Die Abhängigkeit von fossilen Rohstoffen wird immer zu Leid führen. Warum deine Wahl für Ökoenergie auch friedensstiftend ist – und wie wir unabhängiger von Energie-Diktaturen werden. 

von Michael

Warum in fossiler Energie so viel Hass steckt.

Eigentlich müssten sich jetzt alle um den Klimawandel kümmern. Aber wie immer, wenn sich Gesellschaften dazu durchringen, etwas zum Positiven zu drehen, kommt jemand mit seinem Mist dazwischen: Krieg. Wenn Staaten Staaten angreifen, tun sie das aus allen möglichen Gründen, doch meistens sind auch fossile Ressourcen im Spiel. Das Tragische: Sie müssten längst wertlos sein. Mit Öl, Kohle und Gas ruinieren wir uns das Klima und unsere Zukunft. Also, was will man noch mit dem Zeug? Zum Beispiel, was Russland damit macht. Erst Energie-Abhängigkeiten schaffen, um dann einen politischen Willen durchzusetzen, wie er zu den fossilen Energieträgern passt: komplett aus der Zeit gefallen. Die Dinosaurier wollen sich noch ein letztes Mal aufführen, damit sie nach ihrem Aussterben ja nicht in Vergessenheit geraten.

Das Dilemma des Abhängigen.

Deutschland hat sich besonders abhängig von Russlands Energie gemacht. Bis zum Krieg importierte Deutschland Kohle und Erdgas zu 50 % aus Russland, Öl zu 35 %. Diese Abhängigkeit bedeutet, dass ein Land wie Russland seinen Nachbarn überfallen kann und diesen Krieg von seinen Gegnern wie Deutschland auch noch finanziert bekommt. So hat Deutschland seit Kriegsbeginn bis Ende April 2022 laut Centre for Research on Energy and Clean Air Deutschland 9,1 Milliarden Euro an Russland für fossile Energien bezahlt. Es ist das Dilemma eines Abhängigen, der von seinem Stoff loskommen will, aber bei einem Radikalentzug zusammenbrechen würde. In diesem Fall die Wirtschaft.

Immerhin nabelt sich Deutschland schon ab. Nach dem Zweiten Fortschrittsbericht Energiesicherheit aus Mai 2022 ist der Importanteil von russischem Öl von 35 % auf 12 %, der von Kohle von 50 auf 8 % und der von Gas von 55 auf 35 % gesunken. Bis Sommer 2024 will man diesen Anteil noch mal auf 10 % reduzieren. 

Fossile Energien und internationale Konflikte.

Es gibt eine unschöne Wahrheit über all die Konflikte und Kriege, die täglich – und oft unbeachtet von der Öffentlichkeit – ausgetragen werden. Doch dazu gleich mehr. 2021 gab es weltweit 20 Kriege, wie aus dem Konfliktbaromter des Heidelberger Instituts für Internationale Konfliktforschung hervorgeht. Der russische Angriffskrieg in der Ukraine war in dieser Aufzählung noch nicht vertreten. Bezieht man innerstaatliche und nicht offiziell militärisch geführte Konflikte und Krisen ein, sind es weitaus mehr. Das Heidelberger Institut nannte 2021 weltweit 355 Konflikte (2020: 359), darunter 204 gewaltsame.

"In 2021, HIIK observed a total of 355 conflicts worldwide. About 60 percent, 204, were fought violently, while 151 were on a non-violent level" – Analyse im Konfliktbarometer 2021.

Konflikte und Kriege sind der Preis für Öl und Gas.

Der Global Conflict Tracker zeigt, wo auf der Welt die Waffen erhoben werden. Neben Afrika ist vor allem der Nahe und Mittlere Osten im Fokus bewaffneter Konflikte. Also genau die Region, in der es sehr viele fossile Bodenschätze wie Öl, Gas, aber auch Rohstoffe wie Kobalt, Kupfer, Uran oder Gold gibt. Es ist der Preis für den globalen Hunger nach und unsere bisherige Abhängigkeit von fossilen Energien.

