Energieausweis

Bei jeder Wohnungsbesichtigung sollte Interessierten der Energieausweis vorgelegt werden. Eigentlich. In der Praxis passiert das nicht immer. Erfahre, warum der Energieausweis wichtig ist, wie du ihn liest – und welche Schlüsse du für deine Energiekosten ziehen kannst.

von Michael

 

 

Das ist der Energieausweis.

Wenn jemand nach dem Ausweis fragt, bedeutet das üblicherweise Trouble. Man kommt irgendwo nicht rein oder fühlt sich wie jemand, der was ausgefressen hat. Auch im Wohnmarkt gibt es einen wichtigen Ausweis, den Energieausweis. Er sagt nicht aus, ob du irgendwo nicht reinkommst, er sagt aus, ob du da überhaupt reinwillst. Denn neben der Miete gibt es Nebenkosten. Die kann der Energieausweis zwar nicht vorhersagen. Aber er kann bei der Frage nach dem Energieverbrauch einen Daumen nach oben, zur Seite oder nach unten zeigen. 

Bis auf wenige Gebäudearten braucht jedes Gebäude einen Energieausweis, damit Mieter:innen und Käufer:innen den Energieverbrauch beziehungsweise den Energiebedarf kennenlernen. Weil die meisten Menschen mit Energiemengen ganzer Gebäude wenig anfangen dürften, wird das Objekt gemäß dem Gebäudeenergiegesetz (GEG) einer Effizienzklasse von A+ bis H zugeordnet und dabei farblich gekennzeichnet. Je weiter ein Gebäude im grünen Bereich liegt, desto besser ist seine Energieeffizienz. 

Man darf von den Energieeffizienzklassen nicht auf reale Heizkosten schließen, dafür spielen zu viele Faktoren mit rein. So hängt etwa der Energiebedarf auch stark vom Heizsystem ab. Wärmepumpen werden zum Beispiel mit Strom betrieben. Zur groben Orientierung kann man trotzdem selbst ein bisschen hochrechnen, indem man den Preis einer Kilowattstunde Heizenergie – hier Erdgas – mit dem Jahresverbrauch/m2 multipliziert. Einfach mal um ein Gefühl für die Effizienzklassen zu bekommen. Laut BDEW liegt der Gaspreis in 2021 im Schnitt bei 6,11 Cent. Eine grober Vergleich der Heizkosten sähe dann so aus.

Energieeffizienzklasse Endenergieverbrauch Jährliche Heizkosten pro m2
A + 30 kWh/m2 Weniger als 2 Euro
A 30 bis unter 50 kWh/m2 Ca. 2 bis 3 Euro
B 50 bis unter 75 kWh/m2 Ca. 3 bis 4 Euro
C 75 bis unter 100 kWh/m2Ca. 4 bis 6 Euro
D 100 bis unter 130 kWh/m2Ca. 6 bis 8 Euro
E 130 bis unter 160 kWh/m2Ca. 7 bis 10 Euro
F 160 bis unter 200 kWh/m2Ca. 10 bis 12 Euro
G 200 bis unter 250 kWh/m2Ca. 12 bis 15 Euro
H Über 250 kWh/m2Ca. 15 Euro und mehr

 

Diese Energieausweise gibt es.

Man unterscheidet zwei Arten von Energieausweisen: den Bedarfsausweis und den Verbrauchsausweis. Beim Bedarfsausweis wird der Endenergiebedarf des Gebäudes anhand von Gebäude- und Heizungsdaten sowie von standardisierten Klima-, Nutzer- und Raumtemperaturdaten ermittelt. Der Verbrauchsausweis gibt dagegen den Endenergieverbrauch des Gebäudes anhand von echten Energieverbräuchen der letzten drei Jahre an. Auch wenn das Ermittlungsverfahren auf unterschiedlichen Berechnungen beruht, sagen beide Ausweise das Gleiche aus: Wie viel Energie pro Quadratmeter und Jahr für die Wärme im Haus benötigt wird.  

 

Was ist besser: Bedarfs- oder Verbrauchsausweis?

Nun, einerseits präsentiert der Verbrauchsausweis reale Verbrauchsdaten; in der Praxis werden aber laut Verbraucherzentrale im Schnitt bis zu 25 % niedrigere Werte für den Endenergiebedarf angegeben als im Bedarfsausweis. Für das gleiche Gebäude wohlgemerkt. Das solltest du bei der Beurteilung eines Energieausweises in jedem Fall im Hinterkopf behalten. Die Verbraucherzentrale rät deshalb, ein Gebäude mit einem Verbrauchsweis eine Effizienzklasse runterzustufen, mit einem Bedarfsausweis eine rauf. Ob ein Bedarfsausweis oder ein Verbrauchsausweis erstellt wird, ist nicht immer optional. Es kommt ganz aufs Gebäude an. So werden etwa für Neubauten Bedarfsausweise benötigt, weil noch keine realen Verbrauchsdaten existieren. Ebenso nach Sanierungen, weil das gesamte Gebäude energetisch neu bilanziert werden muss. Welcher Ausweis für welchen Gebäudetyp in Frage kommt, erfährst du in der Tabelle:

