Im Büro verbrauchen wir Strom und Gas, ohne uns viele Gedanken darüber zu machen. Ist ja nicht meine Energie, oder? Eben doch. Denn aus der Energieeffizienz ziehen wir immer einen persönlichen Nutzen, sie zahlt immer auf den Klimaschutz ein. Und Ausgaben, die sich Arbeitgeber:innen bei der Energie sparen, können an anderer Stelle sinnvoll eingesetzt werden. In der Energiekrise müssen wir die Außer-Haus-Energie noch mehr als unsere eigene verstehen. Denn jede eingesparte Kilowattstunde ist ein Schritt aus der Energiepreiskrise und aus der Unabhängigkeit von Energieimporten. Aber wo fängt man an?

von Michael

1. Energiebewusstsein schaffen.

Der erste Schritt auf dem Weg in ein energiesparendes Büro ist das Verständnis für den Energieverbrauch. Wer seinen Energieverbrauch kennt, weiß, wo und wie man am besten sparen kann. 

Smart Meter nutzen. 

Ein gutes Mittel dafür ist die Nutzung eines Smart Meters – eines intelligenten Stromzählers. Wo über 6.000 Kilowattstunden Strom im Jahr verbraucht werden, ist die Nutzung eines Smart Meters sowieso Pflicht. Viele Büros verbrauchen das locker. Wo alte, gewöhnliche Ferraris-Zähler lediglich Kilowattstunden nach oben zählen, messen Smart Meter den Stromverbrauch sekundengenau und visualisieren den Verbrauch. Das kann man sich zum Beispiel über eine App ansehen. Das Lesen der Verbrauchskurven kann wirklich Geld sparen. Wenn du etwa siehst, dass die Verbrauchskurve nachts immer noch relativ hoch ist, kann dies ein Hinweis sein, dass Geräte unnötig im Standby-Betrieb weiterlaufen. Abhilfe schaffen einfache Zeitschaltuhren. 

Faustformel: Betriebskosten eines Geräts einschätzen. 

Es ist auch wichtig, ein Gefühl dafür zu bekommen, was Geräte im Betrieb kosten. Man kann das relativ schnell einschätzen. Du multiplizierst du den Stromverbrauch eines Geräts pro Kilowattstunde (kWh) * Betrieb pro Tag * Betriebstage im Jahr *  Preis für eine Kilowattstunde Strom. Beispiel: Ein gewöhnlicher PC, der im Betrieb 80 Watt pro Stunde verbraucht, kostet bei 8 Stunden Arbeit und einem Kilowattstundenpreis von 40 Cent ca. 25 Cent am Tag. Nach 230 Arbeitstagen sind das 57,50 Euro. 

Genauer: Strommessgeräte. 

Genauere Ergebnisse liefern Strommessgeräte. Das hört sich nerdiger an, als es ist. Es handelt sich dabei meistens um Zwischenstecker mit Display, die man einfach zwischen Steckdose und Gerät steckt. In das Gerät kannst du zum Beispiel einen Kilowattstundenpreis eingeben. Der Stecker liefert dir dann den Betrag, den ein Gerät zum Beispiel nach einem Tag gekostet hat. Wie viel dein Unternehmen für eine Kilowattstunde bezahlt, steht übrigens auf der letzten Stromrechnung. 

2. Standby-Betrieb verhindern. 

Nach dem Kennenlernen des Stromverbrauchs geht’s ans Sparen. Die wohl einfachste Maßnahme und dennoch eine der effektivsten, ist die Vermeidung des Standby-Betriebs. Im Büro entwickelt die Maßnahme eine große Wirkung. Wenn zu Hause eine elektrische Zahnbürste im Standby bleibt, ist das unnötig, aber noch kein Drama. Wenn viele Geräte im Standby sind, schon. Im Büro ist Standby Usus. Man muss sich so ein Unternehmen nur mal bei Nacht vorstellen. Überall blinkt und funkelt es. Da kommt schon einiges an ungenutztem Strom und überflüssigen Stromkosten zusammen. 

