Mit fairen und nachhaltigen Produkten kannst du helfen, soziale Missstände zu verringern und den Klimaschutz zu fördern. Ob Mode, Smartphone oder Lebensmittel: So erkennst du wirklich nachhaltige Produkte!

von Tabatha

 

Wie durch schnellen Konsum auch schnell Menschen und Umwelt ausgebeutet werden.

Der Westen – dazu zählen auch wir – beutet an vielen Stellen die Rohstoffe und Arbeitskräfte des globalen Südens aus. Das ist Fakt. Unser schneller Konsum trägt dazu bei, dass viele Menschen unter unmenschlichen Bedingungen arbeiten müssen, um zu überleben.

„Made in India“, „Made in Bangladesh“ und Co. lesen wir häufig in den Etiketten unserer Kleidung. Manchmal beschleicht uns dann das schlechte Gewissen. Denn eigentlich wissen wir, dass ein T-Shirt für 5 Euro nicht nachhaltig und unter fairen Bedingungen produziert worden sein kann. Häufig werden bei der Herstellung von Billigkleidung umwelt- und gesundheitsschädliche Chemikalien genutzt. So hinterlässt beispielsweise der Einsatz von Pestiziden beim Baumwollanbau seine Spuren:

 

“Kinder, die auf Baumwollplantagen arbeiten, erkennt man leicht an ihren hellen oder rötlichen Strähnen im Haar” – Barbara Küppers von Terre des Hommes.

 

Bei der Produktion geht es weiter. Du kennst sicher das typische Bild von tausenden Fabrikarbeitern, die für wenig Geld Kleidung herstellen. Dabei werden die Mitarbeiter miserablen bis nicht vorhandenen Arbeitsschutzbedingungen ausgesetzt: Schnittwunden, Überlastung, Fehlhaltungen und sogar Brände, die Menschenleben kosten, gehören zum Arbeitsalltag. Die Modeindustrie ist aber nur ein Beispiel für solche Arbeitsverhältnisse…

>>> So viel CO2 steckt in einem T-Shirt.

…auch Smartphones tragen zur Ausbeutung von Menschen bei. Laut Amnesty International arbeiten etwa 40.000 Kinder in Minen im Kongo, um dort Kobalt abzubauen. Nicht etwa mit professioneller Schutzkleidung, sondern mit bloßen Händen. Ihr Lohn? Etwa 1-2 Dollar am Tag. Ihr Alter? 7 Jahre aufwärts. Mehr als die Hälfte des weltweit genutzten Kobalts wurde laut Amnesty International so gewonnen. Wer also ständig das neueste Smartphone kauft, trägt entsprechend stark auch zu den Missständen bei.

>>> Mehr zum Thema Reparieren und Recyceln.

Doch nicht nur Kinder, die um das Überleben ihrer Familien kämpfen, arbeiten weltweit unter furchtbaren Bedingungen. Menschenhandel und Zwangsarbeit gibt es nach wie vor. Der Global Slavery Index zeigt, dass über 40 Millionen Menschen weltweit in moderner Sklaverei leben. Der Grund ist oft extreme Armut und Verschuldung. Während weltweit die extreme Armut sinkt, nimmt sie beispielsweise in Subsahara-Afrika immer noch zu. Das zeigt eine Prognose der Weltbank:

 

 

Prognose für extreme Armut
Die Weltbank geht davon aus, dass im Jahr 2030 die meisten armen Menschen in Subsahara-Afrika leben werden.

 

Wenn du dich jetzt fragst „Wie kann das alles passieren, ohne dass die entsprechenden Unternehmen Kunden und Umsätze verlieren?“ ist die Antwort: Viele Menschen wissen gar nicht, wann und wo sie Missstände mit ihrem Konsum fördern – gerade, wenn das Produkt uns Spaß macht und günstig ist, vergessen wir schnell die Folgen unseres Konsums.

Firmen verweisen bei unangenehmen Fragen oft auf die Dienstleister vor Ort, die trotz Abmachungen über die Produktionsweise und Rohstoffgewinnung eben doch auf Kinderarbeit & Co. setzen. Ein weiteres Problem: Ehrlich nachhaltige und sozial faire Erzeugung gibt es nicht zum Nulltarif. Und so sind die Produkte oftmals teurer als bei rücksichtslosen Billiganbietern. Auch ist die Lieferkette in der globalisierten Welt schnell undurchsichtig und der Herkunft der einzelnen Rohstoffe wird vergleichsweise weniger Beachtung geschenkt.

>>> Mehr als finanzielles Wachstum: So haben sich Sozialunternehmen entwickelt.

Indem du nachhaltiger konsumierst und auf fair hergestellte Produkte und Lebensmittel setzt, bewirkst du eine Veränderung im Markt. Wirklich. Denn mit jeder Kaufentscheidung signalisierst du, was dir als Konsument wichtig ist und unterstützt Unternehmen, die auch in ihrer Lieferkette auf entsprechende Kriterien achten.

