Nachhaltig konsumieren: Diese Apps sollten auf dem Handy nicht fehlen.

Manche Dinge wollen nicht in meinen Kopf: Nachhaltige Kaffeekapseln, "grüne" Kreuzfahrten oder Ökoenergie vom Kohlekonzern. Egal, was es ist: Man findet immer eine echte nachhaltige Alternative. Apps helfen dir im Produktdschungel. Mit Nachhaltigkeits-Apps, die Codes scannen oder Alternativen anzeigen, wird's noch leichter, bewusster und nachhaltiger einzukaufen. Leg gleich los!

von Ludwig. - Lesezeit: 8 Minuten

Faire Arbeitsbedingungen, nachhaltige Gewinnung von Rohstoffen oder Lieferketten, die sozialen und ökologischen Standards entsprechen: Alles Dinge, die Verbraucher:innen zum Glück immer wichtiger werden – und die gar nicht einfach zu checken sind, wenn wir ahnungslos im Supermarkt vorm Regal stehen, im Geschäft nach einer Jeans suchen oder online shoppen.

Um nachhaltiger zu konsumieren, gibt's Tipps wie Sand am Meer. Siegel, Label und Code-Scan-Apps, die dir dabei helfen, ein Produkt in Sachen Umweltbilanz einzuordnen. Ist die Jeans wirklich umweltfreundlich produziert? Ist der Fisch nachhaltig? Welches Gemüse sollte man zu welcher Jahreszeit essen? Wie kann ich Plastikmüll vermeiden? Auf diese Fragen haben die Apps, die wir die hier vorstellen, Antworten. Los geht's!

Nachhaltige Apps für deinen Einkauf - von Lebensmitteln bis Fashion.

Es gibt unzählige Apps, mit denen wir was für Umwelt und Gesellschaft tun können. Und zum Teil auch für unseren Geldbeutel. Zwei Fliegen mit einer Klappe also. Also Tipps lesen und App herunterladen.

1. Unsere Empfehlung: CodeCheck – der Alleskönner für den Einkauf.

Mit CodeCheck kannst du Millionen Produkte anhand ihres Barcodes mit deinem Smartphone scannen und blitzschnell viele Infos erhalten. So findest du gesunde und nachhaltige Lebensmittel und Kosmetik. Die App kann dich auch vor tierischen Bestandteilen, Gluten und Laktose etc. warnen. Zurecht lautet das Motto der App „Shop better, live better“. Herkunft, Hersteller, Preis und Produktalternativen gibt es mit CodeCheck auf einen Blick. Die App kann den Barcode, EAN-Code und Strichcode von Artikeln aus dem Lebensmittel- und Kosmetikbereich lesen. Gut ist, dass die App häufig aktualisiert wird. Nachteil: In der Basisversion ist in der App mit viel Werbung integriert. Ein kostenpflichtiges Upgrade auf CodeCheck Pro ist möglich. Wir sagen: sehr empfehlenswert.

  • Verfügbar für: Android und iOS
  • Bewertungen: 4,7 im App Store, 4,5 im Google Play Store (Stand: April 2023)

2. Buycott – bringt Licht ins Firmendickicht.

Die App Buycott zeigt dir vor dem Kauf eines Produkts an, welcher Konzern hinter der jeweiligen Marke steckt. Herzstück der App ist ein Barcode-Scanner, mit dem du den Strichcode eines Artikels per Smartphone scannst. Anschließend verrät dir Buycott, welcher Hersteller hinter dem jeweiligen Produkt steckt und zu welchem Konzern dieser gehört. Buycott legt den Fokus vor allem auf Großkonzerne. Die Verstrickungen zu anderen Tochterunternehmen werden in einem oftmals etwas unübersichtlichen Firmen-Stammbaum dargestellt. Buycott wurde für den amerikanischen Markt entwickelt und hat daher teilweise Lücken bei in Deutschland erhältlichen Produkten. Apps wie CodeCheck sind daher für den deutschen Markt besser.

  • Verfügbar für: Android und iOS
  • Bewertungen: 4,2 im App Store, 4,2 im Google Play Store (Stand: April 2023)
  • Für Apple nicht kostenlos

3. GrünZeit – der Saisonkalender.

Mit der App GrünZeit erfährst du, wann heimisches Gemüse Saison hat oder eher aus dem Lager oder Gewächshaus kommt. Zur schnelleren Unterscheidung wurden die Symbole in den Ampelfarben gestaltet: Rot kennzeichnet hohen, Gelb mittleren und Grün sehr geringen Energieverbrauch bei Produktion bzw. Transport und somit die entsprechende Klimabelastung. Rot bedeutet nicht, dass von diesen Produkten generell abgeraten wird. Du sollst jedoch darauf aufmerksam gemacht werden, dass es zur selben Zeit womöglich Alternativen gibt, die mit niedrigerem Energieverbrauch erzeugt wurden und das Klima weniger belasten. Die Einkaufshilfe GrünZeit wird von der Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein angeboten. Wir sagen: echt empfehlenswert, wenn du dich im Gemüse-Kalender nicht so gut auskennst wie Omi!

