„Welche Netflix-Serie schaust du gerade?“ – heute eine ganz selbstverständliche Frage. Streaming ist ein Teil unseres Lebens, genauso wie die alltägliche Nutzung von Google und Facebook. Aufgrund der aktuellen Lage sogar mehr denn je. Jährlich steigt der indirekte Stromverbrauch in den Rechenzentren. Dabei können wir auch hier klimabewusst handeln. Und das ist sogar recht einfach. Wir haben 12 Tipps für dich.

von Tabatha

 

7-mal höherer Stromverbrauch durch unsere Internetnutzung.

Dass für jede Suchanfrage, jede gestreamte Folge und jeden Anruf über FaceTime Strom verbraucht wird, vergisst man schnell mal. Man sieht und spürt es ja auch nicht. Die Server, über die das alles funktioniert, laufen jedoch nonstop und speichern jede Menge Daten. Nicht nur die Server selbst, auch die Kühlung der Serverräume erfordert Strom. Wäre das Internet ein Land, wäre es eines der größten Stromverbraucher der Welt.

 

 

Energieverbrauch IT
Schon 2014 war der weltweite Energieverbrauch im IT-Sektor höher als der einiger Länder; Quelle: Greenpeace

 

Durch immer mehr internetfähige Geräte und immer höherer Nutzungszeiten steigt der Verbrauch – weniger bei uns zuhause, sondern vielmehr vor allem in den Rechenzentren dieser Welt. Während 2014 weltweit jeden Monat 40 Exabyte (Das ist in etwa so viel wie 320 Millionen Smartphones mit 128 GB Speicher) an Daten über das Internet geflossen sind, waren es 2019 bereits dreieinhalb Mal so viel (140 Exabyte). Bis 2022 soll sich das laut Statista nochmal verdoppeln auf 270 Exabyte. Ein Ende dieser Entwicklung ist nicht in Sicht.

 

 

Entwicklung des Datenvolumens
Prognose zum Datenvolumen des Internet-Traffics im Festnetz weltweit in den Jahren 2014 bis 2022, Quelle: statista

 

Der Anstieg bleibt nicht ohne Folgen. Die französische Umweltinitiative „The Shift Project“ zeigt in einer 2019 veröffentlichten Studie, dass digitale Technologien für 3,7 % der weltweiten Treibhausgasemissionen verantwortlich sind. 1 % sind es allein durch Streaming.

 

 

Anteile des Datenverkehrs im Internet
Video-Content ist zu einem Großteil für das hohe Datenvolumen verantwortlich, Quelle: Statista

 

Für Deutschland hat das Borderstep-Institut den steigenden Energieverbrauch von Servern und Rechenzentren ermittelt: Er stieg zwischen 2010 und 2017 um rund ein Viertel von 10,5 Milliarden kWh auf 13,2 Milliarden kWh. Experte Ralph Hintermann vom Borderstep Institut geht davon aus, dass weltweit durch das Internet so viele CO2-Emissionen verursacht werden, wie durch den Flugverkehr und „die Prognosen sagen, dass wir in fünf oder sechs Jahren nochmals 25 % mehr im Internet brauchen“.

Diese Entwicklung wird vor allem von Cloud- und Streamingdiensten sowie Online-Gaming und neuesten KI-Anwendungen getrieben. Das bedeutet nicht, dass du dein Netflix-Abo kündigen und wieder wie vor 50 Jahren leben musst. Aber du solltest dich mit dem Thema befassen. Es gibt einige einfache Maßnahmen, wie du die Umwelt auch beim Surfen im Internet entlastest. Wir haben sie dir weiter unten zusammengestellt. Zusätzlich müssen natürlich auch die Internetfirmen selbst mehr tun, etwa Ökostrom in ihren Rechenzentren nutzen.

 

Nicht jeder Cloud- und Streaming-Dienst ist gleichermaßen klimaschädlich.

Besonders Cloud-Dienste und Streaming verursachen hohe Datenmengen und benötigen viel Speicherkapazitäten. Videostreaming-Dienste wie Netflix sorgen laut „The Shift Project“ für so viel Emissionen wie das gesamte Land Chile.

Serienjunkies können also von der eigenen Couch aus durchaus einen hohen CO2-Ausstoß verursachen. Das britische Vergleichsportal “Save on Energy” hat sich die Werte beliebter Netflix-Serien genauer angesehen. Kombiniert mit den Zahlen zum deutschen PKW-Verkehr zeigt sich, dass allein das Streamen der beliebten Serie “Stranger Things” von insgesamt 64 Millionen Menschen die gleiche Menge CO2 verursacht wie etwa 56.700 deutsche Autofahrer pro Jahr.