>>> Mit unserer Landkarte ganz leicht Sozialunternehmen finden.

 

Was bedeutet “fair”? Die Grundsätze des fairen Handels.

Vorneweg ist gut zu wissen: Der Begriff “fair” ist nicht geschützt. Doch was sind die Kriterien, die fairen Handel grundsätzlich auszeichnen? Da gibt es viele Aspekte, die die verschiedenen Siegel betrachten, wenngleich nicht bei allen Siegeln die Aspekte gleichermaßen geprüft werden. Mehr zu den einzelnen Siegeln findest du weiter unten.

 

Keine Kinderarbeit.

Die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) schätzt, dass es weltweit 152 Millionen Kinderarbeiter gibt. Sie werden ausgebeutet und ihrer Rechte beraubt. Oft müssen sie die Schule abbrechen. Fair produzierte Produkte werden ohne derartige Kinderarbeit hergestellt. Beim Kauf von Kleidung aus Baumwolle, bei Schokolade und bei Elektrogeräten mit Akkus (sie enthalten vergleichsweise viel Kobalt) solltest du beispielsweise darauf achten, keine Kinderarbeit zu unterstützen.

>>> Mehr Infos zum Thema Kinderarbeit findest du auch bei UNICEF.

 

Gerechte Bezahlung und faire Arbeitszeiten.

Kein Mensch sollte trotz Knochenarbeit um seine Existenz bangen müssen. Deshalb werden bei fairen Produkten Löhne gezahlt, von denen die Arbeiter leben können. Das funktioniert meist in Form eines Mindestpreises kombiniert mit Prämien, etwa zur Gesundheits- und Altersvorsorge.

 

Langfristige Handelsbeziehungen.

Fairer Handel bedeutet, dass auf langfristige, transparente und partnerschaftliche Handelsbeziehungen gesetzt wird. So wird etwa auf Rückverfolgbarkeit geachtet. Das bedeutet, dass die Lieferkette möglichst transparent ist und Waren- und Geldflüsse von einer unabhängigen Stelle (bei Fairtrade zum Beispiel von FLOCERT) kontrolliert werden. Zudem können Kleinbauern in Form einer Vorfinanzierung schon vor Abnahme des Produktes einen Teil ihres Geldes bekommen, wenn sie es dringend brauchen. Diese Vorfinanzierung ermöglicht vielen Kleinbauern erst den Handel.

 

Starke Zusammenarbeit.

Die Bauern organisieren sich in demokratischen Gemeinschaften. Die Arbeiter auf den Plantagen werden in Form einer gewerkschaftlichen Organisation gefördert. So bekommen sie eine gemeinsame Stimme und Arbeitsbedingungen können gemeinsam verbessert werden.

 

Geschlechter-Gerechtigkeit und Diskriminierungs-Verbot.

Von den 40,3 Millionen Sklaven sind laut dem Global Slavery Index 71 % Frauen. In vielen Ländern des globalen Südens arbeiten Frauen unter besonders horrenden Bedingungen und haben kaum Rechte. Sexuelle Nötigung, ungleiche Löhne und Diskriminierung sind nicht selten an der Tagesordnung. Deshalb setzen sich Organisationen wie Fairtrade dafür ein, dass Frauen im Arbeitsumfeld gleichberechtigt sind. Das ist zwar bisher kein strenges Kriterium für den Handel, doch Geschlechtergerechtigkeit wird beispielsweise in Form von speziellen Krediten für Frauen sowie über Gleichberechtigungskurse gefördert. Wenn du Frauenrechte achtest, solltest du das auch bei deinem Konsum tun.

 

Gesundheits- und Umweltschutz.

Eigentlich klar: Wenn du keine Produkte kaufst, für die Monokulturen angebaut, schädliche Pestizide versprüht oder jede Menge CO2-Emissionen im Transport ausgestoßen werden, tust du etwas für die Gesundheit aller Menschen – und unseres Planeten. Gleichzeitig sorgt fairer Handel durch festgelegte Sicherheitskriterien und angemessene Arbeitsschutzmaßnahmen auch für den Schutz der Arbeiter.

Die Umwelt profitiert zudem vom ökologischen Anbau und dem Verbot gefährlicher Pestizide und gentechnisch veränderter Saat.

 

Kontrolle und Zertifizierung.

Die Überprüfung dieser Grundsätze erfolgt je nach Unternehmen und Siegel auf unterschiedliche Weise. Damit du weißt, woran du dich orientieren kannst, haben wir dir im Folgenden die wichtigsten Zertifizierungen und Tipps zusammengefasst.

 

Wie du mit nachhaltigem Konsum soziale Veränderung unterstützt.

Nachhaltigkeit bedeutet unter anderem, bewusster zu konsumieren. Wenn du etwas kaufst, dann achte darauf, dass das Produkt möglichst fair produziert wurde. So geht´s:

 

Bei Fair-Handels-Organisationen kaufen.

