Tiny House

Der Klimaschutz zieht auch in die neuen Häuser ein. Wir werden in Zukunft anders wohnen – aber genauso glücklich und gemütlich. Zum Beispiel in der Gemeinschaft oder einem Gartenhaus XXL. Hier sind 5 Wohntrends, die Klimaschutz und Wohnkomfort verbinden.

von Michael

Warum das Einfamilienhaus ausgedient hat.  

War das schon wieder eine Aufregung. Anfang 2021 hatte der Bezirk Hamburg Nord beschlossen, keine neuen Einfamilienhäuser auf Neubau-Grundstücken zu bauen. Der Rest der Republik hörte: Eigentum wird verboten, Familien aus ihren Häusern geschmissen – der Traum vom Eigenheim für immer geplatzt. So ist es natürlich nicht: Rund um den Bezirk werden weiterhin Eigenheime gebaut. Wie eh und je, und wie überall im Land.

Doch selbst wenn es noch Platz für neue Einfamilienhäuser gibt, muss man sich doch mit der Frage beschäftigen, ob sie wirklich überall reinpassen. Vor allem in die Zeit. In einem urbanen Bezirk wie etwa Hamburg Nord, in denen das Gemeinwohl ohnehin schon unter Naherholungs- und Wohnungsmangel und zu hohen Mieten ächzt, beruhigt der Bau von Einfamilienhäusern nicht unbedingt die Lage. Mehrparteiengebäude entspannen den Markt und schützen die rare Erholungsfläche. 

Hoher Ressourcenverbrauch für wenig Nutzen.

Das Hauptproblem neuer Einfamilienhäuser ist aber noch ein anderes. Der Ressourcenverbrauch und Energieaufwand ist im Vergleich zu einem neuen Mehrparteiengebäude viel höher. Dabei schluckt jetzt schon kein anderer Sektor so viele Ressourcen wie der Bau- und Gebäudesektor. Allein die Zementindustrie verursacht laut WWF 8 % der weltweiten CO2-Emissionen. Insgesamt verursacht der Bau- und Gebäudesektor laut UN 38 % der gesamten Emissionen. Auch der Bau eines Einfamilienhauses zieht eine neue Infrastruktur nach sich, die eigentlich eine Schneise der Verwüstung ist. Man braucht wieder ein Stückchen Straße, noch eine Einfahrt, noch ein Parkplatz. Alles, was an so einem Haus eben dranhängt. Dafür geht immer ein Stückchen Natur und Biodiversität verloren. Und in der Summe ist das richtig viel. Laut Bundesumweltministerium werden jeden Tag in Deutschland rund 52 Hektar als Siedlungs- und Verkehrsflächen neu ausgewiesen. Das entspricht etwa 73 Fußballfeldern. 

In Zeiten der Klimakrise können wir uns so eine Verschwendung von Natur und Ressourcen nicht mehr leisten. Das klassische Haus, in dem sich die Waltons abends gute Nacht sagen, wird nicht aussterben. Und trotzdem brauchen wir neue Strategien für ein ressourcen- und klimabewusstes Wohnen. Und dafür muss man das Konzept des Einfamilienhauses nicht einmal verwerfen.

1. Kleiner Raum, viel Komfort.

Ein wichtiger Schritt hin zu einem klimafreundlichen Wohnen ist die Reduzierung des Wohnraums. Das klingt brutaler, als es ist. In einem Haus braucht man das eine oder andere Zimmer so wenig wie die fünfte Hühnerkeule beim All-You-Can-Eat. Typisches Beispiel: Die erwachsenen Kinder verlassen das Nest, zurück bleiben ihre Zimmer, die höchstens noch einmal betreten werden, wenn man den:die neue:n Partner:in zu den Eltern mitbringt. In der Zwischenzeit sind die ungenutzten Räume vor allem eine energetische und finanzielle Belastung.

Tiny Houses. 

Wer sich richtig verkleinern will, zieht gleich in ein Tiny House. Das sind, Überraschung, kleine Häuser. Im Baugesetz der USA, wo der Begriff herkommt, wird ein Tiny House als ein bis zu 37 Quadratmeter großes Haus beschrieben. Dort gab es nach der Finanzkrise von 2008 einen regelrechten Boom. Aber auch in Europa werden Tiny Houses beliebter. Weniger als Folge einer finanziellen Krise, sondern weil immer mehr Menschen wirklich den Wunsch haben, Ballast abzuwerfen. Im Tiny House ist einfach kein Platz mehr für alte Skianzüge, Sandwichmaker oder Coladosensammlungen aus der Kindheit.

