Lebensmittel teilen.

Die Sharing Economy ist eine Wirtschaft des Teilens, Schenkens, Leihens. Wir brauchen sie mehr denn je. Denn sie verknüpft wirtschaftliches Handeln mit Ressourcen- und Klimaschutz. Aber wie ökologisch ist das Teilen wirklich? Und wie können wir auch in Corona-Zeiten sinnvoll teilen? 

von Michael

 

Das ist die Sharing Economy. 

„Wir können ja teilen!“ Manch einer hört diesen Satz und hält schon mal vorsorglich seine Pommes fest. Teilen ist erst mal Trouble. Aber der Schmerz ist nur von kurzer Dauer. Denn was wir abgeben, bekommen wir zumeist in Form von Freundschaft, Vertrauen oder noch mehr Pommes zurück. Wer teilt, profitiert, und das weiß auch die Wirtschaft. Mit der Sharing Economy hat sich ein ganzer Wirtschaftszweig etabliert, der sich ums Teilen, Schenken und Leihen dreht.

 

Wie die Sharing Economy Geld, Ressourcen und CO2 spart. 

Diese Sharing Economy, auch Shareconomy oder Wirtschaft des Teilens genannt, gehört längst zu unserem Alltag. Wir teilen Fahrzeuge, Wohnungen, Lebensmittel und so ziemlich alles, was in unserem Zuhause gerade oder nie mehr gebraucht wird. Vom Teilen erhofft man sich nicht nur einen wirtschaftlichen Nutzen, sondern insbesondere einen Beitrag für den Klimaschutz. Denn die Wirtschaft in ihrer jetzigen, radikalen Form, ebenso wie unser Konsum, der stark auf Besitz ausgerichtet ist, verbraucht mehr Ressourcen, als wir haben. Laut der Organisation Global Footprint Network bräuchte die Menschheit im Jahre 2030 drei Erden, um sich mit allem Notwendigen einzudecken. 

Die Sharing Economy könnte ein Weg in eine ressourcenschonende Zukunft sein. Denn wenn mehr geteilt und geliehen wird, müssen die Güter nicht immer wieder aufs Neue produziert werden. Dadurch verteilt sich der Ressourcenverbrauch auf die Bedürfnisse von immer mehr Menschen. Und wenn wir mal ehrlich sind, gibt es eh schon alles, was wir brauchen.  

 

1. Teilen spart Ressourcen. 

Ein gutes Beispiel sind Autos. Laut Kraftfahrtbundesamt gibt es in Deutschland rund 48 Millionen Pkw. Im Schnitt wird aber jedes nur eine Dreiviertelstunde am Tag bewegt. Oder besser: Die Autos stehen mehr als 23 Stunden am Tag ungenutzt rum, wie eine Studie zur Mobilität von 2019 im Auftrag des Bundesverkehrsministeriums ergab. In dieser Zeit hätten theoretisch zig andere Menschen das Auto nutzen können. Und dies ist nur ein Beispiel für einen Ressourcenexzess, den wir uns mit zunehmender Erderwärmung nicht mehr leisten können. 

>>> Artikel: Warum das Klima schneller kippen könnte als gedacht. 

 

2. Teilen spart Geld.

Die Wirtschaft runterzufahren, ist aber auch keine Option. Corona führt uns dies gerade schmerzlich vor Augen. Die Sharing Economy könnte hier eine Möglichkeit bieten, einen guten Lebensstandard zu sichern und trotzdem Ressourcen zu schonen. Und ökonomisches Potenzial hat sie, die Sharing Economy. Die EU rechnete schon 2016 mit einer Einsparung von 260 Milliarden Euro, die durch die effiziente Verwendung von Gütern in der Sharing Economy erzielt werden könnten. Konkret setzte die Sharing Economy 2018 in Deutschland mehr als 24 Milliarden Euro um, wie die Beratung PwC schätzt. Etwa ein Fünftel der Summe ging allein auf das Teilen von privatem Wohnraum zurück. Laut Statistischem Bundesamt buchten 2018 rund 13 Millionen Personen in Deutschland Unterkünfte von Privatpersonen. Im Moment erlebt die Branche aufgrund von Corona starke Einbrüche, trotzdem ist es gerade in turbulenten Zeiten gut zu hören, dass auch nichtgewerbliche Personen ökonomisch etwas reißen können. 

