Computerspiele öffnen Welten. Aber sie benötigen dafür eine Menge Strom. Während der gesellschaftliche Stellenwert des Gamings wächst, steigt auch der Strombedarf und seine Wirkung aufs Klima. Was Gamer tun können, um ihren CO2-Score zu senken.

von Michael

 

Computerspieler: Es gibt mehr, als du denkst.

Computerspiele sind insofern eine Parallelwelt, weil Nichtspieler gar nicht ahnen, welchen Stellenwert das Gaming eigentlich hat. 34 Millionen Deutsche spielen laut statista regelmäßig Computerspiele, und es sind längst nicht nur die Jüngeren, wie man wie man intuitiv unterstellen würde. Der deutsche Durchschnittsspieler ist 37 Jahre alt, 15 % der Spieler sind mindestens 61 Jahre.

Die Sichtbarkeit des Spielens bleibt lediglich verborgen, weil Computerschlachten vorzugsweise zu Hause ausgefochten werden. Niemand brüllt dir in der U-Bahn die Namen der E-Sport-Stars ins Ohr, wie man es von Fußballfans gewöhnt ist. Es ist ein vergleichsweiser unauffälliger Sport. Selbst große Action dringt kaum hörbar aus dem Zimmer nach draußen.

 

Computerspiele: Stromverbrauch und Kosten.

Auffällig ist dagegen der Stromverbrauch dieser Action. Allein in Kalifornien gehen laut Lawrence Berkeley National Laboratory, kurz Berkely Lab,  5 % des Stromverbrauchs für Computerspiele drauf. 2016 verzockten dort die Gamer-Haushalte 4,1 Milliarden Kilowattstunden Strom, für den sie 700 Millionen Dollar ausgaben und 1,5 Millionen Tonnen CO2 verursachten. Insgesamt sollen sich die Energiekosten für Computerspiele in den USA auf insgesamt 5 Milliarden Dollar pro Jahr belaufen. 

 

Gaming: durchschnittliche Stromkosten in Deutschland.

Hierzulande gibt ein Spieler, der täglich vier Stunden mit einem Gaming-Computer spielt, laut Bundeswirtschaftsministerium zwischen 135 und 170 Euro im Jahr für Strom aus, mit einem Gaming-Laptop zwischen 100 und 127 Euro. Wie hoch der Stromverbrauch fürs Gamen im Einzelfall ausfällt, kommt immer darauf an, welches Spiel, auf welchem Medium, wie oft gespielt wird.

 

Computerspiel-Stromverbrauch: Wie du ihn berechnest.

Finde die Leistung deiner Konsole oder deines Gaming-Computers im Web heraus und rechne diese in Kilowattstunden um. Beispiel: Hat dein Gerät eine Leistung von 400 Watt, verbraucht es bei einer Stunde Spielzeit 0,4 Kilowattstunden (kWh) Strom. Überleg dir, wie viel du am Tag spielst. Eine Stunde? Dann rechnest du 0,4 kWh * 365 Tage * mal 0,308 Cent – laut Bundesnetzagentur ist dies der derzeit durchschnittliche Preis für eine Kilowattstunde Strom. Eine Stunde täglich kostet dich also rund 45 Euro im Jahr. Du spielst zwei Stunden am Tag? Dann sind es 0,8 kWh * 365 Tage * 0,308 Cent, also knapp 90 Euro im Jahr. Wenn du genau wissen willst, wie viel du eigentlich spielst, kannst du dir ein Strommessgerät ausleihen oder dir einen smarten Stecker zulegen.

Mehr über smarte Stecker erfahren

 

Warum der Stromverbrauch von Computerspielen zunimmt.

Wachsende Relevanz von E-Sport und Cloud-Games. 