Wie schlimm ist das nun? Greenpeace hat zur klimabewussten Bewertung der Internetangebote in seinem „Grüner Klicken Report“ (2017) einen „Clean Energy Index“ berechnet. Er besagt, wie groß der Anteil erneuerbarer Energien am Stromverbrauch der Internetdienstanbieter ist. Bei den Musikplattformen schneidet iTunes gut ab, während Spotify und Soundcloud hinterherhinken. Im Bereich Video liegt YouTube weit vorne, dahinter folgen Amazon Prime und Netflix.

Insbesondere die Gaming-Industrie sorgt heute für einen hohen Stromverbrauch im Internet. Mehr darüber findest du hier:

>>> So viel Strom verbrauchst du durch Gaming.

 

Diese 12 Tipps entlasten die Umwelt beim Surfen, Streaming, Mailen & Co.

Mit deiner Internet- und Computernutzung hast du einen viel größeren Einfluss auf die Treibhausgasemissionen als du denkst. Unsere Tipps sind einfach, aber wirksam.

 

1) Achte auf Ökostrom – zuhause und online.

Du solltest dich informieren, welche Unternehmen in ihren Rechenzentren Ökostrom nutzen. YouTube beispielsweise setzt zum Großteil auf Ökostrom aus erneuerbaren Energien. Eine gute Orientierung bietet dir die “Clicking Green”-Studie von Greenpeace, ab Seite 8.

Den Stromverbrauch bei dir zuhause kannst du mit energieeffizienten Geräten und einem energiebewussten Verhalten verringern. Mehr dazu liest du hier weiter unten im Artikel. Gleichzeitig ist natürlich auch bei dir zuhause wichtig, woher die Energie kommt. Setze stets auf echten Ökostrom.

>>> Bei Polarstern gibt´s nur Strom aus 100 % erneuerbaren Quellen.

 

2) Setz bei Suchmaschine & Co. auf klimafreundliche Anbieter.

Ein wichtiger Punkt ist hier der Umstieg auf grüne Anbieter, die die benötigte Energie kompensieren. Das geht bei Suchmaschinen, Mailprogrammen und Co. Die Suchmaschine Ecosia nutzt beispielsweise Ökostrom für ihre Rechenzentren und kompensiert alle Treibhausgasemissionen. 
 

3) Vermeide hohen Datenverkehr per Mail.

“Ich schick dir noch eine E-Mail dazu.” – gerade im Büro ein Klassiker. Doch umweltfreundlicher – und auch angenehmer – ist meist der persönliche Austausch. Das vermeidet auch Missverständnisse zwischen Kollegen. Wenn du Dateien per Mail verschicken musst, mach das am besten nicht als Anhang (denn dafür geht viel Speicher drauf), sondern über einen Hyperlink.

Sogar das Löschen von E-Mails kann einen Beitrag leisten. Es reduziert den benötigten Speicherplatz auf den Servern. In einem Experiment von „Galileo“ konnte das Löschen von insgesamt 300.000 E-Mails ganze 50 Gigabyte Festplattenkapazität auf den Servern frei machen. Also: Postfach aufräumen und leeren!

 

4) Achte auf energiesparende Hardware.

Wie hoch der Stromverbrauch deines Gerätes ist, hängt von Faktoren wie der Bildschirmgröße, der Grafikkarte, des Speichers etc. ab. Achte beim Kauf auf die Energieeffizienz (z.B. durch Siegel) und die Haltbarkeit des Gerätes. Eine lange Nutzungszeit macht die Hardware nachhaltiger, da besonders die Herstellung viel Energie kostet.

>>> Wann sich der Neukauf eines energieeffizienten Gerätes lohnt.

 

5) Gönn deinen Geräten eine Pause.

Der Router wird höchstens mal kurz ausgeschaltet, wenn das Internet Probleme macht? Umweltfreundlicher ist es, ihn zum Beispiel nachts ganz auszuschalten. Auch Laptop & Co. solltest du regelmäßig komplett herunterfahren und nicht konstant im Standby laufen lassen. Das entlastet nicht nur die Umwelt, sondern auch das Gerät.

 

6) Steig auf kleinere Bildschirme um.

Je größer der Bildschirm, je höher der Energieverbrauch – sowohl in der Herstellung als auch bei der Nutzung. Überlege deshalb, ob du manche Videos nicht auch auf dem kleineren Screen schauen kannst.

 

7) Fahr die Videoqualität herunter.

Es muss nicht immer HD sein. Wirklich. Dass du bei YouTube einstellen kannst, wie hoch die Qualität des Videos ist, weißt du bestimmt. Doch das geht auch bei Netflix. Gehe dazu einfach auf dein Profil und klicke dort auf “Wiedergabe-Einstellungen”. Hier kannst du auswählen wie hoch die Qualität sein soll und siehst sogar, wie hoch der Datenverbrauch dabei ist:

 

 

Netflix Videoqualität einstellen
Stell ruhig mal die Videoqualität etwas niedriger ein als sonst.

