gewesen: Hier sollte nämlich ein neues, globales Biodiversitätsabkommen beschlossen werden. Die vor 10 Jahren beschlossenen sogenannten Aichi-Ziele laufen dieses Jahr schon aus. Doch die Konferenz wurde nun verschoben. Ein Termin steht noch nicht fest. Krass, angesichts der Dringlichkeit, das Abkommen zu verlängern! Das Motto des Weltumwelttages ist nun: Time for Nature.

In Deutschland etwa haben wir gar keine gute Bilanz, wenn es um Biodiversität geht. 2010 hatte sich Deutschland bei den Aichi-Zielen unter anderem vorgenommen, 2 % der Landesfläche in Wildnisgebiete umzuwandeln. Tatsächlich sind es laut Nicola Uhde, Naturschutzreferentin beim Bund für Umwelt- und Naturschutz, aber nur 0,6 % geworden.

Sieht man sich das Thema Artenvielfalt weltweit an, wird ebenfalls schnell klar, dass dringend gehandelt werden muss:

 

„We are losing species at a rate 1,000 times greater than at any other time in recorded human history and one million species face extinction.” – World Environment Day Website

 

 

Trauriges Bild – seit 1900 sterben immer mehr Tierarten aus.
Trauriges Bild – seit 1900 sterben immer mehr Tierarten aus.

 

Die schwindende Artenvielfalt zeigt sich beim Blick auf die „Rote Liste“ der Weltnaturschutzunion (IUCN): Stand Dezember 2019 sind darin 30.178 Tier- und Pflanzenarten als bedroht aufgeführt. So viele waren es noch nie zuvor. Auch der Anstieg ist gewaltig: Von 2000 bis 2020 wuchs die Anzahl der kritisch bedrohten Arten von 1.939 auf 6.523.

 

Biodiversitäts-Killer Klimawandel.

Allein durch die von uns Menschen verursachte Erderhitzung könnten rund 5 % der Arten aussterben. Nämlich dann, wenn die globale Temperaturerhöhung den Schwellenwert von 2 Grad Celsius übersteigt. Das steht im aktuellen Bericht des Weltbiodiversitätsrats (IPBES). Auch würden dann 99 % der Korallenriffe absterben. Schockierend sind bereits die Folgen an Land: 23 % der Landfläche auf der Erde gelten als ökologisch heruntergewirtschaftet und können nicht mehr genutzt werden. Auf Basis dieser IPBES-Studie sollte das neue (nun verschobene) UNO-Abkommen zur Bewahrung der Biodiversität geschlossen werden.

So wirkt sich der Klimawandel auf unsere Biodiversität aus:

 

1. Veränderung von Temperaturen und Niederschlägen.

Höhere Temperaturen, häufigere oder ausbleibende Regenschauer und vermehrte Extremereignisse bedrohen die Artenvielfalt. Sie beeinflussen das Verhalten, die Fortpflanzung, die Konkurrenzfähigkeit und die Nahrungsmöglichkeiten für Tiere und Pflanzen. Das gefährdet ganze Ökosysteme. Denn durch steigende Temperaturen verschieben sich die Lebensräume von Wildpflanzen in Richtung Norden und in höhere Lagen. Nicht alle Arten können sich schnell genug daran anpassen und überleben diese Veränderung.

Auch Brände wie zuletzt in Brasilien und Australien töten Millionen Tiere und Pflanzen. Australien hat eine Liste mit 113 Tierarten veröffentlicht, die nach den Buschfeuern Anfang 2020 vom Aussterben bedroht sind – darunter auch Koalas. Solche Extremereignisse werden durch den Klimawandel häufiger.

 

2. Verschiebung und Reduktion von Lebensräumen.

Der Klimawandel verändert Lebensräume für Tiere und Pflanzen oder zerstört einige sogar massiv, z.B. durch den Anstieg des Meeresspiegels oder die Gletscherschmelze. Das gefährdet ganze Arten. Etwa dann, wenn sie potenzielle neue Lebensräume durch veränderte Konkurrenz- und Nahrungsbedingungen nicht besiedeln können. So ist beispielsweise der Kuckuck gezwungen, sich in kühlere Höhenlagen zurückzuziehen. Seine einstigen Wirtsvögel im Tiefland haben nämlich bei seiner Rückkehr aus dem Süden ihre Eier schon ausgebrütet.

Schwindende Lebensräume: Eine Auswertung des Bundesumweltamtes zeigt, dass 37 % der Lebensräume in Deutschland bereits ungünstig bis schlecht sind.
Schwindende Lebensräume: Eine Auswertung des Bundesumweltamtes zeigt, dass 37 % der Lebensräume in Deutschland bereits ungünstig bis schlecht sind.

