Die Energieeffizienz ist ein entscheidendes Instrument gegen die Klimakrise. Aber sie kann auch zum Problem werden. Und zwar immer dann, wenn wir die Ersparnis mit einem Kontingent verwechseln, das uns zusätzlich zusteht. Schauen wir uns den Stand der Effizienz in den wichtigsten Bereichen des Lebens an – und, was du konkret tun kannst, um energieeffizienter zu leben.

von Michael

Keine Energiewende ohne Effizienz. 

2021 dürfte endgültig angekommen sein, dass wir schleunigst unsere Treibhausgase loswerden müssen. Wie das gehen soll, ist bekannt: mit dem Einsatz von erneuerbaren Energien. Allerdings können wir die nicht so einfach herzaubern. Deshalb braucht es noch ein anderes Instrument: die Energieeffizienz. Sie ist für die Klimaschutzziele so entscheidend, weil wir den Energiebedarf umso schneller mit erneuerbaren Energien decken, je geringer der Energiebedarf eben ist. Gleichzeitig schützt die Effizienz vor weiterem Flächen- und Ressourcenverbrauch. Die Bundesregierung hat sich für die Energieeffizienz viel vorgenommen: Bis 2050 will sie den Energieverbrauch Deutschlands halbieren.

Das Gute und das Schlechte an der Energieeffizienz.  

Halbieren, das klingt nach Komfortverlust und Einschränkung. Aber genau das ist Energieeffizienz eben nicht. Im Gegenteil. Verbraucher:innen sparen durch Energieeffizienz sogar Geld. So sank der Anteil der Energieausgaben am gesamten Konsum laut Bundeswirtschaftsministerium von 2008 bis 2018 von 8 % auf 6,6 %. Das sind die guten Nachrichten. Allerdings kann die Energieeffizienz auch zum Problem werden. Und zwar immer dann, wenn die Ersparnis als ein Kontingent gesehen wird, das wir zusätzlich verbrauchen können. Im schlimmsten Fall führt die Effizienz dann zu Rebound-Effekten. Das sind Mehrverbräuche, die eintreten, weil die Effizienz überschätzt wird. Werfen wir einen Blick auf die verschiedenen Bereiche und wie es dort um unsere Energieeffizienz steht und wie wir sie ausschöpfen.

1. So energieeffizient ist unser Stromverbrauch. 

Der Bereich, der uns vermutlich alle am meisten betrifft, ist der Stromverbrauch. Laut Statistischem Bundesamt ist er in Deutschland von 2010 bis 2019 insgesamt um 9,3 % gesunken. Nich schlecht, dafür passiert in den privaten Haushalten aber immer noch zu wenig. Die Geräte werden zwar immer effizienter, aber die zunehmende Ausstattung an elektronischen Geräten und die ständige Verbindung mit dem Interneet macht die Effizienz oftmals zunichte. Insgesamt wurde 2020 genauso viel Strom verbraucht wie 1990. Und wir reden hier von einem spaß- und energiereduzierten Corona-Jahr.

Verbrauche deinen Strom effizienter.

Gerade Haushalte verschenken bei ihrem Stromverbrauch oftmals Geld. Laut Stromspiegel können die deutschen Haushalte durchschnittlich 320 Euro pro Jahr an Stromkosten sparen. Aber du musst es eben auch wollen. Wenn du Geräte aufgrund ihrer Effizienz intensiver und unbewusster nutzt, sparst du am Ende natürlich nichts. Der Klassiker ist eine neue, effizientere Waschmaschine, die du häufiger anstellst, weil sie ja doch so effizient läuft.

Hinzu kommt, dass wir uns immer mehr Geräte zulegen. Die Geräteausstattung ist aber nicht nur problematisch, weil sie den Stromverbrauch nach oben treibt. Die Produktion von immer mehr Geräten zieht zwangsläufig einen zusätzlichen Energieverbrauch und CO2-Ausstoß nach sich – oft sogar mehr als bei der Nutzung der Geräte anfallen. 

Infografik Geräte im Haushalt

Lerne deinen Stromverbrauch kennen. 

Wenn du dich vor Mehrverbräuchen schützen möchtest, solltest du im ersten Schritt deinen Stromverbrauch kennenlernen. Ob er niedrig, passabel oder zu hoch ist, findest du heraus, indem du deinen Stromverbrauch (steht auf deiner letzten Stromrechnung) mit dem Verbrauch von ähnlichen Haushalten vergleichst. Dafür gibt es den Stromspiegel. Er verrät, was ein Haushalt deiner Größe optimal verbrauchen sollte und wie viel Geld du sparen könntest. Bist du im dunkelgrünen Bereich, bedeutet das: Kompliment, du machst alles richtig. Bei allen anderen Farben kannst du dich wirklich noch verbessern. Uns fallen spontan schon ein paar Möglichkeiten ein:

Quick-Tipps für einen bewussteren Stromverbrauch.

