Fleisch war einst Luxus. Heute gilt eine pflanzliche Ernährung als elitär und unerschwinglich. Warum das nicht sein kann – und wie du sparst, wenn du dich vegetarisch bis vegan ernährst. 

von Michael

Manche Leute hören irgendwas von Veggie-Day und müssen den faden Geschmack erst mal mit zwei Wurstsemmeln neutralisieren. Wenn es wenigstens eine weniger wär. Wir müssen wirklich anfangen, weniger bis gar kein Fleisch zu essen. Unser Ernährungssystem in seiner jetzigen Form ist einer der größten Treiber der Erderwärmung. Laut WWF ist es für 37 % der weltweiten Treibhausgasemissionen verantwortlich. Dass das vor allem am Fleischkonsum und anderen tierischen Produkten liegt, ist kein Geheimnis. Laut einer Studie an der Oxford University würde der CO2-Fußabdruck einer Person bei einer Umstellung auf eine rein pflanzliche Ernährung schon um bis zu 73 % sinken.

Klimaschutz: Kann ich mir nicht leisten? 

Aber wann immer es um die Frage geht, wie man den Fleischkonsum reduzieren und durch eine pflanzliche Ernährung ersetzen könnte, heißt es: Ich würde ja gerne, aber eine pflanzliche Ernährung kann ich mir nicht leisten. Bei Klimaschutzmaßnahmen gibt es immer diese Vorstellung, dass die meisten Menschen nicht an ihnen teilhaben können, weil sie zu teuer sind.

Ernährung ist ein typisches Beispiel. Man denkt bei einer pflanzlichen Ernährung an überteuerte Mandelmilch, bei Fleischkonsum ans 1,99-Euro-Hack aus dem Supermarkt. Dabei ist in beiden Fällen sowieso schon von Haus aus etwas falsch. Und eigentlich weiß jede:r vom Einkaufen, dass es nicht Nudeln, Reis, Kartoffeln und Linsen sind, die das Konto belasten, sondern der regelmäßigen Besuch an der Fleisch- und Käsetheke. Oder macht man da was falsch?

Weniger Fleisch: So viel Geld sparst du.

Nein, wie auch die Wissenschaft sagt. So ergab etwa 2021 eine Studie an der Oxford University, dass die Ausgaben für Lebensmittel

  • mit einer veganen Ernährung um 21 bis 34 % sinken. 
  • mit einer vegetarischen Ernährung um 27 bis 31 % sinken. 
  • mit einer flexitarischen Ernährung, die wenige tierische Produkte zulässt, um 14 % sinken. 

Die Ergebnisse beziehen sich dabei auf das Kochen zu Hause, nicht aber auf Restaurantbesuche und Fertiggerichte. In der Studie wurden die Preise von sieben nachhaltigen Ernährungsweisen mit der üblichen Ernährungsform von 150 Ländern verglichen – die Daten dazu kamen vom International Comparison Program der Weltbank. 

Deshalb ist Fleisch billiger als Fleischersatz. 

Dass eine pflanzliche Ernährung als teurer eingeschätzt wird, liegt auch an den hohen Preisen für Fleischersatzprodukte. Wie groß die Unterschiede sind, untersucht der WWF in regelmäßigen Abständen. In der Analyse von 2021 waren 83 % der Fleischersatzprodukte für den Grill teurer als echte Burger oder Würste. Soja- und Tofuprodukte kosteten im Schnitt 10,80 Euro pro Kilogramm, wohingegen das Kilo für Grill-Geflügel bei 6,49 Euro lag.

Dass ein tierisches Produkt günstiger zu haben ist als ein pflanzliches liegt unter anderem an den effizienten Abläufen in der Fleischindustrie und den völlig absurden Schlachtmengen. 2020 wurden laut Statistischem Bundesamt 623.159.761 Masthühner (ja, echt), 53.216.912 Schweine und 3.254.634 Rinder geschlachtet. Außerdem fällt die Mehrwertsteuer unterschiedlich hoch aus. Bei Fleischersatzprodukten liegt sie bei 19 %, bei tierischen Produkten nur bei 7 %.

