Schon mit kleinen Umstellungen kann jedes Unternehmen seine Ökobilanz nachhaltig verbessern und so zum Klimaschutz beitragen. Kurze Lieferwege, bewusster Konsum sowie freiwillige Bilanzen spielen dabei eine große Rolle. Diese Tipps kann jedes Unternehmen befolgen. 

von Michael

Man sieht ja immer nur die Auswirkung der direkten Arbeit. Da füllen sich Excel-Listen mit Zahlen, hier Mails mit Buchstaben, dort Zähne mit Plomben. Je nach Job. Aber hinter jeder Arbeit, jedem Produkt, jeder Dienstleistung steckt immer eine Lieferkette. Zum Beispiel der Bezug von Materialien, von Energie, dem Catering – die Liste ist lang. Und jede Stufe der Wertschöpfungskette verursacht einen ökologischen Fußabdruck.

 

Doppelt so viele Emissionen wie die EU.

Man kann nicht jede Stufe völlig unter Kontrolle haben, aber man muss es versuchen. Erst vor Kurzem kam in einer Befragung von über 13.000 Unternehmen heraus, dass die Zulieferer fünf Mal so viel CO2 verursachen aus wie die Konzerne – nachzulesen im aktuellen CDP Supply Chain Report 2019/20. Dabei kann man wirklich auf jeder Stufe CO2 zu verhindern und sich für ein gemeinwohlorientiertes Wirtschaften stark zu machen. Wir zeigen die wesentlichen Schritte – und was Unternehmen am Herzen liegt. 

 

11 Tipps für eine grüne Lieferkette. 


1. CO2-Bilanzen erstellen.

Wer seinen CO2-Fußabdruck kennt, weiß, wie viel Klimaschutzpotenzial in seinem Unternehmen steckt. Das Bundesumweltministerium stellt für Unternehmen einen Rechner zur Verfügung, mit dem sich die CO2-Emissionen ermitteln lassen. Spannend wird es vor allem dann, wenn man nach Umsetzung der Maßnahmen den CO2-Impact zu einem späteren Zeitpunkt erneut berechnet – und sieht, wie viel man sparen konnte. 

 

2. Gemeinwohl-Bilanzen anfertigen.

Im zweiten Schritt steht der Nachhaltigkeitsbericht, der den ökologischen Fußabdruck der gesamten Lieferkette beleuchtet. Für Unternehmen unter 500 Mitarbeitern sind Nachhaltigkeitsberichte zwar nicht verpflichtend, für die Verbesserung der Lieferkette sind sie jedoch wesentlich. Sie zwingen dazu, die ökologischen und sozialen Kosten auf jeder Stufe zu beleuchten.

Besonders empfehlenswert sind Gemeinwohl-Bilanzen nach den Kriterien der Gemeinwohl-Ökonomie. Denn sie erfassen nicht nur den ökologischen Impact, sondern bewerten Unternehmen daran, wie Werte wie etwa Menschenwürde, Gerechtigkeit, Mitbestimmung und Transparenz intern wie extern implementiert werden. Wir sind bereits durch die Gemeinwohl-Ökonomie zertifiziert – als erster Energieversorger Deutschlands. 

Mehr über die Gemeinwohl-Ökonomie erfahren

 

3. Energie wechseln. 

Nach dem Bilanzieren kommt das Machen. Der einfachste Schritt, Treibhausgase zu verhindern, ist der Bezug von Ökoenergie. Eine Chance, die bislang von vielen Zulieferern links liegen gelassen wird. Laut CDP Supply Chain Report 2019/20 deckten knapp 7.000 Zulieferer, die für die Studie zu ihrem Energiebezug befragt wurden, insgesamt nur 11 % ihres Strombedarfs aus erneuerbaren Quellen. Würden die Zulieferer diesen Anteil auf 31 % steigern, könnten sie laut der Untersuchung jährlich eine Milliarden Tonnen Treibhausgase sparen. Und es wäre so einfach: Der Wechsel zu besserer Energie – etwa zu Wirklich Ökostrom und Wirklich Ökogas von Polarstern ist eine Maßnahme, die keinerlei Mühe kostet, aber den CO2-Fußabdruck für Energie am Standort auf praktisch 0 setzt. 

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4. Nachhaltig beschaffen. 