 

Manche Arten breiten sich durch veränderte Umweltbedingungen nun in neuen Lebensräumen aus. Doch auch das ist nicht immer gut. So verdrängen exotische Pflanzen, wie die ostasische Hanfpalme, nun heimische Pflanzenarten in Europa. Für uns Menschen kann das neue Krankheitserreger mit sich bringen, wie bestimmte Zeckenarten oder Sandmücken. Wiener Forscher berichteten im Fachjournal "Global Change Biology", dass schon ein Anstieg invasiver Arten von 20 - 30 % einen dramatischen Verlust der Artenvielfalt zur Folge hat.

>>> Mehr über den Zusammenhang von Klima und Gesundheit erfahren.

 

„Unter den Arten wird es Gewinner und Verlierer geben, aber in der Summe wird das Ausmaß der Verluste höher sein“ – Prof. Dr. Beate Jessel vom Bundesamt für Naturschutz (BfN)

 

Wir Menschen tragen durch unsere Landwirtschaft, Abholzung und Überfischung dazu bei, dass Lebensräume verloren gehen. Denn wirtschaftlich lohnt sich – kurzfristig betrachtet – oft eher das umweltschädliche Verhalten.

>>> Deshalb wirtschaften wir bei Polarstern gemeinwohlorientiert.

 

3. Verschlechterung des Nahrungsangebotes.

Ökosysteme kannst du dir vorstellen wie ein eingespieltes Team. Fällt eine Art weg, trifft es somit häufig auch andere, denen nun die Nahrungsquelle fehlt. Die Nahrungskette ist gestört. Das gilt auch für das Austrocknen von Wasserquellen: Je weniger Vegetation und Wasser da sind, desto schlechter steht es um die Artenvielfalt.

Ein Beispiel: Ohne artenreiche Wiesen geht für viele Insekten der Lebensraum verloren. Das betrifft dann auch die Vögel, die diese Insekten fressen. Ein Domino-Effekt also.

 

4. Umwelt- und Luftverschmutzung.

Weitere Gefahren für die Biodiversität drohen durch die Verschmutzung von Lebensräumen und Luft. Im Meer treiben schätzungsweise 5 Trillionen Plastikstücke. Sie sind der Tod vieler Meerestiere. Die Bilder von in Plastikverpackungen gefangenen Schildkröten oder von durch Tüten erstickten Robben sprechen Bände.

An Land ist es v.a. der Einsatz von Pestiziden, der Ökosysteme aus dem Gleichgewicht bringt. Sie vernichten die natürlichen Feinde von Schädlingen und schaden oft auch unserer Gesundheit.

>>> Mehr dazu wie Klima und Gesundheit zusammenhängen.

In der Luft richten die Treibhausgabe große Schäden auch für die Biodiversität an. Die Erderwärmung verschlechtert die Lebensbedingungen für Menschen, Tiere und Pflanzen. Etwa 30 % des CO2 wird in Ozeanen gespeichert. Je höher die CO2-Konzentration in der Luft ist, umso mehr ist auch im Meer und sorgt dort für die Versauerung der Meere. Der veränderte pH-Wert wirkt sich dort zudem negativ auf Korallenriffe aus, die Heimat vieler Meeresbewohner sind.

>>> Unsere Tipps, um CO2 zu senken.

 

Wichtig zu wissen: Das Verhalten von uns Menschen, beispielsweise unsere Art der Landwirtschaft, wirken sich auch über den Klimawandel hinaus auf die Biodiversität aus. Und während Klimaschutz zumindest heiß diskutiert wird, ist der Stellenwert der Biodiversität vielen Forschen zufolge noch nicht hoch genug. Dabei hängt beides eng zusammen. Mehr Schutzmaßnahmen, wie etwa das Erhalten von Biotopen oder die Förderung von Biotopverbunden, sind notwendiger denn je, um Lebensräume und Arten zu schützen.

 

Was DU gegen die schwindende Biodiversität tun kannst.

Im Grunde schadet alles, was dem Klima schadet, auch der Biodiversität und so am Ende wiederum uns Menschen.

 

Klima und Artenvielfalt kannst du selbst unterstützen: Mit unseren Tipps reduzierst du super einfach deinen CO2-Ausstoß. Außerdem gibt´s viele spannende Infos rund um ein nachhaltiges Leben in unserem Magazin und im Polarstern-Newsletter.

 

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