Übel: Fleischkonsum in Zahlen

Umweltfreundlich wird günstiger.

Das Missverhältnis könnt bald ausgeglichen werden. Das Umweltbundesamt schlägt vor, Fleischerzeugnisse mit einer Mehrwertsteuer von 19 % zu belegen und dafür die Mehrwertsteuer bei Obst und Gemüse auf 7 % zu senken. Der Vorschlag ist Teil eines ökologischen Entlastungspakets, durch das umweltfreundliche Produkte mehr gefördert werden sollen. Bislang sind es häufig umweltschädliche Produkte, die stärker subventioniert werden. Fleisch zum Beispiel. 

Preise für Fleischersatzprodukte sinken. 

Auch das ist richtig: Mit steigender Nachfrage nach pflanzlichen Produkten werden Fleischersatzprodukte allmählich günstiger. So sind die durchschnittlichen Preise für pflanzliche Grillprodukte zwischen 2021 und 2022 schon von 13,79 Euro auf 10,80 Euro pro Kilogramm gefallen. Bei den externen Kosten bleibt echtes Fleisch natürlich teurer. Laut einer Greenpeace-Studie verursacht allein in Deutschland der Verzehr von Schwein und Rind jährlich Klima- und Umweltschäden in Höhe von fast sechs Milliarden Euro. Diese Kosten sind kein Preisbestandteil von Fleisch. Aber wir zahlen sie alle. Das verschleiert die wahren Kosten und ist echter Blödsinn.

Tipps für eine gesunde und günstige Küche.

Analysen wie die Oxford-Studie sind wichtig, weil sie dieses seltsame Bild durchbrechen: Gemüse wäre im Gegensatz zu Fleisch etwas besonders Elitäres. Natürlich kann man es sich bei einer pflanzlichen Ernährung so teuer machen, wie’s geht und sich immer nur die trendy Superfoods und Smoothies zu absurd hohen Preisen kaufen. Es kommt eben darauf an, welche Zutaten man nimmt, was man aus ihnen macht – und wie teuer man vor einer Ernährungsumstellung eingekauft hat. Diese Möglichkeiten gibt es, um die Preise möglichst klein zu halten.

1. Selbst kochen, Geld sparen.

Wie auch die Oxford-Studie betont, ist eine pflanzliche Ernährung dann günstiger, wenn man selbst kocht. Aus Zutaten wie Reis, Nudeln, Linsen und vielen Gemüsesorten lassen sich die besten preiswerten Gerichte kochen. Davon hat man auch noch länger was. So kann man sich zum Beispiel abends das Mittagessen für den nächsten Tag gleich mitkochen. Das ist kein Mehraufwand und man spart sich das Geld fürs Auswärtsessen in der Mittagspause. Der erste Schritt: Sich eine oder mehrere umweltfreundliche Mehrwegbehälter für das hausgemachte Take-Away-Essen zulegen.

2. Günstiges Gemüse durch eigenen Anbau.  

Man muss kein:e Landwirt:in sein, um eigenes Gemüse anzupflanzen. Man muss nicht mal einen Garten haben. Es gibt Ackerflächen zum Anmieten und sie sind schon so vorbereitet, dass eigentlich nichts schiefgehen gehen kann. Ackerflächen zum Mieten findest du zum Beispiel bei den Ackerhelden. Laut einer Umfrage ernten dort die Kund:innen pro Saison durchschnittlich Gemüse im Wert von 623 Euro. Bei einer Ackermiete von 229 Euro hat man in der Saison praktisch 394 Euro gespart, wenn man diese Menge im Supermarkt gekauft hätte.

