In der Energiepreiskrise benötigen wir jedes Mittel, um Energie zu sparen und Emissionen zu senken. Können auch Smart-Home-Anwendungen dabei helfen? Das kommt darauf an. Wir verraten, wo Smart Home Energie spart, wo nicht und wie hoch die Einsparung ausfällt –  wenn du typische Anfängerfehler vermeidest.

von Michael

Mit Smart Home besser durch die Energiekrise?

Nirgends ist der Selbstbetrug so hoch wie bei neuen Anschaffungen. Da muss dann ganz dringend eine Stirnlampe her, falls man mal nachts joggen gehen will. Also nie. In die gleiche Kategorie fällt auch die eine oder andere Smart-Home-Anwendung. Natürlich ist das schön, wenn morgens mit dem Weckerläuten die Jalousien hochgehen, die Kaffeemaschine anspringt, das Bad schon mal vorwärmt. Aber es ist auch nicht das Ende der Welt, wenn man den Knopf mal selbst drücken muss. In der Energiepreiskrise könnte das eine oder andere smarte Gadget aber durchaus wichtig werden. Schließlich gibt es smarte Anwendungen und Anwendungen, die genau zum Zweck des Energiesparens entwickelt wurden. 

Diese smarte Anwendung senkt wirklich Heizkosten.

Mit Blick auf den nächsten Herbst und Winter sind smarte Thermostate die Anwendungen, die am besten geeignet sind, auch wirklich Energie zu sparen. Sie eignen sich zum Energie sparen, weil sie auf Veränderungen der Umgebung reagieren. Sie regulieren die Temperatur automatisch nach Anwesenheit von Personen oder der Wetterlage. Wenn etwa an einem Depri-Sonntag doch noch die Sonne durch die Wolkendecke bricht und aufs Fenster knallt, reguliert ein smartes Thermostat ohne menschliches Zutun die Heizung runter. Der Unterschied von smarten Gadgets zu programmierbaren Geräten ist, dass sie automatisch ins Geschehen eingreifen. Sie leisten aber auch etwas ganz Banales: sie stellen die Temperatur richtig ein.

Für diese Temperaturen stehen die Thermostat-Stufen
Wenn du mit einem klassichen Thermostat hantieren musst: Für diese Temperaturen stehen die Stufen 1 bis 5.

Nach einer Faustformel spart am Thermostat jedes Grad weniger rund 6 % Heizenergie. Viele Haushalte können die Temperatur aber gar nicht Grad-genau einstellen, sondern nur irgendwas zwischen 1 und 5. Ein smartes Thermostat (ebenso ein programmierbares) stellt die Temperaturen dagegen richtig ein. Und das bringt’s. Im Forschungsprojekt "Smart Home Rösrath" konnten Haushalte ihren Heizenergieverbrauch dank smarter Technik um bis zu 30 % senken. 

Nicht nur smarte Thermostate, auch smarte Rollläden, die auf Wetter und Wärme reagieren sowie smartes Licht, das auf Bewegung reagiert, können beim Energiesparen helfen, sofern mit dieser Technik bislang eher unbewusst umgegangen wurde. 

PV-Anlage: Mit Smarthome Eigenverbrauch steigern

Warum manche Haushalte sparen – andere nicht.

Hier kommt die schlechte Nachricht: In der Studie gab es auch Haushalte, die 27 % mehr Heizenergie verbrauchten als vorher. Wer sich gegen steigende Energiepreise mit smarten Gadgets rüsten will, muss diese auch bewusst nutzen. 

Kaufabsicht entscheidet, ob Smart Home Energie spart. 

Das Öko-Institut stellte in einer Studie fest, dass die Kaufabsicht ganz entscheidend ist, ob Energie gespart wird oder nicht. Haushalte sparen dann Energie, wenn die Geräte auch zu diesem Zweck angeschafft wurden. In Wohnungen, die smarte Geräte zur Energieeinsparung nutzten, stellte das Institut eine Senkung des Energieverbrauchs von bis zu 9 % fest, in Einfamilienhäusern sogar um bis zu 14 %.

Nutzten die Haushalte Smart-Home-Technik zusätzlich oder ausschließlich, um die Sicherheit und den Komfort zu erhöhen, verbrauchten die Haushalte teilweise bis zu 19 % mehr Energie als Referenzhaushalte ohne smarte Technik. 

Smart Home kann 142 Euro sparen. 

