Klima-Apokalypse: Gründe, Folgen & Lösungen für ein Weiterleben auf der Erde.

Auch wenn wir uns wiederholen: Um das Klima – und somit um uns – steht es nicht gut. Ehrlich. Vor allem die fossile Energiepolitik vergangener Jahrzehnte liegt uns wie ein fettes Essen schwer im Magen. Die Folgen der Klimakrise sind längst sichtbar, vielfältig und werden Gesellschaften tiefgreifend verändern. Das ist sicher. Klingt pessimistisch? Ja. Können wir trotzdem noch was tun, um uns zu retten? Auch ja. Wir sagen’s dir.

von Ludwig. - Lesezeit: 14 Minuten

Wir müssen die Leugner enttäuschen: Das Klima wandelt sich, und zwar dramatisch. Und wir Menschen haben den meisten Einfluss darauf. Die Art und Weise, wie und welche Energie wir verbrauchen, hat die Klimakrise maßgeblich begünstigt und gefördert. Deutschland hat, wie viele andere Länder, über Jahrzehnte hinweg fast ausschließlich auf fossile Energieträger wie Kohle, Öl und Gas gesetzt – und damit die Atmosphäre und das Klima verschmutzt. Allein der Energiesektor ist für ca. 82 % des gesamten deutschen CO₂-Ausstoßes verantwortlich, wie das Umweltbundesamt erklärt. Unsere Energieerzeugung und -nutzung hat einerseits einen riesigen Einfluss auf das Klima – und birgt andererseits dadurch auch mit den erneuerbaren Energien eine zentrale Lösung.

Die Zeit drängt, die Lösungen auch zu ergreifen. Die Weltgemeinschaft droht mit ihrem 1,5-Grad-Ziel krachend zu scheitern. Es stehen aktuell eher 3 Grad Erwärmung im Raum.

Für eine erfolgreiche Energiewende brauchen wir Solar- und Windkraft.

Erneuerbare Energien sind der Klimaschutz-Booster.

Solar-, Wind- und Wasserkraft und Biomasse, wir haben die Technologien längst, um die erneuerbaren Energien als Booster für den Klimaschutz zu nutzen. Wir müssen es nur wirklich mehr tun.

Vor allem beim Heizen liegt viel Arbeit vor uns. Im Jahr 2021 heizten noch 48 % der Deutschen mit Erdgas, gefolgt von Ölheizungen, die rund 25 % ausmachten. Auf dem dritten Platz folgte Fernwärme, die in rund 14 % der Haushalte zum Heizen genutzt wurde. Das sind Zahlen aus einer Studie des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW). Aber auch im Strommarkt sind wir noch weit davon entfernt, unseren Bedarf mit erneuerbaren Energien zu decken. Und die Ökostromlücke wächst derzeit angesichts des weltweit steigenden Strombedarfs.

Die Klimakrise umgekehrt ist längst mit Wucht da. Und Zeit, den Kopf in den Sand zu stecken, mit den Schultern zu zucken oder vorwurfsvoll auf andere zu zeigen, haben wir nicht. Nutze lieber deinen Einfluss indem du im Alltag Ressourcen schützt und klimaschädliche Emissionen minimierst. Nicht nur für dich, sondern für deine Kinder, Enkelkinder und Mitmenschen auf der ganzen Welt. Am schnellsten und einfachsten geht das mit einem Wechsel zu echter Ökoenergie. Deinen CO₂-Fußabdruck kannst du so schon bis zu 25 % senken.

Was ist die Ursache für die Klimakatastrophe? Wir!

