Demonstrierende beim Klimastreik

Auch die Fridays For Future-Bewegung musste dieses Jahr ins Homeoffice. Und genau deshalb müssen wir die Bewegung unterstützen, wo wir können. Wir verraten wie und was wir von der Bewegung lernen können, um gemeinsam zu gewinnen. Denn 2021 muss wieder ein Jahr für den Klimaschutz werden.

von Michael

 

Die stärkste globale Klimaschutzinitiative.

Man kann es sich fast ausmalen, wie Greta Thunberg am Morgen des 20. August 2018 entschlossen zum schwedischen Parlament stapfte und sich dort mit ihrem Schulstreik-fürs-Klima-Schild auf die Treppen niederließ. Dass es hier nicht um irgendein niedliches Schulprojekt ging, machte sie mit einem Stapel Flyer bei sich unmissverständlich klar: „Ich mache das, weil ihr Erwachsenen auf meine Zukunft scheißt.“ 

Es hat nur vier Monate gedauert, bis jeder Greta Thunberg kannte. Auf dem Klimagipfel in Kattowitz, verpasste sie Regierenden für ihr Klimaschutz-Versagen eine Ansage und rief Schüler:innen weltweit dazu auf, freitags fürs Klima zu streiken. Aus Fridays For Future war eine Bewegung geworden. Bis heute sind rund 14 Millionen Menschen in mehr als 7.500 Städten für Fridays For Future auf die Straße gegangen. So etwas gab es noch nie. Die Bewegung mag den Klimaschutz nicht erfunden haben. Aber sie hat ihn zu einem gesellschaftlichen Thema gemacht und so viele Menschen hinter sich versammelt, wie keine Klimaschutzinitiative vor ihr. Wir können und müssen uns viel von der Bewegung abgucken. Gerade die Älteren von uns.  

 

Was wir uns von Fridays For Future abschauen können.  

1. Hören wir zu! Den Richtigen. 

Die Fridays-For-Future hat eine Eigenschaft drauf, die so vielen abhanden gekommen ist: Sie kann zuhören. Seit Jahrzehnten warnt sich die Wissenschaft mit Blick auf den Klimawandel einen Ast ab. Aber sie macht es eben auf ihre Weise: sachlich und ohne Drama. Das ist ihre beste Tugend und ihr größtes Problem zugleich. Denn zu oft bleiben die Forscher:innen auf ihren Fakten sitzen. Fridays For Future und die Wissenschaft sind von Anfang an eine Symbiose eingegangen. Die Wissenschaft hatte endlich mal eine vernünftige Bühne, und Fridays For Future die wissenschaftliche Grundlage, um nicht als Schulprojekt dazustehen.

Das sollten wir uns für 2021 mitnehmen: Weiterhin auf die Wissenschaft hören und uns nicht von den Schreihälsen ablenken lassen, dass dieses oder jenes nicht erwiesen ist. Klar kann sich jeder im Netz die Infos zusammensuchen, die die eigene Meinung bestätigen. Aber die Wissenschaft haut ihre Ergebnisse nicht mal schnell raus. Veröffentlichung unterliegen einem aufwendigen und komplexen Prüfverfahren. Alle sind zwar auf der Suche nach der Wahrheit. Die Wissenschaft ist es, die sie selten für sich beansprucht. Meistens sagen sie lediglich, in welche Richtungen ihre Untersuchungen zeigen. Und das ist vertrauenswürdiger als jedes Meme.

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2. Handeln wir!    

Die Forderungen von Fridays For Future werden von Kritiker:innen teils als unrealistisch abgetan. Dabei fordert die Bewegung lediglich, worauf sich die Staaten im Übereinkommen von Paris verständigt haben. Dass sich die Erde im besten Fall nur um 1,5 °C erwärmt und im schlechtesten Fall um 2 °C. Fridays For Future fordert, dass die Ziele eingehalten werden.

 

Das Klima ist kein Thermostat.

Nur ist das Klima kein Thermostat. Möchten wir es nur 1,5 °C heißer, darf die Menschheit dem Weltklimarat IPCC zufolge nur noch 420 Milliarden Tonnen CO2 emittieren. Viel Zeit bleibt da nicht mehr. Gegenwärtig liegt der weltweite CO2-Ausstoß bei rund 42 Milliarden Tonnen. Laut Mercator Research Institute on Global Commons and Climate Change, kurz MCC haben wir für das 1,5-°C-Ziel nur noch neun Jahre Zeit, für das 2-°C-Ziel bleiben noch 26 Jahre. Vor diesem Hintergrund sind die Fridays-For-Future-Forderungen plausibel. Von Deutschland fordert die Bewegung unter anderem:

  • dass der Kohleausstieg bis 2030 passiert ist.   
  • dass Deutschland bis 2035 auf erneuerbare Energien umsteigt.  
  • dass Deutschland bis 2035 nur so viele Treibhausgase ausstößt, wie die Natur binden kann. 
  • dass die Subventionen für fossile Energieträger aufhören. 

