Wenn Elektro-Geräte nicht mehr funktionieren, lautet die Frage: wegwerfen oder reparieren? Wir sagen: wenigstens eins von beiden, aber richtig. Wir zeigen dir, was du mit alten Geräten alles machen kannst, wo du sie reparieren lässt und warum der verantwortungsvolle Umgang mit Elektro-Geräten so wichtig ist – für die Umwelt und unsere eigene Gesundheit.

von Michael

1. Was darf in den Hausmüll?

Bei kaputten oder fast kaputten Geräten steht man immer wieder vor der Frage: Was mach ich jetzt mit dem Mist? In der Fantasie repariert man es, in der Praxis landet ein kleines Elektro-Teil in der Schrott-Schublade, ein größeres für immer im Keller. Und dann und wann wird dem Hausmüll doch ein Gerät untergejubelt. Alle Entschuldigungen ans Gewissen, die Müllabfuhr und die Menschheit an sich sind überflüssig: Elektroschrott darf nicht in den Hausmüll. Never.

Was ist Elektroschrott?

Elektroschrott ist praktisch alles, was ein Stromkabel, eine Batterie oder ein Akku hat. Also auch Steckerleisten, HDMI- und USB-Kabel oder alte Gameboys. Auf Gegenständen, die nicht in den Hausmüll gehören, findest du meistens einen Sticker mit einer durchgestrichenen Tonne drauf. 

2. Was wir durch falsche Entsorgung anrichten.

Laut Umweltbundesamt verursachen die Deutschen pro Kopf 22 kg Elektroschrott im Jahr. Davon werden aber nur 45 % richtig entsorgt. Der Rest, sprich 55 %, kann so nicht recycelt werden. Vielmehr gelangen Schadstoffe in die Umwelt – und die Wertstoffe kommen nicht zurück in die Kreislaufwirtschaft. In unseren Elektrogeräten stecken nämlich kleine Schätze wie Gold, Silber und Kupfer. Der Global E-Waste-Monitor schätzt, dass allein der Elektroschrott, der 2019 weltweit anfiel, einen Wert von über 50 Milliarden Euro hat. Er liegt verstreut auf den Müllhalden dieser Welt. Bei einer falschen Entsorgung gelangen die Schadstoffe unkontrolliert in die Natur, zum Beispiel Quecksilber, Blei und Kadmium.

Schrottmeister. 

Die Europäer:innen verursachen den meisten Elektroschrott. Der Pro-Kopf-Verbrauch lag 2019 laut E-Waster-Monitor bei 16,2 kg. Auf dem afrikanischen Kontinent lag der Pro-Kopf-Verbrauch dagegen nur bei 2,5 Kilogramm. Am meisten werden Elektrokleingeräte weggeschmissen. Das E-Schrott-Problem wird immer größer. Die Menge an Elektroschrott soll zwischen 2014 und 2020 weltweit um ein Fünftel gestiegen sein.

3. Alte Geräte richtig loswerden.

Es gibt viele Möglichkeiten, um sich alter oder kaputter Elektrogeräte zu entledigen. Du kannst sie zum Beispiel zum Händler oder Wertstoffhof bringen. Und wenn die Geräte doch noch funktionieren, gibt es viele Adresse, wo sie sinnvoll zum Einsatz kommen.

1. Elektrogeräte beim Händler abgeben.

Elektrogeräte mit einer Kantenlänge bis 25 Zentimeter kannst du in Elektrogeschäfte bringen, wenn sie eine Verkaufsfläche von mindestens 400 Quadratmetern haben. Ab Juli 2022 kannst du Geräte mit einer Kantenlänge bis 25 Zentimeter auch zu Supermärken und Discountern bringen, wenn diese kleine Elektrogeräte führen und ihre Verkaufsfläche größer als 800 Quadratmeter ist.

Um ein kleines Gerät abzugeben, musst du es nicht vor Ort gekauft haben und du bist auch nicht verpflichtet, etwas Neues zu kaufen. Anders sieht das bei Geräten aus, deren Kantenlänge größer sind als 25 Zentimeter. Der Händler muss ein Altgerät nur dann annehmen, wenn du bei ihm ein vergleichbares Gerät kaufst. Zum Beispiel Computer gegen Computer.

2. Elektrogeräte online abgeben.

Auch Online-Händler müssen sich um die Rücknahme von alten Geräten kümmern. Das gilt für Händler, deren Lagerfläche für Elektrogeräte größer ist als 400 Quadratmeter. Der Online-Handel hat die Wahl: Er kann ein altes Gerät von dir annehmen – zum Beispiel wenn er dir ein neues liefert. Um seine Rücknahme-Pflicht zu erfüllen, reicht es für ihn jedoch, dir lediglich eine Altgerät-Sammelstelle in deiner Nähe zu nennen. Alternativ kannst du oftmals bei der Online-Bestellung eines Geräts über 25 Zentimeter angeben, ob du bei der Lieferung ein altes Gerät abgeben willst. Für diesen Service darf der Online-Händler eine Gebühr verlangen.

