Die große Frage, wenn Geräte defekt sind: Wegwerfen oder reparieren? Dinge, die uns am Herzen liegen, werden zigmal geklebt, geleimt und zusammengeschraubt. Anders ist das mit der Mehrheit unserer Alltagsgeräte, obwohl es natürlich nachhaltiger ist, wenn wir alles möglichst lange nutzen. Die meisten Ressourcen werden fast immer für die Produktion der Geräte benötigt – nicht für ihre Nutzung. Also ran an den Schraubenzieher oder auf ins Repair Café! Das spart oftmals Geld, reduziert den Ressourcenverbrauch und senkt die Umweltbelastungen – und das schöne Erfolgsgefühl gibt´s obendrauf!

von Tabatha

Die meisten Menschen haben eine Ansammlung von kaputten oder unbenutzten Elektrogeräten zu Hause. Eine Hochrechnung des Digitalverbandes Bitkom zeigt: Deutsche horten etwa 200 Millionen alte Handys und Smartphones. Dinge, die zwar noch funktionieren, aber längst durch neuere, vermeidlich bessere Versionen ersetzt wurden. Die alten Geräte liegen dann einfach rum, dabei stecken in ihnen wertvolle Ressourcen – und oft auch schöne Erinnerungen. Wir zeigen dir, warum du wieder etwas daraus machen solltest:

  1. Elektrogeräte – immer neuer, toller, besser und oft sinnlos.
  2. Deshalb wechseln wir Geräte fast wie Unterwäsche.
  3. Die Phasen des Produktlebenszyklus.
  4. Geräte reparieren lohnt sich.
  5. So wichtig ist Recycling.
  6. Du bist Teil der Kreislaufwirtschaft.

 

Elektrogeräte – immer neuer, toller, besser und oft sinnlos.

„Warum einen einfachen Flachbildfernseher behalten, wenn man eine 3D-Glotze mit Internetzugang haben kann?“ Ein auf den ersten Blick nachvollziehbarer Gedanke. Immer schneller und häufiger tauschen wir alte Elektrogeräte durch neue aus.

Ein Beispiel: Das iPhone 5 erschien 2012. Sein Nachfolger – das iPhone 6 – kam drei Jahre später auf den Markt. Seither gibt es von Apple beinahe jedes Jahr ein neues Modell und immer noch verkaufen sie sich. Woran liegt das? Größerer Bildschirm, bessere Kameras, mehr Farbauswahl. Durch diesen schnellen Gerätewechsel liegen immer mehr „alte“ iPhones ungenutzt herum, obwohl sie noch immer bestens funktionieren. Auch werden die angepriesenen neuen Funktionen gar nicht unbedingt genutzt (oder verschickst du tagtäglich Animojis?) und sind ein Jahr später schon wieder überholt. Das ist nicht nachhaltig weder für Umwelt noch für den Geldbeutel. Bevor du also ein neues Gerät wie z. B. ein Smartphone bestellst, lohnen sich oft die Reparatur oder der Kauf im Second-Hand-Laden.

 

Deshalb wechseln wir Geräte fast wie Unterwäsche.

Der Abschlussbericht des Umweltbundesamtes (UBA) von 2019 zeigt, dass immer mehr Geräte frühzeitig ersetzt werden, obwohl sie noch bestens funktionieren. Gleichzeitig steigt der Anteil an Haushaltsgeräten, die aufgrund eines Defektes schon innerhalb der ersten fünf Jahre ersetzt werden. Warum ist das so?

Erinnere dich: Das Nokia 3310 galt als so gut wie unzerstörbar und wurde meist viele Jahre lang genutzt. Heute fangen Smartphone, Laptop und Co. gefühlt schon direkt nach dem Ablauf der Garantie mit ersten Macken an. Ist das etwa Absicht? Eine Studie des Umweltbundesamtes zum Thema der geplanten Obsoleszenz zeigt, dass die Erst-Nutzungsdauer bei den meisten untersuchten Geräten sinkt. Ob das die Hersteller bewusst geplant haben, kann nicht bewiesen werden.

