Klimaschutz wird meist im Zusammenhang mit der Verkehrs- und Energiewende diskutiert. Das Bauwesen ist eine ebenso große, tja: Baustelle. Allein die Baustoffherstellung ist für 11 % der weltweiten Emissionen verantwortlich. Drei Wege, wie wir klimafreundlicher bauen und dabei Ressourcen schonen.

von Michael

Warum die Baubranche nachhaltiger werden muss.

In jedem Gemäuer, jedem Gebäude schlummert nicht nur eine Geschichte, sondern auch eine große Chance Ressourcen zu schonen und das Klima zu schützen. Bislang wird das Potenzial aber kaum geborgen, obwohl es so zwingend wäre: Es wird nicht leerer auf dem Planeten. Bis 2050 könnten laut Vereinte Nationen (UN) 9,6 Milliarden Menschen auf der Erde leben, und die brauchen alle ein Zuhause.  

 

Verdopplung des Gebäudebestands bis 2050.

Der Verein Bauwende-Bündnis rechnet bis zur Mitte des Jahrhunderts mit einer Verdopplung des weltweiten Gebäudebestands. Unser Wohnen muss daher künftig mit weniger Ressourcen auskommen, wir verbrauchen ja jetzt schon viel zu viel. Zudem müssen die Gebäude klimafreundlicher werden.

Bei unserer Energieversorgung sind wir mit dem Ausbau der erneuerbaren Energien auf einem guten Weg, im Verkehr hat die Wende mit der E-Mobilität zumindest an Fahrt aufgenommen, aber im Bauwesen ist noch zu wenig passiert. Energieeffizienz und die Umstellung auf Ökoenergie sind essenziell, aber längst nicht alles. Der Klimaschutz muss noch vor dem ersten Spatenstich greifen: bei der Beschaffung, der Herstellung und der Verwendung von Baumaterialien. 

 

Bauwerke benötigen die Hälfte unserer Ressourcen.

Laut Bauwende-Bündnis verursachen Bauwerke rund 40 % der weltweiten Treibhausgase, hier fallen zudem 40 % des Energieverbrauchs an. Der Einfluss auf Klima und Umwelt geht aber schon vorher los. Laut einem Bericht von Deutschlandfunk ist bereits die Hälfte der Energie im Lebenszyklus eines Gebäudes verbraucht, wenn der erste Mensch eingezogen ist. Grund dafür ist die graue Energie, die in den Bauwerken steckt. Damit sind die Emissionen aus der Herstellung von Baumaterialien und dem damit verbundenen Energieverbrauch gemeint. Laut Bauwende e.V. könnte man die grauen Emissionen im Lebenszyklus eines Gebäudes durch klimaschützendes Bauen um 45 % reduzieren.

 

Baustoffe verursachen 11 % der Emissionen.

Außerdem schlucken Bauwerke richtig viele Ressourcen. Das Bauwende-Bündnis berichtet, dass jeweils rund 50 % der Rohstoffentnahme aus der Natur und den Abfallmassen auf den Gebäudebau zurückgehen. Die meisten Häuser bestehen aus Stahlbeton und Zement. Alleine in Deutschland werden laut VDI Zentrum Ressourcenschutz jedes Jahr in Deutschland rund 5,5 Tonnen Baustahl und ca. 26,6 Millionen Tonnen Zement verbaut. Das sind zwei besonders energie- und emissionsintensive Stoffe. Deutschlandfunk Kultur berichtet, dass die Zementindustrie rund 8 % der weltweiten Treibhausgasemissionen verursacht, und: Würde man die Zementindustrie als Staat betrachten, wäre dieses Land der drittgrößte Verursacher von Treibhausgasemissionen der Welt. Insgesamt gehen laut Bauwende-Bündnis rund 11 % der weltweiten CO2-Emissionen auf das Konto der Baustoffherstellung. Hinzu kommt ein enormer Flächenverbrauch, denn für die Herstellung von Beton werden Unmengen an Schotter und Kies benötigt. Laut VDI Zentrum Ressourceneffizienz werden in den Kiesgruben und Steinbrüchen Deutschlands täglich knapp vier Hektar Gestein abgetragen.

 

Welches Baumaterial ist besser: Holz oder Zement?