 

3. Teilen spart CO2. 

Ob die Sharing-Economy neben Geld auch CO2 und Ressourcen spart? Kommt drauf an. So ist etwa das Teilen von Wohnraum nur dann ökologisch, wenn dadurch der Ressourcenverbrauch in bestehenden Hotels oder der Bau von neuen vermieden wird. Konkrete Klimaschutzpotenziale hat das ifeu-Institut auf Basis von Wachstumsprognosen der Sharing-Economy berechnet. So könnte etwa das Teilen von privatem Wohnraum 0,6 Millionen Tonnen CO2 verhindern (entspricht etwa 340.000 Autos), wenn die Nutzung privater Unterkünfte im Tourismussektor von aktuell 6 auf 17 % stiege. 

Das private Carsharing könnte insgesamt 1,6 Millionen Tonnen CO2 verhindern, wenn sich die Nutzung um 8 % erhöhte. Die Mehrbelastung durch öffentliche Verkehrsmittel durch die Abschaffung privater Pkw ist da schon mit einkalkuliert. 

Des weiteren könnte eine nachhaltige Nutzung von Kleidung 1,3 Millionen Tonnen CO2 sparen. Allein die Vermeidung der Neuproduktion würde 1,2 Millionen Tonnen sparen. Spannend ist dies auch mit Blick auf den Ressourcenverbrauch. So verbraucht der durchschnittliche Nutzer von Kleider-Sharing-Plattformen laut Institut für ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW) 49 % weniger Ressourcen als der Durchschnittskäufer.

 

Die Nachteile der Sharing Economy. 

Kommerzialisierung des Teilens birgt Risiken. 

Durch eine Ökonomie des Teiles könnte eigentlich auch die Gesellschaft näher zusammenrücken. Aber wie das mit der Wirtschaft so ist, hat auch die Sharing Economy ihre Schattenseiten. So verstärkt etwa die Vermietung privater Unterkünfte die Wohnungsnot in den Städten. Allein in München gab es 2018 laut Erhebungen der Stadt 7.154 reine Airbnb-Wohnungen, denn viele Vermieter verdienen mit den kurzfristigen Mietverhältnissen mehr Geld. Aber je mehr Wohnungen auf dem regulären Markt fehlen, desto knapper und teurer wird der Wohnraum für die Stadtbewohner. Vielerorts muss inzwischen die öffentliche Hand eingreifen. So darf in München eine Wohnung nicht mehr als acht Wochen im Jahr an Feriengäste vermietet werden. 

 

Rebound-Effekte in der Sharing Economy. 

Ebenso kann der Ressourcenverbrauch durch das Teilen auch steigen, statt sinken. Zum Beispiel könnten sich bei einem wachsenden Car-Sharing-Angebot wieder mehr Menschen alleine hinters Lenkrad klemmen, statt andere mitzunehmen oder die öffentlichen Verkehrsmittel zu nutzen. Im Fall von Airbnb geht man davon aus, dass mehr Reisen getätigt wurden, weil günstige Übernachtungsmöglichkeiten geschaffen wurden.

Mehr über Rebound-Effekte

 

Sharing hat's grad schwer. Tun wir was!

Ob die Umwelt und die Gesellschaft etwas von der Sharing Economy hat, hängt am Ende von uns allen ab – was wir eben draus machen. In München wurde eine Wohnung schon für 3.699 Euro pro Nacht vermietet. Eine andere für 12 Euro. 

Gerade jetzt ist es wichtiger denn je, kein Kapital aus dem Teilen zu schlagen. Denn die Corona-Pandemie erschwert auch das Zusammensein schon genug. In Krisenzeiten rücken die Menschen normalerweise näher zusammen. Wenn aber niemand das Gesicht des anderen sieht und ein Mindestabstand von 1,5 Metern eingehalten werden muss, wird’s schwierig. 

