Leere Wohnung

Neue Wohnung, neues Glück – aber alte Heizung? Genau das sollte dir beim Umzug in dein neues Zuhause nicht passieren, sonst kann die Wohnung schnell zur bösen Kostenfalle werden. Es gibt noch eine ganze Menge anderer Fallstricke in puncto Energie, die du schon bei der Wohnungsbesichtigung beachten kannst. Wie gut ist das Gebäude gedämmt, wurde schon mal saniert und wo liegt die Wohnung innerhalb des Hauses? Wir sagen dir im Energiecheck, warum das wichtig ist und wie du ein Zuhause mit bester Energieeffizienz findest.

von Ludwig

Die Wohnungssuche raubt dir den letzten Nerv? Kein Wunder, schließlich musst du allerhand beachten und stehst in Konkurrenz zu vielen anderen Wohnungssuchenden. Und ist der Run auf die Wohnung noch so groß, vergiss nicht den Blick auf den Energiebedarf.

Im Mittel haben die Kosten für das Wohnen inklusive Energie- und Nebenkosten einen Anteil von 38 % am Haushaltseinkommen, so die Zahlen des Statistischen Bundesamtes aus Mai 2022. Aktuell steigen die Energiekosten deutlich, so dass immer mehr Budget fürs Wohnen draufgeht. Während du deine Stromkosten durch eine bewusste Nutzung der Elektrogeräte senken kannst, sieht das mit den Heizkosten anders aus. Hier kommt es stark auf die Energieeffizienz des Gebäudes und die Lage deiner Wohnung an, wie viel Energie, du zum Heizen brauchst. Meist entfällt weit über 80 % des Energiebedarfs von Haushalten auf das Heizen. Ein umfassender Energiecheck der Wohnung vor deinem Umzug rechnet sich wirklich.

Heizen Energiebedarf
Neubau oder unsaniert: Für den Energiebedarf spielt das eine große Rolle.

Wohnungssuche mit Energiecheck.

Die perfekte Wohnung gibt es selten. In der Regel ist es immer eine Abwägungssache mit Kompromissen, die manchmal schmerzhaft sind. Passt die Wohnung, passt’s dafür nicht mit Öffi-Anbindung. So ist das halt. Du musst für dich die Kriterien heranziehen, die dir besonders wichtig sind. Weil die Energiekosten gerade zum Heizen immer teurer werden, spiegelt sich die Energieeffizienz des Gebäudes als zunehmend wichtiges Kriterium wider.

Wir haben dir Tipps und Tricks für einen ausführlichen Energiecheck bei der Wohnungs- oder Hausbesichtigung zusammengetragen.

Die Basis: Der Energieausweis.

Wenn du eine Wohnung besichtigst, kannst du vom Vermieter:in die Vorlage des Energieausweises für das Gebäude verlangen. Wer eine Wohnung oder ein Haus neu vermietet, muss laut Gebäudeenergiegesetz einen gültigen und korrekten Energieausweis vorlegen – das gilt auch für Makler:innen. Kommt der oder die potenzielle Vermieter:in dem nicht nach, droht sogar ein saftiges Bußgeld. Übrigens muss dir der Energieausweis bei der Besichtigung in Papierform vorgelegt werden. Ein Smartphone oder Tablet reicht ausdrücklich nicht.

Was steht drin im Energieausweis?

Der Energieausweis sagt dir, wie es um den energetischen Zustand der Wohnung bzw. des Gebäudes steht, also wie hoch der Energiebedarf der Wohnung zum Wärmen ist und zu welcher Energieeffizienzklasse das Haus gehört. Der Ausweis gibt einen Überblick über den zu erwartenden Energiebedarf und darüber, wann zuletzt saniert und was konkret modernisiert wurde. Falls keine Sanierung erfolgt ist, sollte der Energieausweis Empfehlungen zu Modernisierungen bezüglich Dämmung, undichter Fenster und veralteter Technik enthalten.

