Thermostat einer Heizung

Bei der Energiewende geht es um mehr als Ökostrom. Wenn wir die Erderwärmung auf 1,5 °C begrenzen wollen, müssen wir unserer Heizung mehr Beachtung schenken. Denn fürs Heizen wird mehr Energie benötigt und mehr CO2 verursacht, als du denkst. Wir sagen, wie es um die Wärmewende steht, wie du sie persönlich unterstützt – und was du direkt selbst davon hast.

von Michael

 

Total unterschätzt: So viel Energie verbrauchst du zum Heizen.

Manche Dinge lassen sich einfach einschätzen. Wir haben ein Gefühl dafür, wann etwas zu voll ist, zu hoch, zu niedrig, zu fettig oder zu süß. Beim eigenen Energieverbrauch, vor allem seinem CO2-Gehalt müssen die meisten von uns jedoch passen. Ein typisches Beispiel ist die Frage, wie sich Strom und Wärme anteilig am Energieverbrauch im Haushalt verteilen. Gewusst? Laut co2online sind es bis zu 90 % deines Energieverbrauchs, die für deine Wärmeversorgung – also Heizung und Warmwasser – draufgehen. Dagegen sieht dein Stromverbrauch klein mit Hut aus. Gesellschaftlich gesehen machen Wärmeerzeugung und -verbrauch rund 50 % des Endenergieverbrauchs in Deutschland aus.

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Nur mir Wärme gelingt der Klimaschutz. 

Am Zeitungskasten können sich alle wunderbar über Strompreise aufregen, die Heizkosten hingegen werden hingenommen wie ein unausweichliches Naturereignis. Dabei können wir sie stark beeinflussen. Laut Heizspiegel könnten die deutschen Haushalte mit einem bewussteren Heizverbrauch im Schnitt 500 Euro Heizkosten pro Jahr sparen. Übrigens hat die Wärme auch in den großen Klimaschutzdebatten viel zu lange eine Nebenrolle gespielt, wie der Anteil erneuerbarer Energien im Wärmemarkt zeigt.

 

Fossile Energien: 37 Milliarden Tonnen CO2 in 2019. 

Noch größer als die Energieersparnis durch bewusstes Heizen ist das Potenzial, damit Treibhausgase zu verhindern. Die vorherrschenden Energieträger der weltweiten Wärmeversorgung sind nach wie vor Öl, Kohle und Gas. Also jene Ressourcen, mit denen wir uns den beschleunigten Klimawandel erst eingebrockt haben. Laut Global Carbon Project verursachten die fossilen Brennstoffe allein in 2019 37 Milliarden Tonnen CO2-Äquivalente, bei einem Gesamtausstoß von rund 43 Milliarden Tonnen CO2.

>>> Artikel: Warum Erdgas nicht klimafreundlich ist. 

 

So viel CO2 haben wir noch "frei".

Das verbleibende CO2-Budget, das die Menschheit noch ausstoßen darf, um die Erderwärmung auf einer Sparflamme von 1,5 °C zu halten, verortet der Weltklimarat zwischen 420 Milliarden und 840 Milliarden Tonnen CO2. Bleibt der CO2-Ausstoß auf seinem jetzigen Niveau von rund 42 Milliarden Tonnen pro Jahr, wird das Budget schon in einigen Jahren verpulvert sein. Für das 2-°C-Ziel dürfen noch 1.170 Milliarden bis 2.030 Milliarden Tonnen CO2 ausgestoßen werden.  

 

So können wir die Wärmewende schaffen.

Wir müssen die Sache drehen. Daran führt kein Weg vorbei. Dazu haben wir im Wärmebereich mehrere Möglichkeiten. Ausreden gibt’s keine. Für jeden ist was dabei.

1. Einsatz von erneuerbarer Energie. 

2. Einsatz von klimafreundlichen Heiztechniken. 

3. Klimafreundliche Gebäude.

4. Wärme verantwortungsvoll nutzen. 

 

1. Einsatz von erneuerbarer Energie.

Der Anteil von erneuerbaren Energien im Wärmemarkt ist immer noch wesentlich geringer als der des Strommarktes. Im letzteren Segment lag der Anteil der erneuerbaren Energien laut Bundesnetzagentur 2020 bei 49,3 %. Dagegen betrug der Anteil der erneuerbaren Energien im Wärmemarkt rund 20 %. Dabei hat die Nutzung der regenerativen Quellen im Wärmesektor laut Agentur für Erneuerbare Energien 2019 immerhin schon rund 36 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente vermieden. Das Problem: Laut Umweltbundesamt bleibt der Einsatz der Erneuerbaren seit 2013 mehr oder weniger auf dem gleichen Niveau. Es mangelt an einer Auswahl an wirklich gutem Ökogas.

