Unsere Meere ertrinken im Plastik. Und wenn wir nichts unternehmen, folgt unser ganzer Planet. Fakt ist: Wir müssen dringend unseren Plastikverbrauch senken. Im Folgenden haben wir wirklich einfache Tipps zusammengetragen, wie du Plastikmüll vermeidest. Außerdem erklären wir dir, woher das meiste Plastik kommt und warum selbst in Deutschland noch lange nicht genug getan wird.

von Tabatha

 

So katastrophal ist unser Plastikverbrauch.

Plastik ist ein Material, dass eigentlich unser Leben besser und bequemer machen sollte. Es ist vergleichsweise leicht und günstig herzustellen und eignet sich für viele Zwecke; darunter die Verpackung von Lebensmitteln. Im Jahr 1978 stieg Coca-Cola von Glas- auf Plastikflaschen um. Heute ist der Getränkehersteller laut dem Plastikatlas der Heinrich-Böll-Stiftung sowie des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland BUND der größte Plastikmüllverursacher.

Und damit ist Coca-Cola bei weitem nicht allein: Plastikbesteck, Tüten und To-Go-Becher gibt es überall um uns herum, denn es ist ja ach so praktisch. Plastik steckt aber auch in Kleidung, Kosmetik, Autoreifen etc. Was einst als einfache und praktische Lösung galt, gefährdet heute die Gesundheit des gesamten Planeten. Einfach weil wir’s wieder einmal übertrieben haben mit unserem Plastikkonsum.

"Zwischen den Jahren 1950 und 2015 wurden weltweit 8,3 Milliarden Tonnen Plastik produziert...nicht einmal zehn Prozent des jemals produzierten Kunststoffes sind recycelt worden." – Plastikatlas

Die katastrophale Menge an Plastikmüll droht, unsere Umwelt zu zerstören, die Biodiversität zunichte zu machen und unser Ökosystem aus dem Gleichgewicht zu bringen. Plastik fördert auf verschiedene Weisen die Klimakrise, wie diese Grafik aus dem Plastikatlas deutlich macht – die Kürzel stehen übrigens für verschiedene Kunststoffe:

Am meisten CO2 fällt beim Plastik in der Herstellung an.
Am meisten CO2 fällt beim Plastik in der Herstellung an; Quelle: Plastikatlas

„Die Treibhausgasemissionen entlang des Lebenszyklus von Plastik gefährden das Vermögen der Weltgemeinschaft, den globalen Temperaturanstieg unter 1,5 °C zu halten. Bis 2050 könnten die kunststoffbedingten Treibhausgasemissionen ein Ausmaß von über 56 Gigatonnen erreichen – das entspricht 10 bis 13 Prozent des gesamten verbleibenden Kohlenstoffbudgets.“ – Bericht der Heinrich-Böll-Stiftung

Doch warum stellen wir überhaupt immer noch so viel Plastik her? Weil es sich meist um Einwegplastik handelt. Millionen Verpackungen, die nur einmal genutzt werden. Die aber sowohl in der Herstellung und Verarbeitung, als auch nach der Nutzung bei der Entsorgung eine Umweltkatastrophe herbeiführen. Das macht absolut keinen Sinn.

Noch dazu verstärkt die Coronakrise die Plastik-Pandemie noch. Einerseits begünstigt sie den Preiskampf  bei Kunststoffen, wodurch weniger recycelt wird, andererseits sorgt der zusätzliche (medizinische) Müll für noch mehr Plastik in der Umwelt: Einweg-Masken, To-Go-Verpackungen und Co.

So kann es nicht weitergehen. Deshalb haben wir drei zentrale Tipps, wie du selbst im Alltag Plastikmüll vermeidest. Los geht´s.

 

3 Tipps, um Plastikmüll zu vermeiden.

Tipp 1: Kaufe weniger Plastikverpackungen.

Im Supermarkt sind die meisten Produkte in Plastik verpackt – vom Gemüse bis zu den Spaghetti. Doch du kannst deinen Konsum von Plastikverpackungen schon beim Einkaufen reduzieren:

  • Besuche den Wochenmarkt. Hier bekommst du viele Produkte plastikfrei.
  • Obst und Gemüse im Supermarkt kannst du immer häufiger unverpackt in einem Jutebeutel bzw. einem wiederverwendbaren Obst- und Gemüsebeutel kaufen.
  • Entscheide dich für die Produkte, die in möglichst wenig Plastik verpackt sind.

