One World

In der Klimakrise ist die Welt ist wie eine runtergerockte WG. Das Badezimmer steht unter Wasser, das Wohnzimmer ist vermüllt, und die Küche hat schon ein paar Brände hinter sich. So können wir den Planeten den Nachmieter:innen nicht hinterlassen. Erfahre, welche Erden-Mitbewohner am meisten zur Krise beitragen, wer besonders drunter leidet – und wer was machen muss. 

von Michael

Einen Planeten zu ruinieren, muss man auch erst mal schaffen. Aber die Menschheit hat es fast geschafft: Durch sie ist die Erde in weniger als zwei Jahrhunderten auf unnatürliche Weise um 1,2 Grad Celsius wärmer geworden. Und sie steht jetzt schon in Flammen. Oder unter Wasser. Je nachdem welche Folge der Erderwärmung gerade regional zuschlägt. Wie kriegt man das hin? Vor allem mit menschengemachten Treibhausgas-Emissionen. Rund 2.482 Milliarden Tonnen CO2-Äquivalente hat die Menschheit laut Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) seit der Industrialisierung in die Atmosphäre geblasen – und so die Erde innerhalb kürzester Zeit aufgeheizt.

Wer verursacht die Klimakrise? 

Die Vergangenheit.

Allerdings haben die Länder der Erde ungleich zu dieser Klimakrise beigetragen. Die Hälfte der historischen Emissionen gehen laut PIK auf die Kappe der USA, Russland und der EU. Deutschland hat mit einem Anteil von 4,6 % zu den Gesamtemissionen beigetragen – vor allem durch die Verbrennung von Kohle. 

Die Gegenwart.

Aktuell belegt Deutschland im Ranking der größten CO2-Emittenten Platz 7 und ist für rund 2 % des globalen CO2-Ausstoßes verantwortlich. Viele Menschen schätzen diesen Beitrag als gering ein. Sie schlussfolgern, dass die Hauptverantwortung vorrangig bei Ländern liegen müsse, die aktuell mehr Prozent auf die Waage bekommen. Zum Beispiel bei China, wo im Moment das meiste CO2 verursacht wird. Natürlich müssen alle Staaten schleunigst ihre Treibhausgase unter Kontrolle kriegen. Doch das entbindet uns nicht von der Verantwortung. Diese 2 % aus Deutschland sind nämlich immens. Hinter dem Anteil stecken laut Umweltbundesamt allein für das Jahr 2020 739 Millionen Tonnen Treibhausgase.

Tabelle: Die zehn größten CO2-Verursacher in 2020.

China 30,65 %
USA 13,54 %
Indien 7,02 %
Russland 4,53 %
Japan 2,96 %
Iran 2,14 %
Deutschland 1,85 %
Saudi-Arabien 1,8 %
Korea 1,72 %
Indonesien 1,69 %
Kanada 1,54 % 
Brasilien 1,34 %

Quelle: IEA.

Wo sind die Pro-Kopf-Emissionen am höchsten?

Die 2 % erscheinen noch mal in einem ganz anderen Licht, wenn man sich die CO2-Emissionen pro Kopf ansieht. Weltweit liegen sie laut Internationaler Energie Agentur (IEA) bei 4,39 Tonnen. Dagegen haben die Deutschen laut Umweltbundesamt einen Pro-Kopf-Ausstoß von 11,17 Tonnen CO2 im Jahr. Das ist mehr als doppelt so hoch wie der europäische Durchschnitt. Der liegt laut IEA bei 5,34 Tonnen CO2 im Jahr. 

Im internationalen Vergleich sieht’s nochmal krasser aus: Indien ist als Staat derzeit der drittgrößte CO2-Emittent, doch liegen hier die Pro-Kopf-Emissionen laut IEA nur bei 1,69 Tonnen. In Kambodscha, wo wir mit unseren Kund:innen die lokale Energiewende fördern, stoßen die Menschen im Schnitt nur 0,69 Tonnen CO2 im Jahr aus. 

Die Anteile verschieben sich. 