Wir müssen die Forderungen mit klaren Handlungen füllen und unsere Treibhausgase verringern, wo wir können. Es geht ja auch. Wir können uns klimaneutral fortbewegen und unseren Konsum so organisieren, dass wir nicht unnötig Ressourcen verbrauchen. Und wir können uns mit Energie versorgen, ohne das Klima zu belasten. Denn es ist ein Trugschluss, dass die fossilen Energieträger ohne unser Mitmachen von alleine verschwinden. Erst vor Kurzem hat eine Recherche von Investigate Europa ergeben, dass die EU gemeinsam mit Großbritannien, Norwegen und der Schweiz die fossilen Brennstoffe jährlich mit mindestens 137 Milliarden Euro fördern. Wenn die Wirtschaft und Politiker:innen von den Schüler:innen genervt sind, wissen sie ganz genau, warum.  

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3. Machen wir uns unbeliebt! 

Fridays For Future fordern Veränderung und Veränderungen tun weh. Wenn sie dann auch noch von Streiks begleitet werden, macht man sich nicht nur Freunde. Kritiker:innen werfen Fridays For Future vor, dass Schulstreiks nicht zur Lösung führen, sondern Technik und Innovation. Deshalb sollen die Schüler:innen ja auch was lernen, bloß keinen Unterricht verpassen, dann können sie sich später vielleicht einmal ihren eigenen Deus Ex Machina bauen. Was für eine Arroganz.

Mentale Unterstützung wird oftmals nicht ins konkrete Handeln übersetzt, weil man genau davor Angst hat: Sich unbeliebt zu machen. Uncool dazustehen. Das müssen gerade wir Erwachsenen überwinden. Wenn die Streiks wieder losgehen: Nehmen wir uns Zeit! Hauen wir aus dem Büro ab und marschieren wenigstens eine Stunde mit. So viel Zeit muss fürs Klima drin sein. Außerdem sollten wir die Technik und Innovationen auch nutzen, die Altersgenossen so anpreisen. Vieles was die Kids nach Ansicht der Erwachsenen später gefälligst erfinden sollen, gibt es längst: Elektroautos, Solaranlagen, Wärmepumpen – es liegt an uns, die Techniken zu nutzen. 

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4. Lasst uns in Panik geraten! Zumindest ab und zu.   

Beim Klimawandel entdecken viele plötzlich ihre coole Seite, als wäre noch ganz viel Zeit. Leider nicht. Laut Weltwetterorganisation (WMO) ist die globale Durchschnittstemperatur im Worst-Case-Szenario schon in fünf Jahren 1,5 °C höher als zu vorindustriellen Zeiten. Die Marke gilt als Punkt, an dem sich viele klimatischen Prozesse nicht mehr aufhalten lassen. Sie verstärken sich gegenseitig und katapultieren die Erderwärmung in noch kürzerer Zeit auf ein höheres Level. 

„Ich will, dass ihr in Panik geratet“. Das ist ein Satz aus einer Rede Thunbergs und der Titel ihres Buches. Panik hat noch nie Probleme gelöst, sagen die Erwachsenen. Stimmt nicht. Natürlich gibt es diese überorganisierten Leute, die kontinuierlich an einer Sache arbeiten und Wochen vor der Deadline in den Urlaub fahren. Aber die meisten Menschen brauchen doch die Deadline wie einen Henker im Nacken, um überhaupt mal aus dem Quark zu kommen. 

Und allen, die ohne Panik erst gar nicht anfangen, muss man sagen: Der Klimawandel sitzt im Nacken. Von allen Szenarien, die die Klimaforschung zum Klimawandel von ihren Daten ableitet, kristallisiert sich das dramatischste Szenario als das wahrscheinlichste heraus. Das sogenannte RCP8,5-Szenario, nach dem der weltweite CO2-Ausstoß nicht abreißt und die Erde um rund 5 °C erwärmt, halten etwa US-Forscher derzeit für am wahrscheinlichsten. 