Für die meisten Dinge, die am Firmenstandort und Filialen gebraucht werden, gibt es nachhaltige Produkte. Man muss sie nicht alle mühsam zusammenrecherchieren, dafür gibt es Initiativen wie den Kompass Nachhaltigkeit. Das Webportal listet alles, was Unternehmen zum Arbeiten brauchen – von Arbeitsmaterialien und -geräten, über Putzmittel bis zu Hygieneartikeln. Für viele Unternehmen gehört das sowieso schon zur DNA. So erzählt etwa Matthias von der Magic Mountain Kletterhalle – die größte in Berlin – dass Klettern sehr viel mit Naturverbundenheit zu tun hat.

„Entsprechend möchte man sich so viel Natürlichkeit in eine Kletterhalle holen, wie es geht. Unsere Gastronomie bietet von den Backwaren bis zum Bier nur Bio, wir nutzen nur ökologische Reinigungsmittel und haben unsere komplette Halle und Kletterwand mit ökologischer Farbe gestrichen.“

 

5. Lieferwege kurzhalten.  

Wer sich schon auf die Suche nach nachhaltigen Materialien gemacht hat, kann zudem zusehen, dass sie nicht um den Globus fliegen müssen: Mit regionalen Produkten hält man die Transportwege kurz und die Menge an CO2 klein. Der zweite Vorteil ist, dass man sich durch die Nähe ein besseres Bild über die Erzeugung machen kann. Nicht alle Materialien lassen sich aus der direkten Umgebung beziehen, aber man kann die Distanzen so klein halten, wie’s geht. So beschränkt sich etwa die Magic Mountain Kletterhalle bei der Ausrüstung auf europäische Zulieferer. In der Branche gar nicht so einfach, aber umso beachtlicher.   

 

6. Bewusst konsumieren.   

Eine der wesentlichen Komponenten des Klimaschutzes ist es, Dinge nicht immer wieder neu zu produzieren zu müssen, die Verschwendung auf ein Minimum zu reduzieren. Das betrifft nicht nur Arbeitsmaterialien, sondern genauso Ressourcen wie Wasser, Energie und das Catering. So ist es unserem Polarstern-Kunden, der Kinderbetreuung Sira wichtig, 

„so wenig Essen wie möglich in den Müll wandern zu lassen, indem wir bei unserem Caterer weniger Portionen bestellen, wenn zum Beispiel Kinder krank oder im Urlaub sind. Wenn doch etwas übrigbleibt, wird es, wenn möglich eingefroren oder mit nach Hause genommen.“

Die Magic Mountain Kletterhalle wiederum hat einen guten Weg gefunden, die Ressource Wasser zu sparen: Regenwasser wird in einer Zisterne gesammelt und im Anschluss für die Toilettenspülung genutzt. 

 

7. Persönliche Beziehungen pflegen. 

Schwieriger wird die Verbesserung der Lieferkette, je weiter sie sich vom eigenen Firmenstandort entfernt. Das betrifft zum Beispiel die Textilbranche, wo Lieferketten lang und komplex sind, und häufig mit hohen ökologischen und sozialen Kosten verbunden sind. Da ist es entscheidend, mit Zulieferern zu arbeiten, die man kennt, die schnell reagieren und offen mit einem umgehen, kurz: Man braucht Menschen, denen man vertrauen kann. So sind zum Beispiel für die ökologische Stoffagentur Lebenskleidung, persönliche und vor allem langlebige Beziehungen zu den Lieferanten ganz zentral.Schließlich übernimmt die Agentur einen sehr wichtigen Job: die nachhaltige Beschaffung von ökologischen Stoffen für kleinere und mittlere Designer. Und diese müssen sich ihrerseits auf Lebenskleidung verlassen können. Dafür geht die Agentur die Extrameile bis in die produzierenden Länder, zum Beispiel bei Baumwollprojekten in Uganda. Zusätzlich sind Zertifikate wie etwa GOTS sehr wichtig. Sie garantieren auch aus der „Ferne“, dass ökologische und soziale Standards eingehalten werden. Das gibt zusätzliche Sicherheit. 

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8. Nachkontrollieren und eigene Standards setzen. 