Was auch stimmt: Die Verhältnisse verschieben sich. In China kletterten die CO2-Emissionen pro Kopf laut IEA zwischen 2000 und 2020 auf 2,47 auf 7,07 Tonnen. In den USA fiel er im selben Zeitraum von 20,29 auf 12,98 Tonnen. Das meiste CO2 pro Kopf wird derzeit in Katar ausgestoßen: stolze 30,68 Tonnen im Jahr. Die IEA liefert auch eine Prognose, wie sich die CO2-Emissionen zukünftig verteilen werden. Bei den aktuellen Klimaschutzzielen wird Europa bis 2030 auf eher auf das Level von Südamerika kommen. Nordamerika wird weniger CO2 ausstoßen als der Nahe Osten, und in Eurasien wird der CO2-Ausstoß pro Kopf am höchsten sein.

Wie machen sich die Emissionen bemerkbar?

Laut Weltklimarat IPCC darf die Menschheit nur noch rund 400 Milliarden Tonnen CO2 ausstoßen. Dann kann sie sich das 1,5-Grad-Ziel endgültig abschminken. Was jenseits dieser Grenze ist, wollen wir nicht wissen. 2021 war bereits eines der heftigsten Naturkatastrophenjahre aller Zeiten. Der Rückversicherer Swiss Re gibt einen wirtschaftlichen Gesamtschaden von 250 Milliarden US-Dollar an. Diese Schäden werden laut Versicherer jedes Jahr um 6 % zunehmen. Und sie sind vor allem da am größten, wo die Menschen am wenigsten zur Klimakrise beigetragen haben. Madagaskar etwa verursacht nur 0,01 % der weltweiten CO2-Emissionen, ist aber jetzt schon von klimabedingten Dürren geplagt, die den Süden des Landes bereits in eine Hungerkrise gestürzt hat.

Die Klimakrise verstärkt die Armut, ruiniert Ressourcen und fördert Konflikte. Dabei stehen wir gerade erst am Anfang. Uno-Nothilfekoordinator Mark Lowcock rechnet, damit, dass bis zur Mitte des Jahrhunderts eine weitere Milliarde Menschen aufgrund des Klimawandels (und den damit einhergehenden Konflikten) vertrieben werden könnten. Mehr als ein Drittel der Länder wird nicht genügend Wasser haben. 

Wie viel CO2 darf jede:r verbrauchen?

Wenn die Welt das 1,5-Grad-Ziel halten will, darf jede:r Erdenbürger:in etwa 2 Tonnen CO2 im Jahr ausstoßen. Für 1 % der Weltbevölkerung – die Reichsten – bedeutet dies, dass sie ihren CO2-Fußabdruck um den Faktor 30 reduzieren müssen. Sie stoßen derzeit doppelt so viel CO2 aus wie 50 % der Weltbevölkerung. Diese Hälfte könnte ihre persönlichen Emissionen dagegen verdreifachen. 

Wenn jemandem etwas von diesem CO2-Budget zusteht, dann den Ländern, die bislang wenig zum Klimawandel beigetragen haben. Die USA wiederum haben historisch betrachtet ihr CO2-Budget für das 1,5-Grad-Ziel laut Initiative #Showyourbudgets schon verbraucht. Deutschland hat noch Zeit. Bis 2027.

Wie werden wir privat klimagerechter?

Das heißt, dass jede:r von uns irgendwie auf seine 2 Tonnen kommen muss. Gleichzeitig müssen wir den Ausbau der Erneuerbaren Energien weltweit unterstützen. Die Verantwortung dürfen wir nicht alleine auf die Politik und Wirtschaft schieben. Jede:r von uns hat Gestaltungsmöglichkeiten, weltweit etwas zu bewegen. Nutzen wir sie!

1. CO2 reduzieren.  

Energie ist der Schlüssel.

Ist es nicht klar, dass wir CO2 reduzieren müssen? Ja, ist es. Aber weil es eben noch nicht so klappt, kann man gar nicht oft genug wiederholen, wie das eigentlich geht. Der größte Hebel ist die Energie. Auch im Privaten. So lassen sich die Pro-Kopf-Emissionen allein mit dem Wechsel zu Ökostrom und Ökogas mit einem Schlag um bis zu einem Viertel reduzieren. Klar, dass das der Ökoenergieversorger sagt. Aber so ist es. Wie viel CO2 du mit deinem eigenen Haushalt verhinderst, erfährst du mit unserem Tarifrechner.

