Schmelzendes Eis im Meer

Mit dem Begriff „klimaneutral“ wird gerne geworben. Banken, Kleidungs- und Lebensmittelfirmen, viele Unternehmen haben Klimaneutralität als ihr Ziel auserkoren. Doch was bedeutet das im Einzelfall? Verursachen die Firmen wirklich kein CO2 mehr? Wie viel bringt es, wenn wir auf Kompensationen setzen? Und wie wird dein Alltag und die Wirtschaft wirklich klimafreundlicher?


Das Problem ist, beim Ziel der Klimaneutralität fokussieren wir uns auf die verursachten CO2-Emissionen und setzen damit an den Folgen an, nicht an den Ursachen, etwa dem hohen Ressourcenverbrauch. Dabei schützt ein bewusster Umgang mit den natürlichen Ressourcen automatisch auch das Klima. 

von Tabatha

 

Ressourcenschutz muss das primäre Ziel sein – nicht Klimaneutralität.

Ein nachhaltiges Leben und Wirtschaften bedeutet mehr, als nur CO2 zu sparen. Es betrifft alle Bereiche und heißt im Grunde, rücksichtsvoll mit den Ressourcen umzugehen. Nicht mehr Ressourcen zu verbrauchen, als sich regenerieren können. Tun wir das, schützen wir auch das Klima. Ganz einfaches Beispiel: Wer keine Regenwälder abholzt, braucht auch keine Aufforstungsprojekte.

“Im Grunde bedeutet der Begriff klimaneutral erst einmal, dass durch das Produkt oder die Dienstleistung die Menge an klimaschädlichen Gasen in der Atmosphäre nicht erhöht wird. „Klimaneutral“ ist also auf den ersten Blick eine gute Sache. Ein wesentlicher Unterschied besteht jedoch darin, WIE klimaschädliche Gase vermieden werden.” – Deutsche Umwelthilfe (DUH)

Ressourcenschutz sollte daher das primäre Ziel sein. Es ist ein ganzheitlicheres Ziel, das auch das Klima schützt – aber eben nicht nur das.
 

Reduce, reuse, recycle, repeat
Die R-Regeln eines ressourcenschonenden Handelns: reduzieren, wiederverwenden, recyceln.

Beim Begriff „klimaneutral“ solltest du aufhorchen.

Eigentlich versteckt sich das Problem des Begriffs klimaneutral schon in dem kleinen Wörtchen „neutral“: Neutral kommt aus dem lateinischen ne-utrum, was „keines von beiden“ heißt. Weder gut noch schlecht? Weder falsch noch richtig? Irgendwie ist klimaneutral genau das. Es soll ein Gleichgewicht zwischen Kohlenstoffemissionen und der Aufnahme von Kohlenstoff aus der Atmosphäre in Kohlenstoffsenken hergestellt werden.

Nur stellt sich die Frage: wie wird diese Klimaneutralität erreicht? Ist sie wirklich einem bewussteren Handeln zuzuschreiben, oder werden Emissionen an einer Stelle einfach mit einer Kompensation an anderer Stelle aufgewogen?

Allein das Produktangebot zu ändern, reicht nämlich nicht. Unternehmenskultur und -strukturen müssen sich wandeln und dabei Mitarbeiter:innen und Partner mitgenommen werden. Klimakompensationen und neue Produkte sind keine nachhaltige Transformation. Übrigens müssen auch wir als Verbraucher:innen ressourcenbewusster handeln. Alle – Politik, Wirtschaft und Endkunden – sind in der Pflicht, ihren Teil zum Erhalt unseres Planeten beizutragen.

 

Beispiel Shell: Hilft Klimaneutralität hier weiter?