3. Elektrogeräte richtig wegwerfen.

Alte Geräte kannst du natürlich auch bei kommunalen Sammelstellen wie Wertstoffhöfen abgeben. Davon gibt es in Deutschland 2.400 Stück. Da fällt’s schwer eine Ausrede zu finden, es nicht dorthin zu schaffen. 

Wenn du alte Handys oder Computer wegwirfst, achte immer darauf, dass wirklich keine Daten mehr von dir auf den Geräten zu finden sind. Entferne außerdem die Batterien aus den Geräten und entsorge sie separat. Größere Elektrogeräte kannst du auch im Rahmen einer kostenpflichtigen Sperrmüllabholung loswerden oder einen Abholservice bei Dienstleistern wie elektroschrott.de buchen. 

4. Elektrogeräte verkaufen und tauschen.

Wenn ein altes Elektrogerät noch funktioniert, hast du die Wahl: verkaufen oder verschenken. Verkaufen kannst du deine Geräte zum Beispiel bei reBuy, Refurbed, Back Market und natürlich eBay und eBay Kleinanzeigen. Tauschen geht natürlich auch. Dafür gibt es Plattformen wie Tauschticket oder Tauschgnom. Ansonsten bieten teilweise auch Hersteller Tauschprogramme, bei denen man ein altes funktionstüchtiges Gerät gegen einen Geschenkgutschein eintauscht.

5. Elektrogeräte verschenken. 

Wenn du ein Gerät verschenken willst, aber niemanden kennst, der gerade eins braucht, kannst du dich an Verschenknetzwerke wie Alles und umsonst oder Freecycle wenden. Am besten ist es natürlich, funktionierende Geräte dort abzugeben, wo sie am dringendsten gebraucht werden. Bei We4Kids zum Beispiel freuen sich Kinder aus benachteiligten Familien bestimmt über dein altes Handy. Und bei Labdoo wird dein alter Laptop mit Lernprogrammen bespielt und kommt in einer Schule, einem Waisenhaus oder einem Geflüchtetenprojekt zum Einsatz, wo Kinder mit ihm lernen können. Auch Einrichtungen wie die Caritas oder die Diakonie suchen immer nach Kommunikationsgeräten für benachteiligte Menschen. 

6. Refurbishen. 

Es sollte übrigens auch mehr in die andere Richtung gehen: Dass man selbst bevorzugt Gebrauchtes kauft. Vielleicht wird es sogar Trend: Zumindest hat laut einer Bitkom-Befragung die Hälfte der Deutschen Interesse, ein refurbished Gerät zu nutzen. Refurbished heißt: gebraucht, generalüberholt und günstiger als ein neues Gerät. Nach der repräsentativen Umfrage hat sich bereits jede:r achte Deutsche schon mal ein solches Gerät gekauft. Besonders groß ist der Umweltnutzen, wenn Unternehmen auf Secondhand-Geräte setzen. Bei uns, Polarstern sind Laptops gebraucht – und funktionieren wunderbar. 

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4. Reparieren: Keine Ahnung, und jetzt? 

Für die Umwelt und das Klima ist es immer am besten, ein Gerät bis zum bitteren Ende zu nutzen. Denn die Produktion von neuen Geräten verschlingt Unmengen an Ressourcen und verursacht Treibhausgase ohne Ende. Laut einer Berechnung des Öko-Instituts könnten in Deutschland jedes Jahr rund vier Millionen Tonnen Treibhausgase gespart werden, wenn Haushalte ihre Laptops, Handys, Fernseher und Waschmaschinen länger nutzen würden. Das ist so viel wie zwei Millionen Autos jährlich ausstoßen.

Ist das Gerät wirklich kaputt oder tun wir nur so?

Stattdessen werden Geräte häufig schon bei der kleinsten Macke nachgekauft. Da fliegt einmal das iPhone runter, und der innere Influencer heult und will am liebsten ein neues. Und dann kauft er sich ein neues. In unserem Kopf wissen wir, dass man vieles reparieren kann. Aber die wenigsten können es oder trauen es sich zu. Also, was tun?

1. Werkzeug zulegen. 

Zunächst sollte jede:r vernünftiges Werkzeuge zu Hause haben. Manchmal ist einfach irgendwo am Gerät eine Schraube locker. Und dass sie nicht nachgezogen wird, liegt häufig daran, dass jede:r nur einen Werbegeschenk-Schraubenzieher besitzt oder dieses Ikea-Werkzeug, wo sich der "passende" Aufsatz auch immer mitdreht. Arg.

2. Tutorials für kleinere Reparaturen.

Im zweiten Schritt sollte man bei YouTube Reparatur-Tutorials ansehen, dann aber ehrlich einschätzen, ob man sich die Arbeit zutraut. Schrauben nachziehen kann jede:r und sollte es auch tun. Geht es an die Elektronik selbst, sollte man die Finger davon lassen, wenn man nicht wenigstens ein paar Elektrotechnik-Grundkenntnisse hat. Auch weil die Garantie eines Geräts verfällt, wenn du es auf eigene Faust öffnest. Jemanden zu finden, der:die einem ein kaputtes Gerät repariert oder zeigt, wie’s geht, ist aber auch eine Kunst für sich. Fündig wirst du zum Beispiel bei kaputt.de. Dort gibt‘s Tutorials, und du erfährst, wo du die nächste Werkstatt in der Nähe findest.

