

Diese Siegel kennzeichnen Unternehmen, die wirklich nachhaltiger werden wollen.
Biosiegel oder Fair-Label kennzeichnen Produkte, die bestimmte Mindeststandards beim Umweltschutz oder fairen Handel erfüllen. Cool. Aber was, wenn ein Unternehmen neben diesen Produkten auch zig andere anbietet, die nicht fair oder bio sind? Dann ist es besser, gleich Unternehmen zu finden, die sich insgesamt fairer und nachhaltiger aufstellen – oder aufrichtig daran arbeiten. Zum Glück gibt es Siegel, die diese Unternehmen zertifizieren.
Es ist ein Kreuz mit diesen Siegeln. Natürlich braucht man sie auf Produkten, um zu erkennen, ob diese aus dem ökologischen Anbau stammen oder fair gehandelt wurden. Doch neben dem offiziellen EU-Umweltzeichen oder EU-Bio-Siegel, die rechtlich bestimmte Mindeststandards vorschreiben, dürfen Unternehmen ihre Produkte auch einfach so als umweltfreundlich, emissionsarm oder klimafreundlich bewerben. Was das Produkt dann umweltfreundlich, emissionsarm oder klimafreundlich machen soll, bleibt meistens das Geheimnis des Anbieters. Greenwashing nennt man diese Praxis, bei der man Produkte grüner aussehen lässt, als sie sind. Die geschönten Claims sollen die umwelt- und klimabewusste Kundschaft zum Kauf locken – und natürlich insgesamt positiv aufs Unternehmen abfärben.
EU schaut sich das nicht länger an.
Die EU plant ein Gesetz, das Verbraucher:innen besser vor Greenwashing schützen soll. Mit dem Gesetz will die EU aber auch Unternehmen schützen, die wirklich an sich arbeiten, nachhaltiger zu werden. Begriffe wie Nachhaltigkeit oder Klimaschutz dürfen im Kampf gegen die Klimakrise nicht zum Witz verkommen. EU-weit gibt es derzeit 230 Umweltzeichen, doch die Masse sorgt mehr für Chaos als für Sicherheit. Die EU-Kommission will hier Klarheit. So wie es bei den offiziellen EU-Bio- und Umweltzeichen Mindeststandards gibt, soll auch bei den freiwilligen Zeichen nicht länger jeder machen, was er will. Mit der Green Claims Directive sollen die Umweltzeichen ökologischen oder sozialen Mindeststandards entsprechen. Vor allem sollen Unternehmen belegen können, was ihre Produkte nun umweltfreundlich, umweltschonend oder klimafreundlich macht. Denn die Grünfärberei gefährdet Klimaziele, weil sich viele Konzerne nach außen als Klimaschützer in Szene setzen, gleichzeitig ihren Konsum von fossilen Energieträgern nicht senken. Verbraucher:innen müssen wissen, wer es ernst meint, und wer nicht.
Grüne Produkte reichen nicht.
Doch selbst wenn es sich um gute Produkte handelt. Es reicht nicht aus, hier und da grüne und faire Produkt und Angebote zu machen. Um Ausbeutung und Umweltzerstörung einzudämmen, müssen sich Unternehmen insgesamt nachhaltiger aufstellen. Die Wirtschaft in ihrer jetzigen gewinnmaximierenden Form ist zerstörerisch, für die Gesellschaft und die Umwelt. Mit einzelnen nachhaltigen Produkten lindert man höchstens Symptome.
Eine neue Definition von Erfolg.