Die Klimakrise hat mehrere Ursachen. Klar ist: Wir Menschen haben mit unserem Handeln dem Klima im letzten Jahrhundert enorm zugesetzt. Vor allem haben wir den Anteil an Treibhausgasemissionen mit CO₂, Methan, Lachgas und Ozon in die Höhe getrieben. Die Emissionen sorgen für eine Verstärkung des Treibhauseffektes. Der ist an sich nichts Schlimmes, wir brauchen ihn sogar. Ohne ihn wäre es auf der Erde um einiges kälter. Durchschnittlich läge die globale mittlere Temperatur etwa bei -18 Grad Celsius. Der natürliche Treibhauseffekt sorgt also dafür, dass ein Teil der von der Erdoberfläche reflektierten Wärme nicht entweichen kann. Aber: Zu viele Treibhausgase verstärken den Effekt. Und so kommt die Erderwärmung – oder besser Erderhitzung – zustande. Seit Jahrzehnten verzeichnen Forscher CO₂-Rekordwerte, wie es sie in den letzten 400.000 Jahren der Weltgeschichte nicht gegeben hat.

Und weil wir die Ursache für den Klimawandel sind, müssen wir handeln. Ein Rahmen, in dem nach Lösungen für die ganzen Probleme gesucht wird, sind die weltweiten Klimakonferenzen. Auf der Weltklimakonferenz 2022 in Sharm El-Sheikh sagte UN-Generalsekretär António Guterres mit Blick auf die Klimakatastrophe: "Wir kämpfen den Kampf unseres Lebens – und sind dabei zu verlieren". Die Menschheit habe die Wahl: kooperieren oder untergehen, so Guterres‘ eindringliche Worte.

"Wir kämpfen den Kampf unseres Lebens - und sind dabei zu verlieren" – UN-Chef Guterres

Dein Einfluss aufs Klima ist größer als du denkst. 

Von außen betrachtet ist der Klimaschutz natürlich viel wichtiger als der Mallorca-Urlaub per Flugzeug. Doch die meisten Menschen halten ihren persönlichen Einfluss für gering und verlassen sich auf die Politik und große Unternehmen, um das Problem in den Griff zu bekommen. Die wiederum orientieren sich größtenteils am Wahl- und Kaufverhalten der Konsument:innen und nicht in erster Linie an ökologischen Zielsetzungen.

Wenn wir weiterhin so unbedacht Ressourcen ausbeuten und gedankenlos CO₂ in die Atmosphäre emittieren, reißen wir bald kritische Klima-Kipppunkte. Entscheiden wir uns hingegen dafür, Klimaabkommen nicht nur schnöde Theorie sein zu lassen, sondern selbst als Privatpersonen unseren CO₂-Fußabdruck zu senken, Ressourcen zu schützen und auf eine nachhaltige und grüne Zukunft zu setzen, kriegen wir die Klimakrise gemeinsam in den Griff. Vergiss nicht: Der menschliche Einfluss kann auch eine große Chance sein, positive Veränderungen zu bringen und das Klima zu schützen. Wir haben es in der Hand.

Was ist der Klimawandel eigentlich genau?

Ganz wichtig: Klima und Wetter sind zwei verschiedene Dinge. Das Klima wird langfristig betrachtet über viele Jahrzehnte. Klimawandel oder Klimakrise bedeutet, dass es eine langfristige und tiefgreifende Veränderung des Klimas gibt. Damit ist vor allem der Temperaturanstieg auf der ganzen Erde gemeint, der zu Veränderungen auf unserem Planeten führt. Also etwa zu Verschiebung von Klimazonen oder das Abschmelzen von Polkappen und Gletschern. Für sich betrachtet ist der Sommer 2022 einer der vier wärmsten Sommer seit 1881 gewesen. Mit dem Wissen, dass die zehn wärmsten Jahre seit Beginn der Aufzeichnungen allesamt seit 1998 gemessen wurden, sieht die Sache wieder anders aus.

"Wir erleben die letzten Jahre eine Häufung klimatologischer Rekorde, die sich in der Summe nur mit dem Klimawandel erklären lassen. Mit diesen Rekorden nehmen aber auch Extremereignisse zu, welche direkt oder indirekt uns alle betreffen. Für die Zukunft erwarten wir eine weitere Zunahme solcher Extremereignisse." – Dr. Paul Becker, Vizepräsident des Deutschen Wetterdienstes

Die Jahresmitteltemperaturen in Deutschland steigen stark an - und das auch in den nächsten Jahrzehnten.