  • Verfügbar für: Android und iOS
  • Bewertungen: 4,4 im App Store, 4,2 im Google Play Store (Stand: April 2023)

4. WWF Fischratgeber: Welcher Fisch kann auf den Teller?

Mit der App des WWF kannst du beim Fischkauf einfach nachgucken, welcher Fisch bedenkenlos auf den Teller kann und welche Fischarten aus ökologischen Gründen besser nicht verzehrt werden sollten. Dazu gibt es im WWF Fischratgeber ein Ampelsystem für mehr als 70 Fischarten und Meeresfrüchte. Mit dem Ampelsystem lässt sich nachvollziehen, aus welchen Gewässern die Tiere stammen und ob ein Kauf empfehlenswert, sprich nachhaltig ist oder man besser auf einen anderen Fisch zurückgreift. Die App zeigt gut, dass sich Umweltschutz und Fischgenuss nicht ausschließen. Kleiner Spoiler: Kaum Auswirkungen auf das Ökosystem hat die Zucht von Karpfen und Europäischem Wels. Für sie gibt der WWF Fischratgeber grünes Licht.

  • Verfügbar für: Android und iOS
  • Bewertungen: 3,7 im App Store, 3,9 im Google Play Store (Stand: April 2023)

5. RegioApp – wirklich regional einkaufen.

Mit der RegioApp kannst du überall eine Umkreissuche nach regionalen Lebensmitteln starten. Die Suchergebnisse werden nach Entfernung gelistet, dazu werden zum Beispiel Bio-Siegel angezeigt, falls vorhanden. Angezeigt werden direktvermarktende Betriebe und Gastronomie, aber auch Verkaufsstellen wie Dorfläden, Lebensmitteleinzelhändler mit regionalen Produkten, Wochenmärkte und viele mehr. Wer möchte, kann bei seiner Suche gezielt nach kleinen Läden suchen. An der Initiative beteiligen sich viele Regionalverbände aus ganz Deutschland. Dennoch bemängeln einige Nutzer:innen die schlechte Auswahl gerade im ländlichen Raum. Unser Tipp daher: Die RegioApp einfach mal downloaden und selbst checken, ob in deiner Region viele Unternehmen und Läden in der App gelistet sind.

  • Verfügbar für: Android und iOS
  • Bewertungen: 3,3 im App Store, 2,7 im Google Play Store (Stand: April 2023)

6. NABU Siegel-Check: Voller Durchblick bei Siegeln.

Der NABU Siegel-Check zeigt auf einen Blick, ob Lebensmittel ökologisch empfehlenswert sind oder eher nicht. Bei Siegeln und Labeln herrscht ein reges Durcheinander im Supermarktregal oder in anderen Geschäften. Um nicht den Überblick zu verlieren, lohnt sich ein Blick in den Siegel-Check des NABU. Das Prinzip der App ist schnell erklärt: Du machst ein Bild vom jeweiligen Siegel oder Label auf einem Produkt und die App zeigt dir, ob ein Produkt gut für Klima und Umwelt ist oder nicht. Die App gibts für Android und iOS und ist kostenlos. Wir sind der Meinung: eine echte Empfehlung, gerade wenn man sich mit Siegeln noch nicht so gut auskennt oder mehr Hintergründe erfahren will.

  • Verfügbar für: Android und iOS
  • Bewertungen: 3,5 im App Store, 3,7 im Google Play Store (Stand: April 2023)

7. Replace Plastic – Kampf gegen den Plastikmüll.

Ob die Tomaten aus dem Supermarkt mit doppelter Plastikverpackung oder in Einwegplastik verpackte Salatgurken: Es gibt genug Beispiele für Verpacksungs-Irrsinn. Mit der kostenlosen App Replace Plastic von Küste gegen Plastik e.V. kann man Produkte im Handumdrehen melden, wenn man der Meinung ist, hier wurde zu viel Plastikverpackung verwendet. Das Prinzip: Mit der App scannst du die Barcodes von Produkten, um dem Anbieter mitzuteilen, dass du dir dafür eine Verpackung ohne bzw. mit weniger Plastik wünschst. Dein Feedback wird von den Entwicklern der App an die Firmen weitergeleitet. So konnten laut Webseite der App schon mehr als 1,9 Millionen Produkte gescannt und mehr als 175.000 E-Mails an Hersteller verschickt werden (Stand: April 2023). Coole App, starke Mission, klare Empfehlung!