Natürlich sind die Gründe für Krisen und Kriege oft vielschichtig (unterdrückte Minderheiten, religiöse Gründe usw.). Aber ein Muster fällt immer wieder auf – und damit sind wir wieder bei der unschönen Wahrheit: In vielen Auseinandersetzungen zwischen Staaten sind Streitigkeiten um fossile Rohstoffe Ursache für bewaffnete Konflikte. Das sagt etwa das Heidelberger Institut für Internationale Konfliktforschung, das analysiert hat, dass fossile Energien die häufigste Konfliktursache sind, wenn Kriege wegen Rohstoffen ausgetragen werden. Gefolgt von Konflikten um Fischereirechte und Wasser.

Global Conflict Tracker
Der Global Conflict Tracker zeigt Konflikte und Kriege weltweit.

Dadurch dass wir und andere Länder fossile Energien aus Staaten beziehen, in denen Konflikte herrschen, hängen wir aber voll mit drin. Fossile Energien sorgen für (territoriale) Streitigkeiten und begünstigen Kriege. Eine Wahrheit, der wir ins Auge sehen müssen. Wirklich.

Deine Entscheidung für Ökoenergie ist eine für den Frieden.

Das waren jetzt womöglich ein paar unschöne Erkenntnisse. Aber es gibt auch eine wirklich gute Nachricht. Und die lautet, dass du mit deiner Entscheidung für Ökostrom oder Biogas was bewirken kannst, die Erde zu einem bisschen friedlicheren Ort machen und das graue fossile Zeitalter mit seinen Schattenseiten begraben kannst. Du hast schon Energie aus erneuerbaren Quellen zuhause? Umso besser! Das ist ein echtes Statement. Je mehr saubere Energie wir aus Sonne, Wind, Wasser oder Biomasse beziehen, desto größer ist der Impact für mehr Frieden und weniger fossile Abhängigkeiten (von autoritären Staaten) in der Welt.

Windräder Windkraft
Wind- und Solarkraft machen uns unabhängig von fossilen Energien und Energieimporten.

Raus aus fossiler, rein in erneuerbare Energie - jetzt Ökostromtarif berechnen.

Warum Krieg auch ein Angriff auf den Klimaschutz ist.

Unser Dealer wiederum, Russland, ist nicht so stark, wie er sich aufmuckt. Die Hälfte von Russlands Exporterlösen stammt aus fossilen Brennstoffen. Aber viel mehr ist da nicht. Deutschlands Bruttoinlandsprodukt (BIP) ist doppelt so groß. Man muss es deshalb erwähnen, weil ein Staat wie Russland die Nutzung von fossilen Energieträgern künstlich verlängern muss und den Klimaschutz immer sabotieren wird, um nicht einzusacken, wie so ein peinlicher Bizeps, aus dem man die Luft raus lässt.

Kriege verursachen Klimaschäden. 

Das ganze Kriegsgerät muss auch erst mal gebaut werden. Flugzeuge, Schiffe, Waffen, Munition verursachen Emissionen und verschlingen Ressourcen, nur um als kolossale Einwegprodukte zu explodieren und zu verbrennen. Über die Klimaauswirkung von Militär und Krieg gibt es kaum Zahlen. Erstens gehört die Geheimhaltung der Infos zur nationalen Sicherheit. Zweitens verteilen sich die Emissionen der Rüstungsindustrie auf viele vermeintlich harmlose Bereiche. Artilleriewaffen fallen zum Beispiel in den Bereich „Installation von Maschinen und Ausrüstung“.

Warum die Energiepreise in die Höhe schießen und auch Ökostrom teurer wird.

Die Energiepreiskrise hat nicht erst 2022 begonnen. Auch wenn das so scheint. Sie köchelte bereits 2021 wie heißes Nudelwasser vor sich hin, damals noch weitgehend unbemerkt. Die Gründe und Ursachen für die Energiepreiskrise sind vielfältig:

Erhöhte Nachfrage nach Corona.

Nach dem Abflauen der Corona-Pandemie, während der Fabriken in Lockdowns geschlossen oder nur im Teilbetrieb waren, erhöhte sich in der Wirtschaft weltweit wieder die Nachfrage nach Energie. Das trieb die Preise für Gas und Strom in die Höhe. Und das bereits ab Sommer 2021.

Teures Gas für Stromerzeugung.