Ob extreme Hitze im ansonsten kalten Sibirien oder 40 Grad in Deutschland. Extreme Wetterlagen wie die Flutkatastrophe im Ahrtal treten häufiger und intensiver auf. Das ist durch die sogenannte Attributionsforschung belegt. Der Klimawandel ist also die langfristige Erhitzung unseres Planeten aufgrund der gestiegenen Konzentration von Treibhausgasen in der Atmosphäre, die wir Menschen verursacht haben.

Mehr über den Unterschied von Wetter und Klima

1,5-Grad-Ziel schon verfehlt? Die Katastrophe steht vor der Tür.

Es war einmal. Und zwar im Jahr 2015. Da wurde auf der Klimakonferenz in Paris mit einem Temperaturanstieg von maximal 2 Grad Celsius (besser 1,5 Grad Celsius) gegenüber der vorindustriellen Zeit ein konkreter Wert festgelegt, wie sehr die Erderwärmung noch steigen darf. Übertrifft sie diesen Wert, ist es sehr wahrscheinlich, dass große Teilsysteme des Klimasystems in neue, teilweise nicht mehr umkehrbare Zustände kippen – mit schwerwiegenden Folgen für uns alle.

Die Corona-Pandemie mit ihren weltweiten Lockdowns, autofreien Straßen und stillstehenden Flugzeugen war wie eine Verschnaufpause für unseren Planeten. Flüsse wurden sauberer, die Luft reiner und der globale CO₂-Ausstoß ging auf einmal zurück. Aber nicht lange. Inzwischen pusten wir wieder so viele Treibhausgase in die Atmosphäre, dass das 1,5-Grad-Ziel längst in weite Ferne gerückt ist. Wir stehen an der Schwelle zur Katastrophe.

Die Welt-Meteorologieorganisation (WMO) hat 2022 einen neuen Bericht veröffentlicht und warnte vor dem Überschreiten der 1,5-Grad-Schwelle. Demnach könnten die Durchschnittstemperaturen schon in den nächsten Jahren zeitweise die Marke von 1,5 Grad überschreiten. Die Wahrscheinlichkeit, dass dies in den nächsten 5 Jahren einmal passiere, läge bereits bei 50 %. Die Folgen wären dramatisch für Menschen, Tiere und Umwelt.

Mit welchen Folgen müssen wir rechnen, wenn wir es nicht schaffen, die weltweiten Emissionen zu drücken? Spoiler: Hitzewellen oder Starkregen sind da noch die harmlosesten Auswirkungen. Denkbar sind laut Wissenschaft auch Hungersnöte und Kriege um Wasserreserven und Nahrungsmittel. Schauen wir uns die Folgen der Klimakrise also genauer an.

Was sind die Folgen der globalen Erderwärmung?

Allgemein warnt der neue Weltklimabericht vor weltweiten Hitzewellen. Der Süden muss mit noch mehr Dürren rechnen, der Norden mit Starkregen.

Schmelzen der Polareiskappen und steigender Meeresspiegel.

Wärmere Temperaturen sorgen unter anderem dafür, dass die Polkappen schmelzen – durchschnittlich um mehr als 10 % pro Jahrzehnt. Laut Ergebnissen des Forschungsschiffs Polarstern ist die Ausdehnung des Arktischen Eises im Sommer nur noch halb so groß wie vor ein paar Jahrzehnten und nur noch halb so dick wie vor 130 Jahren. Auch soll es durchschnittlich schon zehn Grad Celsius wärmer sein als zu jener Zeit. Das Schmelzen der Polkappen setzt weiteres CO₂ frei, das dort im Eis gespeichert ist. Gleichzeitig steigt der Meeresspiegel weiter an.

"Die Arktis erlebt mit dem globalen Temperaturanstieg drastische Veränderungen. Seit Mitte der 1980er-Jahre steigen die Temperaturen dort mindestens doppelt so schnell wie im globalen Mittel." – Weltwetterorganisation WMO

Je weiter der Klimawandel voranschreitet, desto mehr Land verschwindet im Wasser. Es ist eine Spirale: CO₂-Emissionen und Temperaturanstieg verstärken sich gegenseitig. Umgekehrt heißt das: Wenn wir unseren CO₂-Ausstoß zurückfahren, störst du diese Spirale im Sinne des Klimaschutzes.