Unternehmen, die nicht einfach nur ein grünes Produkt auf den Markt werfen, sondern die Wirtschaft insgesamt ökologischer und fairer ausrichten wollen, gibt es auch. Oft tragen sie ein Zertifikat – zum Beispiel von der Gemeinwohl-Ökonomie oder B Corp™. Beide Zertifizierungen bieten Unternehmen einen Weg, sich nachhaltiger und sozialer zu entwickeln. Es geht dabei nicht um die Überwindung der Marktwirtschaft – sondern darum, wie man diese stärker für das Gemeinwohl nutzt. Daraus folgend geht es um eine Neudefinition von unternehmerischem Erfolg. Normalerweise wird der Erfolg eines Unternehmens daran gemessen, wie viel Geld es abwirft. Und eigentlich ist das ganz schön arm. UN-Generalsekretär António Guterres hat einmal passend festgehalten: "Wir zerstören die Natur, aber wir zählen das als Anwachsen unseres Reichtums." Ohne eine intakte Umwelt und eine gesunde Gesellschaft kann es aber nicht einmal persönlichen Wohlstand geben – sonst lebt man einfach nur im goldenen Käfig. Und selbst der ist in Zeiten der Klimakrise längst nicht mehr sicher.
Gemeinwohl-Ökonomie.
Vor allem im deutschsprachigen Raum ist die Gemeinwohl-Ökonomie eine bedeutende Unternehmenszertifizierung. Die Gemeinwohl-Ökonomie strebt eine Wirtschaft an,
- in der nachhaltige, langlebige Produkte Standard sind,
- in der so vieles wie möglich regional erzeugt wird,
- in der man sich nicht gegenseitig ausbeutet und über den Tisch zieht.
- in der Umwelt- und Klimapolitik immer mitgedacht werden.
- die sich dem Gemeinwohl verpflichtet fühlt, nicht dem Wohlstand Einzelner.
Die Gemeinwohl-Ökonomie lehnt das Prinzip der Gewinnmaximierung ab, weil diese erst zur Klimakrise geführt hat, in der sich die Erde nun befindet. Die GWÖ fordert eine Wirtschaft mit Manieren. Werte wie Menschenwürde, ökologische Nachhaltigkeit, demokratische Mitbestimmung oder soziale Gerechtigkeit müssen Teil des wirtschaftlichen Handelns sein. Diese Werte dienen auch als Beurteilungsgrundlage für das Zertifizierungsverfahren sowie als Wegweiser für die Unternehmensentwicklung. Das Tool dazu heißt Gemeinwohl-Matrix. Diese Matrix repräsentiert vier zentrale Werte des gemeinwohlorientierten Wirtschaftens – und wie diese zu den jeweiligen Bezugsgruppen eines Unternehmens umgesetzt werden.

Gemeinwohl-Bilanzen.
Die Gemeinwohl-Matrix dient als Vorlage für Gemeinwohl-Bilanzen. Diese Unternehmens-Bilanzen bewerten weniger finanzielle Aspekte und halten fest, welchen ökologischen und sozialen Gewinn das Unternehmen für seine Umwelt darstellt. Dabei wird für jeden Wert in der Matrix festgehalten, wie stark dieser intern und extern gelebt wird. Im Bezug auf die eigenen Mitarbeiter:innen würde man zum Beispiel der Frage nachgehen, ob die Menschenwürde gewahrt ist. Um die Frage zu beantworten, kann ein Unternehmen zum Beispiel eine Mitarbeiter:innenbefragung durchführen, um den Ist-Zustand festzuhalten. Daraus können Maßnahmen entwickelt werden, um die Beziehung zu verbessern.
Green- beziehungsweise Social Washing wird vermieden, weil nicht das Unternehmen seine Beziehungen bewertet, sondern externe Auditor:innen. Diese vergeben zu jedem Aspekt in der Matrix Punkte. Maximal kann ein Unternehmen 1.000 Punkte sammeln. Wer über 300 schafft, ist schon gut. Die Punkte sind ein Ansporn, um besser zu werden. Denn natürlich muss die Zertifizierung in regelmäßigen Abständen aufgefrischt werden. Bislang haben über 1.000 Unternehmen eine Gemeinwohl-Bilanz erstellt. Zu den GWÖ-Unternehmen zählen zum Beispiel unsere Polarstern-Kunden everdrop, BKK ProVita und Soulbottles. Und natürlich ist auch Polarstern seit vielen Jahren GWÖ-zertifiziert.
B Corp™.
