Die Fleischproduktion vernichtet nicht nur die Tiere, sondern bedroht auch unsere eigene Existenz. Wir müssen uns pflanzlicher ernähren, wenn wir unser Klima und unseren Planeten schützen wollen. Erfahre mehr über die Wirkung unseres Fleischkonsums und wie du dich verantwortungsbewusster ernähren kannst.  

von Michael

 

1. So viel Fleisch essen die Deutschen.

Die Frage, ob der Mensch nun von Natur aus Fleischfresser ist oder nicht, hat sich mit der modernen Fleischindustrie erübrigt. Die Natur hat garantiert nicht vorgesehen, dass sich etwa die Deutschen jedes Jahr mehr oder weniger ihr eigenes Körpergewicht an Fleisch reinknallen. Pro Kopf und Jahr liegt der Fleischkonsum hierzulande laut Bundesumweltministerium bei 60 Kilo, ökologisch und gesundheitlich verträglich sind laut der Plattform EAT Lancet Commission höchstens 15 Kilo. Nach heutigem Stand verzehren die Deutschen pro Woche laut Heinrich-Böll-Stiftung 253 Gramm Geflügelfleisch, 686 Gramm Schweinefleisch und 185 Gramm Rindfleisch. Auf zehn Jahre gerechnet sind das fast fünf Schweine, mehr als eine halbe Kuh und 117 Hühner. 

 

2. So viele Tiere werden geschlachtet.

Der Fleischkonsum ist so hoch, man könnte meinen, Menschen hassten Tiere. Dabei zieren sie ihre Anziehsachen, Kalender und Bildschirmschoner. Sie sind Leinwandhelden und über Hunde sagt man, sie seien die besten Freunde der Menschen. In der Realität beenden die Menschen ihre Freundschaft zu den Tieren frühzeitig. Gerne mal mit dem Bolzenschuss. Zahlen sind unattraktiv zu lesen, trotzdem sollte man sich mal vor dem nächsten tierischen Snack mal diese Zahlen reinziehen. So viele Tiere wurden laut Heinrich-Böll-Stiftung 2018 in Deutschland geschlachtet: 

  • 656.775.306 Hühner
  • 56.895.229 Schweine 
  • 35.264.875 Puten 
  • 16.975.765 Enten 
  • 3.482.219 Rinder 
  • 1.183.857 Schafe 
  • 634.454 Gänse 
  • 24.103 Ziegen 
  • 6.862 Pferde 
  • 2.545 Perlhühner 
  • 2.260 Tauben 
  • 2.075 Strauße.

Da lag die erste Jahreshälfte 2020 aufgrund der Corona-Pandemie mit 26,7 Millionen geschlachteten Schweinen, die laut Statistischem Bundesamt geschlachtet wurden, sogar noch auf niedrigem Niveau.

 

Viele Tiere sterben umsonst. 

Viele der getöteten Tiere werden noch nicht einmal gegessen oder für andere Produkte verarbeitet. Rechnet man alles zusammen, landen laut Heinrich-Böll-Stiftung etwa 10,5 Millionen Tiere im Hausmüll, 2,8 Millionen davon sind Schweine. Wir picken uns eben die Stücke raus, die wir mögen, der Rest kommt weg. Für eine kleine Hühnerbrust stirbt dann ein ganzes Tier. Die rund 42 Millionen männlichen Küken, die jedes Jahr direkt nach dem Schlüpfen vergast oder geschreddert werden, weil man für sie keine industrielle Verwendung findet, sind da offensichtlich nicht einmal einkalkuliert. 

 

3. Wie uns Fleisch krank macht. 

Allein die schiere Masse an Vernichtung ist pervers. Aber am Fleischkonsum hängen so viele weitere Negativfolgen, dass man gar nicht weiß, auf welches Problem man den Scheinwerfer zuerst richten soll. Vielleicht bei denen, die es am meisten betrifft: die Tiere. Laut einem Bericht des Wissenschaftlichen Beirats für Agrarpolitik (WBA) sind 80 % der Mastschweine in Deutschland verletzt oder an Atemwegserkrankungen erkrankt. Rund 33 % der Milchkühe leidet an lahmen Gelenken, 38 % an Euterentzündungen. Die Masthühner werden derart mit Nahrung vollgepumpt, dass bei über der Hälfte der Tiere die Knochen unter dem eigenen Gewicht brechen. Wer einmal die Panade und die ganzen Geschmacksverstärker von der Wurst kratzt, kann die Angst und Krankheit des Tieres förmlich schmecken.

 

Die Krankheit kommt zurück. 