 

8) Nutze Energiesparfunktionen.

Laptop, Monitor und Co. haben normalerweise Energiespar-Einstellungen. Dazu gehört beispielsweise die Regelung der Helligkeit (sehr helle Bildschirme tun deinen Augen auch nicht gut, also ein doppelter Gewinn!) und das automatische Aktivieren des Ruhezustands.

 

9) Verzichte auf einen Bildschirmschoner.

Irgendwie sind Bildschirmschoner inzwischen schon fast “retro”. Doch sie machen auch einen Unterschied beim Energieverbrauch. Nachhaltiger ist es deshalb, wenn der Bildschirm einfach dunkel bleibt.

 

10) Reduziere die Nutzung mobiler Daten.

Hast du gewusst, dass die Übertragung von Daten über eine Mobilfunkverbindung mehr Energie verbraucht als über einen stationären Anschluss? Setz deshalb, wenn möglich, auf WLAN oder LAN.

 

11) Steck Ladegeräte ab.

Nimm deine Ladegeräte von der Steckdose, wenn Laptop & Co. ausreichend geladen sind. Angeschlossen ziehen sie nach wie vor Strom.

 

12) Behalte deinen Verbrauch im Blick.

Ein guter Tipp, wenn du wissen möchtest, ob du viel zum indirekten Stromverbrauch im Internet beiträgst: Der „Carbonalyser“ ist eine Browser-Erweiterung von „The Shift Project“, die anzeigt, wie viele CO2-Emissionen das eigene Surfen verursacht. Wenn du die Nutzungszeit bestimmter Apps im Blick behalten willst, geht auch das. Bei Instagram kannst du beispielsweise ein tägliches Zeitlimit aktivieren, an das die App dich erinnert.

 

 

Was Anbieter tun können, um das Internet “grüner” zu machen.

Der Einsatz erneuerbarer Energien spielt auf Seite der Anbieter eine entscheidende Rolle. Google ist laut eigener Aussage bereits klimaneutral und deckt seinen Strombedarf zu 100 % aus erneuerbaren Quellen. Der Tech-Gigant Microsoft hat sogar verkündet, „CO2-negativ“ werden zu wollen, also über Ausgleichsprogramme mehr CO2 zu kompensieren, als das Unternehmen selbst produziert. Wie viele Internetunternehmen setzt auch Microsoft beim Umstieg auf erneuerbare Energie auf sogenannte Power Purchase Agreements (PPAs). Ein PPA ist ein langfristiger Direktstromvertrag, den Unternehmen direkt mit dem Strom erzeugenden Unternehmen abschließen.

Die eingesetzte Energie sollte natürlich möglichst effizient genutzt werden. Rechenzentren können zum Beispiel die Abwärme ihrer Server nutzen, um Gebäude zu heizen. Auch können sie moderne Technik mit geringem Kühlbedarf einsetzen und auf eine effiziente Auslastung ihrer Server achten.

Klimapotenziale bei Software-Herstellern.

Experten wie der Informatikprofessor Andreas Winter gehen davon aus, dass sich durch eine bessere Programmierung die Hälfte des Stromverbrauchs sparen lässt. 

Auch das Umweltbundesamt hat 2018 in einer Studie die Umweltauswirkung verschiedener Softwareprodukte untersucht. Dabei zeigt sich, dass die Unterschiede bei Software mit der gleichen Funktionalität oft sehr groß sind. Bald soll es daher den „blauen Engel“ für ressourceneffiziente Software geben – das Label zeichnet bislang nachhaltige Elektrogeräte aus.

 

Warum Ökostrom so eine wichtige Rolle spielt.

Damit die Energiewende weltweit gelingt, müssen erneuerbare Energien ausgebaut werden. Deshalb ist der Wechsel zu Ökostrom so wichtig, insbesondere wenn – wie bei Polarstern – der Anbieter den Ausbau erneuerbarer Energien stärker unterstützt als es gesetzlich durch das EEG vorgeschrieben ist. Denn das das nicht mehr ausreicht, ist klar.

>>> Woher unsere Energie zukünftig kommt.

Gerade bei großen Rechenzentren ist der Umstieg auf regenerative Quellen ein wichtiger Schritt. Auf sie verzichten, werden wir immer weniger können. Umso wichtiger ist es deshalb, effiziente Technik zu nutzen und konsequent echten Ökostrom zu beziehen.

Das gilt für die Unternehmen, genauso wie für dich zuhause: Mit deinem Wechsel zu einem Ökostromanbieter förderst du Energie aus regenerativen Quellen und sorgst dafür, dass fossile Quellen vom Markt verdrängt werden. Bei Polarstern unterstützen wir zudem den Ausbau erneuerbarer Energie – nicht nur hier in Deutschland, sondern auch weltweit.

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