In der Gesamtheit dürfte der Stromverbrauch von Computerspielen weiter zunehmen. Nicht nur weil der E-Sport wächst und eine wachsende Gamer-Gefolgschaft nach sich zieht, sondern ebenso weil die technische Entwicklung auch Gelegenheitsspielern erlaubt, High-End-Games zu spielen, ohne dass sie sich teures Equipment zulegen müssen. Sogenannte Cloud-Games laufen nicht lokal auf einer Konsole oder einem Gaming-PC, sondern werden gestreamt und zu Flatrates angeboten. Weil ein Download nicht erforderlich ist, können Top-Spiele auch auf Smartphones und Tablets gespielt werden. Diese Spiele sind jedoch energieintensiv. 

 

Lockdown: Zunahme von Cloud-Games um 50 %.

Laut den Forschern des Berkeley Labs kann der Stromverbrauch eines Cloud-Games auf einem Desktop-PC 40 % bis 60 % mehr Strom verbrauchen, auf Laptops 120 % bis 300 % mehr und auf Konsolen 30 % bis 200 % mehr. Die enormen externen Folgen sind da nicht nicht einmal berücksichtigt. Dabei erreicht der Stromverbrauch in den Rechenzentren  krasse Höhen. Laut Borderstep-Institut für Innovation und Nachhaltigkeit ist der Stromverbrauch in den Rechenzentren von 2010 bis 2017 bereits um rund ein Viertel gestiegen. Die deutschen Rechenzentren verbrauchen rund 9,1 Milliarden Kilowattstunden Strom im Jahr, wie aus einem Papier des Deutschen Bundestags hervorgeht. Das Fraunhofer- und das Boderstep Institut schätzen, dass der Energiebedarf der Rechenzentren bis zum Jahr 2025 auf rund 16,4 Milliarden kWh ansteigen wird. 2015 lag er noch bei 12 Milliarden kWh. 

Welchen Einfluss Games dabei in Zukunft nehmen, muss sich erst zeigen. Seit dem Lockdown verzeichnet DE-CIX, der größte Netzknoten der Welt, aber bereits eine Zunahme in der Nutzung von Online- und Cloud-Games um 50 %. Viele Gamer haben mehr Zeit, andere Nutzer kommen vielleicht gerade auf den Geschmack. 

Mehr über den Stromverbrauch im Internet

 

Klimaschutz: Strom und CO2 sparen beim Computerspielen.

Hinter dem Stromverbrauch steht natürlich immer auch die Frage nach der Klima- und Umweltbelastung. Zwar ist auch in der Gaming-Welt Klimaschutz ein Thema, allerdings noch nicht so zwingend, dass man deshalb gleich die Prinzessin aus dem Castle retten müsste. Zu den Wissenschaftlern (und Gamern), die mehr Bewusstsein für den Einfluss des Gamings auf das Klima schaffen wollen, gehören Evan und Nathaniel Mills vom Berkely Lab. Mit der Unterstützung von Kollegen haben die beiden Wissenschaftler zwei Studien zum Stromverbrauch von Gaming-PCs und Konsolen veröffentlicht. Aus ihrer Forschung leiten sie auch ab, welche Energiemaßnahmen am effektivsten sind und wie Gamer auch in der realen Welt mehr zum Hero werden können. 

Für viele Fans dürfte es ohnehin zum Selbstverständnis gehören, ihr Setup so zu tunen, dass sie das beste Erlebnis mit dem geringsten Energieaufwand erzielen. Wer unter den 34 Millionen Spielern in Deutschland eher zur Sorte Ich-will-einfach-nur-spielen-Fraktion gehört, kann sich diese Tipps aus dem Berkeley Lab abspeichern. 

 

1. Ausschalten.

Schalte das Gerät wirklich aus. Auch nach den Berkeley-Studien ist dies immer noch die effektivste Energiesparmaßnahme, die du machen kannst. Klar ist auch: Bei Computerspielen ist Ausschalten manchmal einfacher gesagt als getan. Oft muss man erst ein bestimmtes Level erreichen, um das Spiel überhaupt speichern zu dürfen. Dann bleibt das Gerät manchmal über Stunden eingeschaltet. Aber auf Pause und im Ruhezustand ziehen die Geräte immer noch viel Strom. Bei manchen Konsolen gibt es im Player- und Ruhemodus praktisch keinen Unterschied beim Stromverbrauch.