Kurz gesagt, findest du im Energieausweis alle Infos, um den Energiebedarf zum Heizen der Wohnung einschätzen zu können. Du kannst auch nach der Nebenkostenabrechnung der Vorperiode fragen, um die zu erwartenden Energiekosten besser einschätzen zu können.

Energieausweis

Gut zu wissen für dich: Es gibt Ausnahmen von der Energieausweis-Pflicht für Vermieter:innen. Für nahezu alle Wohngebäude ist ein Energieausweis Pflicht, jedoch mit Ausnahme

  • von Gebäuden unter 50 m² Nutzfläche
  • Ferienhäuser, die nicht regelmäßig geheizt oder gekühlt werden
  • Gebäuden unter Denkmalschutz oder Ensembleschutz.
So liest du den Energieausweis richtig

Die Gebäudehülle.

Das führt uns gleich zum nächsten Punkt. Sieh dir beim Energiecheck das Gebäude und insbesondere die verwendeten Baumaterialien gut an. Inzwischen wird bei modernen Wohngebäuden auf einen Mix von recycelten oder Hybridmaterialien gesetzt, um eine größere Energieeffizienz zu erzielen.

Generell gilt: Naturbelassene Materialien sind in der Regel robust und langlebig und verfügen über gute Isoliereigenschaften, die zu einer optimalen Energieeffizienz von Gebäuden beitragen.

Natürlich spielt es auch eine Rolle, wie viele Fenster das Gebäude hat, wie gut ihre Isolation ist, sprich Zweifach- oder Dreifach­verglasung, und wie es generell gedämmt ist.

Ideal ist es natürlich, wenn die Hausfassade mit Pflanzen begrünt ist. Das unterstützt im Sommer die Kühlung des Gebäudes und verhindert extreme Hitzeinseln. Dieser Kühleffekt von begrünten Gebäudefassaden ist sogar wissenschaftlich belegt. Besichtigst du also eine Wohnung oder ein Haus in einem zugebauten Stadtteil, kann sich die Fassaden-Begrünung als äußerst wertvoll erweisen.

Achte auf den Sanierungsstand beim Energiecheck.

Natürlich kann man nicht immer in einen Neubau mit höchster Energieeffizienz ziehen. Eh klar. Die meisten Wohnungen, die du zur Auswahl hast, sind in der Regel Wohnungen in älteren Gebäuden. Hier kannst du auf den Sanierungsstand des Hauses achten und bei der Besichtigung noch einige Fragen stellen, zum Beispiel:

  • Gab es schon eine energetische Sanierung am Gebäude? Wenn ja, wann war die?
  • Was genau wurde saniert oder modernisiert?
  • Wie wird das Gebäude beheizt?
  • Wie alt ist das Heizungssystem?
  • Steht eventuell in den nächsten Jahren (nochmal) eine größere Sanierung an?

All das sind Fragen, die dir helfen, mehr über den Energieeffizienz-Standard des Hauses zu erfahren. So kannst du besser einschätzen, ob das Heizen in deiner potenziellen neuen Wohnung ein Fass ohne Boden wird oder eben nicht. Wie groß die Unterschiede beim Heizenergiebedarf sein können, zeigen diese Zahlen.

Heizenergieverbrauch nach Sanierungsstand:

Neubau  102,1 kWh pro m2 und Jahr
Vollsaniert       131,5 kWh pro m2 und Jahr
Teilsaniert  162,3 kWh pro m2 und Jahr
Unsaniert 170,7 kWh pro m2 und Jahr

Quelle: CO2online

Die Lage der Wohnung im Gebäude.

Damit ist jetzt nicht der Stadtteil gemeint, auch wenn der Aspekt natürlich wichtig ist bei der Wohnungssuche. Vielmehr geht’s um die Lage einer Wohnung in einem Gebäude. Das ist vor allem dann relevant, wenn es sehr viele Wohnungen und Stockwerke in einem Haus gibt. Es kann deine Heizkosten in Grenzen halten oder ziemlich explodieren lassen. Und dann hat die auf dem Papier genannten Warmmiete oft nix mehr mit den realen Kosten zu tun.