Einen Teil unseres Stroms erzeugen wir in Deutschland mit Gas. 2021 betrug der Anteil von Erdgas als Energiequelle im Strommix 10,4 %. Was nach wenig klingt, ist im Zweifel ziemlich entscheidend. Denn Strom aus Erdgas kann sehr kurzfristig erzeugt werden. Er wird daher genutzt, um plötzliche Nachfragespitzen aufzufangen. Erdgas dient im Erzeugungsmix dazu, Engpässen in der Versorgung zu füllen. Das Verfahren ist aber sehr teuer.

Kaum Wettbewerb am Energiemarkt.

Die hohen Kosten an den Energiebörsen seit Ende 2021 rauben vielen Anbietern den finanziellen Spielraum, um mit günstigen Tarifkonditionen Neukunden zu locken. Einige Billiganbieter sind aufgrund der Situation an den Börsen sogar in die Insolvenz gerutscht. 2023 dürfte sich die Lage kaum entspannen.

Große Stromengpässe in Frankreich.

Frankreich setzt in seinem Energiemix nach wie vor stark auf Atomkraft. Weil aber 2022 gleich mehrere alte Kernkraftwerke wegen Totalausfällen monatelang nicht am Netz waren, musste Frankreich sehr viel Strom aus den Nachbarländern importieren. Das treibt Expert:innen zufolge den Strompreis in ganz Europa in die Höhe. Zumal Deutschland teuren aus Erdgas erzeugten Strom nach Frankreich importiert. Eine Zahl verdeutlicht die Misere besonders: 2022 erreichte die Stromexportmenge aus Deutschland nach Frankreich mit rund 5 Terawattstunden einen neuen Höchstwert (Stand: August 2022).

Der Krieg Russlands.

Als wäre all das nicht schon heftig genug, versetzte der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine 2022 Europa und den Energiemarkt nochmal in einen Schockzustand. Die Energiepreise verteuerten sich, Russland stellte seine Erdgaslieferungen an die EU-Länder de facto ein und schon war Energie so knapp wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Stattdessen mussten Deutschland und andere Länder für hohe Summen Gas und Öl auf dem Weltmarkt beschaffen, was für Verbraucher:innen und Wirtschaft teure Preise zur Folge hatte.

Warum auch Ökostrom und -gas teuer werden.

Leider sind auch Kund:innen mit Ökoenergie von der Preisrallye betroffen, obwohl sie klimafreundliche Energie beziehen. Der Strombedarf in Deutschland wird durch viele verschiedene Kraftwerke gedeckt, fossile wie erneuerbare. Und so betreffen die aktuellen Entwicklungen am Ende alle Marktteilnehmer, egal welche Energie sie produzieren. Die Engpässe im Gasmarkt wegen des russischen Lieferstopps haben quasi eine Kettenreaktion in Gang gesetzt und den Strommarkt samt Ökostrom erreicht. So mussten auch Ökoenergieversorger wie Polarstern zu teuren Konditionen an der Energiebörse einkaufen, weil das Merit-Order-Prinzip hier durchgriff. Mehr zum Merit-Order-Prinzip liest du hier.

Warum erneuerbare Energien friedensstiftend sind...

Erneuerbare Energien sind die Chance, Kriege um Ressourcen zu verhindern. Sie haben eine beruhigende Funktion, nicht nur auf das Klima. Nicht erst seit dem Angriff Russlands auf die Ukraine spricht man bei erneuerbaren Energien manchmal von Friedens- oder Freiheitsenergien. Die Begriffe klingen sehr theatralisch, sind aber nicht so verkehrt. Erneuerbare Energien sind insofern friedensstiftend, weil so gut wie jedes Land sie für sich nutzbar machen kann. Manche Regionen sind von der Sonne verwöhnt, andere sehr windig oder wasserreich. Andere Länder wiederum haben von allem etwas. Trotzdem könnte niemand für sich behaupten auf den größten Erneuerbaren-Energien-Reserven der Welt zu sitzen.

Nicht mal Putin kann dir die Sonne abschalten. 

Erneuerbare Energien erzeugen bei weitem nicht die Abhängigkeitsverhältnisse, wie wir sie von Öl oder Gas kennen. Sie eignen sich viel weniger als geopolitisches Druckmittel von zweifelhaften Staatschefs. Zwar weiß man nie, welchen Blödsinn sich die Menschen jetzt wieder ausdenken, aber bislang kann man seinem Nachbarstaat nicht einfach so den Wind abdrehen oder die Sonne abschalten. Erneuerbare Energie kann immer an Ort und Stelle produziert und konsumiert werden. Deals mit autoritär regierten Staaten, die Energie als Druckmittel für ihre eigene politische Agenda nutzen, kann man so von vornherein ausschlagen. Und letztlich federt mehr Unabhängigkeit auch die Preise ab – was für den inneren Frieden eines Landes ebenso von Bedeutung ist.

