Sharing Economy

Wir alle horten Dinge, die wir kaum nutzen. Geräte, Fahrzeuge, manchmal sogar Wohnfläche. Wenn wir die Sachen teilen, werfen wir Ballast ab und oft auch Kosten. Und wenn wir selbst Geteiltes annehmen, müssen wir uns selbst weniger kaufen. Wir zeigen sinnvolle Sharing-Angebote – und wie viel man dadurch sparen kann. Viele Sharing-Angebote sind totale Klassiker. Wir müssen sie nur nutzen.

von Michael

Teilen: Trennungsschmerz trotz Kostenvorteil.

Der eine möchte teilen, der andere legt schützend seine Arme um den Pommes-Teller. Teilen ist Trouble. Dabei profitieren wir fast immer davon. Wer Ungenutztes teilt, wirft Ballast und Kosten ab. Und wer Geteiltes annimmt, muss sich nichts Neues kaufen und spart ebenfalls. Das verschafft einem Zugang zu Dingen, die man sich nicht leisten kann – oder nur einmal bis paarmal braucht. Trotzdem fällt uns das Teilen schwer. Die eigenen Habseligkeiten sind wie ein Gradmesser für die persönliche Leistung. Neurophysiologisch soll sich die Trennung von Sachgegenständen in derselben Hirnregion abspielen, in der wir auch Schmerzen verarbeiten. Deshalb bauen wir manchmal Wagenburgen um Dinge, die wir längst nicht mehr wollen, und wenn’s die Winkekatze ist.

Teilen: Eine Frage der Existenz. 

Ausmisten müssen wir trotzdem. Dringend. Denn die ständige Produktion von Dingen, die bereits in x-facher Ausstattung da sind, belasten nicht nur unsere Haushalte, sie verschwenden Ressourcen ohne Ende – inzwischen mehr, als die Erde hergeben kann. Laut Global Footprint Network verschlingt unser Konsum ab 2030 die Ressourcen von drei Erden. Wir grasen ab, wo längst kein Gras mehr wächst. Dabei gibt es längst alles, was wir brauchen und wollen. Wir müssen es nur teilen. Und die Möglichkeiten sind da. Schau’s dir an.

Alter, neuer Hut: Die Sharing Economy. 

In vielen Bereichen des Alltags sind wir längst in eine Ökonomie des Teilens, einer Sharing Economy übergegangen. Viele kennen das Prinzip vom Car- oder Appartement-Sharing. Nur wird die Hoffnung auf mehr Nachhaltigkeit oft enttäuscht. Ein Beispiel ist die Vermietung privater Unterkünfte in den Städten. Sie hat mancherorts so zugenommen, dass Wohnraum für die Stadtbewohner:innen fehlt. Auch als Nutzer:in profitiert man längst nicht mehr wie einst. Die Preise sind so hoch, dass man auch gleich ins Hotel gehen kann. Die Sharing Economy ist am Ende eben immer noch eine Economy mit negativen Begleiterscheinungen. Nach einer Prognose von PricewaterhouseCoopers wird die Sharing Economy 2025 weltweit rund 335 Milliarden Dollar umsetzen. 2015 waren es noch etwa 15 Milliarden. Aber es gibt sie auch, die richtig guten nachhaltigen Sharing-Angebote, und die Möglichkeiten sind total vielseitig. Es gibt Plattformen, Unternehmen, Angebote von Vereinen, genauso wie von Städten und Kommunen. 

Das sind die besseren Sharing-Angebote. 

Ob die Ökonomie des Teilens dem Gemeinwohl nützt oder schadet, hängt davon ab, was wir daraus machen. Sharing kann vieles bedeuten. Es steckt das Vermieten in dem Begriff, aber genauso das Tauschen, Leihen oder Verschenken. Und selbst kommerzielle Angebote können nachhaltig genutzt werden.

1. Nachbarschaft nutzen. 

Die Sharing Economy war früher einfach die Nachbarschaft. Nachbarn kann man sich zwar nicht aussuchen, mit einer App irgendwie doch. Auf Plattformen wie nebenan.de können sich gerade Städter:innen gut vernetzen, um ihre eigene gute Nachbarschaft aufzubauen und sei es nur, um wirklich jemanden nach einer Zutat für den Kuchen zu fragen. Wer seine Brille verlegt hat, findet sie vielleicht auf dem Portal wieder. Es gibt Leute, die gehen sogar gerne mit dem Hund vom Nachbarn raus. 