3. Repair-Cafés besuchen.

Eine hervorragende Anlaufstelle sind Repair Cafés. Dort zeigen dir ehrenamtliche Helfer:innen, wie du Geräte reparierst oder übernehmen es für dich. Kostenlos! Du zahlst lediglich für die Ersatzteile. Diese Orte sind der Gegenentwurf zur Wegwerfgesellschaft. Vor allem aber sind sie ein schöner Treff. Ein paar Dinge solltest du über Repair Cafés wissen:

  • Ein Repair Café ist kein Kundenservice. Es gibt keine Garantie, dass Helfer:innen dein kaputtes Gerät wieder zum Laufen bringen. Wenn es nicht klappt, habt ihr's immerhin versucht, und das Gerät darf weg – per Wertstoffhof korrekt entsorgt natürlich.
  • Du bist nicht der:die Einzige mit einem Reparaturwunsch. Melde dich in jedem Fall zu einem Termin an und rechne damit, dass dein Gerät vielleicht nicht direkt bei deinem ersten Besuch drankommt.
  • Ein Repair Café in deiner Nähe findest du bei Netzwerken wie reparatur-initiativen.de oder repaircafe.org. Alternativ kannst du gezielt Repair Cafés in deiner Region googeln. Vielleicht gibt es ja gerade ein Pop-Up-Repair-Café, das noch nicht in einem Index geführt ist.

Machen Hersteller Geräte absichtlich kaputt?

Viele dürften schon die Erfahrung gemacht haben, dass ein Gerät in etwa so lange hält wie die Garantie. Werden die Geräte gezielt so designt, um nach Ablauf der Garantie kaputtzugehen? Im Bundestag gab es dazu vor wenigen Jahren eine Untersuchung. Nachweisen kann man den Herstellern natürlich nichts. In der Praxis sind manche Geräte aber oft viel zu schnell unbrauchbar, dazu muss man keine Untersuchung durchführen. Jede:r kennt es von Handys, die sich schon nach wenigen Jahren nicht mehr updaten lassen. Schlecht für die Nutzer:innen, gut für die Hersteller: Eine Analyse des Fraunhofer Instituts ergab, dass eine hohe Langlebigkeit von Smartphones mit einem Verkaufseinbruch von einem Viertel einherginge. Ein anderes Beispiel ist die Kompatibilität von Ladekabeln. Hier brachten die Hersteller ständig neue Stecker auf den Markt, sodass alte Kabel nutzlos wurden. Zumindest dieser Praxis hat die EU einen Riegel vorgeschoben. Ab 2024 gibt es für Handys, Tablets, Digicams, Spielekonsolen und Kopfhörer nur noch ein Kabel, das USB-C-Kabel.

5. Wie Reparaturen gefördert werden.

Dass vor allem ehrenamtliche Helfer:innen die Reparaturen ihrer Mitmenschen übernehmen, zeigt, wie klein der gesellschaftliche Stellenwert von Nachhaltigkeit immer noch ist. Dabei sollte es der Job von Industrie und Politik sein, eine Kultur der Langlebigkeit zu fördern. Verbraucher:innen brauchen ein besseres Reparatur-Angebot, Betriebe eine Chance auf Rentabilität, und Produkte müssen so designt werden, dass Ersatzteile leicht erhältlich und austauschbar sind.

Recht auf Reparatur. 

Immerhin hat sich die Regierung vorgenommen, das Recht auf Reparatur zu stärken. Aus anderen EU-Ländern gibt es dazu schon gute Ideen. In Schweden zahlt man zum Beispiel für kleinere Reparaturen nur die halbe Mehrwertsteuer. Und in Frankreich gibt es einen Reparatur-Index, der die Reparatur-Tauglichkeit von Geräten auf einer Skala von 1 bis 10 angibt. In Deutschland ist Thüringen beim Reparieren Vorreiter. Das Bundesland fördert Reparaturen von Elektrogeräten mit 50 %. Jeder Haushalt darf dafür pro Jahr 100 Euro in Anspruch nehmen. Sogar Ersatzteile werden bezuschusst, wenn man sie in einem Reparatur-Café einbauen lässt.

Der richtige Umgang mit Elektrogeräten: echter Ökostrom.

Als Verbraucher:innen müssen wir Elektroschrott neu denken. Dass es eben kein Schrott ist, sondern etwas Wertvolles, das man der Kreislaufwirtschaft zurückgeben muss. Und solange Geräte funktionieren, muss man sie so nutzen, dass sie möglichst keinen Umweltschaden hinterlassen. Wie das geht? Mit erneuerbarer Energie. Mit echtem Ökostrom verursachen die Geräte im Betrieb so gut wie keine CO2-Emissionen. Ein 4-Personen-Haushalt kann mit der Nutzung von echtem Ökostrom sogar schon über eine Tonne CO2 im Jahr sparen. Wie viel schaffst du?

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Michael | Team Wirklich

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