Erneuerbare Energien helfen gegen Konflikte um fossile Ressourcen.

Die Energieökonomin Claudia Kemfert vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) sagt, erneuerbare Energien sind Friedensenergien. Für mehr Frieden sei es bedeutend, dass Deutschland und der Rest der Welt seine Abhängigkeit von Öl- und Gasimporten beerdigt. "Wir müssen raus aus diesem fossilen Energiekrieg", sagt Professorin Kemfert. Die Auseinandersetzungen mit Russland aufgrund des Ukraine-Kriegs seien nicht die ersten und einzigen dieser Art. Die Energiewende mit erneuerbaren Energien sei "das beste Friedensprojekt, was wir weltweit haben", so die Energieökonomin.

"Das beste Friedensprojekt, was wir weltweit haben" ­– Claudia Kemfert im Deutschlandfunk über die Energiewende.

...und noch dazu krisenresistent sind.

Erneuerbare Energien sind wichtig, um die Krisen dieser Welt einzudämmen. So weit so gut. Aber es gibt noch mehr Vorteile! Sie sind auch krisenresistenter. Ein Beispiel: Wenn einzelne Kraftwerke aufgrund einer Krise oder eines Kriegs dicht machen müssten oder weniger erzeugen oder eine wichtige Pipeline eingestellt wird, ist man mit Ökoenergie wesentlich besser aufgestellt. Die Erneuerbaren-Energien-Anlagen sind dezentraler organisiert und dadurch flexibler aufgestellt. Außerdem gibt’s Wind und Sonne fast überall gleichermaßen (und scheint die Sonne mal nicht, weht dafür der Wind).

Kommt es zu Ausfällen, etwa weil das Personal bestimmte Anlagen nicht warten kann, kann ein Schwarm an PV-Anlagen, Windrädern und dezentralen Wasserkraftwerken den Schaden begrenzen.

Die Versorgung mit konventioneller Energie ist dagegen oft zentral ausgerichtet. Fällt zum Beispiel ein Kohle- oder Fernwärmekraftwerk aus, ist es schwieriger, den Verlust adäquat auszugleichen. Die Energiewende ist nicht nur eine Umstellung der Energieversorgung auf regenerative Quellen. Sondern ebenso ein Shift hin zu einer dezentralen Struktur.

Polarstern treibt die dezentrale Energiewende voran.

Wie solche Strukturen und eine dezentrale Energiewende aussehen, haben wir bei Polarstern mit vielen Partnern in Esslingen am Neckar umgesetzt. Dort wurden in einem klimaneutralen Wohnquartier die Sektoren Strom, Heizen und E-Mobilität miteinander verbunden. Herausgekommen ist ein innovatives Vorzeige-Wohnquartier, das seinen Strom dank PV-Anlagen und Mieterstrom selbst erzeugt und dezentral vor Ort verbraucht. Überschüssiger Solarstrom aus den lokalen Photovoltaik-Anlagen wird in Esslingen zudem mittels Elektrolyse umgewandelt und so grüner Wasserstoff produziert. Die Wärme, die beim Vorgang der Elektrolyse entsteht, trägt zur Versorgung des Quartiers bei. Zack und tschüß fossile Abhängigkeiten!

Klimaquartier Esslingen Luftbild Energiewende
Neue Weststadt in Esslingen: Hier ist die dezentrale Energiewende schon Wirklichkeit.

Was jetzt die Energiewende gefährdet – und wieso die Aussichten trotzdem gut sind.

Die große Herausforderung ist jetzt die Übergangszeit, um sich aus der Abhängigkeit von Russland zu lösen. Kurzfristig braucht man neue Energielieferanten, schließt aber wieder langfristige Verträge und begibt sich dadurch in neue Abhängigkeiten. Und dabei ist nicht gesagt, dass die jetzige Infrastruktur ausreicht. Vielleicht braucht man schließlich doch neue LNG-Terminals, Transportwege, neue Pipelines oder muss sogar neue Öl- und Gasfelder erschließen.