So berechnest du Standby-Betriebskosten.

Nehmen wir einen PC, der im Standby-Betrieb 13 Watt verbraucht. Er würde im Standby-Betrieb von 19 Uhr bis 9 Uhr 0,18 Kilowattstunden verbrauchen. An 230 Arbeitstagen wären dies immerhin schon 41 kWh und bei einem Kilowattstundenpreis von 40 Cent Kosten von 16,56 Euro. Verkraftbar? Bei 30 PCs sind das bereits 496,80 Euro im Jahr. Hohe Kosten also, die total unnötig sind. Außerdem muss man dazu sagen, dass die Berechnung mit einem Kilowattstundenpreis von 40 Cent noch ein angenehmes Szenario ist. In der Energiepreiskrise sollte man vorsorglich schon mal mit 70 Cent rechnen. 

3. Zeitschaltuhren installieren.

Das beste Instrument gegen den unnötigen Standby-Betrieb sind Zeitschaltuhren. 
Sie kappen einfach zu einer vorgegebenen Zeit den Saft. Beispiel Polarstern: Als wir Zeitschaltuhren einführten, sank unser Stromverbrauch um 10 %. Wirklich. Als Alternative helfen Steckerleisten mit Ausknopf. Die nehmen immerhin gleich mehrere Geräte vom Netz – vorausgesetzt, man denkt daran, den Schalter zu betätigen.

4. Energiespareinstellungen von Geräten nutzen.

Apropos: Viele Energiesparmaßnahmen im Büro sind wirklich Knopfsache. Man muss sich nicht mal intensiv mit den Geräten beschäftigen, sondern einfach nur den Energiesparmodus im Menü aufrufen und einstellen. In Büros sollte der Energiesparmodus bei PCs und Laptops als Default-Einstellung eingerichtet werden. Was man sonst noch tun kann: 

  • Stecker ziehen, wenn ein Laptop aufgeladen ist. 
  • Computer in den Ruhestand schicken, wenn man Pausen einlegt. 
  • Die Bildschirmhelligkeit senken. 
  • Auf Bildschirmschoner verzichten, sie haben sowieso kein Publikum. 
  • Wer nicht gerade Grafiker:in ist, braucht auch nicht den Monster-Monitor. Denn je höher der Bildschirm ist, desto höher ist auch der Energieverbrauch. Verzichte lieber auf ein paar Zoll. 
  • Ziehe externe Geräte von deinem Computer, die etwa über USB mit ihm verbunden sind. Wenn du zum Beispiel eine externe Festplatte nicht nutzt, kannst du sie auch auswerfen. Sie erhöht automatisch den Energieverbrauch deines Computers.
  • Schließe Programme und Dokumente, die du gerade nicht brauchst – und nutz dabei die Gelegenheit, Tabs zu schließen, die längst uninteressant sind.
  • Schon bei der Beschaffung von Computern sollte man sich die Frage stellen, welche Ausstattungen benötigt werden. Für gewöhnliche Schreibaufgaben reichen auch kleinere Leistungen aus. Große Tower-PCs mit besonders starken Grafikkarten erfüllen kaum ihren Zweck, wenn einfach nur Excel-Tabellen oder Worddokumente gefüllt werden sollen.
  • Auch andere Geräte wie die Büro-Spülmaschine sollten im Eco-Modus angestellt werden. Ein Spülgang dauert etwas länger, verbraucht aber weniger Energie.
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5. Kalt Hände waschen.

Kalt Hände waschen ist eine ebenso einfache wie effektive Energiesparmaßnahme. Laut Energieberatung co2online könnten pro Jahr 870 Millionen Kilowattstunden Heizenergie und 60 Millionen Euro Heizkosten gespart werden, wenn sich alle Angestellten in Deutschland konsequent kalt die Hände waschen würden. Also, Zähne zusammenbeißen – und im Büro testen! Wer sich einmal dran gewöhnt hat, will kein warmes Wasser mehr. Außerdem killt Seife Bakterien, egal ob das Wasser nun warm oder kalt ist. Um allgemein Wasser zu sparen, eignen sich Durchflussbegrenzer. Sie werden einfach an den Wasserhahn geschraubt und sorgen dafür, dass weniger Wasser pro Minute durchfließt.