Der Energiekonzern Shell gibt seinen Kund:innen die Möglichkeit, beim Tanken freiwillig einen CO2-Aufschlag pro Liter zu zahlen und damit Aufforstungs-Projekte zu unterstützen. Besser als nichts? Kritik erntet Shell dennoch – und aus unserer Sicht zurecht: „Dringender als solch armselige und durchschaubare Scheinlösungen braucht Shell eine Idee, wie der Konzern nicht länger Geld mit der Zerstörung unserer Zukunft verdient. Öl hat keinen Platz in einem klimaverträglichen Energiemix.“ – Klimaexperte Benjamin Stephan von Greenpeace. Übrigens: Erst im Frühjahr 2021 hat ein niederländisches Gericht Shell dazu verdonnert, wirklich ernsthafter seine Treibhausgase zu reduzieren – von allein machten sie nur wenig.

Der Begriff „Klimaneutral“ wird immer anders definiert.

Es gibt auch keine eindeutigen Richtlinien für das Label „klimaneutral“. Der Hersteller entscheidet selbst, welche Emissionen kompensiert werden: die des Produktionsstandortes, der Verpackung oder des gesamten Produktlebenszyklus.

 

Klimaneutral? Lebe klimafreundlich!

Die meisten von uns sind in eine Konsumgesellschaft hineingeboren oder hineingewachsen. Und seien wir ehrlich: uns selbst zu erziehen und zu den tausenden glänzenden Dingen, die uns jeden Tag ins Auge springen immer „Nein“ zu sagen ist gar nicht so einfach. Viele Unternehmen wissen von diesem Dilemma und wollen uns beides bieten: Konsum und ein gutes Gewissen. Dabei erreichen wir mit klimaneutralen Turnschuhen oder Gesichtscremes nichts Gutes, sondern erst einmal genau das, was das Wort „neutral“ schon sagt: nichts. In einer Welt, die auf dem Kipppunkt steht, ist das reichlich wenig.

Drei Beispiele, wieso Klimaneutralität schnell am Ziel vorbeiführt.

1. Grün bestellen versus nicht bestellen.

Ob per Auto, Flugzeug, Bahn oder Schiff: Wer Dinge von A nach B bringt, produziert CO2. Hersteller können nun versuchen, die Emissionen so gut es geht zu vermeiden oder diese nachträglich zu kompensieren. Oft ist es eine Mischung aus beidem, da es für einen vollständig CO2-freien Versand noch nicht die nötigen Infrastrukturen gibt. Es gilt also, so viel wie möglich zu vermeiden – zum Beispiel durch elektrische Kleintransporter oder e-Lastenräder – und zu kompensieren, was übrigbleibt. Oft decken die Kompensations-Kosten aber nicht die echten Schadenskosten. Und bis aufgeforstete Wälder das entstandene CO2 wieder binden, können Jahrzehnte vergehen. Eine lange Zeit also, in denen freigesetzte Klimagase Schaden anrichten.

Fest steht: klimaneutraler Versand ist besser als klimaschädlicher. Eine echte Verschnaufpause verschaffst du der Welt aber, indem du einfach weniger bestellst und dich bei jedem Produkt fragst: Brauche ich das wirklich? Kann ich es auch im Laden kaufen – oder sogar ausleihen?

2. Flüge kompensieren – ein grüner Ablasshandel.

Obwohl die zivile Luftfahrt zu den fleißigsten CO2-Produzenten gehört, ist nicht einmal jeder fünfte Mensch auf der Welt bisher in ein Flugzeug gestiegen ist. Somit sind sehr wenige Menschen für sehr viele Emissionen verantwortlich. Eine Lösung wäre es, so oft es geht auf dem Landweg in den Urlaub oder zum nächsten Meeting zu gelangen. Wer aber stattdessen bequem online den CO2-Fußabdruck des eigenen Flugs berechnen und per Paypal einen Klimaschutzbeitrag für ein Projekt zahlen kann – häufig in einem Entwicklungsland – der fragt sich: Warum etwas ändern?

