Energieausweis

Wenn du umziehst oder eine Immobilie kaufst, solltest du vorher unbedingt den Energieausweis des Gebäudes lesen. Er ist bei explodierenden Energiepreisen wichtiger denn je. Denn es ist der erste Hinweis für dich, ob du in eine Heizkostenfalle ziehst. Schließlich verrät er dir etwas über den Wärmebedarf pro Quadratmeter Wohnfläche. Erfahre, wie du den Energieausweis liest, was er alles über deine künftigen Energiekosten sagt – und was nicht.

von Michael

Warum der Energieausweis jetzt wichtiger denn je ist.

Der größte Unterschied zwischen Energiepreis und Energieverbrauch ist dein persönlicher Einfluss darauf. Steigen im Markt die Preise, kannst du direkt daran wenig ändern – außer mit Blick auf die Zukunft auf Ökoenergie zu setzen und die Energiewende zu stärken. Bei deinem Verbrauch sieht das schon anders aus. Ist dein Energieverbrauch zu hoch, kannst du deine elektrischen Geräte energiesparender nutzen und die Temperatur der Heizung runterdrehen.

Wie viel Energie du zum Heizen brauchst, hängt am Ende aber auch stark von einem dritten Gesellen ab: dem Haus. Ist es schlecht gedämmt und sein Heizsystem veraltet, ist der Heizenergiebedarf von Haus aus höher, weil viel Energie ungenutzt verloren geht. Und ob das der Fall ist oder nicht, das verrät dir der Energieausweis.

Was der Energieausweis genau aussagt.

Jetzt, wo die Energiepreise explodieren, wird der Energieausweis eines Gebäudes umso wichtiger. Er kann deinen Energieverbrauch zwar nicht vorhersagen. Aber er kann dir sagen, ob du hier von Haus aus schlechtere Karten für einen geringen Energieverbrauch hast. Bis auf wenige Gebäudearten gibt es für jedes Gebäude einen solchen Energieausweis.

Weil die meisten Menschen wohl mit Energiemengen ganzer Gebäude wenig anfangen dürften, wird das Objekt gemäß dem Gebäudeenergiegesetz (GEG) einer Effizienzklasse von A+ bis H und einer Farbe auf einer Skala zugeordnet. Je weiter ein Gebäude im grünen Bereich liegt, desto besser ist seine Energieeffizienz. 

Darauf solltest du beim Energieausweis achten.

1. Schätze, aber schließ nicht auf reale Kosten. 

Man darf zwar von den Energieeffizienzklassen nicht auf reale Heizkosten schließen, dafür spielen zu viele Faktoren wie etwa das Heizsystem und eben das eigene Verhalten eine Rolle. Trotzdem bietet eine grobe Hochrechnung etwas Orientierung. Dafür multiplizierst du den Jahresverbrauch pro Quadratmeter Wohnfläche mit dem Preis für eine Kilowattstunde Heizenergie – hier Erdgas. Durchschnittlich lag der Erdgaspreis laut Vergleichsportal Verivox im Juli 2022 bei 16 Cent.  Daraus würden sich folgende Schätzungen (!) ergeben. 

Tabelle: Geschätzer Energieverbrauch.

Energieeffizienzklasse Endenergieverbrauch* Jährliche Heizkosten in € pro m2
A + 30 kWh/m2 4,80  
A 30 bis 50 kWh/m2 4,80 bis 8 
B 50 bis 75 kWh/m2 8 bis 12 
C 75 bis 100 kWh/m2 12 bis 16
D 100 bis 130 kWh/m2 16 bis 20,80 
E 130 bis 160 kWh/m2 20,80 bis 25,60 
F 160 bis 200 kWh/m2 25,60 bis 32 
G 200 bis 250 kWh/m2 32 bis 40
H Über 250 kWh/m2 40 und mehr

Quelle Effizienzklassen: Verbraucherzentrale NRW.

2. Es gibt zwei Arten von Ausweisen.

Man unterscheidet zwei Arten von Energieausweisen: den Bedarfsausweis und den Verbrauchsausweis. Beim Bedarfsausweis wird der Endenergiebedarf des Gebäudes anhand von Gebäude- und Heizungsdaten sowie von standardisierten Klima-, Nutzer- und Raumtemperaturdaten ermittelt. Der Verbrauchsausweis gibt dagegen den Endenergieverbrauch des Gebäudes anhand von echten Energieverbräuchen der letzten drei Jahre an. Auch wenn das Ermittlungsverfahren auf unterschiedlichen Berechnungen beruht, sagen beide Ausweise das Gleiche aus: Wie viel Energie pro Quadratmeter und Jahr für die Wärme im Haus benötigt wird.