Man muss nicht panisch Fahrrad fahren, nicht panisch Ökostrom bestellen oder panisch die Ernährung umstellen. Aber wir sollten es zügig tun. Denn es ist alles zu einfach, um es auf morgen zu verschieben. Allein der Wechsel zu wirklich nachhaltig erzeugter Ökoenergie dauert nicht länger als 5 Minuten, reduziert den eigenen CO2-Fußabdruck aber schon bis zu einem Viertel. 

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5. Übernehmen wir Verantwortung für andere! 

Wenn Greta Thunberg die Staaten an ihre Klimaschutzversprechen erinnert, dann meint sie vor allem reiche Staaten. Deutschland zum Beispiel ist laut EU-Kommission der siebtgrößte Verursacher von CO2 und anderen Treibhausgasen weltweit. Greta Thunberg hat angeprangert, dass die Länder, die am wenigsten zum Klimawandel beigetragen haben, am meisten unter ihm leiden. Der Klimawandel verstärkt die Armut, ruiniert Ressourcen und fördert Konflikte. Uno-Nothilfekoordinator Mark Lowcock rechnet, damit, dass bis zur Mitte des Jahrhunderts eine weitere Milliarde Menschen aufgrund des Klimawandels (und den damit einhergehenden Konflikten) vertrieben werden könnten. Mehr als ein Drittel der Länder wird nicht genügend Wasser haben. 

Industriestaaten wie Deutschland müssen deshalb anderen Staaten Mittel für den Klimaschutz bereitstellen. Denn jedes Land, jede Region, in der die Energieversorgung noch in den Kinderschuhen steckt, steht immer an einer Weggabelung, wie die Energieversorgung aussehen soll. Erneuerbar oder fossil? Staaten wie Deutschland müssen die Entwicklung mit sauberer Energie stärken. Denn an ihr hängt so ziemlich alles: Bildung, Gesundheit und Wohlstand. Auch hier kann jeder privat mithelfen. Bei Polarstern zum Beispiel schiebt dein Wechsel auch den Ausbau der erneuerbaren Energien in Kambodscha und Madagaskar an.

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Wie wir Fridays For Future trotz Corona unterstützen können. 

Da hat Fridays For Future die Welt gerade ein bisschen wachgerüttelt, da kam auch schon Corona. Eine Bewegung, die nicht auf der Straße zu sehen ist, hat es schwer, die Aufmerksamkeit zu behalten. Natürlich ist Fridays For Future im Netz aktiv, und dort zieht die Bewegung auch nach wie vor große Kreise. Aber neue Unterstützer*innen zu gewinnen, wenn man nicht auf der Straße zu sehen ist und von Fernsehkameras begleitet wird, ist schwierig. So kannst du die Bewegung unterstützen: 

  • Lade dir die Fridays-For-Future-App runter oder bestelle den Newsletter, um zu erfahren, wann Fridays For Future wieder unterwegs ist und wie du dich einbringen kannst. Auf dieser Map findest du alle Aktionen, die weltweit geplant sind. 
  • Sichtbarkeit geht auch super einfach. Mach’s wie Greta Thunberg. Die postet jeden Freitag ein Bild von sich mit dem Schild, das sie berühmt gemacht hat: Skolstrejk för klimatet – Schulstreik fürs Klima. Lass das Schild im Fenster, dann sehen es auch die Menschen draußen.
  • Unterschreibe die Petition von Fridays For Future an die Europäische Union. Unter anderem fordert FFF, dass die EU die Maßnahmen verschärft, um die Treibhausgasemissionen bis 2035 auf netto null zu bringen.
  • Teile die Petition auf deinen Social-Media-Kanälen.
  • Wenn du Influencer:innen kennst, kannst du sie fragen, ob sie auch Inhalte von Fridays For Future teilen möchten.
  • Auf der Fridays-For-Future-Website findest du einen Dropbox-Ordner mit viel Material. Zum Beispiel Unterschriftenformulare zum Ausdrucken. Vielleicht kennst du Leute, die die Petition gerne unterschreiben, aber nicht im Netz unterwegs sind.
  • Neben Fridays For Future gibt es jede Menge Organisationen, die auf die gleichen Ziele hinarbeiten wie Fridays For Future. Zum Beispiel Greenpeace oder der Naturschutzbund NABU. Schau auch mal bei unserem Partner Sea Shepherd vorbei. Wer weiß, wie viele Wale es ohne die Organisation überhaupt noch gäbe?
  • Und natürlich unterstützt du den Klimaschutz, indem du selbst bewusster konsumierst. Der einfachste Weg ist und bleibt der Wechsel zu Ökoenergie. Im nächsten Button erfährst du, was sie alles verändert. Mehr, als du denkst.
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Michael | Team Wirklich

E-Mail: [email protected]

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