Das sogenannte „Offsetting-Prinzip“ will auch die Luftfahrtbranche anwenden und hat dafür ein eigenes „Klimaschutzinstrument“ ins Leben gerufen: Mit dem Programm „Corsia“ können Fluggesellschaften über Zertifikate ihren Ausstoß kompensieren. So sollen die Gesamtemissionen der beteiligten internationalen Flüge bis 2021 nicht mehr steigen. Egal, ob wir unseren persönlichen Griechenlandflug ausgleichen oder ob ein Unternehmen Offsetting betreibt: in beiden Fällen wird nur Schadensbegrenzung betrieben – es findet aber keine Bewusstseinsänderung statt.

3. Klimagas ist nicht gleich Ökogas.

Viele konventionelle Energie-Anbieter haben „Klimagas“ im Portfolio. Oft ist das einfach „klimaneutrales“ Erdgas, das zu einem etwas höheren Preis angeboten wird. Grund dafür ist eine Ausgleichszahlung für die CO2-Emissionen, die beim Heizen entstehen. Als „Schadensersatz“ wird zum Beispiel anderswo in Klimaschutzprojekte investiert. Egal wie nachhaltig das Produkt klingt: Klimagas ist und bleibt Erdgas – eine fossile Energie, die beim Verbrennen CO2 ausstößt. Zusätzlich entweichen an undichten Gas-Förderpipelines oft große Mengen Methan, ein Hauptbestandteil von Erdgas. Das extrem klimaschädliche Gas heizt die Erde 84-mal so stark auf wie CO2.

Dabei gibt es Alternativen zu fossilem Erdgas. Biogas nämlich. Wer mit Gas heizt, fährt mit echtem Ökogas aus erneuerbaren Energien am besten, nicht mit kompensiertem Erdgas. Ökologisch ist Gas dann, wenn es aus organischen Reststoffen oder Biomüll hergestellt wird oder auch aus nachwachsenden Ressourcen, deren Klima- und Umweltbilanz niedrig ist.

Das ist wirklich klimabewusste Energie.

 

Checkliste: 5 Maßnahmen für mehr Ressourcenschutz.

Als Verbraucher hast du Macht – viel mehr als du vermutlich denkst. Du kannst und musst Druck machen und zeigen, wählen, was dir wichtig ist.

  1. Engagiere dich politisch und gehe wählen.
    "Our lives begin to end the day we become silent about things that matter.” sagte schon Dr. Martin Luther King. Und er hat Recht – damals wie heute. Ohne, dass wir auch politisch unsere Meinung kundtun und uns engagieren, wird es schwierig, Ressourcenschutz ernsthaft anzugehen.
  2. Hinterfrage den Konsumwahn. 
    Das ist manchmal gar nicht so einfach, ohne sich unbeliebt zu machen. Doch statt Kritik am neuen Fernseher deiner Eltern zu üben, könntest du mit ihnen Informationen über die Klimabilanz elektrischer Geräte oder das Thema Recycling teilen. Und auch deinen eigenen Konsum sollst du natürlich kritisch hinterfragen.
  3. Reduziere deinen Ressourcenbedarf im Alltag. 
    In unserem Artikel zum Earth Overshoot Day haben wir ein paar konkrete Tipps zum Ressourcenschutz im Alltag gesammelt: Vermeiden von Plastik, Einkaufen regionaler und saisonaler Lebensmittel, weniger Fleisch essen, Nutzen von secondhand Artikeln, recyceln bis hin zu Klimaschutz-Maßnahmen. Es ist wirklich einfacher, als du vielleicht denkst.
    Wie viele Ressourcen verbrauchst du selbst? Schau mal nach mit dem Ressourcenschutz-Rechner, wie groß dein Fußabdruck hier ist: http://www.footprintcalculator.org/home/de
  4. Ziehe Unternehmen zur Rechenschaft.
    Wenn du dich fragst, warum T-Shirts in Billiglohnländern produziert werden müssen, sag das auch. Und zwar laut. Denn Unternehmen ändern ihre Praktiken oft nur auf Druck der Verbraucher. Boykottiere Unternehmen, die sich nur grünwaschen und entspannt zusehen, wie Ressourcen immer knapper werden. Und entscheide dich für Produkte von Unternehmen, die wirklich Ressourcen schützen, so wie der Ökoenergieversorger Polarstern.
    >>> Mehr Gemeinwohlunternehmen findest du auf unserer Social-Business-Landkarte.
  5. Lerne, Greenwashing zu erkennen.
    Das ist ein super wichtiger Punkt, denn in puncto Nachhaltigkeit ist es nicht mit Verpackung im „Natur-Look“ oder einer einzelnen Aktion getan. Hier erfährst du, wie du Greenwashing erkennen und vermeiden kannst. 