Ob ein Bedarfsausweis oder ein Verbrauchsausweis erstellt wird, ist nicht immer optional. Es kommt ganz aufs Gebäude an. So werden etwa für Neubauten Bedarfsausweise benötigt, weil noch keine realen Verbrauchsdaten existieren. Ebenso nach Sanierungen, weil das gesamte Gebäude energetisch neu bilanziert werden muss. Welcher Ausweis für welchen Gebäudetyp in Frage kommt, erfährst du in der Tabelle:

Gebäude Energieausweis
Neubau  Bedarfsausweis
Energetische Sanierung  Bedarfsausweis
Altbau bis zu 4 Wohnungen bei Bauantrag von 01.11.1977 und Nicht-Erfüllung der 1. Wärmeschutzverordnung. Bedarfsausweis
Altbau bis 4 Wohneinheiten bei Bauantrag von 01.11.1977 und Erfüllung der 1. Wärmeschutzverordnung. Bedarfsausweis oder Verbrauchsausweis
Altbau bis 4 Wohneinheiten bei Bauantrag nach 01.11.1977 Bedarfsausweis oder Verbrauchsausweis
Altbau über 5 Wohneinheiten Bedarfsausweis oder Verbrauchsausweis
Wenn Heizkosten- und Verbrauchsabrechnungen der letzten 3 Jahre unvollständig sind Bedarfsausweis
Nichtwohngebäude Bedarfsausweis oder Verbrauchsausweis

 

3. Energieausweis sagt keine realen Verbräuche voraus.

Bei der Beurteilung des Energieausweises sollte man berücksichtigen, dass die Effizienzstandards zwar Gebäude vergleichbar machen, dass man deshalb aber noch keine Rückschlüsse auf die tatsächlichen Verbräuche künftiger Haushalte ziehen sollte. Erstens verrät der Energieausweis immer nur den Effizienzstandard des ganzen Gebäudes, nicht aber von einzelnen Wohnungen. Zweitens hängt der Verbrauch von vielen Faktoren ab. Zum Beispiel von der Lage der Wohnung im Haus, natürlich vom Wetter, vor allem aber vom Heizverhalten der Bewohner:innen

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4. E ist Standard. 

So grottig die Effizienzklasse E bei einem Haushaltsgerät ist – im Gebäudebestand ist E der Durchschnitt. Ein typisches Wohngebäude in Deutschland verbraucht jährlich rund 160 kWh/m2, ein effizienter Neubau der Klasse A dagegen pro Jahr nur rund 50 kWh/m2. Beim durchschnittlichen Gaspreis 2022 wäre das ein Preisunterschied von rund 15 Euro. 

5. Der Energieausweis ist Pflicht.

Bei einer Wohnungs- oder Hausbesichtigung sind die Personen, die das Objekt vermieten, verkaufen oder vermitteln, dazu verpflichtet, den Energieausweis vorzulegen oder sichtbar auszuhängen. Auch Makler:innen müssen den Energieausweis vorzeigen. Und zwar ausgedruckt, nicht irgendwie auf dem Handy oder so. Der Ausweis muss auch dann vorgezeigt werden, wenn niemand danach fragt. Und wenn es keine Wohnungsbesichtigung gibt? Dann müssen Interessierte trotzdem die Möglichkeit haben, den Ausweis zu prüfen. Und zwar alle Seiten.

Wann du keinen Energieausweis brauchst.

Wenn du in deinem eigenen Haus wohnst und dieses nicht vermietest, brauchst du für dich selbst keinen Energieausweis erstellen lassen. Erst wenn du die Immobilie verkaufen oder vermieten möchtest, wird die Sache zur Pflicht. Wenn du schon lange in einer Mietwohnung lebst, hast du zwischendrin keinen Anspruch, den Energieausweis zu sehen. Und dann gibt es Bauten, die gar nicht oder so unregelmäßig beheizt werden, dass sie aus der Energieausweispflicht fallen. Dazu zählen zum Beispiel denkmalgeschützte Gebäude, Mini-Gebäude mit einer Nutzfläche unter 50 m2, Ferienhäuser oder Gewächshäuser.

Wo du einen Energieausweis erstellen lässt.

Wer eine Immobilie besitzt, kann den Energieausweise von Planer:innen und Architekt:innen bekommen. Nicht nur bei einem Neubau, sondern auch nach einer umfassenden Sanierung. Denn dann gehört das Gebäude zu einer besseren Effizienzklasse und wird entsprechend den Vorgaben des Gebäudeenergiegesetzes (GEG) neu energetisch bilanziert. Das trifft zum Beispiel zu, wenn Personen ein geerbtes Haus verkaufen wollen. Dann müssen sie einen Energieausweis für dieses Gebäude erstellen lassen. Berechtigt, ihn auszustellen, sind Architekt:innen, Ingenieur:innen, Handwerker:innen oder Techniker:innen, die eine entsprechende Qualifizierung zur Erstellung des Energieausweises nachweisen können. Der Verbrauchsausweis kostet etwa bis 100 Euro, die Erstellung von Bedarfsausweisen ist dagegen aufwändiger und kann zwischen 150 bis 1.000 Euro kosten.
Wenn du nur kleinere energetische Maßnahmen wie etwa eine Fenstererneuerung durchführst, brauchst du übrigens nicht gleich einen neuen Energieausweis erstellen lassen. Auch nicht, wenn du für die Maßnahme eine Förderung durch die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) beantragen willst.