  • Verfügbar für: Android und iOS
  • Bewertungen: 4,7 im App Store, 4,5 im Google Play Store (Stand: April 2023)

8. Too Good to Go: Lebensmittel retten leicht gemacht.

Die App ist eine der bekanntesten überhaupt im Nachhaltigkeitsbereich. Nicht umsonst, denn die Mission von Too good to go ist mehr als ehrenwert. Mit der App kannst du Essen und Lebensmittel vor dem Müll bewahren und in den Genuss vergünstigter Gerichte von Restaurants, Bäckern oder Imbissen kommen.

Mehr als 10 Millionen Nutzer:innen verwenden die App bereits und leisten so einen großen Beitrag gegen Lebensmittelverschwendung. Partner sind neben lokalen Läden und Restaurants auch große Food-Ketten wie Dean & David, Dunkin‘ Donuts, Edeka und Alnatura. Too good to go ist kostenlos und für Apple-Geräte, Android sowie für Huawei-Geräte verfügbar. Bei den Nutzer:innen kommt die App sehr gut an, wie die Bewertungen in den App Stores zeigen. Von uns gibt's auch eine absolute Empfehlung.

  • Verfügbar für: Android und iOS, Huawei AppGalery
  • Bewertungen: 4,9 im App Store, 4,8 im Google Play Store (Stand: April 2023)

Nachhaltige Apps für Mode und Second-Hand.

9. Mit Good on you nachhaltige Fashion finden.

Die App „Good on you – Ethical Fashion“ soll helfen, nachhaltige Modemarken zu finden und bessere Entscheidungen zu treffen. Aus öffentlich verfügbaren Daten und Reports wie Aktionärs- oder Nachhaltigkeitsberichten fügen die Macher:innen der App ein Puzzle zusammen und haben einen 5-Punkte-Score entwickelt, der dir beim Kauf Hilfe leistet. Das Wording reicht dabei von Score 1 „Wir meiden diese Marke“ bis 5 „Großartig“.

Insgesamt kann man mit der App Good On You mehr als 3.000 Fashionmarken vergleichen und sie hinsichtlich ihres Impacts für Umwelt, Klima und Tierschutz checken. Suchen kann man in der App sowohl nach Marken als auch nach Kategorien. Für mehr ethisch hergestellte Fashion ist die App eine Empfehlung, wie wir finden. Kleiner Tipp am Rande: Der jährlich veröffentlichte Remake Fashion Accountability Report gibt dir ebenfalls eine Orientierung, welche Fashionlabels nachhaltig sind und welche nicht.

  • Verfügbar für: Android und iOS
  • Bewertungen: 4,4 im App Store, 3,7 im Google Play Store (Stand: April 2023)

10. Shpock – die Flohmarkt-App.

Egal ob Kleidung, Schuhe oder das alte Smartphone: Auf Shpock kaufst und verkaufst du deine gebrauchten Dinge schnell und einfach. Du findest in der App tausende Schnäppchen und kannst selbst Artikel verkaufen, ohne dass dabei Gebühren anfallen. Mit Shpock gelistet ist gebrauchte, antike und schöne Secondhand-Ware. Laut eigenen Angaben hat die App monatlich rund 10 Millionen Nutzer:innen. Die Flohmarkt-App ist somit eine Top-Alternative und trägt zu einem längeren Leben von Produkten bei.

  • Verfügbar für: Android und iOS
  • Bewertungen: 4,3 im App Store, 4,0 im Google Play Store (Stand: April 2023)

11. Rebuy. Hier gibt's Second-Hand-Ware.

Mit Rebuy kannst du kaufen und verkaufen über einen Zwischenhändler. Egal ob Bücher, Filme, Videospiele, Spielekonsolen, Handys, Tablets, MacBooks oder Kameras: Produkte werden einfach per Barcode eingescannt oder können via Suche gefunden werden. So ermittelst du einen Kaufpreis für deinen Artikel, den dir Rebuy zusichert. Anschließend schickst du das Produkt kostenlos und versichert ein. Käufern verspricht Rebuy handgeprüfte Artikel im guten und sehr guten Zustand und eine Ersparnis von bis zu 50 % gegenüber Neuware. Rebuy ist somit eine super App, um den Lebenszyklus von Produkten zu verlängern und Müll zu reduzieren.