Tiny House von innen

Weniger Raum, weniger Ressourcen.

Und gerade deshalb sind Tiny Houses aus einer Klima- und Ressourcenschutzperspektive tatsächlich sinnvoll. Wer seinen Wohnraum verkleinert, muss auch seinen Konsum reduzieren. Das spart jede Menge Treibhausgase, die andernfalls für die Produktion des ganzen Krimskrams angefallen wären, mit dem man sich sonst so umgibt. Der Materialeinsatz ist bei einem Tiny House gering, und am häufigsten wird Holz verarbeitet. Im Gegensatz zum üblichen Mauerwerk, ist in Holz Kohlenstoff gebunden. Laut Umweltbundesamt bindet ein Kubikmeter Bauholz bereits bis zu 766 Kilogramm CO2. Wohingegen die Produktion eines Kubikmeters Mauerziegel schon 138 Kilogramm CO2 verursacht. Außer beim Transport fällt beim Holz fällt praktisch kein CO2 an. Klar ist auch: Nur aus nachhaltiger Forstwirtschaft ist Holz auch klimafreundlich.

Logischerweise fällt in einem kleinen Haus der Energiebedarf niedriger aus. Pauschal kann man also sagen: Je kleiner ein Haus ist, desto kleiner ist auch sein CO2-Fußabdruck. Noch etwas: Für Tiny Houses, die man bei Bedarf an einen anderen Standort stellen kann, muss der Boden nicht versiegelt werden. Dadurch können immer noch Pflanzen wachsen, Wasser kann versickern und verdunsten.

Der Nachteil von kleinen Häusern ist, dass man schon sehr auf das Prinzip des intelligenten Stauraums stehen sollte, wenn man nicht bald unterm eigenen Sockenberg begraben werden möchte. Die Deutschen sind ohnehin mehr Platz gewöhnt. Laut Statistischem Bundesamt lebt der:die Durchschnittsdeutsche auf 47 Quadratmetern (1991 waren es noch 34,9); die typische Wohnung ist 91,9 Quadratmeter groß. Zu zweit kann da im Tiny House auch die Geduld schnell mal tiny werden.

Wir brauchen immer mehr Platz.

1991 34,9 m2
2001 39,8 m2
2019 47 m2

Quelle: Statistisches Bundesamt.

Kompakthäuser- und Modulhäuser.

Mehr Platz bieten Kompakthäuser. In ihrer Bauweise ähneln sie oft stark den Tiny Houses, bieten aber mehr Platz. Kompakthäuser sind immer genau auf eine bestimmte Personenzahl zugeschnitten. In der Modulhausvariante können weitere Räume einfach wie bei einem Stecksystem angebaut werden, falls sich die Familie oder Wohngemeinschaft doch noch vergrößert. Bei Bausystemen wie beispielsweise von Biber Bausystem kann ein Haus je nach Lebensabschnitt beliebig vergrößert und verkleinert werden – das Grundmodul ist 50 m2 groß. Kompakthäuser sind meist aus Holz gefertigt und dadurch klimafreundlicher als jedes neue Einfamilienhaus aus Beton. Kompakt-, Modul- und Tiny Houses haben zudem häufig eine Containerform und oft auch Platz für Solaranlagen. An der Fassade oder auf dem Flachdach kann Solarenergie für den Warmwasser- und Strombedarf erzeugt werden. Trotz geringerem Energiebedarf sollte man in einem Kompakthaus nicht den Überblick über seinen Strom- und Wärmeverbrauch verlieren. Denn Kompakthäuser stehen wie jedes Einfamilienhaus frei, und das zieht Energie.

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2. Der Fertigbaukasten. 

Apropos Modul: Laut Bundesverband Deutscher Fertigbau ist inzwischen jedes fünfte neue Einfamilienhaus in Deutschland ein Fertighaus. Der Absatz ist 2020 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum laut Bundesverband Deutscher Fertigbau (BDF) sogar um 11 % gestiegen. Für die Klimabilanz sind das gute Neuigkeiten, werden die meisten Fertighäuser auch aus Holz gefertigt. Weiterer Vorteil: Fertighäuser sind ein bisschen wie Lego, nur im 1:1-Maßstab. Es gibt keine langen Bauprozesse, keine unvorhergesehenen finanziellen Nachforderungen. Alle Einzelteile – Dach, Decken, Wände – werden auf dem Grundstück in wenigen Tagen zu einem Haus zusammengebaut. Und sind dann so gut wie bezugsfertig. 