Die richtigen Fragen bei der Haus- und Wohnungsbesichtigung.

Bei einer Wohnungs- oder Hausbesichtigung gibt der Energieausweis einen ersten Eindruck über den energetischen Stand des Gebäudes. Noch besser ist es aber, wenn du selbst Fragen stellst:

• wann und ob die Außenwände oder Keller- und oberste Geschossdecke bereits gedämmt wurden.

• ob die Heizung saniert wurde – oder wann eine Sanierung ansteht.

• ob die Türen und Fenster zwei- beziehungsweise dreifach verglast sind.

• ob die Wohnung zu einem großen Teil an unbeheizte Flächen angrenzt.

• wie hoch der Heizenergieverbrauch früherer Bewohner:innen hoch war.

Klar ist auch: Ein Gebäude kann immer nur so klimafreundlich sein, wie seine Bewohner:innen. Und da kannst du wirklich etwas tun. Schon mit einfachen Strom- und Heizspartipps lässt sich dein Energieverbrauch spürbar senken. Und mit Wirklich Ökostrom von Polarstern sorgst du dafür, dass in deiner Wohnung oder einem Haus kein CO2 für Energie anfällt. 

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So sieht ein Energieausweis aus. 

Auf Seite 1 

erfährst du unter anderem, was das Haus für ein Gebäudetyp ist, wann es gebaut wurde und welcher Energieträger eingesetzt wird. Außerdem ist vermerkt, ob der Anlass zur Erstellung des Ausweises eine Neuvermietung, ein Verkauf, eine Modernisierung oder ein Neubau war. Auf der ersten Seite erfährst du auch, ob es sich um einen Verbrauchs- oder Bedarfsausweis handelt und wer die Daten erhoben hat: der:die Eigentümer:in selbst – oder eine externe Beratung.

Die Seite 2 

Die Seite 2 ist ausgefüllt, wenn der Energieausweis nach der Bedarfsrechnung erstellt wurde. Hier wird der Primär- und Endenergiebedarf des Gebäudes in Kilowattstunden pro Quadratmeter und Jahr vermerkt. Je geringer der Energiebedarf, desto höher sind Energieeffizienz und Klimafreundlichkeit des Gebäudes. Ebenso wird der CO2-Ausstoß pro Quadratmeter und Jahr eingetragen. Außerdem erfährst du, ob und wie viel erneuerbare Energie zur Deckung des Wärme- und Kältebedarfs im Haus genutzt wird. Und du erfährst etwas über die energetische Qualität der Gebäudehülle. Je kleiner der Wert, desto besser ist der Wärmeschutz von Außenwänden, Decken und Fenstern.

Die Seite 3 

wird ausgefüllt, wenn der Energieausweis nach der Verbrauchsrechnung erstellt wurde. Auch hier wird der End- und Primärenergieverbrauch eingetragen, und das Gebäude entsprechend einer Effizienzskala zugeordnet. Der größte Unterschied zum Bedarfsausweis ist, dass hier die Heizungs- und Warmwasserverbräuche der letzten drei Jahre eingetragen werden. Die Anteile von Warmwasser und Heizung sind dabei separat aufgeführt. Der Endenergieverbrauch wird auf der Basis der Abrechnungen von Heiz- und Warmwasserkosten und anderen Verbrauchsdaten ermittelt. Beim Energieverbrauch für die Heizung werden lokale Wetterdaten und Klimafaktoren berücksichtigt, damit nicht ein besonders harter oder besonders milder Winter die Effizienzbeurteilung des Gebäudes verzerrt.

Auf Seite 4 

des Energieausweises sind die Modernisierungsempfehlungen eingetragen. Typische Empfehlungen sind zum Beispiel die Dämmungen oder eine Modernisierung der Heiztechnik. Zusätzlich können die geschätzte Amortisationszeit und die geschätzten Kosten pro eingesparte Kilowattstunde Endenergie eingetragen werden. Die Modernisierungsempfehlungen bedeuten übrigens nicht, dass Eigentümer:innen diese auch umsetzen müssen.

Auf Seite 5

werden alle wichtigen Begriffe der Seiten 1 bis 4 erläutert. So wird der Energieausweis auch transparent, wenn man nicht tief im Energiethema drinsteckt.

Jetzt Energie sparen. Wirklich. 

Ein Gebäude kann noch so energieeffizient sein. Wenn du selbst nicht bewusst mit Energie umgehst, kann dir das Haus auch nicht beim Sparen helfen. Energie sparen ist keine große Sache. Meistens muss man einfach nur zur richtigen Zeit auf den richtigen Knopf drücken. Wir haben 99 Ideen für deinen Alltag gesammelt.

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Michael | Team Wirklich

E-Mail: [email protected]

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