Dramatische Gletscherschmelze.

Überall auf der Welt schmelzen die Gletscher. Auch in den Alpen, wie eine neue Studie zeigt, die im Herbst 2022 veröffentlicht wurde. Demnach haben die Alpengletscher von 1997 bis 2021 im Schnitt rund 30 Meter ihrer Eisdicke verloren, heißt es in dem Bericht der Weltwetterorganisation (WMO). Eine Zahl, die schockiert.

Und eine Zahl, die sich in der Form auch auf andere Kontinente übertragen lässt. So sind auch die tropischen Gletscher in den Anden, vor allem in Peru und Bolivien, von der Erderwärmung massiv betroffen. Die Professorin Ulrike Pröbstl-Haider von der Wiener Akademie für Bodenkultur sagt: „Wir werden die Gletscher verlieren, die Zahlen sind alle sehr eindeutig, nicht nur für den Alpenraum, sondern weltweit, ob in Neuseeland oder in Australien.“

Rekordschmelze bei Tiroler Gletscher im Jahr 2022.

Da reiht sich auch eine Mitteilung der Universität Innsbruck ein. Wissenschaftler:innen untersuchen seit Jahrzehnten den Hintereisferner im Tiroler Ötztal, er gilt als einer der am besten wissenschaftlich untersuchten Alpengletscher überhaupt. Seit mehr als 100 Jahren wird der Gletscher vermessen und beobachtet. Doch das Jahr 2022 stellte alles Bisherige in den Schatten. In diesem Jahr verlor der Hintereisferner wegen der menschengemachten Erderwärmung so viel Masse wie noch nie seit Beginn der Aufzeichnungen. Der 6,9 km2 große Gletscher verzeichnete im Sommer 2022 einen Rekordverlust von 5 % seines Gesamtvolumens, wie die Universität Innsbruck mitteilte. Unten in der Zeitreihe siehst du, wie der Hintereisferner in den vergangenen Sommern aussah. Auch ihn wird es bald nicht mehr geben. So ist er ein trauriges Paradebeispiel für viele andere Alpengletscher.

Ozeane: saurer, wärmer, sauerstoffärmer.

Hitze.

Laut einer Studie, die 2020 in Advances in Atmospheric Sciences veröffentlicht wurde, waren die Ozeane noch nie so warm wie in den 2010er-Jahren. Die höchsten Temperaturen wurden 2019 gemessen. Wenn sich die Meere erwärmen, nehmen auch an Land Wirbelstürme und Starkregen zu.

Versauerung.

Das Wasser in unseren Ozeanen wird außerdem immer saurer, was vor allem an den menschengemachten Emissionen liegt. Seit den 1980er Jahren haben unsere Ozeane etwa 20 bis 30 % des ausgestoßenen CO₂ aufgenommen. Dadurch ändert sich auch der pH-Wert des Wassers, es wird saurer. Tiere wie etwa Muscheln, Krebse oder Seesterne können immer schlechter ihre Kalkschale bilden. Besonders finster sieht es für die Korallen aus. Laut Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) könnten bis 2030 zwei Drittel der tropischen Korallen abgestorben sein.

Im Übrigen verstärkt die industrielle Fischerei die CO₂-Konzentration in den Meeren. Das ist das Ergebnis einer Studie von 2021 im Fachmagazin Nature. Denn wenn die Grundschleppnetze den Meeresboden aufreißen, wird Kohlenstoff freigesetzt, der dort gebunden war. Auch wenn Mikroben die aufgewirbelte Erde zersetzen, steigt die CO₂-Konzentration.

Sauerstoffmangel.

Nicht nur die pH-Werte sinken, sondern auch die Sauerstoffwerte. Wenn die oberen Schichten des Wassers wärmer werden, vermischen sie sich schlechter mit den unteren. In manchen Zonen ist der Sauerstoffmangel so groß, dass man von Todeszonen spricht. Seit den 1970ern soll die Zahl dieser Zonen laut Weltklimarat um 8 % zugenommen haben.