Die besten und einfachsten Stromspartipps

 

2. Komponenten nach Bedarf wählen. 

Entscheide dich für ein Gerät, das zu dir passt. Im Berkeley Lab wurde der Stromverbrauch des Online-Spiels Skyrim auf 26 unterschiedlichen Geräten untersucht. Das energieintensivste Gerät zog zwanzigmal mehr Strom als das Gerät mit dem geringsten Verbrauch. Desktop-Computer ziehen meistens wesentlich mehr Strom als Konsolen, wohingegen Laptops im Schnitt wesentlich weniger verbrauchen. 

 

3. Wahl des Bildschirms.

Wähle ein Bildschirm mit einer hohen Effizienzklasse und einen, der deinen Ansprüchen genügt. Manche Monitore verbrauchen mehr Strom als das System selbst. So mag etwa eine Konsole weniger Strom verbrauchen als ein High-End-PC, verknüpft man sie aber mit einem LCD-Bildschirm, nicht. Laut Lawrence Berkeley National Laboratory können zum Beispiel 4K-Monitore den Stromverbrauch um 50 % steigern. 

 

4. Shaders ausschalten.  

Shader sorgen für realistischere Grafikerlebnisse, steigern den Stromverbrauch bei Spielen wie Minecraft aber um 36 %, wie die Wissenschaftler aus Berkeley herausfanden. Auch das Übertakten von Prozessoren verbrauchte bis zu 40 % mehr Saft. Wer das System nicht in den Ruhezustand schicken kann oder will, sollte immerhin den Monitor ausschalten, wenn gerade nicht gespielt wird, so die Empfehlung.

 

5. Besser investieren.

Besonders günstige Prozessoren oder Grafikkarten können auf Dauer teurer werden, denn sie verbrauchen mehr Strom als energieeffiziente Komponenten mit höherem Kaufpreis. Das Geld, das du beim Kauf gespart hast, ist bei langfristiger Nutzung relativ schnell verzockt. In den Berkeley-Studien verbrauchten effiziente Geräte rund 50 % weniger Strom als durchschnittliche Ware, wobei die Autoren offenlassen, was unter durchschnittlich zu verstehen ist. 

 

6. Netzteile. 

Netzteil und Gaming-System müssen zusammenpassen. Das Netzteil sollte die Last des Gaming-PCs auf Dauer packen, nicht nur in der Spitze. Andersrum braucht es kein überdimensioniertes Netzteil für ein Durchschnittssystem. Effiziente Netzteile sparen laut der Berkely-Lab-Studie bis zu 13 % Strom.

 

7. Bildfrequenz. 

Softwarelösungen wie Radeon Chill helfen, die Bildfrequenz runterzuregeln, wenn sie nicht benötigt wird, ohne dass das Spielevergnügen dadurch eingeschränkt wird. Auch das spart Strom. Auch sind manche Spiele sehr energieintensiv. So kritisieren etwa die Wissenschaftler aus Berkeley, dass einige Games mit Effizienzlabels gekennzeichnet sein müssten, wie man es auch von technischen Geräten gewohnt ist.

 

Delete: CO2. Save: The Planet.

Den Stromverbrauch beim Gaming senken, braucht Fingerspitzengefühl, CO2 senken nicht. Wirklich nachhaltig erzeugter Ökostrom ist so etwas wie das Bonus-Level beim Gamen. Der Wechsel dauert wenige Minuten, deinen CO2-Fußabdruck für deinen Stromverbrauch setzt du aber praktisch auf 0. Und dann: gleich für den kompletten Haushalt! Mit unserem Tarifrechner kannst du gleich ausrechnen, wie viel CO2 du pro Jahr loswirst. Press Button!  

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