  • Kauf neue Geräte nur mit hoher Effizienzklasse.
  • Überleg dir, was du wirklich brauchst. 
  • Verwende einen smarten Stecker mit Strommessfunktion, um herauszufinden, welche Geräte besonders viel Strom ziehen. 
  • Lass das mit dem Standby. Du verbrauchst Strom für nichts. Mit Steckerleisten ist mit einem Knips alles aus. 
  • Auch für LEDs gilt: Licht aus, wenn du es nicht brauchst. 
  • Benutz bei großen Stromverbrauchern wie Waschmaschinen oder Trockner das Eco-Programm. Es verbraucht nur etwa halb so viel Strom wie ein normaler Waschgang.

Generell: Ändere nicht dein Verhalten, nur weil du ein energiesparendes Gerät gekauft hast. Benutze es rücksichtsvoll, wie du es vorher auch gemacht hast.

99 Energiespartipps

2. So energieeffizient sind die Gebäude.

Die Gebäude gehören zu den zentralen Schauplätzen der Energiewende. Aktuell fallen hier fast ein Drittel des Energieverbrauchs und auch der CO-Emissionen an. Bis zur Mitte des Jahrhunderts soll dieser Sektor klimaneutral werden. Die Reduzierung der Raumwärme spielt dabei eine besonders große Rolle. Trotz vieler Bemühungen bleibt die Effizienz aktuell hinter den Erwartungen zurück. Laut dena verbrauchten die Haushalte zuletzt sogar wieder mehr Energie. Der Endenergieverbrauch für Raumwärme und Warmwasser stieg von 2018 auf 2019 um über 3 %.

Und so steigerst du die Energieeffizienz zuhause.

Sanieren – endlich anpacken. 

Klar, es gibt viele Faktoren, die darüber entscheiden, ob es mit dem Energieverbrauch hoch und runtergeht, zum Beispiel die Witterung oder Wirtschaftslage. Viele Effizienzpotenziale werden aber auch nicht richtig ausgeschöpft. So krebst die Sanierungsrate der Gebäude schon seit geraumer Zeit bei rund 1 % rum. Das ist zu wenig. Die Regierung versucht, die Quote zu steigern, denn für die Energieeffizienz im Gebäudesektor gehören Sanierungen immer noch zu den wirkungsvollsten Mitteln. Laut der Architects for Future ist es fast immer klimafreundlicher, bestehende Gebäude zu sanieren als immer wieder neue zu bauen.

Infografik Gebäudestandards

Eine Sanierung spart 52 % Heizenergie. 

Wer die Investition irgendwie stemmen kann, sollte die Sanierung auch privat angehen. Laut der Energieberatung co2online verbrauchen vollsanierte Gebäude im Schnitt 52 % weniger Heizenergie als unsanierte. Das Institut für Energie- und Umweltforschung Heidelberg (Ifeu) wiederum fand heraus, dass ineffiziente Gebäude ein Energiesparpotenzial von 77 bis 79 % haben.

Zu den effektivsten Schritten gehören die Wärmedämmung und die Erneuerung des Heizsystems – für beides gibt es jede Menge Förderungen. Wenn du nicht weißt, wo du bei deinem Gebäude anfangen sollst: Hol dir eine Energieberatung ins Haus, auch die wird gefördert. Einen ersten Überblick über alle Förderungen erhältst du in unserem Artikel zur Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG).

Mehr über die Förderungen erfahren

Wohnfläche nutzen.

Was die Energieeffizienz in den Gebäuden zusätzlich erschwert, ist die wachsende Wohnfläche. Das hört sich zynisch an, wo doch der bezahlbare Wohnraum in den Ballungsgebieten immer knapper wird. Tatsächlich haben aber die Deutschen ihre Wohnfläche in den letzten 30 Jahren stark vergrößert. Lebten die Deutschen 1991 durchschnittlich noch auf 34,9 m2, waren es 2019 schon 47 m2. Und wo es mehr zu beheizen gibt, steigt zwangsläufig auch der Energiebedarf. Wenn mehr Menschen in einem Haushalt leben, steigt zwar der Energieverbrauch insgesamt, gleichzeitig sinkt er aber pro Kopf. Und wenn eine Person mehr Quadratmeter für sich hat, steigt auch ihr Energieverbrauch. Deswegen muss noch niemand in eine kleinere Wohnung ziehen. Wenn du aber viel Platz hast, kannst du dir überlegen, ob du nicht jemanden zur Untermiete in den Haushalt holen kannst.

Wir brauchen immer mehr Platz.

1991 34,9 m2
2001 39,8 m2
2019 47 m2

Quelle: Statistisches Bundesamt.

3. So effizient sind Haushalte mit PV-Anlage.

Die Frage, ob Effizienz zu Mehrverbräuchen führt, dürfte in Zukunft vermehrt in Haushalten aufpoppen, die ihren Ökostrom mit einer PV-Anlage selbst nutzen, sogenannten Prosumern. Warum? Weil selbst gemachter Strom viel günstiger ist. Während du für eine Kilowattstunde Strom aus dem Netz etwa 31 Cent zahlen muss, kostet eine Kilowattstunde Strom vom Dach nur 10 Cent. Deshalb laufen derzeit einige Untersuchungen, die der Frage nachgehen, ob Prosumer-Haushalte mehr Strom verbrauchen. Ausschließen kann man es nicht. So hat etwa eine Untersuchung vom Fraunhofer-Institut festgestellt, dass die Investition in eine PV-Anlage teilweise dazu genutzt wird, andere Investitionen, zum Beispiel in ein Solarium, zu rechtfertigen. Und wo neue Stromverbraucher in die Haushalte einziehen, wird es auch schwieriger, Energie zu sparen. 