 

Ressourcenschutz = Klimaschutz.

Eine Studie des Umweltbundesamtes mit dem Namen RESCUE unterstreicht das eng vernetzte Zusammenspiel von Klima- und Ressourcenschutz:

  • Einerseits verursachen Abbau und Verarbeitung von Rohstoffen rund die Hälfte der weltweiten Treibhausgasemissionen und mehr als 90 % des weltweiten Artensterbens und der Wasserknappheit.
  • Andererseits kommt der Ressourcennutzung für erneuerbare Energien, nachhaltige Baustoffe und Infrastruktur, moderne Kommunikationssysteme und CO2-arme Mobilität eine Schlüsselrolle zu.

Im Ergebnis unterstreicht die RESCUE-Studie, dass eine ambitionierte Klima- und Ressourcenschutzpolitik in Deutschland mit Treibhausgasneutralität bis 2050 zu erreichen ist, bei gleichzeitig sinkendem Rohstoffbedarf um bis zu 70 %. Entscheidend sei es, den Rohstoffbedarf vom Wirtschaftswachstum entkoppeln.

Klima- und Ressourcenschutz, das eine geht nicht ohne das andere – und beides beeinflusst einander. Wir müssen also nicht nur vom CO2 runter, sondern auch von unserem steigenden Ressourcenbedarf.

Das kostet Energie beim Gemeinwohl-Unternehmen Polarstern.

 

So steht es um unsere Ressourcen – und den Klimaschutz.

Bestimmt hast du schon einmal vom sogenannten Earth Overshoot Day gehört. Das ist der Tag im Jahr, an dem unser Ressourcenverbrauch das überschreitet, was die Erde in einem Jahr nachbilden kann. Das Datum rückt stetig weiter nach vorne und fiel 2021 auf den 29. Juli. Damit liegt der Tag wieder so früh im Jahr wie vor der Corona-Pandemie, als – quasi als Nebeneffekt – kurzfristig weniger Ressourcen verbraucht wurden.

Earth Overshoot Day
Krass! Würden alle Länder so viele Ressourcen wie Deutschland verbrauchen, bräuchten wir drei Erden.

Auf der Seite des Global Footprint Network, das für die Berechnung des Earth Overshoot Day zuständig ist, siehst du die Termine der einzelnen Länder. Beim Ressourcenschutz ist ein dringendes Handeln erforderlich!

Was du tun kannst? Recycle, konsumiere bewusst und setze auf nachhaltige Energie. Tipps dazu geben wir dir hier:

>>> Mehr zum Earth Overshoot Day und Tipps zum Senken deines Ressourcenverbrauchs.

Doch warum verbrauchen wir eigentlich immer mehr Ressourcen? "Wir konsumieren und wirtschaften als gäbe es kein Morgen", mahnt die Umweltstiftung WWF. Tatsächlich steigen unser Konsum und damit unser Ressourcenbedarf seit Jahren. Weil die einen den Hals nicht vollkriegen und weil der Wohlstand weltweit steigt. Die reichsten 1 % der Bevölkerung schaden dem Klima laut Oxfam doppelt so stark wie die ärmere Hälfte der Welt. Und die reichsten 10 % sind für mehr als die Hälfte der CO2-Emissionen (1990-2015) verantwortlich. Das Problem: Die Auswirkungen spüren meist ärmere Länder, die selbst wenig CO2 ausstoßen. Du siehst: Wenn wir nicht endlich bewusster handeln, zerstören wir unseren Planeten.