Plastik in der To-Go-Kultur muss ebenfalls nicht sein. Wenn du unterwegs Essen holst, packe eine Tupper-Box und Besteck ein, um Verpackungsmüll zu vermeiden. Für den Kaffee unterwegs gibt es Pfandsysteme, wie das von Polarsterns-Partner Recup. Natürlich kannst du dir auch selbst einen wiederverwendbaren Kaffeebecher mitnehmen. Die Möglichkeiten sind da, du musst sie nur nutzen.

Das gilt nicht nur bei Lebensmitteln. Auch viele andere Produkte sind standardmäßig in Plastik verpackt. In den meisten Lebensbereichen gibt es nachhaltigere Alternativen, um Einwegplastik zu sparen oder ganz zu ersetzen. Wir denken da zum Beispiel an Holz-Bausteine statt Plastik als Kinderspielzeug, auffüllbare oder feste Seife statt Einmalpackungen und feste Reinigungstabs statt Putzmittel in Plastikflaschen. Wenn du einen Unverpackt-Laden in der Nähe hast: Hol dir Glasbehälter oder wasche die Gläser von Suppe, Sauce und Co. aus und hol dir Haferflocken, Nudeln, Nüsse und viele weitere Dinge ganz ohne Verpackung.

Apropos Glas: Stimmt es eigentlich, dass Glas besser ist als Plastik? Wenn du dich auf zero-waste Blogs umsiehst, ist die Alternative zu Plastik meist Edelstahl oder Glas. Aber bringt es auch etwas, im Supermarkt die Getränke, Nudelsaucen und mehr in Glas statt Plastik zu kaufen.

Vergleich der CO2-Emissionen von Glas und Plastik als Mehrweg und Einweg.
Plastik oder Glas? Die Frage ist vor allem: Einweg oder Mehrweg?

Generell gilt: Mehrweg ist besser als Einweg. Wenn du also eine Mehrweg-Glasflasche kaufst, hat die einen ganz klaren Umweltvorteil gegenüber Plastik. Anders ist das beim Einwegglas. Hier hat Glas sogar die schlechtere Bilanz. Achte deshalb darauf, was für Glas du kaufst. Übrigens braucht es für Trinkwasser in Deutschland wirklich keine Einweg-Flaschen. Viel nachhaltiger und günstiger kommst du mit Leitungswasser und einem Filter und/oder Sodastream weg.

>>> Mehr zum Thema Mehrweg erfahren.

Was Glas nachhaltiger macht, ist die Wiederverwendung. Glasbehälter eigenen sich zum Beispiel super, um Salatdressing zu machen und aufzubewahren. Je nach Größe sind es auch super Blumenvasen oder Trinkgläser oder du transportierst darin Saucen bei der To-Go-Bestellung. Je mehr verschiedene Größen du hast, desto besser bist du gerüstet.

Solltest du also Glas als Plastikersatz kaufen? Dazu sagen wir klar nein. Denn nachhaltig zu leben bedeutet, das zu nutzen, was du schon hast. Wenn du einen Schrank voller einwandfreier Plastik-Tupperware hast, ist es nicht gerade nachhaltig, alles wegzuwerfen und stattdessen Glas zu kaufen. So entsteht ja wieder mehr Plastikmüll. Aus hygienischen Gründen, müssen verkratze und verfärbte Plastikbehälter natürlich irgendwann aussortiert werden. Wenn du dann etwas Neues anschaffst, darf es gerne Glas sein.

Übrigens: Plastik hat – abgesehen von den Umweltauswirkungen – auch gesundheitlich bedenkliche Wirkungen. So enthält Plastik etwa chemische Zusatzstoffe, die sich in der Luft und im Hausstaub anreichern und zu Krankheiten führen können:

“Plastikpartikel und die bei der Plastikherstellung verwendeten giftigen Chemikalien finden sich in unserer Atemluft, in unserem Trinkwasser und im Boden. Dies schädigt das Immun- und Reproduktionssystem, Leber und Nieren, und es kann sogar Krebs erzeugen.” – Plastikatlas

Zudem sind viele Weichmacher im Plastik hormonell wirksam. Das bedeutet, dass sie das hormonelle Gleichgewicht im menschlichen Körper durcheinanderbringen können. Ist das sogenannte Bioplastik da besser? Eine Studie der „Environmental International“ sagt dazu klar nein. Die Wissenschaftler haben Alltagsprodukte untersucht und festgestellt, dass Bioplastik genauso mies abschneidet wie erdölbasiertes Plastik.