Es wäre natürlich einfach zu sagen, dass die Hersteller alleine schuld an der Schnelllebigkeit von Elektrogeräten sind. Doch auch wir müssen uns an die Nase fassen. Unsere Nachfrage nach immer neuen Produkten unterstützt die Herstellung. Da kann man ehrlicherweise schon mal von „Gerätewahnsinn“ sprechen.

 

 

Infografik: Entwicklung Elektrogeräte im Haushalt
Immer öfter haben Haushalte mehr als einen PC, ein Mobiltelefon und einen Fernseher. Vielfalt und Anzahl der Geräte steigen seit Jahren.

 

>>> Warum du dem Gerätewahnsinn den Kampf ansagen solltest.

Nochmal zurück zu unserem Beispiel: Apple gibt für iPhone und iPad eine erwartete Lebensdauer von drei Jahren an, bei Macs sind es immerhin vier Jahre. Gleichzeitig betont Apple: „Most Apple products last longer and are often passed along, resold, or returned to Apple by the first owner for others to use.“ So viel zur Theorie, aber man muss es auch machen. Also bring dein altes Gerät zu Second-Hand-Stellen oder Läden, die es wiederaufbereiten (Refurbish Shops), bevor du es wegwirfst. Oder du gibst deinem iPhone selbst noch ein zweites Leben – etwa als Musikplayer oder als Unterhaltungsgerät für deine Kinder – und verbesserst so seine Nutzungsdauer.

So machst du das Produkt um einiges nachhaltiger. Der Bericht des Umweltbundesamtes bringt es gut auf den Punkt: „Durch kurzlebige Produkte werden verfügbare Ressourcen schneller abgebaut, Treibhausgase schaden dem Klima und das Abfallaufkommen wird zusätzlich erhöht.“ Ganz so schick ist das neue Teil so betrachtet gar nicht mehr.

 

Die Phasen des Produktlebenszyklus.

Du siehst schon: Je länger ein Produkt genutzt wird, umso besser ist seine Ökobilanz. Jeder Fernseher, jedes Telefon und jeder Laptop muss erst einmal aufwendig hergestellt werden. Ist die Nutzungsdauer dann nur sehr kurz, geht es direkt wieder in die nächste Phase, nämlich die Entsorgung.

So sieht der Lebenszyklus eines Produktes aus:

  1. Rohstoffgewinnung: Ressourcen werden genutzt
  2. Herstellung: Müll und umweltschädliche Stoffe entstehen oft dabei
  3. Verkauf: beim Transport des Produktes fallen meist CO2-Emissionen und weitere Schadstoffe an
  4. Nutzung: hier gehört auch die Zweitnutzung durch Reparieren oder Umfunktionieren dazu
  5. Entsorgung/Recycling

 

Geräte reparieren lohnt sich.

Wenn ein Gerät nicht mehr richtig funktioniert, solltest du es nicht gleich entsorgen. Aus Gründen der Nachhaltigkeit – und meist auch der Kosten – macht es Sinn, Werkzeug in die Hand zu nehmen und das Teil erst einmal zu reparieren. Im Zweifel hilft ein gut erklärtes YouTube-Tutorial. Davon gibt’s zum Glück inzwischen für fast alles etwas. Immerhin ist YouTube nach Google die zweitgrößte Suchmaschine.