  • Verfügbar für: Android und iOS
  • Bewertungen: 4,7 im App Store, 4,7 im Google Play Store (Stand: April 2023)

12. Vinted – der neue Kleiderkreisel.

Vinted ist der neue Name für Kleiderkreisel und Mamikreisel und gut für nachhaltiges Shopping. Mit der App kannst du getragene Kleidung, Deko und Accessoires kaufen und verkaufen. Verkäufe sind gebührenfrei und über das Bezahlsystem abgesichert. Vinted ist ideal bei Fehlkäufen oder bei Kleidung, die du nicht mehr tragen möchtest. Diese kannst du via Vinted einfach zu Geld machen – das schont die Umwelt und der neue Besitzer freut sich über die Sachen. Gezahlt werden kann bei Vinted per Kreditkarte, PayPal oder Sofort-Überweisung. Vorteil dieser Plattform: Es gibt im Vergleich zu anderen Apps sehr viele Nutzer:innen.

  • Verfügbar für: Android und iOS
  • Bewertungen: 4,8 im App Store, 4,3 im Google Play Store (Stand: April 2023)

Probleme und Lösungen beim Online-Shopping

GWÖ und B Corp – Zertifikate für nachhaltige Unternehmen.

Ein sehr verlässlicher Tipp, um nachhaltige und umweltschonend hergestellte Produkte zu finden, ist, Unternehmen als Ganzes zu betrachten. Ist die Kleidungsmarke mit verschiedenen Siegeln zertifiziert, kann man sich sehr sicher sein, dass einzelne Produkte auch nachhaltig produziert sind. Für Unternehmen gibt es zwei sehr gute Zertifikate, an denen du dich ruhigen Gewissens orientieren kannst: Bei B Corp (Benefit Corporation) und der Gemeinwohl-Ökonomie kommt es nicht nur auf das einzelne Produkt, sondern das gesamte Unternehmen an. Auch wir von Polarstern sind Mitglied der Gemeinwohl-Ökonomie und werden regelmäßig danach zertifiziert. Der Zertifizierungsprozess für B Corp läuft derzeit noch (Stand: April 2023).

Unternehmertum verpflichtet.

Bei Benefit Corporation, kurz B Corp, handelt es sich um ein internationales Zertifikat, mit dem die Non-Profit-Organisation B Lab Unternehmen für ihre sozialen und ökologischen Auswirkungen auszeichnet. Der Vorteil daran: Das Zertifikat wird nicht an einzelne Produkte oder Sparten vergeben, sondern misst die soziale, ökologische und ökonomische Gesamtleistung eines Unternehmens.

"B Corporations sind Unternehmen, die dies erkennen und sich in ihren Statuten zu gesellschaftlichem Mehrwert und ökologischer Nachhaltigkeit bekennen. In einem rigorosen Testverfahren lassen sie Unternehmensführung, Mitarbeiterrechte, sowie Auswirkungen auf Umwelt, Gesellschaft und Kund*innen messen." - Statement auf der Webseite von B Corp

Die B-Corp-Zertifizierung ist ein Anreiz für Unternehmen, sich neu auszurichten und sozial- und umweltverträglich zu handeln. Mit der Zertifizierung gehen die Unternehmen eine Verpflichtung ein, die Wirtschaft in diesem Sinne zu verändern. Sehr ähnlich ist das auch bei Firmen, die eine Gemeinwohl-Bilanz haben.

Der Gemeinwohl-Bericht garantiert Nachhaltigkeit im ganzen Unternehmen.

Das Gute ist, es gibt schon viele verantwortungsvolle Firmen. Egal ob Nahrungsmittel, Kleidung, Holzprodukte oder Ökoenergie: Mittlerweile gibt es in jeder Branche Unternehmen, die wirklich nachhaltig handeln und so Veränderung schaffen. Polarstern ist zum Beispiel der erste Energieversorger in Deutschland, der gemeinwohl-zertifiziert ist. Das wird bei uns auch regelmäßig überprüft. Dabei wird Erfolg nicht nur am finanziellen Gewinn gemessen, sondern ist gleichwertig mit ökologischen und sozialen Aspekten. Am Ende zählt – klar – der Beitrag zum Gemeinwohl. Auch deswegen macht Polarstern seit vielen Jahren Events wie den Isar CleanUp (siehe Foto oben), bei dem wir das Isarufer von Müll befreien.

Portrait von Ludwig.

Ludwig. | Team Wirklich

E‑Mail:  ludwig.o@polarstern-energie.de

Ludwig ist ausgebildeter Journalist und hat viele Jahre bei einem großen Medienhaus in München gearbeitet. Bei Polarstern ist er Redakteur im Marketing-Team und schreibt Artikel für das Polarstern-Magazin und Neuigkeiten für unsere Newsletter. Außerdem kümmert er sich um Events wie die Earth Hour und den Isar Cleanup.