 

Bei gerade mal einem Prozent der Gastarife handelt es sich um echtes Ökogas. Echt ist es dann, wenn es zu 100 % aus erneuerbaren Energien erzeugt wurde. Wer seinen Gasanbieter frei wählen kann, sollte deshalb nur 100 % Ökogas bestellen. Nur dieses garantiert, dass Bewegung in den Markt kommt und mehr Erzeugungskapazitäten für erneuerbare Energien geschaffen werden. Und nur mit echtem Ökogas verhindern private Haushalte, ebenso wie Unternehmen auch wirklich CO2. Dabei sind die Einsparungen enorm.

 

Tabelle: CO2-Vermeidung beim Wechsel zu Wirklich Ökogas.

FlächeCO2-Einsparung
40 m21.150 kg CO₂
80 m22.300 kg CO₂
120 m23.450 kg CO₂
180 m25.175 kg CO₂
220 m26.325 kg CO₂

Quelle: Tarifrechner von Polarstern. 

 

2. Bessere Heiztechniken.  

Eine weitere Möglichkeit die Wärmewende zu pushen ist der Einsatz von klimafreundlichen und effizienten Heiztechnologien. Denn laut Bundesverband der Deutschen Heizungsindustrie ist jede zweite Heizung in Deutschland älter als 20 Jahre alt. In der Summe sind das 12 Millionen Stück. Dabei kann die Investition in eine moderne Heiztechnik die Heizkosten laut Verbraucherzentrale bis zu 30 % senken. Deshalb brauchen wir was Neues!

 

Wärmepumpen. 

Eine der besten Optionen sind Wärmepumpen. Weil sie mit Strom betrieben werden, machen sie Öl und Erdgas, die vorherrschenden Energieträger im Heizbereich, überflüssig. Dass eine Wärmepumpe nur mit Ökostrom auch klimafreundlich ist, versteht sich von selbst.

Wärmepumpen sind ziemlich effizient. Laut Heizspiegel lassen sich mit einer Kilowattstunde Strom bereits 2,5 bis 3,5 Kilowattstunden Wärme erzeugen. Wie das geht? Indem sich die strombetriebenen Wärmepumpen die bereits vorhandene Wärme aus der Umgebung – dem Boden, der Luft oder des Grundwassers – zunutze machen. Die Wärme muss nur noch auf ein höheres Level „gepumpt“ werden. Wer eine eigene PV-Anlage besitzt, kann den Strom für den Betrieb der Wärmepumpe einfach selbst erzeugen. 2019 lag der Anteil der Wärmepumpen in Neubauten laut Statistischem Bundesamt bereits bei 43 %. Wärmepumpen eignen sich aber genauso für Bestandsgebäude nach einer energetischen Sanierung. In schlecht gedämmten Gebäuden sind Wärmepumpen allerdings fehl am Platz. Die Wärmepumpe müsste zu viel Energie aufbringen, um die kühleren Umgebungstemperaturen auf ein höheres Niveau zu befördern. Um hier den Energiebedarf zu senken, muss am besten auch in die Dämmung der Gebäude investiert werden.

Der passende Ökostrom für deine Wärmepumpe

 

Geothermie. 

Wärmepumpen können auch die Schnittstelle für weitere Wärmekonzepte sein. Zum Beispiel für die Geothermie. Das ist die thermische Energie, die unter der Erdoberfläche gespeichert ist. Und da ist es heiß. Im Erdkern herrschen Temperaturen von 5.000 bis 7.000 °C. Je weiter es Richtung Oberfläche geht, desto kühler wird es. Ab einer Tiefe von 6 Kilometern kann die Wärme für unsere Energieversorgung nutzbar gemacht werden. Konkret wird bei der Geothermie warmes bis heißes Wasser aus der Erde an die Oberfläche gepumpt und als thermische Energie verstromt oder zum Heizen genutzt, was meistens mit einer Wärmepumpe geschieht. Ebenso gibt es große Geothermiekraftwerke, die ihre Energie unter anderem in Fernwärmeleitungen einspeisen. Vorreiter der Geothermie ist Island. Das Land deckt seinen Wärmebedarf zu 66 % damit. In Deutschland machte die Geothermie 2019 laut Umweltbundesamt rund 9 % der gesamten erneuerbaren Wärme aus. 