Egal welchen Sektor man sich ansieht, die Klimaschutzmaßnahmen sind in vielen Fällen wie eine Rückkehr zu den Wurzeln. Nach einem Umweg über Atomkraft und fossile Energieträger, stellen wir unsere Energieversorgung mit natürlichen Elementen sicher. Im Bauwesen kommt wieder verstärkt Holz zum Einsatz. 2018 wurde laut Statistischem Bundesamt jedes fünfte Haus in Deutschland aus Holz gefertigt. Das waren 21.600 Häuser und damit rund doppelt so viele wie noch zehn Jahre zuvor. 

 

So klimaschonend ist Holz.

Was unsere Urahnen schon schätzten, macht mit Blick auf den Klimawandel und unseren Ressourcenverbrauch einfach auch mehr Sinn. Gebäude aus Holz schonen das Klima, weil es zuvor CO2 aus der Luft aufgenommen hat. So verursacht es kein CO2 wie die Herstellung von Zement. Ein Kubikmeter Bauholz bindet laut Umweltbundesamt bereits bis zu 766 Kilogramm CO2. Dagegen verursacht die Produktion eines Kubikmeters Mauerziegel schon 138 Kilogramm CO2. Das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung gibt an, dass in einem Quadratmeter Brettschichtholz eines fünfstöckigen Wohngebäudes 180 Kilogramm Kohlenstoff eingelagert sind. Laut des Instituts ist das dreimal mehr als die oberirdische Biomasse natürlicher Wälder aufnehmen kann. Natürlich werden für den Holzbau auch Bäume gefällt. Diese können, einmal gefällt und verarbeitet logischerweise kein weiteres CO2 mehr aufnehmen. Daher ist eine nachhaltige Waldbewirtschaftung so wichtig.

>>>So baut man wirklich nachhaltige Häuser – Polarstern-Kunde Baufritz im Interview.

 

Reicht das Holz?

Auch das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung  (PIK) betont, dass der Einsatz von Holz zum Bauen nur mit einer nachhaltigen Waldbewirtschaftung vereinbar ist, schließlich brauchen wir unsere Wälder. Ebenfalls aus dem Hause PIK hat sich ein Forscherteam um die Wissenschaftlerin Galina Churkina mit der Frage beschäftigt, wie viel Holz die Menschheit für den Hausbau nachhaltig zur Verfügung hat und welcher Klimanutzen dabei rausspränge. Im Fachmagazin Nature Sustainability hat das Team vier Szenarien vorgestellt.

Das Team geht auf Basis offizieller Zahlen zu Holzernten und Situationsmodellen davon aus, dass weltweit genügend Material vorhanden ist, um den Holzeinsatz im Gebäudebau bis 2050 um 10 % zu steigern. Er könnte um 50 % gesteigert werden, wenn weltweit die Bodenfläche pro Person nicht mehr steigen würde. Und sogar um 90 %, wenn auch weniger industrialisierte Staaten Ihre Bauweise umstellen würden. In diesem Szenario würde sich die Welt 700 Millionen Tonnen Kohlenstoff pro Jahr sparen (Die Studie rechnet mit Kohlenstoff, nicht mit Kohlenstoffdioxid). Laut den Autoren senkt der Bau von Holzgebäuden außerdem die Treibhausgase aus der Stahl- und Zementherstellung um mindestens 50 %. 

Die Energieagentur NRW gibt an, dass in den deutschen Wäldern pro Jahr rund 120 Millionen Kubikmeter Holz nachwachsen. Potenzial ist also da. In der Realität leidet die Forstwirtschaft aber massiv, auch unter dem Klimawandel. Schädlinge wie der Borkenkäfer, Sturmschäden und eine zunehmende Trockenheit machen den Wäldern schwer zu schaffen.

Wie dein Ökostrom (auch) den Wald schützt

 

Ausbaufähig: Recycling beim Hausbau.

Eine weitere Möglichkeit, nachhaltiger zu Bauen ist die Verwendung von Recyclingmaterialien. Bei Verpackungen ist Recycling Usus, bei Textilien auf dem Vormarsch, und natürlich lassen sich auch Häuser aus recyceltem Material bauen. Und davon gibt es eine Menge. Viele Häuser in Deutschland sind aus den Fifties bis Eighties und nicht wenige schon wieder reif für den Abriss. Das Umweltbundesamt nennt den Gebäudebestand daher ein „bedeutendes, menschengemachtes Rohstofflager.“ Rund 209 Millionen Tonnen an Bau- und Abbruchabfällen fließen laut Angaben des Statistischen Bundesamtes jährlich in Deutschland aus dem Baubereich ab. Das entspricht in etwa 52 % des Abfallaufkommens.