3. Die neue Kommune.

Es ist möglich, den eigenen Wohnraum zu reduzieren und trotzdem die Vorzüge einer großen Küche oder eines Wohnzimmers zu genießen. Klingt paradox, ist aber eigentlich ganz logisch.

Collaborative Living. 

Beim Collaborate Living beziehungsweise Co-Housing wohnt jede:r Bewohner:in in der eigenen kleinen Wohnung, ist aber gleichzeitig Teil einer Hausgemeinschaft, die vom Dachgarten bis zum Gästezimmer alles miteinander teilt. Die eigene Wohnung ist bescheiden, der Gewinn in Form der Gemeinschaft und der finanziellen Freiheit ist groß. Und natürlich ist das Collaborate Living eine weitere Chance, den ökologischen Fußabdruck des Wohnbereichs zu verringern. Single-Haushalte haben in der Regel den höchsten Stromverbrauch pro Kopf. Da beim Co-Housing Küchen- und Unterhaltungsgeräte gemeinschaftlich genutzt werden, verteilt sich der Stromverbrauch wieder auf mehrere Köpfe. Zudem können Verkehrsmittel wie Autos und Fahrräder gemeinschaftlich genutzt werden.

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Co-Housing.

Wer mehr Platz braucht, zieht in ein Co-Housing-Quartier. Hier haben die Wohnungen eine übliche Größe. Doch man lebt in einem Quartier, in dem die Gemeinschaft gepflegt und gefördert wird. Man begegnet sich zum Beispiel im Café, im Eventraum, auf dem Sport- oder Spielplatz. Oft handelt es sich bei Co-Housing-Projekten um ein bestimmtes Bezahlmodell. Bewohner:innen zahlen anfangs einen festen Preis pro Quadratmeter der eigenen Wohnung.  Danach zahlt man nur noch Nebenkosten und Nutzgebühren für die Gemeinschaftsbereiche. Bei anderen Quartieren wie etwa das Le Flair in Düsseldorf. Hier gibt es helle Dreizimmerwohnungen, aber anders als in einem normalen Wohnhaus kann man hier Services wie Kinderbetreuung, Wäscheservice oder Haushaltshilfen dazubuchen. Auch Events wie Sommerfeste und Flohmärkte, und wenn mal Besuch kommt, kann man im Le Flair Gästezimmer reservieren. 

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4. Wohnen im Energiekraftwerk.

Ob Bauprojekte der Zukunft immer auch eine Gemeinschaft sind, kommt natürlich auch stark auf die Bedürfnisse der Bewohner:innen an. Als absoluter Voll-Grumpy sollte man vielleicht lieber alleine ins Tiny House ziehen. Was wohl für die meisten Gebäude der Zukunft gelten wird, ist dass sie auch immer Orte der Energieerzeugung sein werden. Die Nachfrage nach Solaranlagen ist bereits in Einfamilienhäusern stark angestiegen, und auch auf größeren Gebäuden wird die Installation von Photovoltaik- und Solarthermieanlagen zunehmend zum Standard. Will Deutschland seine Stromversorgung auf erneuerbare Energien umstellen, muss jede verfügbare Kapazität genutzt werden. 

Grafik zur Verbreitung von PV-Anlagen und Speichern.
PV-Anlagen und Speicher werden Standard. Gut so!

Wirklich Mieterstrom. 

Bei Polarstern treiben wir diese Entwicklung voran. Für Mieter:innen von Wohnungen, Betrieben und Geschäften kommen dann Strom und Wärme immer seltener vom nächsten Großkraftwerk, sondern vom eigenen Dach oder Keller. Wirklich Mieterstrom heißt unser Konzept, bei dem an Gebäuden Ökostrom mit Photovoltaikanlagen, manchmal auch mit Blockheizkraftwerken im Keller erzeugt wird. Der lokal erzeugte Ökostrom wird dann direkt von den Mieter:innen im Gebäude genutzt. So individuell Gebäude nun mal sind, gibt es für jedes das passende Energiekonzept. Egal, ob es sich nun um ein Bestandsgebäude handelt oder um Quartiere, in denen die Energieversorgung völlig neu gedacht wird.