6. Heizung sinnvoller regulieren.

Apropos Heizung: Jetzt wo das Gas knapp und die Energie teuer ist, dürfte es in den Büros etwas kühler werden. Man muss sich aber immer daran erinnern, dass jedes Grad weniger etwa 6 % an Energie spart. Das Herabsenken der Temperatur muss also noch nicht bedeuten, dass alle frieren. Man kann immer noch ein Maß finden, bei dem Wärmebedürfnis und Energiesparen im Einklang sind. Gerade für kleinere Unternehmen, die nicht in einem automatisierten Bürogebäude untergebracht sind, helfen smarte Thermostate dabei, die Heizenergie unter Kontrolle zu bringen. Sie regulieren die Temperatur zum Beispiel automatisch nach Wetterlage oder der Anwesenheit von Personen im Raum. So wird Heizenergie effizienter genutzt. 

7. Effiziente Beleuchtung installieren.

Kleinere Automationen nutzen.

In Unternehmen lässt sich bei der Beleuchtung viel Energie sparen. Oft fehlen automatisierte und effiziente Lichtkonzepte. So schaltet ein Schalter gleich alle Lampen des Großraumbüros an, obwohl nur an einigen Plätzen Licht benötigt wird. Oder es werden Jalousien runtergelassen und künstliches Licht genutzt, obwohl die Sonne längst weitergezogen ist und bestes Licht liefert, ohne zu blenden. In solchen Fällen helfen kleinere Automationen, Lichter sinnvoll zu regulieren. 

LEDs. 

Bei LEDs wählt man am besten besonders langlebige. Sie leuchten durchschnittlich 20.000 bis 25.000 Stunden. Es gibt aber auch Lampen, die 50.000 Stunden schaffen. Zum Vergleich: Energiesparlampen kommen nur auf eine Ausbeute von 10.000 Stunden.

Was hält wie lange?

LED Ca. 25.000 Stunden
Leuchtstofflampe Ca. 18.000 Stunden
Entladungslampe Ca. 7.500 Stunden
Halogen-Glühlampen Ca. 2.000 Stunden
Glühlampen Ca. 1.000 Stunden

Quelle: Öko-Institut.

Nimm eine hohe Effizienzklasse. 

Für Unternehmen lohnen sich LEDs mit einer hohen Effizienzklasse. Viele LEDs, die es regulär im Handel zu kaufen gibt, fallen in die Klasse D und E. Für den privaten Bereich sind diese völlig ausreichend. In Unternehmen, wo rund um die Uhr Licht benötigt wird, kann sich eine besonders hohe Effizienzklasse dagegen auszahlen, auch wenn sie teurer sind. Übrigens: Eine LED-Lampe der Klasse B gehörte vor der Überarbeitung des EU-Energielabels 2021 zur Effizienzklasse A++. Sie gehört also immer noch zum Besten, das du kaufen kannst. 

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8. Papier sparen und recyceltes nutzen.

Mag sein, dass der Stromverbrauch eines Druckers nicht sonderlich ins Gewicht fällt. Aber wenn es darum geht, als Gesellschaft Energie (und Ressourcen) zu sparen, sollte man seinen Papierverbrauch dringend reduzieren. Zumal Papier echt knapp geworden ist und immer teurer wird. Zumindest im Büro lässt sich sowieso alles digital erledigen und auch Unterschriften können bequem am Rechner erstellt werden. Wenn es nicht ohne Papier geht, sollte man natürlich recyceltes nehmen. Das Papier sollte das Siegel der Forest Stewardship Council (FSC) tragen. Es garantiert, dass das Papier aus einer nachhaltigen und ökologischen Waldnutzung kommt.