Reste weiterverwerten bringt’s auf mehreren Ebenen. Die Natur wird geschützt, der Flächenverbrauch sinkt und ebenso der Gesamtenergieverbrauch. So benötigt etwa die Herstellung von Recyclingbeton weniger Energie als die von Primärbaustoffen.

Außerdem können Recyclingmaterialien besser regional beschafft werden. So spart man sich auch die Transporte, samt Emissionen und Kraftstoffverbräuche. Bislang werden die Baustoffe aus dem Abbruch laut einem Bericht des Redaktionsnetzwerks Deutschlands im Straßenbau weiterverwendet, aber so gut wie gar nicht im Hochbau. Dort liegt der Anteil von mineralischen Second-Hand-Baustoffen bei einem Prozent. Eine Herausforderung liegt vor allem in der Trennung der Baustoffe. 

Dass man auch aus anderen Reststoffen Häuser bauen kann, haben bereits viele Architekten bewiesen. Weltweit gibt es Häuser, die unter anderem aus Scherben, Flugasche, PET-Flaschen oder Bierdosen gebaut sind. So werden die Gebäude nicht nur ressourcenschonender, sondern auch individueller. Und das wäre auch ein Wunsch für die Zukunft: Dass nicht alles immer und immer wieder gleich aussieht.

Mehr über Recycling

 

Energieeffizientes Bauen und Sanieren: Was bringt das?

Materialbedarf einer Sanierung um zwei Drittel geringer.

Das Beste ist eben immer, Dinge lange zu nutzen. Das ist bei Gebäuden natürlich auch so. Eine Sanierung von Gebäuden lässt sich mit der Verwendung von ressourcenschonenden Materialien verbinden. Die CO2-Emissionen können dann bereits in der Herstellung der Dämmstoffe gesenkt werden. Laut VDI Zentrum Ressourceneffizienz ist der Materialbedarf einer Sanierung um zwei Drittel geringer als der eines Neubaus. Bei einer Sanierung wird die Materialeffizienz mit der Energieeffizienz verknüpft – einem der wichtigsten Pfeiler für unsere Klimaziele. Bis 2050 will sich Deutschland zu 100 % mit erneuerbaren Energien versorgen. Die Kapazitäten lassen sich nicht einfach so herzaubern, weshalb es wichtiger wird, dass wir künftig mit weniger Energie auskommen. Gebäude spielen dabei eine wesentliche Rolle. Laut Bundeswirtschaftsministeriums fallen rund 40 % des gesamten Energieverbrauchs für Strom und Wärme im Gebäudebereich an. Der Anteil könnte wesentlich geringer ausfallen. 

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Denn von den rund 18 Millionen Wohngebäuden und etwa 1,5 Millionen Nichtwohngebäuden in Deutschland, die vor 1977* gebaut wurden, sind laut Umweltbundesamt rund 70 % bislang noch gar nicht oder nur teilweise modernisiert worden. Nur bei 20 % der Gebäude wurde nachträglich die Fassade gedämmt. Dabei würden wirklich alle von den Maßnahmen profitieren. Dank einer Auswertung von Gebäude- und Verbrauchsdaten der co2online-Gebäudedatenbank weiß man, wie sehr: Wenn im Zuge der Modernisierung von Gebäuden auch Solarthermie genutzt wurde, verbrauchten vollsanierte Häuser, die vor 1978 gebaut wurden, im Schnitt knapp 52 % Heizenergie weniger Energie als unsanierte Gebäude gleichen Alters. Davon profitieren alle. Das Klima sowieso, die Bewohner aber auch, denn sie geben weniger Geld für ihre Energiekosten aus. Und: Je höher der Effizienzstandard, desto höher fällt auch die Förderung durch die KfW-Bank aus.

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Energieverbrauch: Dein Einfluss als Bewohner.

Am Ende lebt man in einem Gebäude, und wir können alle etwas tun. Als Bewohner hat man mit seinem Energiebezug den größten Einfluss aufs Klima. Allein der Wechsel zu wirklich besserer Energie – zum Beispiel Wirklich Ökostrom und Wirklich Ökogas von Polarstern spart schon mehrere Tonnen CO2 im Jahr. Jeder kann seinen CO2-Fußabdruck mit Ökoenergie um bis zu einem Viertel reduzieren. Es kostet keine Anstrengung und auch nicht mehr als konventionelle Energie. Probier unseren Tarifrechner aus – und erfahre mit dem nächsten Button, was dein Wechsel alles verändert. Zum Guten!

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