Vertrauen ist gut, sich ein eigenes Bild machen, ist noch besser. So wie Lebenskleidung regelmäßig seine Lieferanten einen Besuch abstattet, gibt es Möglichkeiten bei bestimmten Produkten auf Nummer sicherzugehen. Unser Kunde Lovely Day aus Berlin zum Beispiel entwickelt Naturkosmetik und verzichtet dabei auf alles, was die Haut reizt. Etwa synthetische Inhaltsstoffe oder Alkohol. Letzterer ist oft in der Naturkosmetik enthalten, um sie haltbarer zu machen. Lieferanten geben zwar auch immer noch Analysezertifikate mit den Inhaltsstoffen mit, um die Qualität wirklich zu gewährleisten, arbeitet Lovely Day noch mit einem Labor zusammen, das die Stoffe noch einmal überprüft. 

 

9. Wirklich soziale Zulieferer finden. 

Man kann noch über eine nachhaltige Beschaffung hinausgehen und Produkte und Dienstleistungen von Social Businesses in Anspruch nehmen. Diese Unternehmen treibt nicht der Gewinn an, sondern die Lösung eines gesellschaftlichen Problems wie Klimawandel, Armut oder Bildung. Nimmt man die Dienstleistung eines Social Businesses in Anspruch oder bestellt ihr Produkt, unterstützt man immer automatisch eine größere, gute Sache. Man findet diese Unternehmen auf unserer Landkarte der Social Businesses in Deutschland – die erste ihrer Art. Gib einfach in die Suchmaske ein, für welche Branche du dich interessierst – und zoom dann in deine Region rein. 

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10. Unterstützung holen.

Wer sich eine positive Veränderung fürs Unternehmen vornimmt, schafft sie am besten, wenn er sie extern prüfen lässt. Das verhindert, dass alte Gewohnheiten zurückkehren und sich keiner im Team alleine als Moralapostel aufspielen muss. Beim Qualitätsverbund umweltbewusster Betriebe etwa müssen sich Unternehmen jedes Jahr ein neues Umweltschutzziel setzen – und natürlich auch erreichen. Wir konnten so unseren eigenen Stromverbrauch um 10 % senken, ebenso den Papierverbrauch. Was sich sonst noch bewährt: 

  • Glasmehrwegboxen statt Styropor.  
  • Mehr Firmenräder statt -wägen. 
  • Eine E-Auto-Flotte einführen und mit Wirklich Autostrom laden 
  • Gebrauchte Computer statt immer neu, neu, neu. 
  • Kalt die Hände waschen. 
  • Mülleimer für eine bessere Trennung kennzeichnen.
  • Bioprodukte kaufen. 
  • Einen Smart Meter nutzen. 
  • Zeitschaltuhren für die Stromversorgung einführen.
Mehr Umwelttipps fürs Büro

 

11. Erfolge feiern. 

Erfolgsgefühle sind beim Klimaschutz eine ganz wichtige Motivation zum Weitermachen. Damit es nicht untergeht, sollte einer im Unternehmen den (Party-)Hut als Erfolgsbeauftragter bei der Verbesserung der Lieferkette aufhaben. Sie, er, sorgt dafür, dass Leistungen auch im Unternehmen gefeiert werden. Das spornt an. Bei uns hat es sich bewährt. 

 

Die Lieferkette von Polarstern.


Wir haben bei Polarstern natürlich auch eine Lieferkette. Bei der Erzeugung von Wirklich Ökostrom setzen wir auf ein Ökokraftwerk, das von unserem Büro aus gut zu erreichen ist. Die Nähe ist uns wichtig. Denn wir müssen wissen, dass unser Produkt wirklich nachhaltig erzeugt wird. Und unsere Kunden können sich auch immer davon überzeugen. Regelmäßig veranstalten wir Führungen durch das Wasserkraftwerk, um mit unseren Kunden den Tier- und Umweltschutz anzusehen. Und da gehört „unser“ Kraftwerk zu Deutschlands Spitze.

Für einen Besuch bei unserer Biogasanlage, in der wir Wirklich Ökogas erzeugen lassen, muss man etwas länger fahren. Die Anlage steht in Ungarn. Aber sie ist eine der wenigen Anlagen in Europa, die Ökogas aus pflanzlichen Reststoffen erzeugen. Und das war bei der Suche nach einem guten Lieferanten unser Hauptanliegen. 

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