Pflanze mit Etikett

Auf Produkten sind allerhand Siegel zu finden. Sozialsiegel, Nachhaltigkeitssiegel und natürlich Öko-Siegel. Was die Siegel aussagen, welche wirklich gut sind – und wie du zum Einkaufs-Pro wirst. 

von Michael

 

Ein bewusster Konsum ist wie alles im Leben: ein Lernprozess. So wie man besser im Sport oder im Job wird, wird man auch besser im Einkaufen. Am Anfang steht die bewusste Entscheidung für ein Bio- oder ein fair gehandeltes Produkt. Erst mit der Zeit entwickelt sich das Bewusstsein, dass es auch hier Unterschiede gibt. Manche Produkte sind fairer als andere, in wieder anderen steckt ein bisschen mehr Bio. Sozialsiegel und Biolabel vereinfachen die Suche. Aber für was stehen sie eigentlich? Und welche sind wirklich gut? 

 

Das Wichtigste über Sozialsiegel.

Sozialsiegel stehen für den fairen Handel und kennzeichnen, dass Anbieter die Arbeits- und Lebensbedingungen der Bauern und Beschäftigten, bei denen sie ihre Rohstoffe beziehen, verbessern wollen. Denn auf dem Weltmarkt sind die Preise meistens so mickrig, dass die Bauern nicht mal ihre Produktionskosten decken können. Hungerlöhne und Ausbeutung mit allen bitteren Konsequenzen sind traurige Realität. 

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Prinzipien des fairen Handels.

Die meisten Sozialsiegel teilen deshalb die gleichen Grundsätze, nämlich: 

  • Mindestpreise für die Bauern.
  • Langfristige Handelsbeziehungen.
  • Vorfinanzierung von Ernten.
  • Prämien, die für Gemeinschaftsprojekte genutzt werden. Zum Beispiel für den Bau von Brunnen und Straßen oder für die medizinische Versorgung. 
  • Verbot von Kinder- und Zwangsarbeit.
  • Verbot von Gentechnik und giftigen Chemikalien. 
  • Förderung des ökologischen Landbaus. 
  • Einhaltung von Gesundheits- und Arbeitsschutzmaßnahmen.

 

Unterschiedliche Standards bei Mischprodukten. 

Gerade Mischprodukten, die mehrere Zutaten und Inhaltsstoffe haben, sind schwer zu bewerten. Während Monoprodukte wie Reis oder Kaffee immer zu 100 % fair gehandelt sein müssen, weil sich die Rohstoffe einfacher zum Erzeuger zurückverfolgen lassen, sind die Lieferketten bei Mischprodukten wie Schokolade oder Keksen wesentlich komplexer. Dadurch ist der Fair-Anteil in Produkten oft unterschiedlich hoch. 

 

Etikett verrät, wie hoch der Fair-Anteil ist. 

Mit einem Blick aufs Etikett kannst du aber erkennen, welche Produkte „fairer“ sind. Beim wohl bekanntesten Soziallabel Fairtrade muss der fair gehandelte Anteil in Mischprodukten bei mindestens 20 % liegen, bei Gepa, dem größten europäischen Importeur von fairen Produkten, bei mindestens 50 %. Grundsätzlich gilt, dass alle Zutaten, die im Fair-Standard verfügbar sind, auch verwendet werden müssen. 

 

Mengenausgleich: Die Fairness liegt woanders. 

Im Prozess der Weiterverarbeitung kommen bei vielen Produkten konventionelle und fair gehandelte Rohstoffe zusammen. Wie hoch der Fair-Anteil letztlich ist, kann dann nur noch schwer überprüft werden. Es kann sogar sein, dass in einer Fair-Trade-Schokolade nur konventionell gehandelter Kakao enthalten ist. Diese Produkte sind dann mit der Angabe Mengenausgleich versehen. Der Mengenausgleich gibt an, dass die nachgefragte Menge des Fairtrade-Rohstoffs auch produziert und verkauft wurde. Besser ist es natürlich, Produkte zu wählen, indem auch wirklich nur fair erzeugter Kakao drinsteckt – so wie Ökostrom auch immer zu 100 % aus erneuerbaren Energien erzeugt werden sollte.

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Es gibt faire Produkte – und faire Unternehmen.

Generell unterscheidet man im fairen Handel zwischen der Zertifizierung von Produkten – und der Zertifizierung ganzer Lieferketten. 

 

Produktzertifizierung. 

Bei der Produktzertifizierung bietet ein herkömmliches Unternehmen einzelne fair gehandelte Produkte an, verschreibt seine wirtschaftliche Tätigkeit aber nicht allein dem fairen Handel. Hier sind die Produkte oft mit dem Faitrade-Siegel zertifiziert, dem wohl bekanntesten Sozialsiegel. Vergeben wird das Siegel durch den Verein TransFair, der zwar selbst nicht mit Produkten handelt, sie aber lizensiert. 

 

Integrierte Lieferkette. 