Die Tiere werden krank, weil Fleisch billig sein muss. Denn am meisten wird in der Haltung gespart. Damit die Tiere bis zum Schlachtgewicht durchhalten, werden sie pro Forma mit Antibiotika behandelt. Jedes Jahr weltweit mit rund 131.000 Tonnen, wie der Fleischatlas der Heinrich-Böll-Stiftung berichtet. Trotzdem sterben allein in Deutschland rund 43,3 Millionen Tiere noch vor ihrem Schlachttermin. Vielleicht liegt es daran, dass der Einsatz von Antibiotika in der Massentierhaltung auf gut Glück erfolgt. Ein krankes Tier lässt sich in der Masse kaum ausmachen. Lösung: Alle bekommen das Mittel – über das Futter oder die Tränkwasseranlage.

Am Ende führt das dazu, dass auch die Menschen eine Resistenz gegen Antibiotika entwickeln können. Der Fleischatlas berichtet von Studien, nach denen bis zu Mitte des Jahrhunderts zehn Millionen Todesfälle eine Folge von einer Resistenz gegenüber den Mitteln sein könnten. Ein Problem, von dem übrigens nicht nur die Fleischesser betroffen sind. Denn die Antibiotika gelangen in die Böden und ins Grundwasser und werden somit von der Allgemeinheit aufgenommen. Die Bakterien der Tiere stellen wirklich eine Gefahr dar. Die Internationalen Organisation für Tiergesundheit (OIE) schätzt, dass rund 60 % aller Infektionskrankheiten unter denen die Menschen leiden, von Tieren übertragen werden. Und wie war das noch mal mit Covid-19? 

 

4. Wie der Fleischkonsum die Erde aufheizt.

Was Verfechter des Schweinegeschnetzelten für 2,90 Euro eben nicht verstehen wollen, ist, dass es mit der Einschränkung des Fleischkonsums nicht nur um den Schutz der Tiere geht – sondern um unseren eigenen. Am radikalsten sichtbar wird dies mit Blick auf den Klimawandel. Rechnet man alle Faktoren mit ein, ist laut Weltklimarat IPCC die Lebensmittelproduktion für 37 % der weltweiten Treibhausgase verantwortlich. Die Fleischindustrie verursacht dabei den größten Schaden. Vor allem die Tierfutterproduktion ist problematisch, frisst sie doch der Erde die Fläche weg. Laut Greenpeace werden 80 % der weltweiten Weide- und Ackerflächen für die Tierhaltung und den Anbau von Futtermitteln wie etwa Soja genutzt. Gleichzeitig machen tierische Lebensmittel aber nicht einmal 20 % der weltweiten Nahrungsversorgung aus. Für die Produktion eines Kilos Schweinefleisch müssen fünf Kilo Futter produziert werden. 

>>> Leckere, stylische und nachhaltige Ideen für den Alltag. 

 

Und es geht immer weiter: Für noch mehr Fleisch, für noch mehr Anbaufläche werden immer mehr Wälder gerodet. Allein in Brasilien soll sich die Fläche für die Sojaproduktion in den letzten 20 Jahren um die Größe Deutschlands vergrößert haben, wie die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) berichtet. Das Meiste bekommen die Tiere. Damit ruiniert unser Fleischkonsum neben dem Ozean unser wichtigstes Schutzschild gegen den Klimawandel: die Wälder als CO2-Speicher. Und mit ihm die Biodiversität

 

Ganz klar: die Kühe sind schuld.

Die Tiere selbst heizen der Erde auch gehörig ein. Ein einzelnes Rind gibt pro Tag rund 200 Liter Methan in die Atmosphäre ab. Die Klimawirkung von Methan wird rund 25-mal höher eingeschätzt als CO2. Deshalb ist aus Klimasicht Rindfleisch besonders problematisch. Laut Umweltbundesamt verursacht ein Kilo Rindfleisch 30,5 Kilo Treibhausgase. Die gleiche Menge Geflügel kostet die Atmosphäre 4,3 Kilo, Schweinefleisch 4,1 Kilo. Bei einem Kilo eines Sojaprodukts fallen dagegen nur 2,8 Kilo CO2 an. Der durchschnittliche Fleischkonsum in Deutschland pro Kopf verursacht auf zehn Jahre gerechnet 5.785 Kilo CO2.  

Tabelle: Treibhausgase pro Kilo Fleisch.

Rindfleisch30,5 Kilo
Geflügel4,3 Kilo
Schweinefleisch4,1 Kilo
Vergleich: Soja2,8 Kilo

Quelle: Umweltbundesamt.

 

Was die Reduzierung deines Fleischkonsums bewirkt.

Das Rechenportal Blitzrechner hat ein Tool entwickelt, mit dem jeder die Auswirkungen seines Fleischkonsums direkt ausrechnen kann. Die wenigsten werden sich am Ende der Woche daran erinnern können, was sie die letzten Tage verspeist haben, geschweige denn die Grammangaben im Kopf haben. Deshalb gibt der Rechner die Durchschnittswerte laut Verbände und Ministerien an: 253 Gramm Geflügelfleisch, 686 Gramm Schweinefleisch und 185 Gramm Rindfleisch. Die Angaben sind voreingestellt, und du kannst eingeben, wie stark du deinen Fleischkonsum einschränken möchtest. Das Ergebnis wird dir direkt angezeigt. 