B Corps sind Unternehmen, die nachweislich Standards für soziale und ökologische Leistung, Transparenz und Verantwortlichkeit erfüllen. Als Certified B Corporation™ in der Energiebranche gehören wir zu den Unternehmen, die eine globale Bewegung für eine integrative, gerechte und regenerative Wirtschaft anführen. B Corp™ treibt den wirtschaftlichen Wandel weltweit voran. Über 10.000 Unternehmen in mehr als 90 Ländern sind bereits Teil der Bewegung.

Video: Polarstern ist eine Certified B Corporation™.

Jedes Unternehmen kann sich grundsätzlich auf den Weg zur Certified B Corporation™ machen – sofern es die Anforderungen erfüllt. So bleibt die Bewegung kein exklusiver Kreis, sondern öffnet sich gezielt auch für Unternehmen, die sich weiterentwickeln wollen.
Der Zertifizierungsprozess ist anspruchsvoll: Im sogenannten B Impact Assessment werden zahlreiche Kriterien zur Unternehmensführung, zu Arbeitsbedingungen, sowie zu Auswirkungen auf Umwelt, Gesellschaft und Kund:innen geprüft. Die Angaben müssen belegt werden und werden von B Lab verifiziert.
Um zertifiziert zu werden, müssen Unternehmen mindestens 80 Punkte erreichen und sich auch rechtlich verpflichten, die Interessen aller Stakeholder zu berücksichtigen. Die Zertifizierung wird alle drei Jahre überprüft. Aktuell werden die Standards weiterentwickelt: Neue Anforderungen, etwa in den Bereichen Klima und Governance, machen die Zertifizierung noch verbindlicher und anspruchsvoller. Zu den Certified B Corporations™ in Deutschland zählen unter anderem Ecosia, Triodos Bank, Ecover – und Polarstern.
Warum man gerade im Energiebereich das ganze Unternehmen ins Visier nehmen muss.
Gerade im Energiebereich ist es wichtig, Unternehmen in ihrer Gesamtheit zu betrachten. Ökostrom war schon seit jeher kein geschützter Begriff. Die Gefahr des Greenwashings ist bis heute riesig. Es gibt keine allgemeinen Standards für Ökostrom. Häufig handelt es sich um Graustrom, der über einen Zertifikatehandel als grün vermarktet werden darf. Und nicht selten landen Verbraucher:innen bei Ökostromprodukten von Energiekonzernen. Diese bieten Ökostrom als Teil eines Portfolios und fördern vielleicht hier und da erneuerbare Energien. Sie verdienen aber nach wie vor dicke mit fossilen Energieträgern. Wenn du also mit deiner Ökostromrechnung Öl, Kohle und Erdgas nicht querfinanzieren willst, solltest du dir einen Ökostromanbieter suchen, der nicht mit der Fossil-Industrie verflochten ist. Entscheidend ist auch, dass Ökostrom nicht einfach ein grünes Produkt in einem sonst grauen Portfolio ist. Der Anbieter sollte ausschließlich erneuerbare Energie anbieten – und den Ausbau der erneuerbaren Energien vorantreiben.
So erkennst du guten ÖkostromWirklich bessere Energie.
Bei Polarstern gibt es nur Ökostrom aus Deutschland – aus Wasser- und Solarkraft. Und wir fördern die Energiewende weltweit. Für jede Kilowattstunde, die du verbrauchst, investieren wir 1 Cent in den Ausbau der erneuerbaren Energien in Deutschland. Pro Jahr und Kund:in investieren wir außerdem 20 Euro in die Energiewende in Kambodscha und Madagaskar. Polarstern ist sowohl eine Certified B Corporation™ als auch von der Gemeinwohl-Ökonomie zertifiziert. Wenn du weitere Unternehmen suchst, die nicht einfach nur ein grünes Produkt anbieten, sondern insgesamt für eine faire Wirtschaft eintreten, nutz unseren Social-Business-Map. Dort haben wir sämtliche Unternehmen in Deutschland gelistet, die von B Corp™ oder der GWÖ zertifiziert sind oder Mitglied von Impact Hub und dem Social Entrepreneurship sind. Happy shopping!
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