Bei der integrierten Lieferkette richten Unternehmen ihr gesamtes Handeln nach den Grundsätzen des Fairen Handels aus. Hier sind nicht einzelne Produkte von einem Lizenzgeber wie Fairtrade zertifiziert, sondern das gesamte Unternehmen – von Dachorganisationen wie etwa der World Fair Trade Organization (WFTO). Unternehmen, die ihre Lieferketten nach den Prinzipien des fairen Handels ausrichten sind zum Beispiel Gepa oder El Puente. Bei beiden Anbietern muss der Fair-Handelsanteil bei Mischprodukte bei mindestens 50 % liegen, Monoprodukte sind natürlich immer zu 100 % fair. Ziel ist es, auch bei Mischprodukten einen hundertprozentigen Anteil von fairen Inhalten anbieten zu können. 

 

 

 

Fazit: Fairer geht immer.

Mit der Wahl eines fair gehandelten Produktes machst du immer etwas richtig. Du kannst aber immer noch mehr richtig machen, indem du dich für Produkte mit besonders hohem Fair-Anteil entscheidest. Und indem du Marken wählst, die insgesamt an einer fairen Lieferkette arbeiten, zum Beispiel Gepa oder El Puente. Weitere starke Siegel sind zum Beispiel Naturland Fair, Weltpartner oder HAND IN HAND von unserem Kooperationspartner Rapunzel, der bei allen fair gehandelten Produkten auf den direkten Handel mit den Erzeugern setzt. Weitere Fair-Siegel findest du auch bei der Verbraucherzentrale oder auf der Plattform Label-Online.

 

Das Wichtigste über Bio-Siegel.

Im Unterschied zu Sozialsiegeln regeln Bio-Siegel nicht den Umgang mit Mitarbeitern, sondern die Art des Anbaus. Die EU-Öko-Verordnung legt genau fest, wie Bioerzeugnisse hergestellt werden müssen. So müssen etwa Produkte, die mit dem EU-Biosiegel zertifiziert sind, zu mindestens 95 % aus Zutaten aus kontrolliert ökologischem Anbau stammen. 

 

Kontrolliert ökologischer Anbau.

Ökologischer Anbau heißt, dass der Einsatz von chemisch-synthetischen Pflanzenschutzmitteln verboten ist, ebenso Gentechnik und mineralische Kunstdünger. Fruchtfolgen und geschlossene Nährstoffkreisläufe sind von den Landwirten zu berücksichtigen, ebenso soll die Nitratbelastung des Grundwassers reduziert werden. Was als Bio durchgeht, ist in Europa also gesetzlich vorgegeben. Doch es gibt Bio-Anbauverbände, deren Standards über den EU-Vorgaben liegen. Dazu zählen zum Beispiel: 

  • Bioland
  • Demeter
  • Naturland.

Bei diesen Siegeln ist die gesamte Betriebsumstellung auf bio (bzw. bei Demeter auf eigene Standards) vorgeschrieben. Düngemengen sind beschränkt und es gibt mehr Platz für die Tiere. Legehennen haben ständigen Auslauf und Rinder dürfen auf die Weide. Außerdem muss das Tierfutter bio sein und zu mindestens 50 % aus dem eigenen Betrieb oder einem Kooperationsbetrieb stammen.

 

Fazit: 100 % bio ist besser.

Wenn du also im Supermarkt verschiedene Bioprodukte zur Auswahl hast, kannst du dich darauf verlassen, dass der Kauf von den Bio-Anbauverbändern noch mehr Nachhaltigkeit fördert als das allgemeine EU-Biosiegel. Neben Bioland, Demeter und Naturland gibt es noch weitere Bio-Anbauverbände wie Biokreis oder Biopark. Und es gibt Regionalinitiativen, die zwar nicht mit einem eigenen bekannten Bio-Siegel aufwarten können, in ihrem Nachhaltigkeitsbestreben dennoch oft über dem EU-Standard liegen. Regionalinitiativen findest du zum Beispiel auf der Plattform des Bundesverbandes für Regionalbewegung.

 

Warum fair nicht immer bio sein kann.

Natürlich hat eine nachhaltige Landwirtschaft auch etwas mit einer gerechteren Wirtschaft zu tun, schließlich sind Ökolandbau und die Erhaltung der Biodiversität gemeinwohl- und gesundheitsstiftende Maßnahmen. Sozialsiegel wie Fairtrade setzen zu Beginn des Zertifizierungsprozesses jedoch ganz bewusst keine Bio-Standards voraus. Dies würde den Bauern den Zugang zum Fairtrade-Programm nur erschweren. Außerdem ist die Umstellung auf bio mit Zeit und Ertragsverlusten verbunden, die sich die Bauern in der Zertifizierungsphase nicht leisten können. Sind die Bauern erst aber einmal in das Fair-System integriert, fördern Lizenzgeber wie Fairtrade auch den Bio-Anbau. Der Einsatz von giftigen Pestiziden und Gentechnik sind ntürlich schon bei Eintritt in das Programm verboten. 

