Mandeln

Den Januar nutzen immer mehr Menschen, um einen veganen Monat einzulegen. Das ist gut, schützt der „Veganuary“ doch Tiere, die Umwelt, Klima und unsere Gesundheit gleich dazu. Nur, wie geht es jetzt weiter? Mit der Wurstsemmel zur Belohnung? Lieber nicht. Hier haben Polarstern-Mitarbeiter:innen zusammengetragen, wie sie den veganen Einstieg geschafft haben und wie sie dabeibleiben. Auch mit Familien und fleischliebenden Partner:innen.

von Michael

 

Warum der Januar perfekt für den veganen Einstieg ist.

Der langweiligste Monat ist eindeutig der Januar. Da will niemand mit dir etwas Ungesundes essen oder trinken, höchstens Sport machen. In den letzten Jahren hat sich ein weiterer beliebter Verzicht dazugesellt: der Veganuary. Bei der Challenge geht es darum, sich einen Monat lang komplett vegan zu ernähren. Tatsächlich eignet sich der Januar perfekt dafür. Nachdem man sich über die Feiertage eine Fettschicht aus Lammkeule, Rehrücken, Fleisch-Fondue und der obligatorischen Gans draufgeschafft hat, liegt das schlechte Gewissen schwer im Magen wie Raclettkäse und plötzlich ist da dieser Heißhunger auf etwas Unerhörtes: Salat. Dieses Momentum nutzen immer mehr Menschen, um beim Veganuary mitzumachen. Um Tiere und das Klima zu schützen, und ja auch das: um vielleicht einen Rettungsring leichter zu werden.

 

Challenge Accepted. 

Der Veganuary wurde 2014 von der gleichnamigen, gemeinnützigen Organisation ins Leben gerufen, um mehr Menschen für eine pflanzliche Ernährung zu begeistern. Seitdem sollen mehr als 1 Millionen Menschen bei der Challenge mitgemacht haben. Dieses Jahr waren auch viele von uns Polarstern-Mitarbeiter:innen dabei. Weil es uns wichtig ist. Fürs Klima, die Umwelt, unsere Gesundheit – und natürlich für die Tiere. Und genau deshalb sollten wir mit unserem Veganuary dringend in die Verlängerung gehen. Wir haben ein paar Strategien gesammelt, wie’s klappt.

 

7 Tipps, wie der vegane Einstieg gelingt und wie du dabei bleibst.

 

1. Taste dich an die vegane Ernährung heran.  

Wir haben gelernt, dass es nachhaltiger ist, sich Schritt für Schritt ans Vegansein heranzutasten, statt sich einer Radikalkur zu unterziehen. Man kann zum Beispiel mit einem veganen Gericht am Tag anfangen und nach und nach auch die anderen Mahlzeiten umstellen. Da macht auch die Familie (eher) mit. Wer sich erst an manche veganen Produkte gewöhnen muss, kann es zunächst auch mit einem Mix probieren. Wer etwa Kuhmilch liebt und die Reismilch noch verschmäht, kann beides mischen und die Reis- zu Kuhmilch-Ratio kontinuierlich zugunsten der Getreidekörner nach oben schrauben. Dann kommen in die Corn Flakes ein Schuss Kuhmilch, ein Schuss Pflanzenmilch. Das Verhältnis kann jederzeit zugunsten der Pflanze angepasst werden. Die Kuhmilchflasche ist irgendwann leer. Kaufst du dann eine neue? 

Als Anpassungsstrategie funktioniert auch Relativieren: zu Hause vegan sein und bei Freund:innen oder der Mama alles mitessen. Mit solchen Deals wird man natürlich langfristig keine komplette Umstellung erreichen – zu groß ist die Gefahr, dass die Ausnahme wieder zur Regel wird. Trotzdem ist es in der Anfangszeit eine gute Brücke. 

 

2. Sieh den Gewinn!

Wer die Ernährung umstellt, sieht nur den Verzicht. Denn es ist ja auch furchtbar: Nie wieder Käse! Dabei ist eine vegane Ernährung ein gutes Beispiel dafür, dass hinter so manchem Verlust ein großer Gewinn steht.

 

Du darfst mehr essen. 

Du kannst zum Beispiel bei einer veganen Ernährung eigentlich die ganze Zeit essen. Du musst sogar viel essen. Denn pflanzliche Lebensmittel sind zwar sehr nährstoffreich, aber kalorienarm. Bei deiner bisherigen Ernährung war es genau andersrum. Da hast du viele Kalorien aufgenommen, aber umso weniger Nährstoffe. Also, hau rein!

 

Die Auswahl ist größer, als du denkst.