Bedrohung der Biodiversität.

Durch den Klimawandel verändern sich die Lebensbedingungen auch für Tiere und Pflanzen. Bestimmte Arten können nicht überleben, weil ihr Lebensraum zerstört wird, was sich auf andere Arten auswirkt, zum Beispiel weil die Nahrungskette gestört wird. Aktuell liegt die Aussterberate deutlich über dem, was als natürlich gesehen werden kann. Die rote Liste der Weltnaturschutzunion (IUCN) zeigt: Innerhalb von 20 Jahren wuchs die Anzahl der kritisch bedrohten Arten von 1.939 auf 6.523. Das ist mehr als eine Verdreifachung. Übrigens werden auch Infektionskrankheiten durch die sinkende Biodiversität begünstigt. Forscher:innen befürchten sogar ein sechstes Massenaussterben.

Starkregen und Hitzewellen – Extremwetter nimmt zu.

Fluten, Brände, Dürren gehören zum natürlichen Lauf der Dinge dazu und gab es auch schon vor Jahrzehnten und Jahrhunderten. Doch die Intensität und Häufigkeit der Ereignisse ist nicht mehr natürlich, sondern eine dramatische Folge des menschengemachten Klimawandels. Gerade erst haben 39 Wissenschaftler:innen in einer Studie der World Weather Attribution Group berechnet, dass die Klimakatastrophe die Wahrscheinlichkeit für Fluten, wie sie in NRW und Rheinland-Pfalz 2021 auftraten, um das 1,2- bis 9-Fache erhöht hat. Mit dem Klimawandel erwärmt sich die Luft, wodurch sie mehr Wasserdampf aufnehmen kann. Statt ein bisschen Regen hier und da, kommt mehr Starkregen auf kleineren Flächen runter.

Laut einer 2022 veröffentlichten Studie der Weltwetterorganisation (WMO) und des europäischen Erdbeobachtungssystems Copernicus erwärmt sich Europa in besonders dramatischer Weise. Demnach sind bei uns die Temperaturen in den vergangenen 30 Jahren (1991 bis 2021) mehr als doppelt so schnell gestiegen wie im globalen Durchschnitt – und zwar um 0,5 Grad pro Dekade.

Die verheerende Flut im Ahrtal 2021: Eine Studie der World Weather Attribution-Initiative (WWA) hat einen Zusammenhang mit der Klimakrise belegen können. Foto: Bundesregierung/Bergmann

Gestörte atmosphärische Zirkulation.

Der Jetstream verändert sich, das globale Starkwindband, das unser Wetter bestimmt und eigentlich für ein ausgeglichenes Klima zwischen den geographischen Breiten sorgen soll. Wie sehr die Klimakatastrophe den Jetstream bereits beeinflusst, hat ein internationales Forscherteam gezeigt, an dem auch das renommierte Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) beteiligt war. Das Ergebnis: Hitzewellen über Europa haben drei- bis viermal schneller zugenommen als in den übrigen nördlichen Breitengraden, wie etwa in den USA oder Kanada. Die Forscher:innen führen dies glasklar auf den veränderten Jetstream zurück.

Laut der Studie, die 2022 erschien, gibt es immer häufiger Zustände, in denen sich der Jetstream in zwei Äste aufspaltet, sogenannte Doppeljet-Lagen. Diese Doppeljet-Lagen halten zunehmend länger an – und sind laut Studie die eindeutige Erklärung für fast die gesamte Zunahme an Hitzewellen im westlichen Europa.

Doppel-Jet: Indiz für den veränderten Jetstream.

“Sommerliche Hitzewellen sind an sich kein neues Phänomen. Neu ist aber, dass extreme Hitzeereignisse in Europa in den letzten Jahren häufiger und intensiver aufgetreten sind. Man denke nur an die heißen und trockenen Sommer 2018, 2019, 2020 und die jüngsten Hitzewellen in Europa - und wir rechnen damit, dass das noch schlimmer wird" – Efi Rousi vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK), Hauptautorin der Studie

Nahrungsmittel werden knapp.