Natürlich werden auf der Plattform genauso Gegenstände verkauft, verschenkt oder verliehen. Ob man sich nun anfreunden will, hängt davon ab, wie viele Menschen man an einem verkaterten Samstag auf dem Weg zum Supermarkt treffen möchte. Neben Nebenan.de gibt es natürlich auch andere Portale, etwa Nachbarschaft.net oder Lokalportal.de. Die Angebote sind kostenlos.

2. Bücher, Filme, Spiele teilen. 

Auch das ist ein absoluter Sharing-Klassiker: Stadtbibliotheken. Man sollte sie wieder viel öfter nutzen. Bücher sind das Beste der Welt, deshalb haben die meisten Haushalte zu viele. Man sieht es an den Bücherstapeln vor Haustüren, Erdgeschossfenstern und Parkbänken, die immer mit der Aufforderung versehen sind, sie bitte mitzunehmen. Mit einem Bibliotheksausweis kann man alles haben, ohne die eigene Wohnung aufs Neue zu verstopfen. Er kostet für Erwachsene meistens zwischen 10 und 20 Euro im Jahr, was im Vergleich zu den durchschnittlichen Buchausgaben wenig ist. Sie lagen laut Tagesspiegel 2017 bei 137,40 Euro. Kinder und Jugendliche unter 18 zahlen sowieso nichts und erhalten Zugang zu allen Parallelwelten in Büchern, Filmen oder Videospielen. Wird eine Sache nach Rückgabe doch zu schmerzlich vermisst, kann man sie sich immer noch zulegen. Aber dann weiß man’s.

Bücherschränke, Boxen, Bänke.

In den Städten findet man immer öfter Orte, wo Bücher geteilt werden. Zum Beispiel öffentliche Bücherschränke. Man kann dort ein Buch hinbringen und sich eins nehmen. Oft sind es Orte für Gespräche, die weit über den Smalltalk hinausgehen. Schließlich geht's ums Buch. Laut Wikipedia gab es im Mai 2.863 öffentliche Bücherschränke in Deutschland. Zur Liste geht’s hier.

3. Garten teilen.

An der Kasse merkt man jetzt, dass die Inflation nicht nur in den Nachrichten stattfindet. Laut Statistischem Bundesamt lagen die Lebensmittelpreise im März 2022 6,2 % höher als im Vorjahreszeitraum. Allein die Preise für Gurken stiegen innerhalb eines Jahres um 30 %. Kein Wunder, dass der Wunsch nach selbst angebautem Gemüse wächst. Doch nicht jede:r hat einen Balkon, geschweige denn einen eigenen Garten. Zum Glück werden auch Gartenflächen geteilt. Es gibt zum Beispiel Gemüsebeete zum Mieten, die für Nutzer:innen schon so vorbereitet werden, dass Missernten unwahrscheinlich sind. Einen Acker mieten, lohnt sich tatsächlich. Bei den Ackerhelden ernten die Kund:innen pro Saison durchschnittlich Gemüse im Wert von 623 Euro. Die Miete für einen Gemüsegarten von 40 Quadratmetern liegt pro Saison bei 229 Euro. Im Schnitt sparen die Gärtner:innen also 394 Euro, verglichen zum Einkauf von Obst und Gemüse. Ein angemieter Garten lohnt sich daher vor allem für Haushalte, die viel davon essen. Auch nicht zu unterschätzen: Man ist für ein paar Stunden die Woche an der frischen Luft, in der Natur und hat ein neues, sehr schönes Hobby. Gartenflächen zum Mieten findest zum Beispiel bei Ackerhelden oder meine-ernte.

Gemeinschaftsgärten und Beetpatenschaften. 