Smartes Klimaquartier.

Wie es in Zukunft ablaufen wird, zeigt ein Projekt von Polarstern im Klimaquartier Neue Weststadt in Esslingen. Auch hier versorgen PV-Anlagen die Mieter:innen mit Ökostrom. Der Clou ist aber, dass Stromüberschüsse mit einem Elektrolyseur in Wasserstoff umgewandelt werden. Eine Menge davon. Rund 85 Tonnen grüner Wasserstoff fallen jährlich an. Das entspricht in etwa dem Jahresstromverbrauch von 726 Dreipersonenhaushalten. Der grüne Wasserstoff wird vor allem für Mobilitätslösungen und zur Rückverstromung genutzt. Die Abwärme des Elektrolyseurs wird im Quartier zur zusätzlichen Wärmeversorgung genutzt.

PV-Anlage

5. Gartenhäuser XXL.

Neben neuen Energiekonzepten muss die Architektur Antworten auf die Klimakrise liefern – nicht nur energetische Anforderungen von Effizienzstandards einhalten. Zum Glück gibt es längst neue Ideen, Entwürfe und reale Projekte, die zeigen, wie die Architektur zur Dekarbonisierung der Erde beitragen kann. In London etwa entsteht gerade das Bürogebäude „Roots in the sky“. Das komplette Dach soll ein Wald aus rund 100 Bäumen und etwa 10.000 Pflanzen werden. Der Stadt-Wald soll für alle zugänglich sein, und auch das gemeinschaftliche Gärtnern soll ermöglicht werden. Ein Trend, der hoffentlich zum Standard wird. Paris gibt ein gutes Beispiel ab. Im Rahmen des Parisculteurs-Programms, soll jede:r Pariser:in eine Fläche bepflanzen dürfen, und in jeder Schule und auf jedem neuen öffentlichen Gebäude sollen Obst- und Gemüsegärten angelegt werden. Seit 2016 ist die landwirtschaftliche Fläche in der Stadt immerhin schon um 30 Hektar gewachsen. Die Urbanisierung der Welt schreitet voran, da bleibt den Menschen auch gar nichts mehr übrig, als sich die Natur und Landwirtschaft ins Haus zu holen. Bei steigender Erdtemperatur kühlen Pflanzen die Städte, bieten Nahrung und absorbieren CO2. Beim Rainbow Tree, einem Holzhochhaus, das in Cebu City auf den Philippinen geplant ist, sollen die Pflanzen am Gebäude eine Power haben, um jährlich 150 Tonnen CO2 zu absorbieren. Der Dachgarten wirft zusätzlich 25.000 Kilo Gemüse, Obst und Algen im Jahr ab.

Was die Architects for Future sagen. 

Weil die Zukunft immer noch ein Stückchen weit weg ist, müssen wir in der Zwischenzeit mit den Gebäuden nachhaltiger umgehen. Die Architects for Future rufen deshalb dazu auf, Abrisse zu vermeiden, wenn Gebäude noch nutzbar sind. Denn ein intaktes Gebäude zu sanieren, ist stets klimafreundlicher, als es abzureißen, um ein neues hinzustellen – selbst wenn das neue Gebäude einen hohen Effizienzstandard hat. Materialien sollten aus der eigenen Region stammen, und man sollte nachwachsende Rohstoffe künstlich-chemischen vorziehen. Alle Materialien sollten zudem gut recyelbar sein, falls das Gebäude aus Altersgründen doch wieder zu Staub werden muss.

Sofort handeln: Wirklich bessere Energie in der Wohnung. 

Als Bewohner:in eines Gebäudes kannst du immer etwas unternehmen. Am einfachsten geht es mit dem Wechsel zu Ökoenergie. Mit der Kombination aus Wirklich Ökostrom und Wirklich Ökogas kannst du deinen CO2-Fußabdruck um bis zu einem Viertel senken, Entwicklungen wie Wirklich Mieterstrom treibst du mit deiner Entscheidung ebenso voran. Und jetzt stell dir vor, alle machten das im Gebäude. Wir können wirklich etwas verändern. Mach mit! 

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