 

Abwasser zum Heizen?

Die Forschung befasst sich auch mit der Frage, wie künftig Abwasser für unsere Wärmeversorgung genutzt werden kann. Laut Institut für Energie- und Umweltforschung (ifeu) liegt das jährliche Abwasseraufkommen in Deutschland bei rund 10 Milliarden Kubikmeter. Würde diese Abwassermenge für die Wärmeversorgung nutzbar gemacht, könnte sie laut ifeu rund 5 % des gesamten Nutzwärmeverbrauchs decken. Gerade für Städte wäre die Sache wirtschaftlich – und klimafreundlich sowieso. 

 

Solarthermie. 

Warmwasser macht laut Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) immerhin rund 15 % unseres Energieverbrauchs aus. Mit Photovoltaik lässt sich ein Großteil der Energie, die fürs Duschen, Baden, Hände waschen draufgeht, auch selbst erzeugen. Laut Energieberatung energieheld können rund 60 % des Warmwasserbedarfs mittels Solarthermie gedeckt werden, wenn ein Pufferspeicher genutzt wird. Denn geduscht oder gebadet wird typischerweise zu Uhrzeiten, wenn die Sonne noch schwach, noch nicht da oder längst wieder weg ist. Die Solarthermie sorgt aber nicht nur für warmes Wasser, sondern unterstützt zudem die Heizung.

 

3. Klimafreundliche Gebäude.

Austragungsort der Wärmewende sind die Gebäude. Nach dem Klimaschutzplan soll hier der Primärenergieverbrauch bis 2050 um 80 Prozent sinken. Für einen klimaneutralen Gebäudebestand gibt es allerdings noch richtig viel zu tun. Immerhin gibt es laut Deutscher Energie-Agentur dena fast 22 Millionen Gebäude in Deutschland. In 2019 haben sie laut Umweltbundesamt rund 122 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente ausgestoßen. Bis 2030 sollen sie nach dem Klimaschutzplan auf 70 bis 72 Millionen Tonnen gedrückt werden. Nach jetzigem Stand wird das allerdings nichts. Die dena rechnet damit, dass der Gebäudesektor 2030 bis zu 28 Millionen Tonnen CO2 mehr verursachen wird als geplant. Grund: die magere Sanierungsquote von aktuell 1 % pro Jahr.

Weltweit sieht die Lage noch schlechter aus. Laut eines Berichts des Uno-Umweltprogramms Unep 2019 emittierte die Bau- und Gebäudewirtschaft rund 28 % der globalen energiebedingten CO2-Emissionen. Die Unep befürchtet, dass sich die Branche immer weiter von ihren Zielen fortbewege, statt Fortschritte zu machen. Wenn der Gebäudesektor aber bis 2050 klimaneutral sein soll, dann müssten die CO2-Emissionen, die direkt in den Gebäuden verursacht werden, bis 2030 weltweit um 50 % fallen, die indirekten um bis zu 60 %.

 

Was eine Sanierung leistet. 

Die geringe Sanierungsquote mag auch an der mangelnden Bereitschaft liegen, Geld in die Hand zu nehmen. Verständlich. Aber, wie bei allem rund um den Klimaschutz, kommt die Investition am Ende billiger als das Nichtstun. Wirklich! Dank einer Auswertung von 22.000 Gebäude- und Verbrauchsdaten der co2online-Gebäudedatenbank lässt sich einschätzen, wie hoch Energie- und Kostenersparnisse ausfallen können: vollsanierte Häuser, die vor 1978 gebaut wurden, kommen im Schnitt mit 52 % weniger Energie aus, wenn auch Solarthermie genutzt wird. So profitieren von energetischen Sanierungen und dem Einsatz klimafreundlicher Heiztechniken am Ende Mieter:innen und Immobilienbesitzer:innen gleichermaßen.