Jetzt Tarifrechner ausprobieren

Die wenigsten von uns werden zum 1-%-Club der Superreichen gehören, die so viel CO2 verbrauchen wie die Hälfte der Weltbevölkerung. Im Vergleich zum Rest der Welt dürften sich die meisten Deutschen trotzdem getrost als reich betrachten. Es fehlt uns an nichts und mit vielem sind wir doppelt, dreifach und hundertfach ausgestattet. Wer beim Konsum ausmistet, spart eine Menge CO2. Die Basics für ein Idealgewicht von 2 Tonnen CO2 im Jahr:

Lass Tiere leben.

Die Tierwirtschaft ist laut der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) für 14,5 % der Treibhausgase verantwortlich. Reduziere daher deinen Konsum von tierischen Produkten. Wenn du dich nur ein Jahr vegetarisch oder vegan ernährst, senkst du deinen CO2-Fußabdruck um eine halbe Tonne CO2. Vor allem rettest du Leben. Laut Fleischrechner sind das statistisch gesehen 12 Hühner, ein halbes Schwein und ein Zehntel Kuh pro Jahr.

Reise klimabewusst.

Es ist wichtig, etwas von der Welt zu sehen. Aber nicht planlos und kreuz und quer. Für eine Hochzeit nach Bangkok fliegen? Macht mit Rückflug schon 5,5 Tonnen CO2. Das sind die durchschnittlichen Jahresemissionen einer:s Europäer:in. Reisen sollten etwas besonderes bleiben. Und es schadet nicht, auch einmal die eigene Umgebung zu erkunden: Europa!
 

Kleide dich nachhaltiger.

CO2 kann man ablegen wie Anziehsachen. Buchstäblich. Schon in einem T-Shirt stecken laut Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland 11 Kilogramm CO2. Nun kaufen sich die Deutschen aber im Schnitt 60 Kleidungsstücke im Jahr. Das zieht kein Mensch jemals an. Kaufen wir uns Sachen, die wir wirklich gerne mögen und die lange halten. Und solche, die mit einem ökofairen Siegel wie Fair Wear, GOTS oder Grüner Knopf zertifiziert sind.

Verabschiede dich vom Auto.

Laut Europäischem Parlament werden 30 % der CO2-Emissionen in der EU im Verkehr verursacht, das meiste davon im Straßenverkehr. Technologien diesen Sektor zu dekarbonisieren, gibt es längst: E-Fahrzeuge. Jetzt ist die beste Zeit umsteigen, denn es gibt dicke Förderungen. Wer konsequent Ökostrom lädt, fährt nach wenigen Jahren klimaneutral Auto. Noch besser ist es, die öffentlichen Verkehrsmittel zu nutzen. Und die beste Innovation ist schon über 200 Jahre alt: Das Fahrrad. Wer täglich 5 km zur Arbeit radelt, spart schon rund 300 kg CO2 im Jahr.

Teile mehr mit anderen.

Neue Gegenstände zu produzieren, verursacht immer Klima- und Umweltschäden. Wenn wir ehrlich sind, brauchen wir nicht viel Neues, die Welt ist mit allem ausgestattet. Wer braucht wirklich ein eigenes Auto, eine eigene Bohrmaschine und zig Zeug? Teilen wir mehr! Das spart Emissionen, Geld – und es bringt uns zusammen.

2. Energiewende weltweit fördern.  

Die Industrieländer haben ihren Wohlstand mit fossiler Energie aufgebaut und damit die Klimakrise verursacht. Heute bekommen Länder des globalen Südens nicht nur die Folgen der Erderwärmung stärker ab, sie sind auch bei der Energieversorgung abgehängt. Aber ohne eine stabile Energieversorgung läuft nichts. Kein Haushalt, keine Maschine, keine Wirtschaft.