Die Schaffung neuer Infrastruktur kann den Ausstieg aus den fossilen Energieträgern erneut um Jahre verzögern. Und dann steht man wieder vor der gleichen Frage wie jetzt, ja wie seit Jahrzehnten eigentlich: Warum haben wir nicht gleich in erneuerbare Energien investiert? Dieser Loop muss durchbrochen werden. Jetzt. Es ist ja nicht so, dass wir mit leeren Händen dastünden.

Solarstrom ist preislich schon jetzt unschlagbar.

Klar, zuletzt sind die Energiepreise krass gestiegen. Seit vielen Jahren ist der Strompreis in Deutschland immer teurer geworden. Doch ein Teil dieser Entwicklung ist auch, dass die Strompreise wegen der teuren fossilen Energieträger (Stichwort Kohleverstromung) in die Höhe geschossen sind.

Mit erneuerbaren Energien geht’s aber auch anders! Gerade wenn du zuhause selbst Strom mit einer PV-Anlage erzeugst, kommst du schon jetzt viel günstiger weg. 2022 kostete eine kWh Strom aus dem Netz laut dem Vergleichsportal Verivox durchschnittlich 43 Cent (2012 noch 25 Cent pro kWh). Die sogenannten Stromgestehungskosten, also die Kosten für die Erzeugung von Solarstrom, betragen hingegen im Schnitt nur 8 bis 11 Cent, sind also um ein Vielfaches günstiger. Mit Wirklich Eigenstrom von Polarstern zusätzlich zu deiner PV-Anlage bist du unabhängig und flexibel und zahlst nur, was du verbrauchst.

Jahr Strompreis pro kWh
2022 43,00 Cent/kWh
2021 30,73 Cent/kWh
2020 29,36 Cent/kWh
2019 29,51 Cent/kWh
2018 27,82 Cent/kWh
2012 24,93 Cent/kWh


Quelle: Verivox

Anmerkung: Der Endkunden-Strompreis lag laut Verivox im Schnitt bei 43 Cent pro Kilowattstunde (Stand: November 2022). Mit eigenem PV-Strom ist Strom aber deutlich günstiger.

12 Wege zur eigenen Energie-Unabhängigkeit.

1. Unabhängige Energieversorger. 

Das Ziel der Energiewende darf nicht nur der Wechsel zu erneuerbarer Energie sein. Der ganze Markt muss dezentraler organisiert werden, mit vielen kleineren Energieversorgern. Die 20 größten Emittenten von 1854 bis 2010 waren allesamt Kohle-, Gas- und Ölkonzerne. Energiekonzerne haben den Klimawandel größtenteils zu verantworten und über die Erkenntnisse viel zu lange gelogen. Seit den 70er Jahren wussten sie, welchen Einfluss ihr Handeln auf das Klima hat. Auch viele heutigen Ökostromanbieter gehören zu großen Energieunternehmen. Dort besteht immer die Gefahr, dass du mit deiner Ökostromrechnung auch die fossilen Energieträger quersubventionierst. Es ist ganz einfach: So lange damit Geld verdient wird, werden fossile Ressourcen den Energiemarkt dominieren. Entscheide dich lieber von Anfang an für einen unabhängigen Ökostromanbieter. Es sind nicht viele.

Wer zu wem gehört

2. Ökogas. 

Den gesamten Gasbedarf wird man nicht mit Biogas decken können. Mit genau dieser Begründung wurden die Biogas-Kapazitäten nicht ausgebaut. Dabei ist Biogas ein sehr wichtiges Puzzlestück der Energiewende. Für Biogas müssen keine Gasfelder erschlossen werden. Man macht ganz einfach Gas aus Müll – und schlägt so gleich zwei Fliegen mit einer Klappe: Müll verschwindet, und Energie entsteht. 

Wirklich Ökogas. 

Bei Polarstern zum Beispiel bieten wir Wirklich Ökogas. Es ist komplett frei von fossilem Erdgas und wird zu 100 % aus biogenen Rest- und Abfallstoffen gewonnen. Wer es nutzt reduziert nicht nur seinen CO2-Fußabdruck um ein riesiges Stück – sondern hält auch seine Heizung aus Konflikten raus. 