Für den schnellen Überblick haben wir dir hier nochmal die Vor- und Nachteile von Glas und Plastik zusammengefasst:

PROCONTRA
GLAS
  • kann als Mehrweg ca. 50x befüllt werden
  • kann privat weitergenutzt werden
  • verursacht weniger CO2 pro Gramm
  • verschmutzt nicht die Meere
  • wird energieaufwendig hergestellt
  • wird aus Sand hergestellt, ein nicht unendlich verfügbarer Rohstoff
  • ist lichtdurchlässig, d.h. es schützt Lebensmittel nicht so gut vor Licht
  • das Einschmelzen verbraucht Energie
PLASTIK
  • kann als Mehrweg ca. 25 x befüllt werden
  • ist leichter, dadurch weniger CO2 für den Transport einer Packung
  • ist der Standard in der Industrie d.h. Maschinen sind auf Plastik ausgerichtet und müssten umgebaut/entsorgt werden
  • hat hohe CO2-Emissionen pro Gramm
  • können nur zu etwa 46 % recycelt werden
  • verschmutzt unsere Meere
  • kann kaum im Alltag wiederverwendet werden
  • ist gesundheitlich bedenklich (Chemikalien, Hormone, Weichmacher)

 

Tipp 2: Achte auf deinen „unbemerkten“ Plastik-Verbrauch.

Wenn du Plastikmüll vermeiden willst, denke an die "versteckte” Plastik. Also Plastik, das wir gar nicht bewusst wahrnehmen. Es verbirgt sich etwa in Stiften oder Waschmittel. Hä, warum das denn? Bei vielen Stiften sorgt das Plastik für mehr Bruchsicherheit und im Waschmittel findet sich meist Mikroplastik für einen stärkeren Reinigungseffekt.

>>> Hier findest du noch weitere Produkte, in denen unbemerkt Plastik steckt.

Entscheide dich deshalb wenn möglich für Alternativen ohne Plastik. Es gibt etwa umweltfreundliche Waschmittel und sogar bei Schreibwaren gibt es nachhaltige Alternativen – etwa Filzstifte zum Nachfüllen, Umschläge aus Recyclingpapier und plastikfreie Kugelschreiber.

Plastik steckt sogar in Flugzeugen, Zügen, Autos und Schiffen. Denn Kunststoff rostet nicht, ist flexibel und muss weniger häufig gewartet werden als andere Materialien.

Ein großes Problem beim unbemerkten Plastikverbrauch: Sogenanntes Mikroplastik. Es ist in vielen Produkten enthalten und verbirgt sich zum Beispiel hinter Bezeichnungen wie „Polyethylen“, „Polyamide“ und „Polyacrylat“. Besonders in der Kosmetik ist es Standard in vielen Duschgels, Peelings und Pflegeprodukten. Wozu? Mikroplastik wird in der Kosmetik eingesetzt, um zu reinigen („Schleifeffekt“), für eine angenehme Textur oder auch als Emulgator. Zum Glück gibt es immer mehr Marken, die mit plastikfreien Produkten werben.

>>> Hier geht es zum Einkaufsratgeber vom BUND.

Zwar fällt beim Stichwort Mikroplastik immer sofort der Einsatz in der Kosmetik, in Deutschland kommt aber rund ein Drittel der Mikroplastik von Autoreifen bzw. deren Abrieb beim Fahren. Eine Studie des Fraunhofer Instituts für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik von 2018 zeigte die größten Verursacher von Mikroplastik: Nach den Autoreifen auf Platz 1 folgen „die Freisetzung bei der Abfallentsorgung“ und „der Abrieb von Asphalt“. Kosmetik findet sich auf Platz 17.

Tipp 3: Nutze und recycle bestehendes Plastik.

Plastik-Recycling ist möglich, wenn es vom Restmüll getrennt wird – in der gelben Tonne. Doch bisher wird nur ein geringer Anteil des genutzten Plastiks wirklich recycelt. Dabei ist Deutschland die Nummer eins der größten Plastikproduzenten und -verarbeiter in Europa.

„Die Deutschen wären gern Recycling-Weltmeister. Das ist aber Wunschdenken. Von den 2017 angefallenen 5,2 Millionen Tonnen Kunststoffabfällen wurden gerade mal 810 000 Tonnen wiederverwertet. Das entspricht einer Quote von 15,6 Prozent.“ – Plastikatlas

Ein großer Teil des Plastikmülls aus Deutschland wird nicht bei uns recycelt, sondern nach Asien exportiert. Dort landet es häufig einfach in Müllverbrennungsanlagen oder im Meer. Wie du mithelfen kannst, richtig zu recyceln, siehst du hier:

 

 

Richtig recyceln: Plastik gehört in die gelbe Tonne; Quelle: Fokus
Richtig recyceln: Plastik gehört in die gelbe Tonne; Quelle: Fokus

Die gute Nachricht: Bei dir zuhause kannst du Plastik „recyceln“, zumindest ein bisschen. So eignet sich die Plastikverpackung von Klopapier wunderbar als Müllbeutel und Waschmittelflaschen können zu Gießkannen umfunktioniert werden. Auf Pinterest findest du jede Menge Basteltipps für Plastikreste. Sogar Künstler machen etwas aus “Müll”: El Anatsui nutzt etwa Material wie Flaschenverschlüsse für seine Skulpturen. Bei unserem Isar Clean-Up 2019 haben wir daran angelehnt auch mit unseren Funden Kunstwerke produziert.