Die Herausforderung ist, dem wachsenden Energiebedarf der Welt mit erneuerbarer Energie zu begegnen. Diese Entwicklung müssen die Industrieländer fördern. Als Privatpersonen können wir diese Entwicklung über Initiativen unterstützen. Zum Beispiel über uns, Polarstern. Seit dem ersten Tag investieren wir für jede:n Kund:in pro Jahr 20 Euro in den Ausbau der erneuerbaren Energien weltweit. In Kambodscha förderst du mit uns den Bau von Biogasanlagen für Familien. Im Madagaskar bauen wir eine solare Stromversorgung für Dörfer auf. Zwar stampft man mit solchen Initiativen noch keine Industrie aus dem Boden. Aber sie kurbeln die lokale Wirtschaft an und sorgen nebenbei für mehr Chancen auf Bildungs- und Gesundheitsebene. Wirklich.

Mehr über die Energiewende weltweit erfahren

Was du in Kambodscha bewirkst. 

Ein Beispiel: In vielen Ländern des globalen Südens decken die Menschen ihren Energiebedarf oftmals mit Holz. Sie sind gezwungen, kostbare Wälder abzuholzen und sich täglich dem Feuerrauch beim Kochen auszusetzen. Auf Dauer verursacht der Rauch Augen-, Atemwegs- und Lungenerkrankungen, und tatsächlich zählt die WHO zählt die häusliche Luftverschmutzung durchs Kochen mit Holz sogar zu den größten Gesundheitsrisiken im globalen Süden.

Biogasanlagen schützen Menschen und Wälder.

Die Biogasanlagen, in die wir mit unseren Kund:innen investieren, verhindern diese Probleme. Die Anlagen werden einfach mit Tiermist betrieben. Sie liefern jeden Tag genügend Energie, um damit zu kochen und um Gaslampen zu betreiben. Die Lungen bleiben so vor Rauch, und die Wälder vor Abholzung verschont. Die Biogasanlagen haben außerdem einen wichtigen wirtschaftlichen Nebeneffekt: Die Schlacke, die bei der Biogaserzeugung übrigbleibt, ist ein hervorragender natürlicher Dünger, mit dem die Familien ihre Ernten um bis zu 30 % steigern. Bis heute haben wir mit unseren Kund:innen den Bau von mehr  als 14.000 Biogasanlagen realisiert. Rund 60.000 Menschen profitieren von der sauberen Energie.

Was du in Madagaskar bewirkst.

In Madagaskar bauen wir mit unserem Partner Africa GreenTec eine solare Stromversorgung für Dörfer auf. Mit dem lokalen Stromnetz kommt das Internet, eine stabilere Wasserversorgung, bessere Straßenbeleuchtung, Kühl-Container für die Ernten und vieles mehr. Auch hier kurbelt die Energie die lokale Wirtschaft an. Eine sicherer Stromversorgung sorgt dafür, dass Betriebe produktiver werden und Jobs entstehen. Von unserem Partner Africa GreenTec wissen wir, dass das Vorhandensein einer Stromversorgung manchmal darüber entscheidet, ob Menschen ihre Heimat verlassen müssen oder nicht. Denn Armut ist meistens eine Folge von Energiearmut.  

Veränderung ist nicht zu viel verlangt. 

Bei der Bewältigung der Klimakrise warten viele immer noch auf die vielbeschworenen Innovationen. Darauf, dass ihnen irgendein Daniel Düsentrieb eine Maschine hinstellt, die alle Probleme löst. Aber die Mittel zur Dekarbonisierung gibt es bereits: Erneuerbare-Energien- und Effizienz-Techniken. Wir müssen sie annehmen! Ein Industrieland wie Deutschland muss vorleben, dass man eine erfolgreiche Wirtschaft auch ohne fossile Energie aufbauen kann. Viele haben Angst vor Einschränkung. Dabei ist das, was uns die Klimakrise bis jetzt abverlangt – nämlich den eigenen Konsum zu hinterfragen und anzupassen – ein sehr kleiner Preis. Machen wir’s solange es noch easy ist. Jede Unterstützung zählt. Mit unserem Impact-Rechner kannst du sogar berechnen, wie dein Wechsel zu Ökoenergie die Welt verändert. Zum Guten! 

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Michael | Team Wirklich

E-Mail: [email protected]

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Und wir bedanken uns mit 20 Euro. Schnapp dir jemanden, der auch zu wirklich besserer Energie wechseln möchte – und ihr bekommt beide 20 Euro auf eure nächste Stromrechnung gutgeschrieben. Gemeinsam verändern wir mehr!

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