Bei größeren Defekten, die du nicht selbst wieder hinbekommst, musst du aber nicht gleich verzweifeln und ein neues Gerät kaufen. Für solche Fälle gibt es Einrichtungen wie offene Werkstätten und Repair Cafés. Dort ist jeder eingeladen, der seine alte Kaffeemaschine, Fahrrad oder Computer noch nicht aufgegeben hat. Diese Orte sind der Gegenentwurf zur Wegwerfgesellschaft. Vor allem aber machen sie Spaß. Hammer, Schraubenzieher & Co. stehen für alle bereit, um gemeinsam Stuhlbeine anzukleben, Platten zu flicken oder Computer zu reparieren. Probleme werden alleine, in der Gruppe oder mit freiwilligen Experten gelöst. Und sei es auch nur, um die Erkenntnis zu gewinnen, dass der Gegenstand doch nicht mehr zu retten ist. Aber hier liegt gerade der Reiz. Repair Cafés sind kostenlos und nicht kommerziell. Das heißt, es kann auch immer mal etwas schief gehen. Wenn man es aber trotzdem schafft, und man sich auch mal selber auf die Schulter klopfen darf und nicht den Leuten vom nächsten Recyclingservice, dann ist das mehr wert, als jedes neu angeschaffte Elektrogerät. Dann hat man im kleinen Stil das System ausgetrickst.

Wenn sich immer mehr Menschen entscheiden, mitzumachen, ist der Einfluss auf Industrie und Gesellschaft wirklich groß. Dann wird aus einer Idee eine Bewegung. Dann könnten wir im großen Stil überflüssigen Gerätemüll vermeiden und den Produktlebenszyklus verbessern.

 

So wichtig ist Recycling.

Das Problem bei ungenutzten Elektrogeräten: Wertvolle recycelbare Rohstoffe wie Gold, Silber oder Seltene Erden liegen entweder zu Hause herum oder landen auf dem Müll. Anstatt sie zu recyceln, verschiffen wir jährlich tonnenweise alte Elektrogeräte nach Asien und Afrika – mit verheerenden Folgen für Mensch und Natur. Auf den großen Müllkippen dieser Welt landet alles, was uns nicht mehr leistungsfähig erscheint. Vor Ort verbrennen die Menschen oft die alten Geräte, um die in den Bauteilen enthaltenen Wertstoffe zu gewinnen. Eine Win-Win-Situation ist das bei weitem nicht. Menschen und Umwelt erkranken an den krebserregenden Giften. 

In Deutschland gibt es einerseits von der EU, aber auch von der Bundesrepublik Deutschland eine festgelegte rechtliche Basis für das Thema Recycling, wie das Kreislaufwirtschaftsgesetz und das Verpackungsgesetz. Da würde man meinen, dass unsere Billanz gar nicht so übel ist. Doch im aktuellen Uno-Bericht zum Thema Elektroschrott erkennt man schnell die Dringlichkeit: Nicht nur wuchs die weltweite Menge an E-Schrott in nur fünf Jahren um 21 % auf 53.600.000 Tonnen, sondern wir in Europa haben auch noch das größte Pro-Kopf-Aufkommen mit 16,2 Kilogramm Elektroschrott pro Einwohner. Eine Trendwende ist laut dem Bericht nicht in Sicht: Der weltweite E-Müll soll bis 2030 auf 74.000.000 Tonnen ansteigen.

So recycelst du deine Geräte.

Kommunale Sammelstellen, wie Wertstoffhöfe oder Schadstoffmobile, sind die richtige Anlaufstelle für deine alten Geräte, die nicht mehr repariert werden können. Wie genau alte Elektrogeräte in deiner Kommune gesammelt werden, erfährst du im Rathaus. Auch bei großen Baumärkten und Elektrohändlern kannst du bestimmte Altgeräte abgeben. Das Umweltbundesamt rät vor der Abgabe an gewerbliche Sammler ab, da die Geräte nicht immer umweltgerecht entsorgt werden.

Wichtig: Entferne vor dem Recyceln alle Batterien und Akkus aus dem Gerät und entsorge sie separat.

>>> Spannende Details rund um das Thema Recycling bietet diese Website des EAR.

Und was passiert mit den recycelten Geräten? Die werden geprüft und wenn möglich zur Wiederverwendung aufbereitet. Wenn das nicht mehr möglich ist, wird das Gerät zerlegt und einzelne Materialien daraus wiedergewonnen.

Second Use als Recyclingform.