Im Prinzip ist das streng genommen eine Folge der Wetterextreme und steigender Dürregefahr. Dennoch ist eine Folge der Erderwärmung auch die Gefahr von Nahrungsmittelknappheit. Und das vor allem in Ländern des globalen Südens, die am wenigsten für die Treibhausgasemissionen können. Wetterextreme setzen sowohl bei uns, als auch auf anderen Kontinenten der Landwirtschaft zu und bedrohen die Ernährungssicherheit, so die Welthungerhilfe. Langanhaltende Dürren und extreme Hitzewellen sorgen dafür, dass auf den Feldern nichts mehr wächst. Die Ernten bleiben aus; Böden erodieren – und soziale Unruhen wegen knapper Nahrungsmittel könnten im Extremfall die Folge sein. Für viele Menschen wird es wegen der Ernteausfälle aufgrund der Klimakrise zunehmend schwieriger, sich zu ernähren.

Veränderungen in der Landwirtschaft.

Auch die Landwirtschaft und damit die Lebensmittelerzeugung geraten durch den Klimawandel in Gefahr. Extremes Wetter, weniger Biodiversität, weniger Wasser – all das wirkt sich negativ auf die Fruchtbarkeit von Böden und die Ernte aus. Gleichzeitig pushen wir durch unsere extensive Landwirtschaft den Klimawandel. So wurde bei der bundesweiten Inventur aller landwirtschaftlichen Böden in Deutschland 2018 entdeckt, dass die Kohlestoffvorräte in Grünlandböden bisher enorm unterschätzt wurden: 15,9 Millionen Tonnen CO₂-Äquivalente wurden hier errechnet. Alles unumkehrbar und wir können gar nichts mehr tun? Nein, wir haben schon noch eine Chance, den Klimawandel in den Griff zu bekommen. Und du bist ein wichtiger Teil davon.

Mehr soziale Ungleichheiten.

Auch das wird eine unmittelbare Folge der Erderhitzung sein. Denn durch die neuen Lebensumstände, die eine gesamtgesellschaftliche Anpassung nötig machen, sind reiche und privilegierte Menschen gegenüber ärmeren im Vorteil. Sie können sich leichter vor den Bedrohungen des Klimawandels schützen, haben das Geld für eine Klimaanlage oder wohnen vielleicht ohnehin schon in einem Häuschen mit Garten statt in einer kleinen Sozialbauwohnung, die im Sommer heiß wird. Zudem könnten Preise für Grundbedürfnisse wie Nahrungsmittel künftig teurer werden, da Ernteausfälle wegen Unwettern und Dürren häufiger die Preise steigen lassen. Auch das kann die Oberschicht leichter kompensieren als Geringverdiener:innen. Die Klimakrise trifft vor allem „vulnerable Gruppen“, zum Beispiel arme Menschen, chronisch Kranke, ältere Menschen oder Kleinkinder, wie eine Studie aus dem Jahr 2021 herausgefunden hat. Das liegt daran, dass sie den Wetterextremen wie Fluten oder Hitze oft stärker ausgesetzt sind und sich weniger anpassen können. Und weiter: Die Klimakrise werde zu „negativen Verteilungswirkungen“ führen. Das bedeutet, dass es vor allem die einkommensschwachen Schichten treffen werde, wenn die Kosten für Grundbedürfnisse wie Lebensmittel oder Wohnen steigen.

Gigantische wirtschaftliche Schäden.

Weltweit verursacht die Klimakrise durch Extremwetter schon jetzt Schäden in Milliardenhöhe. Schäden, die uns langfristig laut Wissenschaft im Vergleich zu Klimaschutzmaßnahmen zigmal teurer zu stehen kommen. Und die kommenden Generationen als schwere Bürde in Form von Staatsschulden auferlegt werden. Die Münchner Rückversicherung erhebt jedes Jahr die durch Naturkatastrophen entstandenen Versicherungsschäden. 2021 war laut der Versicherung das zweitteuerste Naturkatastrophenjahr im Erfassungszeitraum überhaupt. Der Rückversicherer fordert daher mehr Vorsorge und Anstrengungen beim Klimaschutz. „Die Klimaforschung belegt immer deutlicher, dass extreme Unwetter wahrscheinlicher geworden sind. Gesellschaften müssen sich dringend an steigende Wetterrisiken anpassen und Klimaschutz zur Priorität machen“, sagt Torsten Jeworrek von der Münchner Rück.