 

 

 

Das sind öko-faire Siegel. 

Einige Anbieter koppeln Bio-und Fair-Standards. Beispiele hierfür sind Naturland Fair, Fair + von Gepa oder HAND IN HAND von unserem Kooperationspartner Rapunzel, bei dem es – wie der Name sagt – Fairness und Bio in Hand in Hand gehen müssen. Ein typisches Beispiel für bio und fair ist die Kombination aus Bio-Milch und fair gehandeltem Kakao für Milchschokolade. Auch bei Fairtrade hatten 2019 schon knapp 60 % der Fairtrade-Lebensmittel ein Bio-Siegel. 

 

 

 

So fair sind Produkte in Deutschland. 

Der Fair- und Bio-Gedanke ist in den Konsumbereichen ungleich vorangeschritten. Während du bei der Elektronik zwar etwas über ihre Effizienz, aber nichts über die Produktionsbedingungen erfährst, hat sich im Lebensmittelbereich schon einiges getan. 

 

Der Anteil von fair gehandelten Produkten nimmt zu.

Zahlen gibt es von Fairtrade. 2019 lag etwa der Marktanteil von Fairtrade-Rosen bei 30 %, der von Fairtrade-Kakao bei 17 %.  Jede fünfte verkaufte Banane war fair gehandelt, und obendrauf tranken die Deutschen rund 23.000 Tonnen fair gehandelten Röstkaffee. Auch Discounter bieten immer mehr Fair-Produkte an. Bei Lidl gibt es sie unter dem Namen Fairglobe, bei Aldi Süd unter der Marke One World. Beide Angebote werden nach den Fairtrade-Kriterien produziert. So können wir wirklich alle Haushalte etwas zu einer gerechteren Wirtschaft beitragen. 

 

Beispiel: Wichtige Siegel in der Bekleidungsindustrie.

Während in der Lebensmittelindustrie laut Fairtrade bereits 1,66 Millionen Bäuerinnen, Bauern und Beschäftigte weltweit von Fairtrade-Beteiligungen profitieren, sieht es in der Bekleidungsindustrie immer noch mager aus. 2019 wurde laut Fairtrade in Deutschland zwar 59 % mehr fair gehandelte Baumwolle abgesetzt, dies lag jedoch hauptsächlich am Verkauf von Mehrwegtaschen im Zuge der Einschränkung von Plastiktüten. Tatsächlich arbeiten laut dem Fair Fashion Magazin gerade mal rund 44.000 Menschen im Baumwollanbau unter Fair-Trade-Bedingungen – von 27 Millionen Beschäftigten weltweit. Die Entscheidung für faire Kleidung ist also ein Muss. Für mehr Fairness sorgst du, indem du beim Kleiderkauf zum Beispiel auf diese Siegel achtest: IVN Best, GOTS (Global Organic Textile Standard), Fairtrade Cotton, Fair Wear, Cotton made in Africa oder Grüner Knopf. Bei diesen Labeln wird fair bezahlt, unter guten Bedingungen produziert, die lokale Wirtschaft gestärkt und Naturfasern genutzt.

 

Warum öko-faire Produkte in der Corona-Krise noch wichtiger werden.

Da die Fair-Siegel einen festen Mindestpreis garantieren, der die Produzenten vor Preiseinbrüchen schützt, wird die Entscheidung für faire Produkte gerade in der Corona-Krise noch wichtiger. Vielen kleineren Exporteuren brechen gerade die Umsätze weg und viele Beschäftigte verlieren ihre Arbeitsplätze. Die Fairtrade-Prämien, die normalerweise in Projekte investiert werden, können nun dazu genutzt werden, Lohnverluste aufzufangen oder Schutz- und Hygieneprodukte einzukaufen. Wer schon vorher fair eingekauft hat, kann seine Entscheidung für faire Produkte noch einmal ausbauen. 

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Energie mit öko-fairem Ansatz.

Auch wir von Polarstern verbinden öko und fair. Bei uns bekommst du nur 100 % erneuerbare Energie aus wirklich nachhaltiger Erzeugung und stößt mit deinem Wechsel den Bau von Biogasanlagen für Familien in Kambodscha und Mali an. Vor Ort sorgt es für eine Verbesserung der Lebensqualität, weltweit treibt es die Energiewende und den Klimaschutz voran. Und natürlich gibt es auch in unserem Bereich Siegel. Unsere Energiewende-Förderung ist zertifiziert von Grüner Strom-Label und TÜV Nord, und wird unter anderem von Öko-Test ("sehr gut") und Robin Wood empfohlen. Außerdem richten auch wir unsere Lieferketten auf Fairness aus. Dazu sind wir sogar von der Gemeinwohl-Ökonomie zertifiziert. Denn wenn wir wirklich etwas verändern wollen, reicht es nicht ein grünes Produkt anzubieten – für echten Klimaschutz und mehr Gerechtigkeit muss sich die Wirtschaft insgesamt verändern. Und du kannst uns dabei helfen. 

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