GebäudeEnergieausweis
Neubau Bedarfsausweis
Energetische Sanierung Bedarfsausweis
Altbau bis zu 4 Wohnungen bei Bauantrag von 01.11.1977 und Nicht-Erfüllung der 1. Wärmeschutzverordnung.Bedarfsausweis
Altbau bis 4 Wohneinheiten bei Bauantrag von 01.11.1977 und Erfüllung der 1. Wärmeschutzverordnung.Bedarfsausweis oder Verbrauchsausweis
Altbau bis 4 Wohneinheiten bei Bauantrag nach 01.11.1977Bedarfsausweis oder Verbrauchsausweis
Altbau über 5 WohneinheitenBedarfsausweis oder Verbrauchsausweis
Wenn Heizkosten- und Verbrauchsabrechnungen der letzten 3 Jahre unvollständig sindBedarfsausweis
NichtwohngebäudeBedarfsausweis oder Verbrauchsausweis

 

 

Was du beim Energieausweis beachten solltest.

Bei der Beurteilung des Energieausweises sollte man berücksichtigen, dass die Effizienzstandards zwar Gebäude vergleichbar machen, dass man deshalb aber noch keine Rückschlüsse auf die tatsächlichen Verbräuche künftiger Haushalte ziehen sollte. Erstens verrät der Energieausweis immer nur den Effizienzstandard des ganzen Gebäudes, nicht aber von einzelnen Wohnungen. Zweitens hängt der Verbrauch von vielen Faktoren ab. Zum Beispiel von der Lage der Wohnung im Haus, natürlich vom Wetter, vor allem aber vom Heizverhalten der Bewohner:innen. Die Verbraucherzentrale rät außerdem, dass die Effizienzklassen nur auf Ausweisen realistisch sind, die nach dem 1. Mai 2014 ausgestellt wurden. 

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So grottig die Effizienzklasse E bei einem Haushaltsgerät ist – im Gebäudebestand ist E der Durchschnitt. Ein typisches Wohngebäude in Deutschland verbraucht rund 160 kWh/m2a, ein effizienter Neubau der Klasse A dagegen nur rund 50 kWh/m2a. Da in vielen Effizienzhäusern mit strombetriebenen Wärmepumpen gearbeitet wird, steigt dafür mit sinkendem Wärmeverbrauch der Stromverbrauch im Haus. Wie stark, zeigt die Grafik.

 

Wann der Energieausweis vorzulegen ist. 

Bei einer Wohnungs- oder Hausbesichtigung sind die Personen, die das Objekt vermieten, verkaufen oder vermitteln, dazu verpflichtet, den Energieausweis vorzulegen oder sichtbar auszuhängen. Auch Makler:innen. Und zwar ausgedruckt, nicht irgendwie auf dem Handy oder so. Der Ausweis muss auch dann vorgezeigt werden, wenn niemand danach fragt. Und wenn es keine Wohnungsbesichtigung gibt? Dann müssen Interessierte trotzdem die Möglichkeit haben, den Ausweis zu Gesicht zu bekommen. Und zwar alle Seiten.

 

Wann kein Energieausweis nötig ist. 

Wenn du in deinem eigenen Haus wohnst und dieses nicht vermietest, brauchst du für dich selbst keinen Energieausweis erstellen lassen. Erst wenn du es verkaufen oder vermieten möchtest, wird die Sache zur Pflicht. Wenn du schon lange in einer Mietwohnung lebst, hast du zwischendrin keinen Anspruch, den Energieausweis zu sehen. Und dann gibt es Bauten, die gar nicht oder so unregelmäßig beheizt werden, dass sie aus der Energieausweispflicht fallen. Dazu zählen zum Beispiel denkmalgeschützte Gebäude, Mini-Gebäude mit einer Nutzfläche unter 50 m2, Ferienhäuser oder Gewächshäuser.

 

Energieausweis erstellen lassen.

Energieausweise können Bauherr:innen oder Eigentümer:innen von Planer:innen und Architekt:innen bekommen. Nicht nur bei einem Neubau, sondern auch nach einer umfassenden Sanierung. Denn dann gehört das Gebäude zu einer besseren Effizienzklasse und wird entsprechend den Vorgaben des Gebäudeenergiegesetzes (GEG) neu energetisch bilanziert. 

Ein typisches Beispiel ist auch, dass Personen das Haus ihrer Eltern erben und verkaufen wollen. Dann müssen sie einen Energieausweis für dieses Gebäude erstellen lassen. Berechtigt sind Architekt:innen, Ingenieur:innen, Handwerker:innen oder Techniker:innen, die eine entsprechende Qualifizierung zur Erstellung des Energieausweises nachweisen können. Der Verbrauchsausweis kostet etwa bis 100 Euro, die Erstellung von Bedarfsausweisen ist dagegen aufwändiger und kann zwischen 150 bis 1.000 Euro kosten.