 

So viel Geld spart eine energetische Sanierung. 

Die Daten lassen auch Aussagen über die Ersparnis einzelner Maßnahmen zu. Allein die Fassadendämmung kann den Wärmeverbrauch um fast ein Fünftel senken. Die Untersuchung geht dabei von einem typischen Einfamilienhaus aus, das 1983 gebaut wurde, 125 Quadratmeter groß ist, Erdgas nutzt und etwa 18.125 kWh Heizenergie pro Jahr verbraucht.

 

Tabelle: So viel Geld und Energie spart eine Familie nach einer Sanierung.

Maßnahme Jährliche Energieeinsparung Jährliche Kostenersparnis
Fassadendämmung 19 %260 €
Dämmung obere Geschossdecke 7 % 100 €
Erneuerung Fenster 7 % 100 €
Dämmung Kellerdecke 5 % 70 €

Quelle: co2online.

 

Förderungen. 

Ein guter Grund, die Sache anzupacken, sind die Förderungen. Egal ob es um Dämmung oder den Austausch des Heizsystems geht, fast für alles gibt es Förderungen. Auch die Energieberatung wird bezuschusst. Die wichtigsten Förderprogramme kommen von der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) und dem Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA). Während die KfW vor allem Sanierungen fördert, bezuschusst die BAFA hauptsächlich Erneuerbare-Energien-Techniken wie Wärmepumpen. Der Fördercheck auf co2online verrät, welche Zuschüsse im Einzelfall infrage kommen. Seit Januar 2021 bietet außerdem die Verbraucherzentrale bundesweit eine Beratung zum Heizungstausch an. Was passt am besten zu deiner Situation: Wärmepumpe, Pelletheizung oder Solarthermie? Die Verbraucherzentrale hilft dir, die preiswerteste und gleichzeitig klimafreundlichste Lösung zu finden.

 

Kleinere Maßnahmen für Eigentümer:innen. 

Neben diesen großen Brocken gibt es kleinere Aktionen, mit denen Eigentümer:innen den Energieverbrauch ihres Gebäudes langfristig senken können. Beispiel: Heizungsrohre dämmen. Die Maßnahme lässt sich laut co2online schon unter 100 Euro durchführen, spült aber an die 300 Euro rein.

 

4. Bewusst Energie verbrauchen.

Angenommen du wohnst bereits in einem effizienten Haus und heizt nachhaltig, zum Beispiel durch den Einsatz von erneuerbarer Energie oder einer klimafreundlichen Heiztechnik – dann ist die Sache damit leider noch nicht getan. Oft verführen effiziente Techniken zum Energie-Exzess. Die erhoffte Energie- und CO2-Ersparnis wird dann zum Anlass genommen, mit Energie zu prassen – wenn auch unbewusst. Genauso können sinkende Energiepreise zu einem Mehrverbrauch verführen. Beispiel: Als die Energiepreise zwischen 2015 und 2017 sanken, stieg nach einer Studie des Energiedienstleisters Techem der Erdgas-Verbrauch in Wohngebäuden um 5,8 %, der von Heizöl um 8,5 % und der von Fernwärme um 4,9 %. Klassischer Rebound-Effekt. Wie du dich davor schützt? Antwort: 

 

Die klassischen Heiztipps.

Bewusstes Heizen bedeutet gerade nicht, dass irgendjemand frieren muss. 1 °C weniger am Thermostat kriegst du kaum mit. Deine Heizrechnung schon. Denn 1 °C weniger spart nach einer Faustregel bereits 6 % Energie. Dass man die Heizung nicht mit Möbeln verstellt oder richtig lüftet, sind Standards – und trotzdem wirklich gute Heiztipps.

>>> Hier findest du unsere Heiztipps. 

Wer sie konsequent umsetzt, spart wirklich Energie. Laut Heizspiegel liegen die Sparpotenziale in einer 100-Quadratmeter-Wohnung bei bis zu 1.000 Euro im Jahr, in einem Einfamilienhaus von 160 Quadratmetern sogar bei über 2.000 Euro. Und wer für die Heizung wirklich bessere Energie braucht – kommt natürlich zu uns.

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