So holst du mehr aus deiner PV-Anlage raus. 

Mit einem Energiemanagementsystem nutzt du deinen PV-Strom effizienter. Es verteilt deinen selbst gemachten Ökostrom an die Stromverbraucher immer so, dass du möglichst wenig Strom aus dem Netz ziehen musst. Viele Energiemanager berücksichtigen auch Wetterprognosen. Wenn erst in einer Stunde die Sonne knallt, wartet das System noch, bis es die Waschmaschine oder die Wärmepumpe anschmeißt – vorausgesetzt diese ist ebenfalls smart gesteuert. 

So nutzt du deinen PV-Strom optimal

Wärmepumpen. 

Auch bei Wärmepumpen gibt es die Sorge, ob ihre Effizienz zu Mehrverbräuchen führt. Der Effizienzgewinn scheint zunächst vielversprechend: mit einer Kilowattstunde Strom gewinnt man schon etwa 2,5 bis 3,5 Kilowattstunden Wärme. Trotzdem darf man nicht anfangen, unbewusster Wärme zu verbrauchen.  Die Technologie kann noch so effizient sein – wenn du nicht aufpasst, hast du größere Heizkosten als vorher. Die klassischen Heiztipps sind auch bei neuen Technologien ein Muss. Zusätzlich kannst du mit Spezialtarifen deine Stromkosten für die Wärmepumpe senken. Wärmepumpenstrom aus 100 % erneuerbaren Energien findest du zum Beispiel bei uns, Polarstern. Die Königsdisziplin ist die Kaskadenmessung. Dann kannst du deine Wärmepumpe sowohl mit deinem PV-Strom, als auch mit günstigem Wärmepumpenstrom versorgen.

Mehr über die Kaskadenmessung erfahren

4. So steht's um die Effizienz im Verkehr. 

Vor allem niedrige Kraftstoffpreise und der Trend zu immer dickeren Autos der Effizienz im Verkehrssektor im Weg. Laut Kraftfahrtbundesamt (KBA) waren allein im Juli 2021 SUVs die am meisten zugelassenen Autos. Immerhin sind immer mehr alternative Antriebe auf den Straßen unterwegs. Im Juli 2021 wurden laut KBA 25.464 neue Elektroautos zugelassen.

Infografik Zunahme Elektroautos


Gradmesser für Effizienz: Der Wirkungsgrad. 

Was alternative Antriebe mit Effizienz zu tun haben? Den Wirkungsgrad. Der fällt nämlich bei Elektroautos wesentlich besser aus. Der Wirkungsgrad gibt an, wie viel der getankten – oder geladenen – Energie tatsächlich fürs Fahren genutzt wird. Ein Benzinmotor hat einen Wirkungsgrad von etwa 20 %. Drei Viertel der Energie, die im Benzin steckt, verpufft in Form von Abwärme. Der Wirkungsgrad beim Elektromotor liegt dagegen bei 80 %, das heißt übersetzt: 80 % des geladenen Stroms setzt der Motor auch in Bewegung um. So gesehen schlägt das Elektroauto den Verbrenner um drei Längen. Elektroautos sind auch deshalb effizienter, weil das Laden günstiger ist als Tanken und weil der Verschleiß und die Wartungskosten um ein Vielfaches geringer ausfallen. Noch größer sind die Energieverluste, wenn man sich die komplette Lieferkette von der Erzeugung bis zum Zapf- beziehungsweise Ladesäule ansieht. Auch hier schneidet das Elektroauto mit einem Wirkungsgrad von 64 % am besten ab.

Grafik: Wirkungsgrad bei Antrieben
Grafik: BMU.

Das steigert die Effizienz deiner Fahrzeugnutzung.

Fahr dein Auto „zu Ende“. Etwas zu verschrotten, das immer noch funktioniert, ist nicht besonders nachhaltig. Aber wenn die Entscheidung für einen Neukauf ansteht, ist ein Elektroauto sinnvoll. In der Produktion verursacht ein Elektroauto viel mehr CO2 als ein Auto mit Verbrennungsmotor. Laut dem Magazin EFahrer verursacht ein e-Golf in der Produktion aufgrund der aufwändigen Batterieherstellung schon 11,4 Tonnen CO2, ein VW Golf 1.6 TDI dagegen nur 5,8 Tonnen. Weil das E-Auto mit Ökostrom im Betrieb aber kein CO2 (und ebenso keine Luftschadstoffe) verursacht, erlangt das Elektroauto schon nach wenigen Jahren Klimaneutralität. Ein e-Golf erlangt diesen Break-Even schon nach 3,4 Jahren. Ein Verbrenner? Nie.

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