Bei der Lage ist zu beachten:

  • Wo genau liegt die Wohnung im Gebäude? Es geht um die Aspekte: Stockwerk, Ausrichtung bzw. Himmelsrichtung. Je weiter oben du in einem Haus wohnst, desto wärmer ist es üblicherweise und desto weniger musst du heizen. Warme Luft der Wohnungen steigt im Gebäude nach oben. Besonders spürbar ist der Effekt aufsteigender warmer Luft an heißen Sommertagen. Was im Winter ein Vorteil sein kann, weiter oben zu wohnen und die Heizung weniger aufdrehen zu müssen, kann im Sommer unangenehm werden, wenn sich die Hitze unter dem Dach staut. Umgekehrt musst du in der Regel mehr heizen, wenn die Wohnung über einer Einfahrt oder direkt über dem Keller liegt.
     
  • Das bringt uns zum nächsten Punkt: die Ausrichtung der Wohnung. Achte beim Energiecheck darauf, in welche Himmelsrichtung die meisten Fenster und Wände zeigen. Besichtigst du eine Wohnung, die viele bzw. nur Fenster und Wände Richtung Norden/Osten hat, wirst du im Winter vermutlich deutlich mehr heizen müssen. Gleichzeitig hast du aber im Sommer eine kühlere Wohnung (sofern sie nicht unter dem Dach liegt). Wohnungen, die Richtung Südwesten ausgerichtet sind, können sich dagegen im Sommer kräftig aufheizen.
     
  • Eine der wichtigsten Fragen beim Energiecheck für dich: Wie viele Außenwände gibt es? Je mehr Außenwände eine Wohnung hat, desto mehr heizen musst du im Winter. genauso spielt die Dämmung der Wände eine Rolle. Sofern das Gebäude bislang nicht energetisch saniert worden ist, sind viele Außenwände kein gutes Zeichen für die künftigen Heizkosten.

Unser Tipp: Nimm zur Wohnungsbesichtigung einen Kompass mit. So kannst du die Ausrichtung von Fenstern, Türen und Balkon genau checken.

Die Heizung. Günstiger mit erneuerbarer Energie.

Strom hat im Vergleich zu Heizen und Warmwasser einen kleineren Anteil an deinen Energiekosten. Mit Abstand das meiste Geld geht fürs Heizen drauf. Bei den meisten Heizungen lässt sich durch Optimierungen mehr sparen als bei Fernsehern und Co. Allerdings: Größere Umbauten an der Heizungsanlage in einem Gebäude sind immer Sache de:r Hauseigentümer:in. So gesehen hast du als Mieter:in darauf wenig Einfluss.

Wie effizient ist die Heizung?

Emissionen, Kosten und Verbräuche sind abhängig von der Heizungsanlage. Hier lohnt es sich, auf den Wirkungsgrad und auf den Einsatz von erneuerbaren Energien zu achten. Die nachstehende Tabelle zeigt die typischen Verbräuche nach Heizungsart im Mehrfamilienhaus.

Energiebedarf der verschiedenen Heizsysteme.

Art der Heizung   Verbrauch
Erdgas 9.590 kWh
Heizöl 10.430 kWh
Fernwärme 8.330 kWh
Wärmepumpe 2.730 kWh
Holzpellets 8.330 kWh

Hinweis: Werte für eine durchschnittliche 70-qm-Wohnung im Mehrfamilienhaus, Abrechnungsjahr 2020, Quelle: Heizspiegel 2021

 

Was der Wirkungsgrad einer Heizung bedeutet.

Der Wirkungsgrad einer Heizung sagt dir, wie effizient ein Heizsystem arbeitet, also wie effizient ein Energieträger wie Öl oder Gas in Wärme umgewandelt wird. Besonders effizient sind Wärmepumpen: Sie erreichen erstaunlich hohe Wirkungsgrade. Je nach Wärmequelle – Erde, Wasser oder Luft – produziert eine Wärmepumpe aus einer Kilowattstunde Strom drei bis vier Kilowattstunden Wärme.