Der Inhalt des Kühlschranks wird viel vielfältiger. Auf einmal sind da wunderbare Lebensmittel, die man vorher nie gekauft hätte. Für jedes tierische Produkt, das aus dem Kühlschrank verschwindet, zieht eine neue pflanzliche Alternative ein. In vielen Gerichten schmeckt man den Unterschied noch nicht einmal heraus. Und wenn doch? Egal! Denn mit der Zeit gewöhnt man es sich ab, Fleischgerichte 1:1 vegan nachzukochen, den Geschmack nach Tier in der Pflanze zu suchen. Es bringt auch nichts. Denn mal abgesehen davon, dass Fleischersatz selten ans Original rankommt, sind Produkte wie Beyond Meat megafettig. Und das war wahrscheinlich nicht Absicht deines veganen Einstiegs. 

Entdecke lieber die Dinge, die du dir vorher nie gekauft hast: Datteln, Jackfruit, Mandelmus. Auch die Unternehmen machen es einem immer einfacher. Plötzlich registriert man beim Einkauf, wie häufig das Vegan-Logo auf Produkten zu finden ist. Und noch was: Ein Leben lang hat man dir eingetrichtert, das Kohlenhydrate was Schlechtes sind. Bei einer veganen Ernährung brauchst du sie aber mehr denn je.

 

Würz, was das Zeug hält. 

Wenn du doch mal den Fleischgeschmack vermisst: Viele Gewürze suggerieren ihn auf fantastische Weise. Dazu gehören Zwiebeln, Paprikapulver, Kreuzkümmel oder Knoblauch. Eine Pasta-Soße aus Öl, Zwiebeln und Rosmarin ist immer noch vegan, gibt aber einen guten Bratengeschmack ab.

 

3. Erinnere dich, warum du vegan bist. 

Die meisten Veganer:innen hatten ein Schlüsselerlebnis, das zur ihrer Ernährungsumstellung geführt hat. Schwache Momente wird es aber immer geben. Und dann hilft die Erinnerung, was die vegane Ernährung bewirkt. Ein paar Beispiele: 

• Deine vegane Ernährung rettet Tiere.

Wenn du dich nur ein Jahr lang vegan ernährst, rettest du laut Fleischrechner bereits 12 Hühnern das Leben, ebenso einem halben Schwein und dem Zehntel einer Kuh – wenn man das überhaupt so sagen kann. Zudem verzichtest du pro Jahr auf Milchprodukte mit einem Gewicht von 120,9 Kilogramm, auf 230 Eier und 1 Kilogramm Honig.

• Du schützt mit deiner veganen Ernährung das Klima und die Natur.

Etwa 14,5 % der weltweiten Treibhausgasemissionen gehen laut der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der UN (FAO) auf das Konto der Tierwirtschaft. Als Veganer:in fügst du diesem Konto nichts hinzu. Im Gegenteil: Deine vegane Ernährung spart laut Fleischrechner 578 Kilogramm CO2 im Jahr. Eine Studie an der Oxford University geht sogar von 2 Tonnen aus. 

• Wer vegan isst, ist gesünder.

Wer vegan isst, reduziert außerdem das Risiko an Diabetes oder Krebs zu erkranken oder Herzkrankheiten zu erleiden. Bis heute gilt Fleisch als die Quelle aller menschlichen Stärke. Dabei sind viele Sportler:innen lebende Beweise, dass es auch pflanzlich geht. Zum Beispiel Venus Williams, Lewis Hamilton oder Carl Lewis. Sogar Mike Tyson war jahrelang Veganer (bei seinem Comeback hat er dann allerdings Elche und Bisons verspeist).

 

4. Bau deine Vegan-Community auf. 

Als Veganer:in is(s)t man zum Glück nicht alleine. Wer nicht weiter weiß oder von seinen eigenen Koch- und Kaufkünsten gelangweilt ist, sollte ganz bewusst mit Freund:innen oder Kolleg:innen Rezepte austauschen und über Erfahrungen und Tipps sprechen. Da taucht zum Beispiel plötzlich der vegane Joghurt auf, der eben nicht widerlich nach Ersatzprodukt schmeckt, sondern wirklich wie, tja, Joghurt. Deine eigene vegane Community ist auch aus einem anderen Grund wichtig. Sie ist dein Safe Space, vor der du dich nicht rechtfertigen musst, warum du tust, was du tust. Veganer:innen lernen, dass das eigene Umfeld einen zwar nie vor den Gefahren einer Schweinshaxe gewarnt hat, Gemüse aber hochgefährlich ist. Seltsam nicht? Unterstützung findest du in solchen Momenten natürlich auch im Netz. Bei Facebook-Gruppen oder tollen Influencer:innen

 