In der Untersuchung des Öko-Instituts bezahlten die Bewohner eines Hauses im besten Fall 30 Euro für den Stromverbrauch der smarten Geräte, erzielten dafür aber eine Einsparung beim Heizen von 172 Euro. Sie sparten also insgesamt 142 Euro. In Wohnungen zahlten Haushalte im schlechtesten Fall 12 Euro mehr im Jahr, weil die Verknüpfung der Zielvorhaben Energieeffizienz, Komfort und Sicherheit Stromkosten im Wert von 68 Euro verursachte. Im besten Fall wäre in der Wohnung eine Einsparung von 39 Euro im Jahr drin gewesen. In der Energiepreiskrise dürfte die gesparte Summe beachtlich höher ausfallen. 

99 Energiespartipps

Vermeide diese Anfängerfehler bei Smart-Home-Anwendungen. 

Niemand will mit seiner Smart-Home-Technik mehr Energie verbrauchen als vorher. Wenn du gerade dein Smart-Home aufbaust und damit im Herbst und Winter auch Energie sparen willst, solltest du bestimmte Anfängerfehler vermeiden.

Tipp 1: Die richtige Zielsetzung. 

Setz dir die richtigen Ziele. Wer Smart-Home lediglich aus Komfort- oder Sicherheitsgründen (okay, auch wichtig) anschafft, sollte eher mit einem leichten Verbrauchsanstieg rechnen, wie auch das Öko-Institut feststellt. Vielleicht hast du den Mehrverbrauch auch schon einkalkuliert. Man denke an eine intelligente Bewässerungsanlage, die im Gegensatz zum Gartenschlauch eine Menge Zeit spart – aber keine Stromkosten.

Tipp 2: Mehr Geräte bedeutet nicht: mehr Effizienz. 

Wenn du dir immer mehr Geräte zulegst, bedeutet das nicht, dass du auch mehr Energie sparst. Das Dilemma am Smart Home ist, dass du Energie investieren musst, um Energie zu sparen. Mit zunehmender Geräteausstattung steigt aber auch der Energieverbrauch. Die Effizienz kann diesen Mehrverbrauch dann kaum noch abfedern. Damit eine Automatisierung erfolgen kann, müssen die Geräte immer in Bereitschaft, das heißt, unter Strom sein. Sie sind nie also nie ganz aus, sondern immer in Standby. Sie warten auf Steuersignale, und die Verbindung mit dem Internet zieht zusätzlich Strom. Dadurch verbrauchten die vollausgestattete Smart Homes in der Öko-Institut-Studie bis zu 19 % mehr Energie. Kleinere Anschaffungen fallen dagegen kaum ins Gewicht. Schließlich werden auch die Geräte selbst immer energieeffizienter.

Tipp 3: Beschäftige dich mit der Technik.  

Sich mit Technik auseinanderzusetzen, kann total Spaß machen oder mega nerven. Da unser Leben nun mal sehr technisch ist, kommen wir nicht drum herum. Und für den Klimaschutz wird die Beschäftigung mit effizienter Technik unausweichlich. Aber nicht nur wir als Nutzer:innen sind gefragt, sondern auch die Hersteller: Im Forschungsprojekt "Smart Home Rösrath" war die Auseinandersetzung mit der Technik ausschlaggebend dafür, ob Haushalte nun Energie sparten oder sogar mehr davon brauchten. Die Technikaffinen, die sich mit den Geräten intensiv beschäftigten, sparten auch Energie. Andere Haushalte waren mit der Technik eher überfordert und sparten nicht.

Tipp 4: Plane dein Smart Home überlegt. 

Triff deine Kaufentscheidungen nicht zu schnell. Manchmal will man etwas sofort haben, kennt jede:r. Aber der Aufbau eines Smart-Homes braucht etwas Zeit. Wer eine Anwendung im Visier hat, sollte sich zumindest insgeheim schon mal überlegen, welches Gerät als nächstes sinnvoll wäre. Der ganze Sinn des Smart-Homes ist die Verknüpfung. Und die geht nicht mit allen Geräten. Es gibt eine Vielzahl an Anwendungen unterschiedlicher Hersteller, die abweichende Funkstandards und Steuereinheiten nutzen. 

Zwischen deinen Geräten muss es funken.   

Und so machen einige Verbraucher:innen die Erfahrung, dass sie zwei Geräte miteinander vernetzen wollen und das geht dann nicht. Wer die Geräte einzeln kauft, muss also immer darauf achten, dass sie miteinander „können“. Gängige Funkstandards im Smart-Home-Bereich heißen Z-Wave, Zigbee und natürlich WLAN. Wenn du dein Smart Home Stück für Stück aufbaust, achte also darauf, dass Geräte auf deiner Wunschliste die Funkstandards unterstützen, die deine alten brauchen.

Viele Apps, kaum Automation. 