Und dann gibt es noch Gemeinschaftsgärten. Hier vergeben die Städte und Gemeinden für eine Saison Beetpatenschaften. Man findet so nicht nur einen schönen Ort, um eigenes Gemüse anzupflanzen – sondern auch, um seine Nachbarn aus der Stadt kennenzulernen. Man sollte sich allerding früh im Jahr bewerben. Die Nachfrage nach Selbstversorger-Gärten wächst. Eine Parzelle kostet zum Beispiel in München 50 Euro im Jahr.

4. Lebensmittel teilen.

Jetzt, wo die Lebensmittel noch teurer werden, ist Essen wegwerfen noch schlimmer, als es eh schon ist. 85,2 Kilogramm Lebensmittel schmeißen die Deutschen laut Uni Stuttgart jährlich weg. Um einwandfreie Lebensmittel vor dem Mülleimer zu bewahren, gibt es Initiativen wie Too Good To Go. Sie helfen Privatleuten, Unternehmen, Restaurants und Läden über ein App zu vernetzen, um Lebensmittel zu teilen. Du selbst erhältst in Läden in deiner Umgebung auch mal Lebensmittel zum vergünstigten Preis in Form einer Überraschungstüte. Sie kostet in der Regel zwischen drei und vier Euro.

Zur App

Eine andere Möglichkeit, Lebensmittel miteinander zu teilen, ist die solidarische Landwirtschaft, wie sie etwa das Kartoffelkombinat betreibt. Hier wirst du Teil einer Genossenschaft, die gemeinsam in Gemüseanbauflächen investiert – und wo jeder seinen Ernteanteil erhält. Man ist also immer Kund:in und Eigentümer:in zugleich.

5. Autos teilen. 

Ride-Sharing wird meistens als Negativ-Beispiel der Shareconomy herangezogen. Die Kritik ist oft berechtigt. Mancherorts haben die zusätzlichen Sharing-Autos nicht zu einer Entlastung des Verkehrs geführt, sondern zum Umstand, dass Leute auf den Bus und die Bahn verzichten und sich dann lieber alleine hinters Lenkrad klemmen statt andere mitzunehmen. Auch E-Roller tragen bislang wenig zum Umweltschutz bei, weil sie vor allem für Strecken genutzt werden, die Menschen üblicherweise zu Fuß gehen oder mit dem Fahrrad fahren. 

Es liegt nicht nur am Angebot. 

Man muss sich aber auch eingestehen: Am Angebot allein liegt's nicht. Wir müssen die Angebote auch sinnvoll nutzen. Das Umweltbundesamt weist darauf hin, dass die Car-Sharing-Fahrzeuge pro Kilometer weniger ⁠CO2⁠ ausstoßen als durchschnittliche Autos. Und dass ein Car-Sharing-Fahrzeug – je nach Standort – vier bis zehn Fahrzeuge ersetzen kann. Potenzial, die Umwelt zu schonen, ist also vorhanden. Dazu muss der reguläre Pkw-Bestand aber erst mal sinken. Danach sieht es im Moment nicht aus. Laut Kraftfahrtbundesamt (KBA) gibt es 2022 in Deutschland mehr als 48,5 Millionen Pkw. Im Schnitt wird aber jedes nur eine Dreiviertelstunde am Tag bewegt, wie eine Studie zur Mobilität von 2019 im Auftrag des Bundesverkehrsministeriums ergab. 

Bis zu 700 Euro sparen.

Oft werden Carsharing-Angebote aus Kostengründen nicht genutzt. Es stimmt: Carsharing ist nicht billig. Und trotzdem kommt man laut Bundesverband CarSharing günstiger weg als mit dem Kauf eines Neuwagens, weil man sich den Wertverlust, sowie die Werkstatt- und Fixkosten spart. In einer Beispielrechnung des Bundesverbands spart ein Sharing-Auto aus der Kleinstwagengruppe gegenüber einem privaten Pkw gleicher Größe bei 8.000 Kilometer pro Jahr bis zu 700 Euro.

6. Kleidung teilen.

Wenn wir von etwas wirklich zu viel haben, dann ist es Kleidung. Im Schnitt wirft jeder Deutsche pro Jahr 4,7 Kilo Kleidung weg und kauft sich für 910 Euro neue Anziehsachen, wie eine Analyse der Agentur ABCD mit Daten von Eurostat ergab. Das geht nachhaltiger. Wenn es schon alles gibt, können wir die Sachen auch einfach tauschen oder verleihen. Mit Kleidertauschpartys unter Freund:innen zum Beispiel oder bei Plattformen wie Vinted. Wer etwas dringend loswerden will, kann Kleidung auch bei Nachbarschaftsportalen wie nebenan.de einstellen. 