3. Mieterstrom. 

Eine riesige Chance für die dezentrale Energiewende und mehr Energieunabhängigkeit ist der Ausbau von Mieterstrom. Darunter versteht man die Ausstattung ganzer Miethäuser, Wohnblöcke, Quartiere und Geschäftsgebäude mit Photovoltaikanlagen, bei der die Mietparteien direkt den am Haus produzierten Ökostrom verbrauchen. Der Ökostrom vom Dach ist günstiger und treibt mit einem Schlag auch die Energiewende in anderen Sektoren voran. So wird der Ökostrom in den Miethäusern auch zum Laden von Elektroautos genutzt. In einem Mieterstrom-Projekt von Polarstern in Esslingen wird der überschüssige Strom auch zur Erzeugung von grünem Wasserstoff genutzt. Es gibt wirklich viele Möglichkeiten.  

4. Private Photovoltaikanlagen. 

Wer ein Eigenheim besitzt und schon länger mit der Idee spielt, sich eine Photovoltaikanlage aufs Dach zu installieren, bekommt jetzt die Entscheidung praktisch von der Realität abgenommen. Photovoltaikanlagen machen Familien unabhängiger vom Stromnetz und seinen steigenden Energiepreisen und eignen sich besonders gut, wenn größere Stromverbraucher im Haus genutzt werden, etwa Wärmepumpen oder Elektroautos. Das bringt’s: Laut einer Studie der Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin können Haushalte mit Solaranlage, Batteriespeicher und integrierter Wärmepumpe jetzt schon bis zu 65 % des benötigten Stroms aus eigener Erzeugung decken.

5. Steckermodule für Wohnungen. 

Mieter:innen, die einen Balkon haben, können die Entwicklung von Solarenergie mit Balkonmodulen unterstützen. Das sind kleine Solarpanele, die man einfach nur in die Steckdose steckt. Natürlich deckt man mit den Steckermodulen nur einen kleinen Teil seines Strombedarfs – aber für ein paar elektronische Geräte reicht’s. Wie schon Robert Habeck gesagt hat: „Jede eingesparte Kilowattstunde schadet Putin“. Das schaffst du auch mit Steckermodulen.

6. Solarthermie. 

Sonnenenergie eignet sich auch zum Heizen. Solarthermie-Anlagen produzieren einen Teil der Energie für die Heizung und die Warmwasseraufbereitung. Nach einer Faustregel kann die Solarthermie den Warmwasserbedarf bis zu 60 % decken. Wird die Solarthermieanlage für Heizung und Warmwasser genutzt, liegt der Deckungsgrad des gesamten Verbrauchs bei etwa 20 bis 30 %.

7. Wärmepumpen. 

Deutschland leidet schon länger an einem kleinen Sanierungsstau, vor allem bei den Heizungen. Man muss sagen, dass viele Gebäudebesitzer:innen mit ihrer Heizungswahl die Abhängigkeit von fossilen Energieträgern unbewusst unterstützt haben. Laut Bundesverband der Deutschen Heizungsindustrie waren 2020 noch 53 % der Heizungen – 11,13 Millionen – in Deutschland veraltet und ineffizient. Beim Austausch entschieden sich bis vor Kurzem trotzdem viele Hausbesitzer:innen für die alte Technik. Rund 653.000 Gasheizungen wurden laut Bundesverband der Deutschen Heizungsindustrie (BDH) 2021 in Deutschland installiert – so viele wie seit 25 Jahren nicht. Jetzt soll der Einbau von Gasheizungen ab 2024 nur noch in Ausnahmefällen bewilligt werden.

Das gibt Wärmepumpen den längst überfälligen Push. Mit Ökostrom betrieben, senken sie die CO2-Emissionen des eigenen Wärmeverbrauchs auf 0, verdrängen die Gas- und Öltechnik aus den Kellern und machen so unabhängiger von Energieimporten. Und wo soll der Strom herkommen? Von oben. Vor allem Eigenheimbesitzer:innen können ihr eigenes Dach dazu nutzen, ihre Wärmepumpe mit Ökostrom aus der eigenen PV-Anlage zu versorgen. 