Die Tabelle zeigt die Wirkungsgrade unterschiedlicher Heizsysteme:

Art der Heizung Wirkungsgrad in %
Pelletkessel 85 bis 103
Ölbrennwertheizung  102 bis 106
Gasbrennwertheizung 100 bis 111
herkömmliche Ölheizung 70 bis 90
herkömmliche Gasheizung  85 bis 93

 

Bei Wärmepumpen werden zur Bewertung zwei andere Zahlen genutzt, die Jahresarbeitszahl (JAZ) und die die Leistungszahl Coefficient of Performance (COP). Im Grunde ist es das Verhältnis von entstehender Wärmemenge zu zugeführter Strommenge. Bei COP bezogen auf den Betriebszustand zu einem Zeitpunkt und bei JAZ über das Gesamtjahr hinweg (mehr dazu liest du hier).

Sind effiziente Heizungen automatisch klimafreundlicher?

Jein, der Wirkungsgrad alleine sagt nicht alles über die Umweltfreundlichkeit eines Heizsystems aus. Es kommt auch auf die Ressourcen an, die du zum Betrieb nutzt. Das gilt auch für Wärmepumpen. Sie sind zwar sehr effizient, aber ganz ohne externe Stromzufuhr geht’s auch hier nicht. Ob du Ökostrom nutzt oder einen klassischen Stromtarif mit dem typischen Strommix aus dem Netz macht einen echten Unterschied für’s Klima.

Treibhausgasemissionen Heizen
Treibhausgasemissionen beim Heizen: Nichts ist so sauber wie eine Wärmepumpe mit Ökostrom.

Einfluss des Brennstoffs auf die Kosten.

Insgesamt kommt dich eine Heizung, die erneuerbare Energien nutzt wie Solarthermie und Wärmepumpen günstiger. Für den Betrieb von Wärmepumpen gibt es sogar spezielle Wärmepumpenstromtarife und du kannst sie auch mit einer Photovoltaikanlage kombinieren. Umgekehrt verteuern die steigenden CO2-Preise immer stärker fossile Brennstoffe, du zum Betrieb einer Öl- und Gasheizung brauchst. Wird eine Heizung mit erneuerbaren Energien betrieben rechnet sich das also immer mehr.

Übrigens: Berücksichtigt man die Umweltkosten, sind fossile Energien zum Heizen wie Öl und Gas ohnehin bereits um ein Vielfaches teurer als erneuerbare.

Hier Wärmepumpenstromtarif berechnen & klimaneutral heizen.

Art der Heizkörper.

Achte bei einem Gebäude und einer Wohnung auch auf die Art der Heizkörper. Gibt es genug Heizkörper? Wie alt sind sie? Und gibt es eine Flächenheizung wie etwa eine Fußbodenheizung? Gerade eine Fußbodenheizung kann den Energiebedarf zum Heizen deutlich verringern. Im Vergleich zur Fußbodenheizung hat ein Heizkörper eine höhere Betriebstemperatur und höhere Betriebskosten. Das solltest du bei der Besichtigung einer Wohnung oder eines Hauses einkalkulieren.

Beraten lassen.

Echt jetzt. Niemand von uns ist als allwissendes Genie vom Himmel gefallen und es ist vollkommen ok, wenn du dir bei so einem komplizierten Thema wie einem Energiecheck Hilfe suchst. Die findest du zum Beispiel bei der Verbraucherzentrale in deinem jeweiligen Bundesland. Die Verbraucherzentralen bieten auch eine kostenlose Energieberatung an. Die Beratung kann entweder telefonisch stattfinden oder aber bei einem Besuch vor Ort im Haus (dann können auch Kosten anfallen). Somit ist die Energieberatung der Verbraucherzentralen aber eher eine Option kurz nach dem Einzug in dein neues Zuhause.

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Ludwig von Polarstern

Ludwig | Team Wirklich

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