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Nichts steht echtem Klimaschutz so im Weg wie die Vorstellung, dass Wirtschaft um jeden Preis wachsen muss. Ein bisschen Nachhaltigkeit in den Unternehmen reicht aber nicht. Die Wirtschaft muss insgesamt nachhaltiger werden. Wie kann das klappen?

von Michael

 

Was war noch mal Nachhaltigkeit?

Fällt das Wort Nachhaltigkeit, fällt auch der Name Hans Carl von Carlowitz, so sicher wie ein Baum. Der war vor knapp 300 Jahren Oberberghauptmann im sächsischen Freiberg und prägte angesichts des schon damals großen Abholzungsproblems die Zeilen, es dürfe nur so viel Holz geschlagen werden, wie durch planmäßige Aufforstung wieder nachwachsen kann. Dahinter steckt eine einfache Formel: Wenn nichts mehr das ist, ist nichts mehr da.

 

Warum die Wirtschaft nachhaltiger werden muss. 

Die Wirtschaft, wie wir sie kennen, ignoriert diese simple Formel: Die Wirtschaft soll immerfort wachsen, hat aber auf Dauer gar nicht die Ressourcen dafür. Die Unternehmen verlangen für ihre Produkte (und wir für unseren Konsum) mehr von der Natur ab, als sie hergeben kann. Deutschland bräuchte zum Beispiel drei Erden, um sich dauerhaft mit allem einzudecken, was das Land für seinen Konsumbedarf braucht. 

>>> Artikel: Das ist der Earth Overshoot Day.

 

Industrie und Co. für 60 % der Biodiversitätsverluste verantwortlich. 

Die Herstellung der Güter zerstört die Umwelt und beschleunigt den Klimawandel. Je mehr wir produzieren, desto größer ist der Artenschwund und Ressourcenverbrauch. Nach Schätzungen des Naturschutzbundes NABU und der Boston Consulting Group sind Industrie, die Land- und Forstwirtschaft, der Rohstoffanbau und der Ausbau der Infrastruktur für 60 % der weltweiten Biodiversitätsverluste verantwortlich.

Gleichzeitig wächst die Weltbevölkerung. Für diese ist jetzt schon immer weniger an Ressourcen da. Wenn wir so weitermachen, werden nachkommende Generationen einen abgegrasten Planeten vorfinden. Selbst Wirtschaftsgrößen wie Blackrock haben kapiert, dass es so nicht weitergeht. Allein schon aus ökonomischer Perspektive. Denn auch die Natur kann man an in Finanzkennzahlen messen. Laut NABU und der Boston Consulting Group leistet die Biodiversität weltweit einen jährlichen Wert in Höhe von 170 bis 190 Billionen Dollar. Das ist doppelt so viel wie das weltweite Bruttoinlandsprodukt. Durch den Rückgang der Biodiversität geht dieser Wert jährlich um sechs bis 30 Billionen US Dollar zurück.

 

Wie Unternehmen nachhaltiger werden. 

Wie kann man Wirtschaft, Klima- und Artenschutz sowie Fairness unter einen Hut bekommen? Der Naturschutzbund NABU hat dazu einen kleinen Leitfaden zusammengestellt.

1. Unternehmen sollen herausfinden, wie groß ihr ökologischer Fußabdruck ist und diesen offenlegen. Dabei soll die gesamte Wertschöpfungskette betrachtet werden, denn die größten Belastungen passieren so gut wie immer am Anfang der Lieferkette. Zum Beispiel bei der Gewinnung von Rohstoffen. 

2. Unternehmen sollen kreislauforientiert wirtschaften. Wenn die Produkte wieder- oder weiterverwendet werden können, senkt dies den Ressourcen- und Flächenverbrauch.

3. Unternehmen sollen mit Naturschutzorganisationen zusammenarbeiten. So holt man sich jemanden ins Boot, der sich auskennt, welche Maßnahmen wirklich effektiv sind – und somit eine Instanz, die diese Maßnahmen auch überprüft. So bleiben Umwelt- und Klimaschutz keine Lippenbekenntnisse. Der NABU berät zum Beispiel Unternehmen bei der Wiederherstellung der Artenvielfalt.

Tipps für eine grüne Lieferkette

 

So können Unternehmen am Standort nachhaltiger werden.