Außerdem ist es wichtig, dass sich Geräte mit der gleichen App ansteuern lassen. Stell dir vor, dein smartes Thermostat braucht eine andere App als das Licht. Und der Rauchmelder hat auch wieder eine eigene. Von Automation könnte kaum noch die Rede sein. Wer auf Nummer Sicher gehen will, besorgt sich ein Smart-Home-Kit, bei dem die Geräte garantiert kompatibel sind. Außerdem sollte die Technik mit deinem Sprachassistenten, zum Beispiel Siri, Google Assistant oder Alexa, kompatibel sein. Sonst sind deine Sprachbefehle einfach nur Selbstgespräche.

Tipp 5: Fang mit dem sinnvollsten Smart-Home-Gerät an.

Bis jetzt haben wir gelernt, dass Smart Home vor allem im Bereich Heizen besonders erfolgsversprechend ist. Wenn dein Ziel wirklich das Energiesparen ist, steig am besten mit diesen Anwendungen an, ihr Energiesparpotenzial ist sogar wissenschaftlich bestätigt – und manchmal deckungsgleich mit Herstellerversprechen. Das bereits angesprochene Forschungsprojekt „Smart Home Rösrath“ konnte für den Heizbereich Energieeinsparungen von 30 % feststellen, das entspricht dem, was ein bekannter Hersteller für seine smarten Thermostate verspricht. Such dir beim Einstieg in dein Smart-Home in Foren Tipps von Leuten, deren Wohnsituation vergleichbar mit deiner ist. Geteilte Kundenerfahrungen sind oft am wertvollsten. Tipp: Smarte Steckdosen kosten nicht die Welt, helfen beim Energiesparen und sind ein guter Weg, Smart Home für sich vorsichtig zu testen.

Tipp 6: Kaufe Qualität. 

Es ist wie mit jedem anderen Produkt auch: Kaufe lieber gleich etwas Gescheites als eine Enttäuschung. Geräte, die vielleicht einen günstigen Kaufpreis haben, aber schnell kaputtgehen oder nichts draufhaben, bringen niemandem was. Du nutzt sie nicht, und das Gerät wurde umsonst produziert. Verschwendete Energie. Denn ein großer Teil des CO2-Fußabdrucks eines technischen Gerätes fällt schon in der Produktion an.

Tipp 7: Denk mit.

Automatisierung ist gut, Mitdenken ist besser. Und dies bedeutet, dass man sich selbst auch im Griff haben muss. Eine Technik kann noch so schlau sein, wenn wir selbst nicht bewusst mit ihr umgehen, treten  Rebound-Effekte  ein, und es wird teuer und klimaschädlich. Unter einem Rebound-Effekt versteht man einen Mehrverbrauch an Energie aufgrund einer Fehleinschätzung der Energieeffizienz. Zum Beispiel wenn Geräte plötzlich länger und intensiver genutzt werden. Das eigene Verhalten bleibt also zentral. Klassische Heiz- und Stromspartipps helfen, das volle Effizienzpotenzial der smarten Technik auszuschöpfen.

Wie hast du bislang geheizt?

Ob du mit smarten Anwendungen wirklich Heiz- und Stromkosten sparst, hängt auch davon ab, wie bewusst du bislang geheizt hast. Wenn du dich schon immer bei niedrigeren Temperaturen wohlgefühlt hast und Heiztipps befolgt hast, wirst du auch mit smarten Anwendungen nicht noch mehr Energie sparen können. Wenn du dagegen bislang irgendwie an der Heizung gedreht hast, Hauptsache warm, wird das Potenzial zum Heizkosten sparen vermutlich größer sein.

Den Klimaschutz auf dem Screen.

Und eins solltest du natürlich sowieso immer auf dem Screen haben: den Klimaschutz. Achte darauf, dass du deine Geräte mit echtem Ökostrom betreibst, dann verändern wir gemeinsam richtig viel. Bei Polarstern investieren wir für jede Kilowattstunde, die du verbrauchst, 1 Cent in den Ausbau der erneuerbaren Energien. Jedes Jahr investieren wir zusätzlich für dich 20 Euro in die Energiewende in Kambodscha und Madagaskar. Schließlich gibt es nur eine Energiewende: eine weltweite. Berechne, wie viel CO2 du im Jahr mit wirklich besserer Energie sparst.

Hinweis: Aktuell ist unser Angebot aufgrund der Marktsituation vor allem was für besondere Energiewende-Unterstützer:innen. Wenn's jetzt nicht passt, schau gerne später wieder vorbei.

Michael | Team Wirklich

E-Mail: [email protected]

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