8. E-Autos. 

Für Innenstädter:innen werden Autos zunehmend zur Belastung fürs Konto und die Nerven. Denn viele Städte wachsen und es kommen immer mehr neue Autos dazu. Demgegenüber stehen Unternehmen oder Familien, die nicht einfach so aufs Auto verzichten können. Bei einem Neukauf sollte man jetzt den Antrieb wechseln. Das verdrängt Benzin und Diesel (und damit Öl) vom Markt, reduziert Luftschadstoffe und Treibhausgase und ist auch noch günstiger. Laut einer Studie von Greenpeace ist das Elektroauto sogar eins der günstigsten Mobilitätsangebote für Familien mit Kindern ab 14 Jahren. Wer konsequent Ökostrom lädt, fährt emissionsfrei und gleicht die CO2-Emissionen, die bei der Produktion des Autos entstanden sind, schon nach wenigen Jahren aus. 

9. Energiesparendes Fahren. 

Ein funktionsfähiges Auto frühzeitig aufzugeben, um sich ein neues zu kaufen, ist natürlich auch keine nachhaltige Lösung. Wen das jetzige Auto noch eine Weile begleiten wird, kann sich immerhin einen energiesparenden Fahrstil angewöhnen. Die Energieökonomin Claudia Kemfert vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) schätzt, dass ein Tempolimit den Ölimport aus Russland um 5 bis 7 % reduzieren könnte. Sprit sparst du außerdem, indem du zum Beispiel dein Auto nicht unnötig belädst, energiesparende Reifen nutzt und ganz wichtig: den Motor ausstellst, wenn du irgendwo hältst. 

10. Energiesparen im Alltag. 

Im Alltag gibt es so viele Möglichkeiten, Strom und Wärme zu sparen, dass man gar nicht weiß, wo man anfangen soll. Oder doch: Dort, wo du die meiste Energie verbrauchst, nämlich beim Heizen. Hier kannst du richtig viel sparen. Zum Beispiel indem du die Heizung nicht so weit aufdrehst, sie nicht mit großen Gegenständen vollparkst oder die Türen von warmen Räumen geschlossen hältst. Wir kennen 38 Heiztipps, die wirklich was bringen. Nur mal so: Laut Heizspiegel können die Deutschen durchschnittlich 490 Euro sparen. Beim Stromverbrauch soll das durchschnittliche Sparpotenzial bei 320 Euro liegen. Auch da haben wir jede Menge Tipps. Gebündelt findest du alle Energiespartipps hier: 99 Energiespartipps 

99 Energiespartipps

11. Veränderung der Wirtschaft.

Die Abhängigkeiten von fossilen Energieträgern werden künstlich aufrechterhalten, weil immer noch zu viele Menschen an ihnen verdienen. So gehört etwa Gazprom zur einen Hälfte Russland, aber zu anderen Anteilseigner:innen – auch aus dem Westen. Solange fossile Energien Geld bringen, werden sie immer neues Leid verursachen. Achte bei der Wahl deiner Bank und deines Energieversorgers, dass sie nicht in fossile Energien investieren. Beim Alltagskonsum sollten wir Unternehmen bevorzugen, die nicht gewinnmaximierend wirtschaften, sich für Arbeitsrechte, Umwelt- und Klimaschutz einsetzen. Social Businesses bieten zudem Produkte, die auch immer eine Lösung für ein gesellschaftliches Problem parat halten. Du findest sie zum Beispiel auf unserer Social-Business-Karte.

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12. Energiegerechtigkeit.

Bei Krieg und Klimakatstrophe wird immer noch zu kleinteilig gedacht. Natürlich sind hohe Benzinpreise ein Thema, aber es darf nicht die Agenda anführen. Entscheidend ist, wie der Umstieg auf erneuerbare Energien weltweit gelingen kann. Und wie er gerecht gelingen kann. Industriestaaten wie Deutschland, die stark zum Klimawandel beigetragen haben, müssen Länder unterstützen, deren Einfluss auf die Erderwärmung gering ist, aber von den Folgen wie Hitze und Dürre am stärksten betroffen sind. Die Klimaveränderungen vernichten Wasser, Lebensmittel und Wohnraum und schaffen so neue Konflikte und Kriege. Die Weltbevölkerung wächst, und der Energiebedarf wird immer größer. Energie ist der Schlüssel für ein besseres und friedliches Leben. So wie Nikos Tsafos vom Center for Strategic and International Studies neulich gesagt hat: „Früher oder später ist Energiesicherheit einfach Sicherheit “.

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Michael | Team Wirklich

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