Lieferketten sind häufig sehr komplex, die eigene Nachhaltigkeit gar nicht so einfach zu beurteilen. Umso mehr sollte es am eigenen Firmenstandort keine Ausreden geben, wenn es darum geht, nachhaltiger zu werden. Diese Maßnahmen kriegt jede Firma hin: 

Zu einer nachhaltigen Bank wechseln: Für Unternehmen ist der Schritt ein Muss. Nur bei nachhaltigen Banken können sie sich sicher sein, dass ihr Geld nicht für unmoralische Investitionen herhalten muss. Zum Beispiel für Kriege, Nahrungsmittelspekulationen oder fossile Energien. Nachhaltige Banken investieren richtig. Zum Beispiel in die Energiewende oder in gemeinwohlorientierte Projekte.  

Nachhaltige Mobilität: Arbeitgeber:innen können die Elektromobilität fördern. Zum Beispiel indem sie für Lademöglichkeiten am Standort sorgen oder E-Bike-Abos für ihre Mitarbeiter:innen anbieten. Denn Fahrräder sind und bleiben eh das Beste. 

>>> So kommst du mit deinem Rad gut durch den Winter. 

Nachhaltig einkaufen: Für alles, was im Büro benötigt wird, gibt es nachhaltige Alternativen. Bio-Spülmittel, Bio-Handcremes, Bio-Snacks. Darüber muss man eigentlich nicht mehr nachdenken. Auch bei der Hardware kann man was machen. Viele Computershops haben sich auf den Verkauf von gebrauchten Geräten spezialisiert. Das kommt Unternehmen billiger – und schont Ressourcen. Apropos Computer: Wer Ecosia statt Google nutzt, surft klimabewusst. Denn mit jeder Suchanfrage fließt ein kleiner Betrag in Aufforstungsprojekte.

• Digitalisieren: Die Buchhaltung digitalisieren und wirklich vorm printen thinken. Gerade die Deutschen sind Weltmeister im Papierverbrauch. 2019 lag er laut Bundesregierung pro Kopf bei 241,7 Kilo. Corona hat uns gezeigt, dass Meetings nicht mit Geschäftsreisen verknüpft sein müssen. Es geht auch per Videokonferenz. Allein ein Hinflug von München nach Berlin verpulvert laut Atmosfair bereits 246 kg CO2.

 Geräte effizient nutzen: So ziemlich jedes Gerät hat Energiespareinstellungen, egal ob es die Spülmaschine oder eben der Computer ist. Zeitschaltuhren im Büro kappen ab eine bestimmten Zeit die Stromversorgung, erlösen Geräte aus ihrem Standby-Betrieb und sparen somit eine Menge Strom.

• Erneuerbare Energie nutzen: Ökostrom ist eine Maßnahme, die kein Anpassungsverhalten erfordert, den CO2-Fußabdruck des Stromverbrauchs aber praktisch auf 0 setzt. Wo zudem mit Gas geheizt wird, sorgt Ökogas für eine noch größere Senkung des CO2-Fußabdrucks. Schon Privatpersonen können mit der Umstellung auf Ökoenergie ihren CO2-Fußabdruck um bis zu einem Viertel reduzieren. Entscheidend ist, dass der Ökostrom und das Ökogas wirklich aus 100 % erneuerbaren Energien erzeugt wurde; dass der Ökoenergieanbieter unabhängig ist und dass der Anbieter in den Ausbau der Erneuerbaren Energien investiert. Genau dafür ist etwa Wirklich Ökostrom von Polarstern gerade zum siebten Mal infolge von Öko-Test mit „sehr gut“ ausgezeichnet worden.

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Das sind die wirklich nachhaltigen Unternehmen.

Man muss unterscheiden, ob man von Nachhaltigkeit in einem Unternehmen spricht – oder von nachhaltigen Unternehmen. Letztere wollten die Wirtschaft sozialer und ökologischer ausrichten. Ein gutes Beispiel sind Social Businesses.  

 

Social Businesses.

Social Businesses verkaufen Produkte, die zur Lösung von gesellschaftlichen oder ökologischen Herausforderungen beitragen – sei es der Klimawandel, Lücken im Bildungssystem oder demografischer Wandel. Social Businesses maximieren nicht finanzielle Gewinne, sondern wirtschaften sozial und nachhaltig – nehmen der Gesellschaft nichts weg, sondern geben ihr etwas. Wer bei Social Businesses einkaufen will: Wir haben eine Karte entwickelt, auf der du wirklich nachhaltige Unternehmen in deiner Nähe findest. Auch Polarstern ist ein Social Business. Denn jeder Wechsel treibt den Ausbau der erneuerbaren Energien nicht nur in Deutschland voran – sondern auch in Madagaskar und Kambodscha. Schließlich ist die Energiewende eine weltweite Aufgabe.

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Diese Siegel kennzeichnen wirklich nachhaltige Unternehmen. 