Welche Ressourcen knapp werden? Jede Menge. Erdöl, Kohle, verschiedene Metalle etc. – sie alle werden in Zukunft genauso knapp sein wie Fläche und Trinkwasser. Außerdem schaden wir bei der Ressourcengewinnung, also etwa beim Abbau von Bodenschätzen auch unserer Umwelt. Und wie wir mit ihr umgehen, beeinflusst wiederum die Biodiversität, die biologische Vielfalt als unsere Lebensgrundlage.

Nachstehend erfährst du mehr zu einzelnen Ressourcen und warum wir ressourcenbewusst und nicht nur klimabewusst handeln müssen.

Erdöl.

Seit dem 19. Jahrhundert haben wir Menschen schätzungsweise 135 Milliarden Tonnen Erdöl gefördert. Nicht nur, dass die Erdölverbrennung extrem klimaschädlich ist, allmählich gehen auch die Bestände der Erde zur Neige. Schätzungen gehen davon aus, dass konventionelles Öl noch etwa 25 bis 50 Jahre verfügbar ist. Doch mit Blick auf die Umweltauswirkungen von Erdöl ist klar: Je schneller wir vom Erdöl wegkommen, desto besser. Beispielswerde werden Wälder gerodet, um Erdöl zu fördern. Es wird in Gebieten abgebaut, in denen indigene Völker leben. Bei Unfällen werden ganze Ökosysteme zerstört und damit die Biodiversität gefährdet.

Kohle.

Auch Kohle ist extrem schädlich. In Deutschland soll der Kohleausstieg bis 2038 erfolgen. Zwar könnten wir theoretisch noch ca. 150 Jahre lang Energie mit Kohle erzeugen, doch das hätte verheerende Folgen für unsere Umwelt und spätestens danach wäre eine Alternative für den Rohstoff notwendig. Nicht umsonst gilt Braunkohle als der schmutzigste Brennstoff der Welt. Für den Abbau von Braunkohle werden ganze Regionen zerstört. Auch für unsere Gesundheit ist die Kohle schädlich. Die Kohlekraftwerke stoßen beispielsweise Quecksilber und Feinstaub aus und verschmutzen damit unsere Luft, die wir atmen.

Metalle wie Kupfer.

Für was brauchen wir eigentlich Kupfer? Laut der deutschen Rohstoffagentur (DERA) wird Kupfer größtenteils in der Elektrotechnik eingesetzt. Auch für neue, energieeffiziente Geräte werden Metalle wie Kupfer benötigt – und aufgrund der steigenden Nachfrage werden sie immer knapper. In etwa 35 Jahren soll Kupfer zur Neige gehen.

Auch sogenannte “seltene Erden” (verschiedene Spezialmetalle) werden für zig moderne Geräte genutzt, in ihrer Elektronik, für Laser und Magnete. Wollen wir sie schonen, müssen wir auch unseren Konsum überdenken.

Wasser.

Der jährliche Wasserverbrauch von Deutschland, der sogenannte Wasserfußabdruck, beträgt 117 Milliarden Kubikmeter. Auf den Einzelnen gerechnet bedeutet das beinahe 4.000 Liter Wasser am Tag. Berechnet wird dieser Wasserfußabdruck anhand des direkten und indirekten Wasserverbrauchs.