Außerdem spielen auch hier soziale Ungleichheiten eine gewichtige Rolle. Während die reicheren Menschen üblicherweise für weitaus mehr CO₂-Emissionen verantwortlich sind als die ärmere Bevölkerung, sind reiche Menschen von den Klimawandelfolgen und den Schäden meist weniger betroffen oder können flexibler reagieren. Was innerhalb von einzelnen Gesellschaften gilt, lässt sich genauso auch auf reiche und ärmere Staaten übertragen. Die Tabelle zeigt, dass sich die Klimaschäden pro ausgestoßener Tonne CO₂ künftig verstärken werden.

Malediven: Staatshaushalt geht schon zu 50 % in Anpassungsmaßnahmen.

Groß werden die Schäden vor allem in ärmeren Ländern des globalen Südens sein (Stichwort Bangladesch), zumal diese Staaten meist über weniger Geld und technologische Expertise verfügen, um mit der Klimakrise klarzukommen. Expert:innen gehen davon aus, dass das Bruttoinlandsprodukt in den ärmsten Ländern der Welt wegen klimabedingter Katastrophen ab 2020 jährlich um etwa 3 % zurückgehen wird. Klingt wenig, ist aber dramatisch viel. Schon jetzt müssen diese Länder horrende Summen für die Folgen von Katastrophen aufbringen. Die Malediven etwa wenden bereits 50 % des Staatshaushalts für Anpassungsmaßnahmen an die Klimakrise auf. Geld, welches stattdessen bei Bildung oder Sozialpolitik fehlt.

Malediven Strand.

Die Malediven liegen nur 1 bis 2 Meter über dem Meeresspiegel. Kaum ein Land ist von der Klimakrise so in seiner Existenz bedroht wie der Inselstaat.

Gibt es auch positive Fakten zum Klimawandel?

Die Lage in Deutschland.

Es ist nicht so, dass es gar nichts Gutes zu melden gibt. Insgesamt sinken die jährlichen Treibhausgasemissionen in Deutschland im langjährigen Trend. 1990 lag der CO₂-Ausstoß noch bei 1.251.488.000 Tonnen CO₂-Äquivalenten. Im Jahr 2021 waren es laut Umweltbundesamt „nur noch“ 762.000.000 Tonnen. Noch dazu werden immer mehr Stromspeicherkonzepte entwickelt. Und wir von Polarstern erzeugen zum Beispiel in Esslingen in einem Mieterstromprojekt grünen Wasserstoff in einem klimaneutralen Wohnquartier. Außerdem positiv: So wie es aussieht, wird Deutschland 2022 zumindest bei der Solarkraft die selbst gesteckten Zubauziele erreichen.

Die Lage weltweit.

So sehr die Windenergiebranche in Deutschland auch ausgebremst wird, weltweit gesehen geht da was. Die Agentur Bloomberg NEF prognostiziert, dass allein die Leistung von Offshore-Windkraftanlagen sich von 2021 bis 2035 verzehnfachen wird. Den bei Weitem größten Anteil an der rasanten weltweiten Entwicklung von Offshore-Windenergie wird demnach China haben: bis 2030 entfällt der Prognose zufolge mehr als die Hälfte des globalen Wachstums im Bereich Offshore-Energie auf die Volksrepublik. Und noch eine positive Nachricht, die zeigt, dass wir die Technologie zum einen längst haben, und zum anderen wirklich viel möglich ist mit erneuerbaren Energien. Griechenland hat sich im Oktober 2022 erstmals zu 100 % mit Strom aus erneuerbaren Quellen versorgt und damit einen Rekord aufgestellt.