3. Es muss nicht immer der Bio-Laden sein. 

Es stimmt schon: Bioläden sind manchmal teurer als herkömmliche Supermärkte, weil sie mit kleineren Mengen und Marken handeln. Vielleicht wird auch deshalb eine gesunde Ernährung als etwas betrachtet, was sich einkommensschwächere Haushalte nicht leisten können. Obst, Gemüse und Grundnahrungsmittel wie Reis, Pasta, Linsen oder Bohnen gibt’s aber genauso beim Discounter. Einwandfrei sind die Lebensmittel aber genauso und gesund natürlich auch. Und selbst bei der Auswahl an Bio- oder fair gehandelten Produkten hat sich schon sehr viel getan.

4. Kauf regional und saisonal.

Wenn du gezielt regionale und saisonale Produkte einkaufst, kannst du die Ausgaben für deine Gerichte zusätzlich senken. Kurze Transportwege sowie der geringere Energieaufwand für Früchte, die in ihrer natürlichen Umgebung wachsen, sorgen für günstigere Preise. In Zeiten der Inflation und unterbrochenen Lieferketten macht sich das umso mehr bemerkbar. Laut Statistischem Bundesamt war saisonales Obst und Gemüse aus Deutschland im März 2022 insgesamt 12,4 % günstiger als im Vorjahreszeitraum. Mit einem Saisonkalender erfährst du nicht nur, wann was wächst, du kannst dir jetzt schon mal Gedanken machen, was man in bestimmten Jahreszeiten gut kochen kann. Kochen nach Saison bereichert die Ernährung: Man verarbeitet Gemüse, das man früher nicht auf dem Schirm hatte und bevor einem eine bestimmte Sorte nicht mehr sehen kann, hat sich das Angebot längst verändert. Mit der Nähe zur Produktionsstätte sinkt natürlich auch dein CO2-Fußabdruck. Wenn die Produkte dann noch unverpackt daherkommen, ernährst du dich rundherum klimafreundlich.

5. Einfach statt fancy. 

Quinoa, Chiasamen oder Gojibeeren – in den letzten Jahren boomten in Deutschland viele neue Lebensmittel. Viele Sorten, die in ihren Herkunftsländern totaler Standard sind, wurden bei uns als Superfood vermarktet und zu einem entsprechend hohen Superpreis verkauft. So gut wie viele Sorten schmecken – man braucht sie nicht, um sich vegan oder vegetarisch ernähren zu können. Es geht auch mit Nudeln, Reis, Pasta, Leinsamen oder Hirse – und das ist wesentlich günstiger.

6. Reduzierte Lebensmittel abstauben. 

Es gibt viele Möglichkeiten, günstig an gute Lebensmittel zu kommen. Es lohnt sich zum Beispiel, vor Ladenschluss noch mal in den Geschäften vorbeizuschauen. Oft wollen die Läden ihre Ware loswerden und bieten sie zu reduzierten Preisen an. Manche Apps bringen dich sogar gezielt zu den Schnäppchen, zum Beispiel To Good to Go. Mit der App bekommst du Gerichte oder Zusammenstellungen von Restaurants oder Läden zum reduzierten Preis. Dadurch bezahlst du weniger für frische Lebensmittel und stemmst dich gegen die Wegwerfkultur von Lebensmitteln.

Foodsharing und öffentliches Obst.

Über Foodsharing-Plattformen gibt es Lebensmittel ganz umsonst. Auch hier sollen einwandfreie Lebensmittel vor der Mülltonne gerettet werden. Du kannst Essen an Verteilstationen – sogenannten Fairteilern – bringen oder dir selbst etwas nehmen. Und dann gibt es im öffentlichen Raum viele Bäume und Sträucher, wo du Obst und Gemüse pflücken kannst. Einfach so. Die App mundraub.org führt dich hin. 

CO2 reduzieren.