Deutschland beginnt bereits, sich für eine drohende Wasserknappheit zu rüsten. Im Abschlusspapier des "Nationalen Wasserdialogs" von 300 Regierungsvertretern, Kommunen, Umweltgruppen und Verbänden sind 16 Kernbotschaften zum Thema formuliert. Spannend: Der Atom- und Kohleausstieg könnte den Bedarf an Kühlwasser senken.

Nur etwa 3 % der weltweiten Wasserreserven sind Süßwasser. Ein Großteil davon ist in Schnee, Eis und Permafrostböden eingeschlossen. Insgesamt steht uns also nur ein recht kleiner Teil des Wassers zur Verfügung. Und der hängt von klimatischen Faktoren ab. Mit der Veränderung von Flächen (Abholzungen, Flussbegradigungen, etc.) sowie dem Ausstoß von CO2 gefährden wir diesen natürlichen Kreislauf.

Fläche.

Die Fläche unserer Erde ist ebenfalls eine knappe Ressource, die hart umkämpft ist. Wir brauchen immer mehr Flächen weltweit zum Wohnen, zum Anbau von Nahrungsmitteln, für Straßen etc. Nur ist unsere verfügbare Fläche auf der Erde begrenzt, wir können ja schlecht anbauen. Und wenn wir immer mehr Flächen versiegeln oder in der Landwirtschaft nutzen, fehlen sie Flora und Fauna. Der Boden hat zudem eine wichtige Funktion für das Ökosystem: Er reguliert den Grundwasserhaushalt, indem er Wasser aufnimmt. Wird darauf gebaut, klappt auch das nicht mehr.

“Die meisten Flächen werden in Deutschland von der Land- und der Forstwirtschaft sowie für Siedlungen und Verkehr (SuV) belegt. Das Wachstum dieser Flächen führt zu großen Umweltproblemen. Die Bundesregierung will es auf unter 30 Hektar pro Tag im Jahr 2030 reduzieren.” – Umweltbundesamt

Biodiversität.

Seit 1970 ist die Anzahl an Säugetieren, Vögeln, Amphibien, Reptilien und Fischen drastisch gesunken. Auch in Deutschland sind laut dem Bericht zur Lage der Natur rund zwei Drittel der Tierarten in einem eher schlechten Zustand.

Eine Studie zur Bedeutung von Biodiversität des Naturschutzbundes Deutschland (NABU) zeigt, dass Biodiversität auch für unsere Wirtschaft am Ende wichtig ist: Die Biodiversität leistet über verschiedene Ökosystemleistungen wie Bestäubung, Klimaregulierung, etc. jährlich einen Wert von 170 Billionen US-Dollar – das ist etwa zweimal so viel, wie das globale Bruttoinlandsprodukt.

„Der Erhalt der Biodiversität ist genauso wichtig, wie den Klimawandel zu stoppen, denn die Krisen verstärken sich gegenseitig. Umso wichtiger ist es, jetzt verloren gegangene Ökosystemfunktionen wiederherzustellen, denn durch CO2-Bindung können naturnahe Ökosysteme, wie Moore und Mischwälder, einen wichtigen Beitrag im Kampf gegen den Klimawandel leisten.“ – Dr. Torsten Kurth, BCG-Senior-Partner und Koautor der Studie.

Neben der Eindämmung von CO2-Emissionen dürfen aktuelle CO2-Speicher nicht zusätzliche CO2-Quellen werden. Entwaldung und Trockenlegung von Mooren etwa haben mit 15 % den größten Anteil an der globalen Erwärmung. Solche Veränderungen in den Ökosystemen erfolgen, um zum Beispiel Biokraftstoffe zu erzeugen oder lokale Lebensmittel anzubauen, was dem Klima ja eigentlich guttun sollte.