Es ist also super wichtig, dass die Energiewende weltweit noch stärker vorangetrieben wird. Bei Polarstern unterstützen wir das ganz konkret mit unseren Initiativen in Kambodscha und Madagaskar, aber auch in Deutschland mit Mieterstrom und Gewerbesolar.

Anteil der erneuerbaren Energien wächst.

Positiv hervorzuheben ist, dass der Anteil erneuerbarer Energien in Deutschland wächst – bislang aber hauptsächlich im Stromsektor. Die Wärmewende ist immer noch ein Mammutprojekt, das noch Jahre dauern wird. Zugleich werden sich immer mehr Menschen bewusst, wie zentral Klimaschutz für unsere Zukunft ist. Das ist insofern wichtig, weil Klimaabkommen und politische Zielsetzungen nicht reichen. Sie stellen die Weichen, aber wir als Konsument:innen und Unternehmen müssen mithelfen, sie umzusetzen. Die Politik ist zu langsam. Wir sollten ihr zeigen, was wichtig ist. Und das tust du mit deinem Handeln, indem du dich etwa für Wirklich Ökostrom von Polarstern entscheidest.

Wir sind mehrfach ausgezeichnet: Berechne hier deinen Ökostrom-Tarif.

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Checkliste: Was du gegen die Klimakrise tun kannst.

  • CO₂-Fußabdruck senken: Berechne deinen CO₂-Fußabdruck (z.B. beim Umweltbundesamt) und schau, wo du richtig viel bewirken und einsparen kannst. Hier sind unsere Tipps zum CO₂ senken.
  • Mehr als klimaneutral: Hinterfrage auch, ob dir „klimaneutral“ wirklich reicht – für echten Klimaschutz braucht es vor allem zuerst auch Ressourcenschutz. Hier liest du mehr dazu.
  • Minimalismus und Recycling: Indem du deinen Konsum hinterfragst und bewusst reduzierst, bewirkst du eine Menge. Wir haben für dich Tipps zum Reparieren von Gerätenminimalistischem Lebensstil und zum Thema Ressourcenverbrauch.
  • Ernährung: Die CO₂-Emissionen, die durch die Ernährung entstehen, kannst du durch bewussten Lebensmittelkonsum um 49 % senken, wenn du z.B. auf tierische Produkte verzichtest. Hier haben wir Tipps für dich.
  • Ökoenergie – Wirklich: Ganz viel auf einmal bewirkst du mit dem Wechsel zu wirklich sauberer Energie. Dein CO₂-Fußabdruck kann sich um bis zu 25 % verringern. Das ist so viel wie du mit keiner anderen Einzelmaßnahme erreichen kannst. Denn fossile Energieträger befeuern die Klimakrise besonders schlimm. Umso wichtiger, dass du auf Ökoenergie umsteigst und so den Strom- und Gassee ein Stückchen grüner machst.

Das Gute: Mit deinem Wechsel zu grüner Energie löst du sozusagen einen Dominoeffekt aus; vor allem wenn du zu einem echten und zertifizierten Ökostromanbieter wie Polarstern wechselst. Bei uns unterstützt du die Energiewende hier in Deutschland und in Kambodscha und Madagaskar. Gleichzeitig reduzierst du deinen CO₂-Ausstoß auf einen Schlag enorm. Und mit Polarstern unterstützt du ein gemeinwohlorientiertes Wirtschaften, das Klimaschutz und soziale Werte nicht irgendwo hinter dem finanziellen Gewinn einordnet, sondern als ebenso wichtiges Ziel sieht.

Klingt gut? Dann probiere gleich mal unseren Tarifrechner aus. Ökoenergie ist nämlich überhaupt nicht so teuer, wie immer behauptet wird:

Portrait von Ludwig.

Ludwig. | Team Wirklich

E‑Mail:  ludwig.o@polarstern-energie.de

Ludwig ist ausgebildeter Journalist und hat viele Jahre bei einem großen Medienhaus in München gearbeitet. Bei Polarstern ist er Redakteur im Marketing-Team und schreibt Artikel für das Polarstern-Magazin und Neuigkeiten für unsere Newsletter. Außerdem kümmert er sich um Events wie die Earth Hour und den Isar Cleanup.