Mit dem richtigen Einkauf senkst du nicht nur deine Ausgaben für Lebensmittel, sondern auch jede Menge CO2. Wie viel, kannst du sogar berechnen, zum Beispiel mit dem Fleischrechner. Nur mal als Beispiel: Wenn du dich nur ein Jahr fleischlos ernährst, hast du bereits 578 Kilogramm CO2 gespart.  Und statistisch gesehen hast du 12 Hühnern, einem halben Schwein und dem Zehntel einer Kuh das Leben gerettet.

Weniger ist schon so viel mehr. Wirklich. 

Für die Umwelt ist eine Ernährung ohne tierische Produkte natürlich am besten. Aber wer seinen Konsum einschränkt, hilft schon wirklich mit. Dr. Marco Springmann, Mitautor der Oxford-Studie, erklärt in einem Kurzvortrag, der auf YouTube zu sehen ist, dass das 1,5-Grad-Ziel noch erreicht werden kann, wenn man pro Woche nur eine Portion rotes Fleisch isst und nicht mehr als zwei Portionen Huhn und Fisch. Außerdem sollte man nur eine Portion eines Milchprodukts am Tag zu sich nehmen und sich ein- bis zweimal die Woche vegan oder vegetarisch ernähren. 

Realistisches Ziel.

Ob uns das genauso umgesetzt vorm Klimawandel schützen wird, weiß man nicht. Aber wir müssen es versuchen! Zumal es ein absolut realistisches Ziel ist, an dem wirklich jede:r mitarbeiten kann. Wenn die Menschheit aber weiterhin vorwiegend aus Gewohnheit (oder Trotz) so viel Fleisch verzehrt (Pro Kopf und Jahr liegt der Fleischkonsum in Deutschland laut Bundesumweltministerium bei 60 Kilogramm), dann überschreiten wir in jedem Fall die rote Linie. Und dann steht die Ernährungsversorgung – mit oder ohne Fleisch – aufgrund der Landveränderungen, die Hitze und Extremwetter mit sich bringen, wirklich auf dem Spiel. Für alle.

Wenn du Geschmack hast, hast du gewonnen.

Man sollte sich auch daran erinnern, dass man eigentlich sehr oft ohne tierische Produkte auskommt, ohne dass es jemals ein Thema wäre. Wenn du gerne (in Pflanzenfett) frittierte Pommes isst oder Spaghetti mit Tomatensoße, Ofenkartoffeln mit Rosmarin, bist du schon längst eine:r von „denen“ da, die der Opa meint, wenn er drohend mit der Gabel rumfuchtelt.

Und dann erzählt er von früher, als es Fleisch nur ein Mal die Woche gab – und man noch das Gute noch zu schätzen wusste. Fällt was auf? Es ist genau das Gleiche, was Klimaschützer:innen fordern. Zeit, dass wir uns endlich gemeinsam an den Tisch setzen!

Motivier dich mit Energie!

Wer noch einen kleinen Motivator braucht, wie einfach es ist, massiv CO2 zu reduzieren, wählt einfach die richtige Energie zum Kochen. Nur mal so: Ein 4-Personen-Haushalt spart mit seinem Wechsel zu Wirklich Ökostrom schon über eine Tonne CO2 und sorgt dafür, dass sich die Welt Stück für Stück zum Positiven dreht. Jeder Wechsel zu Polarstern stößt den Bau von Biogasanlagen für Familien in Kambodscha an, unterstützt den Aufbau einer Solarstromversorgung in Madagaskar und fördert den Ausbau der erneuerbaren Energien in Deutschland und Europa. Was du veränderst, kannst du mit unserem Impact-Rechner schon vor deinem Wechsel berechnen. Und hier berechnest du deinen Preis.

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Michael | Team Wirklich

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Und wir bedanken uns mit 20 Euro. Schnapp dir jemanden, der auch zu wirklich besserer Energie wechseln möchte – und ihr bekommt beide 20 Euro auf eure nächste Stromrechnung gutgeschrieben. Gemeinsam verändern wir mehr!

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