"Umweltzerstörung und Klimawandel und damit auch der Verlust der biologischen Vielfalt beschleunigen sich in einem Ausmaß, das es in der Menschheitsgeschichte bislang nicht gegeben hat. Das bedroht Lebensqualität, Wirtschaftssysteme und den sozialen Zusammenhalt.” – Angela Merkel, Bundeskanzlerin der Bundesrepublik Deutschland

Die Wechselwirkungen zwischen Klimakrise und dem Verlust der Biodiversität sind nicht zu unterschätzen – beide verstärken einander. Umso wichtiger ist es, beide Krisen zu bekämpfen und nicht allein auf Klimaneutralität zu setzen.

>>> Mehr über das Thema Biodiversität und seine Auswirkungen erfahren.

Wenn du mehr über die schwindende Biodiversität wissen möchtest, empfehlen wir dir die Dokumentation “A Life On Our Planet” von David Attenborough (gibt´s auf Netflix). Auch die ARD hat mit „Das große Artensterben“ eine tolle Dokumentation in der Medathek.

 

Was wir wirklich brauchen: Ein ressourcenbewusstes Wirtschaften.

Eine vom Bundesumweltministerium in Auftrag gegebene Umfrage im Spätsommer 2020 unter europäischen Unternehmen zeigt großen Handlungsbedarf beim nachhaltigen Klimaschutz. Mittels Investitionen müssten jetzt die Weichen für einen nachhaltigen Umbau der Wirtschaft gestellt werden, heißt es dort. Nur werde das bisher zu selten getan. Statt kurzfristiger CO2-Ausgleichsmaßnahmen müssen langfristige Investitionen zur Senkung der Emissionen ergriffen werden.

Wie wir wirtschaften hat einen großen Einfluss auf den Ressourcenbedarf. Ein nachhaltiges und bewusstes Wirtschaften, das sich vom Motto „Profit um jeden Preis“ verabschiedet, hilft der Umwelt und dem Klimaschutz. Eine CO2-Bilanz ist gut. Und es ist schön, dass immer mehr Unternehmen ihre Emissionen im Blick haben. Aber das reicht nicht, wie wir hier aufgezeigt haben. Diese eindimensionale Sicht ist sogar gefährlich, weil sie schnell dazu verführt, die Gründe für den Klimawandel, unseren hohen Ressourcenverbrauch nicht anzupacken, sondern sich nur um die Folgen zu kümmern. Das bewirkt keinen Wandel und bringt nichts, wenn wir die Kipppunkte reißen.

>>> Mehr zu den 16 Kipppunkten und die Gefahren lesen.

Vorreiter Social Businesses.

Als Social Business und Mitglied der Gemeinwohlökonomie haben wir bei Polarstern nicht nur finanzielle Ziele, sondern auch soziale und ökologische. Der Unterschied zu vielen Unternehmen: Bei uns zählen diese Ziele gleich viel. Sie kommen nicht erst weit nach dem Umsatz – oder danach als Imagethema. Und wir zeigen mit unserem Beispiel: Es funktioniert. Das ZDF hat uns portraitiert und zeigt, das Wirtschaften, ohne dies auf Kosten der Ressourcen und der nachfolgenden Generationen zu tun, kein idealistisch verklärtes Ziel ist. Es ist Voraussetzung für eine lebenswerte Zukunft.

>>> Mehr über unser Wirtschaften als Social Business erfahren (ab Minute 20:16)

Polarstern Team

Ressourcenbewusst wirtschaften: 6 Tipps für Unternehmen.

  1. Auf erneuerbare Energien setzen – beispielsweise von Polarstern.
  2. Dienstreisen reduzieren bzw. Flüge und Autofahrten durch nachhaltigere Transportmittel ersetzen.
  3. Unnötigen Papierkram reduzieren – das meiste reicht auch digital.
  4. Auf eine grüne Lieferkette achten.
  5. Lebensmittel im Büro oder Geschäft (etwa: Kaffee und Obst) von nachhaltigen Herstellern beziehen.
  6. Auf eine Elektroauto-Flotte umsteigen.
Jetzt aber wirklich: Beziehe Ökoenergie vom Social Business. Aus Überzeugung.

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