So gingen etwa die Buchungen von Carsharing-Angeboten laut Bundesverband im April 2020 um 80 % zurück. Und wichtige soziale Plattformen wie die Initiative Foodsharing berichten, dass es schwieriger wird, Lebensmittel mit Menschen zu teilen, weil viele freiwillige Helfer selbst zur Risikogruppe zählen. Auch kann die Gastro kaum noch einen vernünftigen Einkauf machen. Mal ist offen, dann wieder zu – und am Ende landen viele Lebensmittel im Müll. 

 

Die 5 wichtigsten Sharing-Tipps.

Und trotzdem haben viele Menschen eine Jetzt-erst-recht-Einstellung entwickelt. Auf Plattformen wie nebenan.de sind vielerorts Nachbarschaftshilfen entstanden, damit andere zu Hause bleiben können. Oder umgekehrt: Damit andere einmal aus ihren eigenen vier Wänden rauskommen. So gibt es Gartenbesitzer, die ihren Garten Familien überlassen und dafür Online-Zeitpläne teilen, in die man sich eintragen kann. Was man davon hat? Nähe. Die wahrscheinlich wichtigste Währung in 2020. 

 

1. Teile Zeit.

Vernetze dich auf Online-Plattformen. Allein nebenan.de hat 1,6 Millionen aktive User. Der Radius einer Nachbarschaft ist auf 10 Minuten Fußweg begrenzt, das stärkt den eigenen Kiez. Neben Verleihen und Verschenken ist Unterstützung eine wichtiges Angebot. Nachbarn gehen mit Hunden Gassi oder passen auf Kinder auf, wenn die Eltern mal fünf Minuten Ruhe im Homeoffice brauchen. Zeit teilen macht Spaß und ist eine Investition in die Zukunft. Denn jeder kann schon morgen in Quarantäne stecken – und selbst Hilfe benötigen.

 

2. Teile Wissen. 

Bei nachhaltigen Karten wie der Future Map Berlin und Future Map München vernetzen sich Menschen, die nicht nur den Wunsch nach mehr Nachhaltigkeit teilen, sondern auch gemeinsam etwas für die Gemeinschaft auf die Beine stellen wollen. Hier wird Wissen geteilt! Zum Beispiel wie man etwas repariert, upcycelt oder gärtnert. Wenn mal wieder der Ausgang beschränkt wird – dann muss es eben online gehen. Mitglieder von Future bekommen übrigens in vielen teilnehmenden Geschäften und Cafés Rabatte. 

>>> Nachhaltige Landkarten: Hot Spots in deiner Nähe.

 

3. Teile, was du nicht isst.

In Zeiten, in denen viele Menschen den Gürtel enger schnallen müssen, ist Essen wegwerfen noch schlimmer. Laut Uni Stuttgart werfen die Deutschen pro Kopf und Jahr 85,2 Kilogramm Lebensmittel weg. Essen gehört in den Bauch, nicht in den Eimer. Initiativen wie Foodsharing.de helfen Privatleuten, ebenso wie Unternehmen, Lebensmittel zu retten. Außerdem kann jeder auf der Website unter dem Feature Essenskörbe Lebensmittel mit anderen Menschen teilen oder erhalten. Dafür gibt es eigene Verteilstationen.

 

4. Teile, was du nicht vermisst. 

Im Schnitt wirft jeder Deutsche pro Jahr 4,7 Kilo Kleidung weg und kauft sich für 910 Euro neue Anziehsachen, wie die Agentur ABCD mit Daten des Statistischen Amts der Europäischen Union (Eurostat) herausgefunden hat. Kleidertauschpartys werden zwar erst wieder so richtig stattfinden, wenn Corona vorbei ist. Mit Freunden kann man vielleicht trotzdem mal eine Online-Kleiderparty ausprobieren. Oder man stellt seine Sachen, die man nicht mehr benötigt bei Nachbarschaftsportalen ins Netz. Viele empfinden ihre Ausstattung ohnehin nur als Ballast. Unsere Haushalte sind voll mit Dingen, die alle Jubeljahre aus der Versenkung geholt werden. Waffeleisen, elektrische Messer, Laubsäge – du vermisst die Sachen nicht.

5. Teile deine Energie. 

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