Recycling bedeutet nicht unbedingt, dass du ein Gerät zum Wertstoffhof fährst. Auch das Umfunktionieren eines Produktes, der „Second Use“ ist eine Art von Recycling. Im Alltag kann Second Use zum Beispiel eine Glasflasche sein, die du als Kerzenständer wiederverwendest. Second Use gibt es inzwischen auch häufig bei Batterien aus Elektroautos, die als Stromspeicher eingesetzt ein zweites Leben bekommen. Auf sozialen Plattformen wie Pinterest und in diversen Blogs findest du eine Menge Ideen dafür, auch bekannt als Upcycling.

>>> Mehr über das Recycling von PV-Anlagen und Elektroautos.

 

Du bist Teil der Kreislaufwirtschaft.

Deine Entscheidungen können viel bewirken. Wirklich. Indem du ein Gerät reparierst, es umfunktionierst oder es am Ende richtig recycelst, bist du ein Teil der Kreislaufwirtschaft. Die setzt auf Effizienz und den nachhaltigen Umgang mit Ressourcen. Tschüss Müll, hallo Nachhaltigkeit!

Ein super Beispiel: Unser Wirklich Ökogas.

In einer Biogasanlage werden Zuckerrübenreste vergoren, die bereits zur Zuckerherstellung genutzt wurden. Dadurch entsteht unser Biogas UND ein wertvoller Dünger, der für den Anbau der Zuckerrüben wiederverwendet wird. Alle Bestandteile werden also sinnvoll weiterverwertet.

>>> Mehr über Wirklich Ökogas von Polarstern erfahren.

 

 

Kreislaufwirtschaft Infografik
Das Prinzip der „Circular Economy“; Quelle: KfW

 

Warum die Kreislaufwirtschaft so wichtig ist? Ganz einfach: Weil weltweit mehr Ressourcen verbraucht werden, als die Erde erneuern kann. In Deutschland benötigen wir sogar das doppelte unserer Biokapazität. Ein gutes Beispiel dafür ist die Entwicklung des Earth Overshoot Days, deutsch Erdüberlastungstag. Das ist der Tag im Jahr, an dem alle Ressourcen aufgebraucht wären, wenn wir so weitermachen wie bisher. Und dieser Tag wandert Jahr für Jahr weiter nach vorne. 2019 lag er bereits am 3. Mai.

>>> Mehr zum Earth Overshoot Day.

Uns von Polarstern verbindet als Social Business und Mitglied der Gemeinwohl-Ökonomie viel mit dem Ansatz der Kreislaufwirtschaft. Diese drei Prinzipien charakterisieren das Wirtschaftsmodell:

 

Effiziente Nutzung von Ressourcen.

Logisch, wenn nichts weggeworfen werden soll, müssen Ressourcen sinnvoll eingesetzt werden. Das bedeutet auch, dass wenn möglich immer erneuerbare Materialien genutzt werden. So gewinnen wir bei Polarstern unseren Strom aus Laufwasserkraft und unser Gas aus nachwachsenden Zuckerrübenresten.

Produkte lange und intensiv nutzen.

Indem Produkte viel und lange genutzt werden, erhöht sich ihre Nachhaltigkeit. Das bedeutet, dass eben nicht gleich alles neu gekauft, sondern erstmal repariert oder anderweitig genutzt werden sollte.

Nutzung von Neben- und Abfallprodukten.

Wie bei unserem Ökogas können in vielen Fällen Reste, die bei der Produktion entstehen, direkt weiterverwertet und genutzt werden. So werden Abfälle minimiert und die Effizienz gesteigert.

Video: Erfahre, wie Wirklich Ökogas aus Zuckerrübenresten hergestellt wird:

 

 

>>> Wirklich Ökogas von Polarstern kennenlernen.

Von der Circular Economy haben alle etwas: Verbraucher, Unternehmen, Umwelt. Hendrik Fink, Leiter Sustainability Services bei PwC Germany, fasst zusammen: „Unternehmen, denen es gelingt, sich neu zu erfinden und innovative Geschäftsmodelle auf Basis der Circular Economy zu etablieren, werden die Gewinner von morgen sein. Die Kreislaufwirtschaft wird zur neuen Normalität.“

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