Tauschen und Mieten.

Die Zukunft für Boutiquen könnte ebenso der Kleidertausch sein – so wie es etwa die Kleiderei in Köln und Freiburg macht. Zu kaufen gibt es Fair-Fashion und Vintage-Kleidung. Mitglieder dürfen sich zusätzlich vier Teile ausleihen und diese so oft tauschen oder so lange behalten, wie sie möchten. 

Daneben gibt es immer mehr Möglichkeiten, Kleidung zu mieten und zu vermieten. Zum Beispiel mit clothesfriends. Hier vermietest du ein Kleidungsstück zu einem Preis, den die App anhand von Mietdauer und Kaufpreis vorschlägt. Das Kleidungsstück hinterlegt man in bestimmten Läden oder Cafés oder man verschickt es.

Ausprobieren statt Anhäufen.

Das Gute beim Leihen ist: Jede:r hat seine Favoriten-Anziehsachen, die so fest zu einem gehören wie die eigene Persönlichkeit. Dazu kauft man sich häufig aus einer komischen Laune oder einem kurzzeitigen Knick in der Optik heraus Kleidungsstücke, die man ein Mal und nie wieder anzieht. Mit Leih- und Tauschangeboten kann man sich ausprobieren, ohne gleich der Umwelt und seinem Konto zu schaden. 

7. Wohnraum teilen.

Neue Wohngemeinschaften. 

Neue Formen von Wohngemeinschaften zeigen, wie man Wohnraum teilen kann, ohne selbst welchen zu besitzen oder herzugeben. So sind etwa Cluster-Wohnungen ein Mix aus eigener Wohnung und WG. Jede:r in der Hausgemeinschaft hat eine eigene kleine Wohnung mit Schlafzimmer, Mini-Bad und Teeküche und teilt sich mit anderen Hausbewohner:innen eine große Küche und einen großen Wohnbereich. So hat man immer den eigenen Rückzugsort, kann aber jederzeit gemeinsam kochen, Abend essen und abhängen. Beim Collaborative Living ist die Wohnung ebenso aufs Wesentliche reduziert. Dafür lebt man in einem Quartier mit Café, Fitnessstudio und Co-Working-Space – und hat damit viel Raum für schönes Wohnen. 

Beim Reisen.

Beim Thema Reisen sind die Erwartungen an die Sharing Economy vor allem durch die Marktmacht Airbnb geschrumpft. Aber auch hier gilt: Es kommt eben darauf an, was man aus dem Teilgedanken macht. In München wurde eine Wohnung schon für 3.699 Euro pro Nacht vermietet, eine andere für 12 Euro.

Wer sich mit der Welt wirklich vernetzen will, kann das an anderer Stelle sowieso besser tun. Zum Beispiel indem man über Couchsurfing Gäste aus der Welt bei sich zu Hause willkommen heißt. So ergibt sich vielleicht das nächste Urlaubsziel ganz von selbst, wenn man umgekehrt seine neuen Bekanntschaften besucht. Und wer weiß: Vielleicht wohnst du bei deinem nächsten Städtetrip umsonst – während sich andere bei der üblichen Plattform ein paar hundert Euro pro Nacht zahlen. 

Ökoenergie mit anderen teilen. Wirklich.

Bei Polarstern wird auch geteilt. Wenn du zu Wirklich Ökostrom wechselst, stößt du dadurch automatisch den Bau einer Biogasanlage für eine Familie in Kambodscha an. Mit dieser stellt die Familie jeden Tag genügend Energie her, um damit zu kochen oder Licht zu machen. Und du veränderst mit deinem Wechsel noch so viel mehr. Mit unserem Impact-Rechner berechnest du, welche Veränderungen du anschiebst. Und mit unserem Tarifrechner erfährst du, was wirklich bessere Energie kostet. 

Michael | Team Wirklich

E-Mail: [email protected]

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