Wenn du nur kleinere Maßnahmen, zum Beispiel eine Fenstererneuerung durchführst, brauchst du übrigens nicht gleich einen neuen Energieausweis erstellen lassen. Auch nicht, wenn du für die Maßnahme eine Förderung durch die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) beantragen willst.

 

Die richtigen Fragen bei der Haus- und Wohnungsbesichtigung.

Bei einer Wohnungs- oder Hausbesichtigung ist der Energieausweis wichtig. Aber nicht alles. Eine bessere Einschätzung zum energetischen Stand des Gebäudes erhältst du, wenn du fragst: 

• wann und ob die Außenwände oder Keller- und oberste Geschossdecke bereits gedämmt wurden.

• ob die Heizung saniert wurde – oder wann eine Sanierung ansteht.

• ob die Türen und Fenster winddicht sind

• ob die Wohnung zu einem großen Teil an unbeheizte Flächen angrenzt.

• ob der Heizenergieverbrauch früherer Bewohner:innen hoch war.

Klar ist auch: Ein Gebäude kann immer nur so klimafreundlich sein, wie seine Bewohner:innen. Und da kannst du wirklich etwas tun. Schon mit einfachen Strom- und Heizspartipps lässt sich dein Energieverbrauch spürbar senken. Und mit Wirklich Ökostrom und Wirklich Ökogas von Polarstern sorgst du dafür, dass in deiner Wohnung oder einem Haus kein CO2 für Energie anfällt. Mit beidem kannst du deinen CO2-Fußabdruck bis zu einem Viertel reduzieren, und: Es ist viel günstiger, als du denkst. 

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So liest du den Energieausweis.

 

Auf Seite 1 

erfährst du unter anderem, was das Haus für ein Gebäudetyp ist, wann es gebaut wurde und welcher Energieträger eingesetzt wird. Außerdem ist vermerkt, ob der Anlass zur Erstellung des Ausweises eine Neuvermietung, ein Verkauf, eine Modernisierung oder ein Neubau war. Auf der ersten Seite erfährst du auch, ob es sich um einen Verbrauchs- oder Bedarfsausweis handelt und wer die Daten erhoben hat: der:die Eigentümer:in selbst – oder eine externe Beratung.

 

 

Die Seite 2 

ist ausgefüllt, wenn der Energieausweis nach der Bedarfsrechnung erstellt wurde. Hier wird der Primär- und Endenergiebedarf des Gebäudes in Kilowattstunden pro Quadratmeter und Jahr vermerkt. Je geringer der Energiebedarf, desto höher sind Energieeffizienz und Klimafreundlichkeit des Gebäudes. Mit dem neuen Gebäudeenergiegesetz (GEG), das am 1. November 2020 in Kraft getreten ist, wird auch der CO2-Ausstoß pro Quadratmeter und Jahr eingetragen. Außerdem erfährst du, ob und wie viel erneuerbare Energie zum Wärme- und Kältebedarf im Haus genutzt wird. Und du erfährst etwas über die energetische Qualität der Gebäudehülle. Je kleiner der Wert, desto besser ist der Wärmeschutz von Außenwänden, Decken und Fenstern.

 

Die Seite 3 

wird ausgefüllt, wenn der Energieausweis nach der Verbrauchsrechnung erstellt wurde. Auch hier wird der End- und Primärenergieverbrauch eingetragen, und das Gebäude entsprechend einer Effizienzskala zugeordnet. Der größte Unterschied zum Bedarfsausweis ist, dass hier die Heizungs- und Warmwasserverbräuche der letzten drei Jahre eingetragen werden. Die Anteile von Warmwasser und Heizung sind dabei separat aufgeführt. Der Endenergieverbrauch wird auf der Basis der Abrechnungen von Heiz- und Warmwasserkosten und anderen Verbrauchsdaten ermittelt. Beim Energieverbrauch für die Heizung werden lokale Wetterdaten und Klimafaktoren berücksichtigt, damit nicht ein besonders harter oder besonders milder Winter die Effizienzbeurteilung des Gebäudes verzerrt.

 

Auf Seite 4 

des Energieausweises sind die Modernisierungsempfehlungen eingetragen. Typische Empfehlungen sind zum Beispiel die Dämmungen oder eine Modernisierung der Heiztechnik. Zusätzlich können die geschätzte Amortisationszeit und die geschätzten Kosten pro eingesparte Kilowattstunde Endenergie eingetragen werden. Die Modernisierungsempfehlungen bedeuten übrigens nicht, dass Eigentümer:innen diese auch umsetzen müssen.

 

Auf Seite 5

werden alle wichtigen Begriffe der Seiten 1 bis 4 erläutert. So wird der Energieausweis auch transparent, wenn man nicht tief im Energiethema drinsteckt.

Michael | Team Wirklich

E-Mail: [email protected]

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