Wer sich zum Beispiel nur 1 Jahr vegetarisch oder vegan ernährt, hat laut Fleischrechner 12 Hühner, ein halbes Schwein das Zehntel einer Kuh verschont und dabei eine halbe Tonne CO2 gespart. Auf zehn Jahre gerechnet können fast fünf Schweine, mehr als ein halbes Rind und 117 Hühner überleben. Außerdem wurden an die 6 Tonnen CO2 gespart.

Fleischreduktion: Berechne, was es bewirkt.

 

Wie du verantwortungsvoller (Fleisch) isst. 

Im Idealfall ernähren wir uns vegan oder zumindest vegetarisch. Aber man muss auch realistisch bleiben: Nicht alle Menschen können und wollen das. So einen Schlussstrich ziehen. Es ist genau dies, was sie am meisten fürchten. Sie könnten mit Sicherheit wochenlang kein Fleisch essen und würden es nicht einmal merken. Sobald sie das Gefühl haben, man zieht einem den Teller weg, klammern sie sich daran fest. Etwas Sünde möchte man sich schon vorbehalten. Und für diese Gruppe, das heißt für die meisten von uns, gibt es trotzdem Wege, den ökologischen Fußabdruck zu verringern.

1. Achte darauf, wo dein Fleisch herkommt. Im Idealfall kommt es vom Biobauern aus deiner Nähe. Regional einkaufen hält nicht nur die Transportwege kurz, oft schafft es Transparenz, weil einige Höfe eine „offene Tür“ pflegen. 

2. Reduziere deinen Fleischkonsum Stück für Stück und iss Rind am seltensten. Es hat den größten CO2-Fußabdruck.

3. Gib Geld aus! Das ist ein Lebewesen, und Leben muss einen Wert haben. Außerdem bezahlen einen billigen Preis alle.Zum Beispiel über Agrarsubventionen, Infektionskrankheiten und irreparablen Klimaschäden.

4. Probiere neue pflanzliche Alternativen aus, statt dem alten Fleischgericht hinterherzuheulen. Man muss sich nicht an pflanzliche Bratlinge gewöhnen, sie schmecken gut. Ein paniertes Sellerieschnitzel schmeckt besser als jedes durchschnittliche Wirtshausschnitzel „Wiener Art“. Wirklich.

5. Kauf nur so viel, wie du garantiert essen wirst. Erinnerung: Jedes Jahr landen alleine in Deutschland etwa 10,5 Millionen Tiere im Hausmüll. Alles umsonst: das Leben, die Ressourcen, der Klimaschaden.

6. Stell den Bezug zu den Tieren wieder her. Nur weil auf dem Aufschnitt ein Smiley ist, heißt das nicht, dass das Tier irgendwas zu lachen hatte. Fahr aufs Land, schau dir die Tiere an, wie toll sie sind! Wer einmal mitbekommt, wie Kalb und Kuh schreien, wenn sie getrennt werden, wird nicht nur aufs Fleisch verzichten, sondern auf die Milch im Kaffee gleich dazu. Garantiert. 

Artikel: Was ist eigentlich wirklich nachhaltig?

 

Der einfachste Weg, seine Klimakilos zu reduzieren.

Nicht nur beim Fleisch solltest du Chancen ergreifen, deinen CO2-Fußabdruck radikal zu senken. Der einfachste Weg ist und bleibt der Wechsel zu Ökoenergie. Der Bezug von wirklich nachhaltig erzeugtem Ökostrom und Ökogas kann den eigenen CO2-Fußabdruck bereits um bis zu einem Fünftel reduzieren. Ganz ohne Verhaltensänderung oder Umstellung. Die Ernährungsumstellung kann eine Lebensaufgabe sein. Der Wechsel zu wirklich besserer Energie ist in wenigen Minuten erledigt. Die Veränderung bleibt. Mit unserem Impact-Rechner findest du heraus, was dein Wechsel alles bewirkt. Und mit einem Klick auf den Button berechnest du, was wirklich bessere Energie kostet. Wirklich nicht viel. 

Jetzt Preis für Wirklich Ökostrom berechnen

Ökostrom ist viel günstiger als du denkst!

Wirklich besserer Strom ist keine Rolex. Und sogar meist günstiger als die Grundversorgung.

Weiterempfehlen vervielfacht deine Wirkung!

Und wir bedanken uns mit 20 Euro. Schnapp dir jemanden, der auch zu wirklich besserer Energie wechseln möchte – und ihr bekommt beide 20 Euro auf eure nächste Stromrechnung gutgeschrieben. Gemeinsam verändern wir mehr!

Polarstern weiterempfehlen