Nachhaltig drucken – so geht's

9. Kühlung und Lüftung effizienter einsetzen.

Jede:r weiß, dass Klimaanlagen viel Strom verbrauchen. Nichtsdestotrotz: Ohne Kühlung kann so ein Bürotag ziemlich qualvoll sein. Die Anlagen müssen trotzdem nicht auf arktische Temperaturen eingestellt werden, nur weil sie’s können. Und: Klima- und Lüftungsanlagen müssen nicht den ganzen Tag genutzt werden. Gerade die Morgenstunden eignen sich dafür, kühle Luft in die Büroräume zu lassen. Laut Bundeswirtschaftsministerium spart sich ein 1.700 m² großen Bürogebäude schon rund 5.000 Euro im Jahr, wenn die Lüftungsanlage zwei Stunden weniger am Tag läuft. Und dieser Fun-Fact stammt noch aus Vor-Energiepreiskrisen-Zeiten. Außerdem gibt es viele Optimierungsmaßnahmen für die Geräte. Man kann zum Beispiel:

  • energiesparende Ventilatoren nutzen.
  • einen Wärmetauscher integrieren, der Wärme zum Heizen zurückgewinnt.
  • Sensoren einbauen, die Klima- und Lüftungsgeräte nach Präsenz von Personen steuern. 

10. Neue Geräte bewusster anschaffen.

Ein Großteil des Energieverbrauchs von Geräten fällt bei der Produktion an. Es ist wichtig, dass nicht alles immer wieder neu produziert wird. Als Unternehmen kann man auf refurbished Geräte zurückgreifen. Die Ware ist gebraucht, aber auch generalüberholt und vor allem: günstiger. In einem Unternehmen, wo ständig irgendwas ausgetauscht werden muss, spart man sich einen Haufen Geld und die Gesellschaft einen Haufen Energie und Emissionen. Bei uns, Polarstern sind auch viele Laptops gebraucht – und sie funktionieren wunderbar. Geräte sollten auch Umweltsiegel tragen wie etwa "Blauer Engel", EPEAT und TCO.

11. Energiebeauftragte bestimmen.

Wenn du jetzt allen sagst, sie sollen bitte so lieb sein, den Standby-Betrieb zu vermeiden oder die Helligkeit am Bildschirm zu verringern, dann klappt das genau einen Tag. Deshalb ist es wichtig, Energiebeauftragte zu zu bestimmen, um andere zu schulen, sich um die Planung zu kümmern und den Energieverbrauch im Blick zu behalten. 

12. Förderungen nutzen.

Wer die maximale Energieeffizienz im Unternehmen erreichen will, braucht mehr als Energiespartipps. Zum Glück gibt es auch für umfassende Energiekonzepte Förderungen. Als erste Anlaufstelle eignet sich der Fördermittelcheck von co2online. Gefördert wird praktisch alles, was dein Büro energieeffizienter macht. Von Heizsystemen wie Wärmepumpen über energiesparende Lichtkonzepte bis hin zur Photovoltaikanlage.

Du hast noch keine Ahnung, wo du anfangen sollst?  Eine Energie-Fachkraft geht mit dir dein Unternehmen durch, um die wichtigsten Stellschrauben zu identifizieren. Die Beratung wird ebenso vom Staat gefördert. Förderfähige Beratung findest du bei effizienz-experten.de

Wirklich bessere Energie nutzen.

Apropos Förderung: Die Energie, die man verbraucht, sollte immer einen Nutzen für die Energiewende haben. Bei Polarstern fördert jede Kilowattstunde, die dein Unternehmen verbraucht, den Ausbau der erneuerbaren Energien mit 1 Cent. Zusätzlich förderst du auch die Energiewende in Kambodscha und Madagaskar. Denn die Energiewende können wir nur gemeinsam schaffen. 

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Michael | Team Wirklich

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