 

Warum Plastik so gefährlich für Mensch und Natur ist.

Im Meer schwimmendes Plastik ist eklig und weckt kein Urlaubs-Paradies-Gefühl. Das allein wäre ja schon Grund genug, Plastikmüll zu reduzieren. Doch leider bleibt es nicht beim ästhetischen Problem: Plastik im Meer gefährdet die Lebewesen in unseren Ozeanen. Wer kennt nicht die furchtbaren Bilder von Schildkröten, die in Dosenhalter gequetscht sind. Robben, die an Plastiktüten ersticken und tote Wale mit Mägen voller Plastik. Giftstoffe aus dem aufgenommenen Plastik beeinträchtigen Fortpflanzung und Immunsystem der Tiere und wirken sich auch auf die Bodeneigenschaften und die Pflanzen aus. Indem wir unseren Plastikmüll abladen, gefährden wir die Artenvielfalt und damit die Existenz unseres gesamten Planeten.

>>> Mehr über den Zusammenhang von Klima und Biodiversität lesen.

„Mittlerweile beginnen Regierungen wenigstens an einigen Stellen, den Plastikverbrauch zu regulieren, u.a. durch Verbote von Einwegplastikartikeln. Aber solange wir nicht die Plastikproduktion an sich drosseln, greifen diese Ansätze zu kurz.“ – Plastikatlas

Plastik hat einen sehr langsamen Zerfallprozess: Es dauert tausende Jahre, bis Plastik vollständig zersetzt ist. Und der Plastikmüll, den wir so achtlos in unsere Natur geraten lassen, landet am Ende auch wieder bei uns Menschen. Zum Beispiel im Fisch, den wir essen oder in unserem Grundwasser.

„Plastik verunreinigt die Luft, die wir atmen, das Wasser, das wir trinken, und die Lebensmittel, die wir verzehren.“ – WWF

Wenn wir nicht handeln, zerstören wir mit der Plastikverschmutzung nicht nur den Planeten, sondern auch uns selbst. Laut dem WWF nimmt ein Mensch pro Woche durchschnittlich bis zu 5 Gramm Plastik auf – hauptsächlich über das Trinkwasser. Das entspricht in etwa dem Gewicht einer Kreditkarte.

 

Plastik im Meer: Wie du die Gewässer schützt.

Der Plastikmüll landet nicht nur durch achtloses Wegwerfen im Meer und in den Flüssen. Es passiert zum Beispiel auch über das Abwasser und die Waschmaschine. Hier siehst du im Detail, auf welche Wege Plastik ins Meer gelangt:

Und das Plastik schwimmt nicht nur ein wenig auf der Oberfläche: Inzwischen wurde sogar auf dem Grund des Marianengrabens und im arktischen Meereis Plastik gefunden.

Du kannst mithelfen, die Gewässer zu schützen. Unsere drei Tipps oben helfen dir im Alltag, weniger Plastik zu nutzen. Außerdem immer nach dem Grillen am Fluss Müll mitnehmen und im Urlaub am Strand die Einwegbecher nicht vergessen; auch den von anderen, die es vergessen haben – oder wegfliegende Plastiktüten einsammeln. Bei Polarstern veranstalten wir jedes Jahr den „Polarstern Isar Clean-Up“ in München, um das Bewusstsein für den vielen Müll zu schaffen, den wir Menschen in der Natur hinterlassen.

Deutsche Gewässer sind nämlich keineswegs plastikfrei. Eine Studie der Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg (LUBW) zeigt: Von 19.000 untersuchten Partikeln in Wasserproben aus Baden-Württemberg, Bayern, Rheinland-Pfalz, Hessen und Nordrhein-Westfalen waren mehr als 4.300 kleine Plastikteilchen – vor allem Mikroplastik.

Auch Polarstern-Partner Sea Shepherd setzt sich für den Schutz der Meere ein. Die Umweltorganisation besteht seit über 40 Jahren und kämpft für den Schutz von Walen, Delphinen und Co.

 

 

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