Wirklich nachhaltige Unternehmen erkennt man außerdem an Zertifizierungen wie B Corp oder der Gemeinwohl-Ökonomie. B Corp ist vor allem im englischsprachigen Raum verbreitet. Das Siegel kennzeichnet Unternehmen, die soziale und ökologische Probleme lösen; das Streben danach ist fest in der Unternehmenskultur verankert. Um die B-Corp-Zertifizierung zu erhalten, evaluieren die Unternehmen ihren ökologischen und sozialen Impact auf die Kunden, Mitarbeiter, Partner und Umwelt.

 

Alternatives Wirtschaftsmodell: die Gemeinwohl-Ökonomie.

In Europa wird vor allem die Gemeinwohl-Ökonomie immer wichtiger. Auch dieses „Siegel“ kennzeichnet Unternehmen, bei denen der sozial-ökologische Mehrwert die zentrale Motivation der wirtschaftlichen Tätigkeit ist. Die „GWÖ“ geht aber noch einen Schritt weiter. Sie hat ein alternatives Wirtschaftssystem zum Ziel, in dem Unternehmen, die einen wichtigen gesellschaftlichen Beitrag leisten, politisch unterstützt und steuerrechtlich begünstigt werden sollen. Verbraucher sollen anhand eines Punktesystems erkennen können, welchen Nutzen das Unternehmen für das Gemeinwohl leistet. Gemessen wird ihr Nutzen anhand der Werte Menschenwürde, Solidarität und Gerechtigkeit, Ökologische Nachhaltigkeit, Transparenz und Mitentscheidung. Wie ein Unternehmen bei diesen Werten abschneidet, wird von externen Auditoren evaluiert und in Gemeinwohlbilanzen festgehalten. Auch wir von Polarstern sind Mitglied und haben bereits zwei Gemeinwohlbilanzen erstellt.

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Bei einem nachhaltigen Unternehmen arbeiten. 

Ein Studie der Unternehmensberatung McKinsey von 2019 mit 7.000 jungen Stipendiat:innen fand heraus, dass nachhaltiges Engagement des Arbeitgebers als mindestens so wichtig eingeschätzt wird, wie ein hohes Gehalt oder ein sicherer Arbeitsplatz. Wer einen Arbeitsplatz bei einem Unternehmen mit nachhaltigen und sozialen Werten sucht, wird bei zum Beispiel bei Plattformen wie goodjobs oder Jobverde fündig. Hier sind Jobs bei Unternehmen ausgeschrieben, die Nachhaltigkeit ernst nehmen. 

 

Wie du die nachhaltige Wirtschaft unterstützt.

Man kann nicht von Unternehmen fordern, nachhaltiger zu werden, ohne seinen eigenen Konsum anzupassen. Immerhin ist die Welt voll mit Angeboten und Tipps, wie das geht. Hab nichts Nachhaltiges gefunden, gibt’s nicht. Gute Tipps für einen nachhaltigen Lifestyle findest du zum Beispiel in unserem Magazin. Zum Beispiel wie Nachhaltigkeit im Alltag funktioniert, wie du minimalistischer wirst und welche Nachhaltigkeitssiegel was aussagen. 

 

Mehr teilen, weniger besitzen.

Größere Ansätze wie die Sharing Economy bieten uns die Möglichkeit, nicht alles besitzen zu müssen, was wir brauchen. Das soll nicht heißen, dass Menschen nicht mehr behalten dürften, was ihnen lieb und teuer ist. Aber vieles wird produziert und steht dann ungenutzt rum. Autos zum Beispiel. Dabei kann wirklich alles geshared werden. Das Teilen sorgt dafür, dass nicht immer alles aufs Neue produziert werden muss. So werden Ressourcen gespart und Emissionen verhindert. Beim Stichwort Sharing denkt natürlich jeder an die großen Car- und Wohnsharing-Portale. Dabei gibt es inzwischen auch viele Plattformen, die Menschen lokal bestens vernetzen. Ein gutes Beispiel ist zum Beispiel die Future Maps für München und Berlin.  

Mehr über die Sharing Economy erfahren

 

Die beste nachhaltige Maßnahme. 

Für eine echte Veränderung der Wirtschaft müsste die Welt genauso zusammenarbeiten, wie sie es beim Klimaschutz macht. Die einfachste und effektivste Maßnahme ist und bleibt der Wechsel zu echter Ökoenergie. Das gilt für Unternehmen, genauso wie für Privatpersonen. Bist du dabei? Berechne mit unserem Tarifrechner, was wirklich bessere Energie kostet – und sieh dir mit dem nächsten Button an, was du mit Polarstern alles veränderst. Zum Guten. 

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