"Klimawandel? Wieso? Extremwetter gab’s schon immer." Mag sein, aber Wetter ist ja auch nicht gleich Klima. Zwischen Wetter und Klima gibt es einen wichtigen Unterschied; und der liegt im Betrachtungszeitraum. Genau deshalb gibt das Wetter keinen direkten Aufschluss über das Klima der vergangenen Jahre – und über den Klimawandel schon gar nicht. Klimaerwärmung trotz zwei Wochen andauerndem Regen? Ja das geht.

von Undine

Was ist der Unterschied zwischen Klima und Wetter?

Was ist das „Wetter“? 

Wie ist das Wetter gerade bei dir zu Hause? Die Antwort darauf ist einfach: Du schaust aus dem Fenster oder gehst einfach raus und schon weißt du, wie das Wetter ist. Du kannst das Wetter empfinden. Du kannst fühlen, ob es kalt, warm oder nass ist. Anders gesagt ist das Wetter also das, was wir sehen, wenn wir nach draußen schauen. Die Meteorologen definieren das Wetter als ein Zustand der Atmosphäre zu einem bestimmten Zeitpunkt, an einem bestimmten Ort. Ob du dich dabei in München, Köln oder Hersel befindest, ist dabei ganz egal.  

Was ist das „Klima“? 

Wenn du dich jetzt fragst, wie das durchschnittliche Wetter bei dir zu Hause in den letzten 30 Jahren war, dann findest du die Antwort darauf nicht mehr so einfach. Denn wer erinnert sich schon so genau an die Lufttemperatur, den Luftdruck, die Luftfeuchtigkeit oder den Regen der letzten 30 Jahre? Und vor allem: Wer erinnert sich ohne rosarote Brille? Das Klima definiert sich erstmal als der Mittelwert des Wetters. Dafür werden alle möglichen Wetterparameter angeschaut, gemessen und aus ihnen wird dann ein Mittelwert gebildet – und das was da rauskommt, das ist das Klima. Dazu werden Wetterdaten aus einem Betrachtungszeitraum von mindestens 30 Jahren herangezogen. Der Bezugszeitraum für die Beschreibung des Klimas ist also relativ lang. Deshalb kannst du von deiner täglichen Wetterempfindung auch kein Rückschluss aufs Klima ziehen.

Wetter

  • beschreibt den Zeitpunkt eines Zustands der Atmosphäre. 
  • ist das, was wir wahrnehmen und empfinden können, wenn wir draußen sind.

Klima

  • beschreibt einen Zeitraum.
  • setzt sich zusammen aus den gesammelten Informationen über das Wetter und die Temperaturen. 

So verändern sich Wetter und Klima.

Wenn es Wochen lang heftig regnet, dann ist das erstmal nur ein Wetterereignis und steht für sich. Werden aber alle Wetterereignisse zusammengenommen, angeschaut und ausgewertet, dann können Aussagen über das Klima getroffen werden. Genau das machen Klimaforscher:innen. Manche Forscher:innen schauen noch längere Zeiträume als 30 Jahre an. Nämlich das Paläoklima. Dabei wird ein Zeitraum von mehreren 1.000 Jahren betrachtet. Bei dieser Art der Betrachtung hat sich gezeigt, dass das Klima der vergangenen 10.000 Jahre ziemlich gleichgeblieben ist. Aber: In den vergangenen 100 Jahren – was für unsere Welt ein vergleichsweise kurzer Zeitraum ist – hat sich das Klima extrem verändert. Viel stärker, als in 1.000 Jahren zuvor.

Laut der Weltorganisation für Meteorologie (WMO) stieg die globale Durchschnittstemperatur seit Beginn der Messungen bis 2020 um 1,2 ° C, wobei die Jahre 2015 bis 2020 die wärmsten Jahre waren. Mit einer Mitteltemperatur von ca. 10,2 °C lag der Temperaturdurchschnitt im Jahr 2019 schon 2 Grad über der international gültigen Referenzperiode von 1961 bis 1990. Gegenüber der Vergleichsperiode von 1981 bis 2010 waren es 1,3 Grad.

Der Klimawandel in Deutschland. 

In Deutschland ändert sich das Klima übrigens besonders schnell, auch wenn man es nicht fühlen kann wie das Wetter. Gegenüber der vorindustriellen Zeit ist es hierzulande 1,6 °C wärmer geworden. In den letzten 40 Jahren hat die Sonnenscheindauer um 17 % zugelegt. Die Zahl der heißen Tage stieg in den letzten 70 Jahren um 196 %, die Zahl der Starkregentage um 5 %. Seit Mitte des 19. Jahrhunderts ist der Meeresspiegel in Cuxhaven um 42 Zentimeter gestiegen. 

Wo der Klimawandel in Deutschland zuschlägt

Wie hängen Wetter und Klima zusammen?

Bei den jüngsten Wetterextremen von 2021 ließ sich die Frage ob dies nicht doch irgendwas mit dem Klimawandel zu tun haben könnte, endgültig nicht mehr ignorieren. Wie gesagt: Ein Ereignis, ein Starkregen oder eine Dürre lässt sich noch nicht monokausal auf den Klimawandel zurückführen. Die Zunahme und Heftigkeit der Ereignisse kann die Forschung durch Klimamodelle und eine immer bessere Datenlage jedoch eindeutig dem Klimawandel zuordnen. Die Attributionsforschung untersucht, ob das Ereignis eben auch eine Folge Klimawandels ist. Für den heißen Sommer 2018 trifft dies zum Beispiel zu (Leach et al. 2020). 

Es ist ja auch klar: Laut der Weltorganisation für Meteorologie (WMO) lag die globale Durchschnittstemperatur 2020 1,2 ° C über der vorindustriellen Zeit. Steigende Temperaturen sorgen für Hitzewellen und für Unruhe in der Luft. Für Winde, Hoch- und Tiefdruckgebiete. Je wärmer die Luft ist, desto mehr Wasser kann sie speichern. Und das muss irgendwo abregnen. Die Erwärmung der Meere sorgt für noch mehr Winde, Hoch- und Tiefdruckgebiete und einer zusätzlichen verdunstung von Wasser. Ergo: noch mehr Niederschläge.

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