5. Achtung Binsenweisheit: Denk an heute. 

Sich pflanzlich zu ernähren, ist nicht schwer. Was die Umstellung schwer macht – und das betrifft alle Veränderungen – ist das Endgültige. Sich vorzunehmen, etwas für immer zu machen, ist entmutigend. Denn für immer ist eine lange Zeit. Vorher verabschiedet man sich von seinem alten Leben mit einer letzten Zigarette, einem letzten Steak, einem letzten Schnaps. Oft bleibt man einfach nur in einer Abschiedsspirale hängen, bei der man eben jeden Tag etwas zum letzten Mal macht. Und deshalb sollte man nicht an die Ewigkeit denken, sondern – Achtung, Binsenweisheit – im Jetzt leben. Heute ess ich pflanzlich. Morgen schau ich auf gestern zurück, übermorgen auf morgen und sehe, was ich schon geschafft habe. Diesen Schnitt möchte man sich nicht ruinieren, bleibt dabei, und mit der Zeit ist das Laster längst nicht mehr so bedeutend, wie es mal war.

 

6. Denk an (d)ein Haustier.

Wir haben den Bezug zu den Tieren verloren. Denn im Supermarkt werden sie zu einer Sache – auseinandergenommen und die Einzelteile auf unzählige Produkte aufgeteilt. Wenn der Fleischhunger kommt, denk an (d)ein Haustier. Es hat einen Namen und ist dein Freund. Du würdest diesen Freund nicht auf den Grill legen oder aus seiner Muttermilch Käse machen, urg. Auch das klingt käsig, ist aber wahr: Alle von den rund 2 Milliarden Tieren, die 2019 geschlachtet wurden, waren Individuen, denen du selbst niemals ein Haar oder Borsten krümmen würdest.

>>> Fakten über den Fleischkonsum. 

 

7. Nutz dein Vegan-Wissen.

Wer jetzt zum ersten Mal einen veganen Monat hinter sich hat, weiß, wie’s geht. Beim ersten veganen Selbstversuch ist man noch damit beschäftigt, Infos zu sammeln. Wie man einkauft, wie man kocht, wie der Körper auf die Ernährung reagiert. Du hast dieses Wissen intus und kannst es jederzeit wieder abrufen. Du weißt, was du kaufen und kochen kannst, und was dir überhaupt schmeckt. Also, mach weiter!

Artikel: Diese Produkte sind nicht vegan

 

Vegan über den Tellerrand hinaus.

Apropos Weitermachen: Auch das haben wir als 1-Monats-Veganer:innen gelernt. In der Übergangsphase, gerade wenn bei einer Einladung kurz davor ist, über die Käseplatte herzufallen, sollte man umso mehr in anderen Bereichen stärker darauf achten, dass man sich nicht versehentlich an etwas Tierischem verschluckt. Eine Ernährungsumstellung ist eine große Aufgabe, eine Kaufentscheidung nicht. Ein paar Beispiele:

• Kauf keine Produkte aus Daunen, Federn oder Pelz. Es ist das 21. Jahrhundert, und wir können uns auch anders warmhalten. Leider weiß die Textilindustrie, dass die Toleranz für Pelz bei Null liegt und hat einen fiesen Trick gefunden: Sie schreibt Kunstpelz drauf, auch wenn manchmal echter drinsteckt. Der Echte ist nämlich günstiger.

• Wer zum ersten Mal von veganer Kleidung hört, wird sich für den Bruchteil einer Sekunde fragen, ob sie aus Butter und Eiern hergestellt wird. Natürlich nicht. Aber auch in unserem Kleiderschrank verstecken sich Tiere. Es geht bei den Schuhen los. Oft werden sie von einem Kleber zusammengehalten, der aus Knochen und Haut hergestellt wird. Und auch die Innensohle ist gerne mal aus echtem Leder. Was man vermutlich gar nicht auf dem Radar hat, ist der Logoaufnäher hinten auf der Jeans. Auch der ist häufig aus Leder. Knöpfe sind oft aus Hörnern, Hufen oder Muscheln (Perlmutt). Wenn du wirklich vegane Mode suchst: Schau bei unseren Partnern Loveco und DearGoods vorbei.

>>> Artikel: So machen Social Businesses die Mode nachhaltiger.

• Wirf bei Lebensmitteln, gerade am Anfang einer pflanzlichen Ernährung, grundsätzlich einen kurzen Blick auf die Inhaltsstoffe. Gelatine ist ein gutes Beispiel, wie sie einem Haut und Knochen unterjubeln. Egal ob Gummibärchen, Saft oder Limos – Gelatine muss pflanzlich sein.

• Eine Semmel sollte man nicht knüllen können. Wenn es trotzdem geht, steckt vielleicht L-Cystein drin. Das ist eine Aminosäure, die aus Federn oder Schweineborsten hergestellt wird. Bei Bio-Backprodukten wirst du diesen Inhaltsstoff, der den Teig weicher machen soll, dagegen nicht finden. 

 

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