Produkte aus Fairem Handel werden in Weltläden verkauft und von anerkannten Fair-Handels-Importeure vertrieben sowie mit dem Label der World Fair Trade Organization (WFTO) und mit Produktsiegeln des Fairen Handels (Fairtrade, Naturland Fair, IMO Fair for Life und Ecocert) gekennzeichnet.

Die Fair-Handels-Organisation GEPA verkauft Produkte mit dem Zeichen GEPA fair+. Geachtet wird speziell auf die Rückverfolgbarkeit von Produkten und lange Beziehungen zu den Erzeugern. GEPA-Produkte erfüllen insgesamt sehr hohe Fairtrade-Standards.

El Puente gilt wie GEPA als Fairtrade-Pionier und vertreibt ausschließlich faire Produkte. El Punete ist nicht gewinnorientiert und fördert soziale Projekte und biologischen Anbau.

Die Importgesellschaft BanaFair vertreibt fair gehandelte Bananen in Europa. Zusätzlich zum fairen Handel mit Kleinbauern und der finanziellen Unterstützung von Partnerorganisationen in Lateinamerika kümmert sich BanaFair auch um Bildungs- und Öffentlichkeitsarbeit.

Weltpartner arbeitet unter dem Motto “Fair handeln, besser leben” und vertreibt faire Lebensmittel und Kunsthandwerk. Wie bei Polarstern wird auch bei Weltpartner eine Gemeinwohlbilanz erstellt.

Bei GLOBO Fair Trade Partner werden faire Mode-, Dekorations- und Freizeit-Artikel verkauft. GLOBO ist Mitglied im Forum Fairer Handel und arbeitet nach den Kriterien des Weltladendachverbandes.

 

Im Weltladen einkaufen.

Zertifizierte Produkte findest du in Weltläden. In Deutschland gibt es mittlerweile über 800 solcher Weltläden. Sie beteiligen sich auch an politischen Kampagnen und leisten Informations- und Bildungsarbeit zu Themen des Fairen Handels. Eine Übersicht über die Läden findest du hier.

 

An Siegeln & Labels orientieren.

Das wohl bekannteste Produkt-Kennzeichen ist das Fairtrade-Siegel. Es sagt aus, dass die Bauern, von denen die Produkte stammen, einen fairen Lohn erhalten. Ein Mindestpreis schützt Kleinbauern vor Schwankungen am Markt und sichert ihren Lebensunterhalt. Das Fairtrade-Siegel zeichnet Produkte wie Kaffee, Schokolade, Blumen und Baumwollprodukte aus. Fairtrade setzt sich gegen Kinderarbeit, Diskriminierung und mangelnde Arbeitssicherheit ein. Produkt mit Fairtrade-Siegel sind zu 100 % nach Fairtrade-Standards hergestellt. Welche Varianten es von diesem Fairtrade-Siegel gibt, liest du hier.

Ähnliche Kriterien wie das Fairtrade-Siegel hat auch das Siegel von Naturland. Es stellt zusätzlich höhere Anforderungen an einen umweltgerechten Anbau. Das Siegel wird weltweit vergeben. Es wird für Lebensmittel, Kleidung, Kosmetik und mehr vergeben.

Das “Hand in Hand” Label von Rapunzel garantiert ebenfalls Mindestpreise und Bio-Anbau, ist jedoch noch nicht so weit verbreitet wie das Naturland-Siegel.

Auch die World Fair Trade Organisation (WFTO) vergibt ein eigenes Label. Produkte, die dieses Label tragen, müssen strenge Kriterien in Bereichen wie Rohstoffproduktion, Transport bis hin zu Recycling erfüllen und werden meist in Weltläden angeboten. Die WFTO zeichnet Unternehmen aus, die sich für die Verbesserung von Lebensstandards in Entwicklungsländern einsetzen.

Natürlich gibt es noch viele weitere Siegel mit unterschiedlichen Anforderungen. Entsprechend sind sie auch unterschiedlich glaubwürdig. So hat beispielsweise ALDI ein eigenes Siegel für seine Lebensmittel.

>>> Hier siehst du wie Stiftung Warentest unterschiedliche Siegel bewertet.

Apropos Lebensmittel: Wenn du wissen möchtest, welcher Supermarkt in Sachen Verkauf fairer Lebensmittel gut oder schlecht abschneidet, hilft dir der Oxfam Supermark-Check weiter.

 

 

Fairer Kaffee unterstützt Kleinbauern in vielen Ländern
Entscheidung im Supermarkt: Wer beispielsweise fairen Kaffee kauft, unterstützt damit die Farmer in Ländern wie Äthiopien, Kolumbien und Kenia.

 

Bei Kleidung gibt es ebenfalls besondere Siegel. Das neu eingeführte staatliche Siegel ist der Grüne Knopf. Die Kriterien werden vom Staat festgelegt und unabhängig überprüft. Dabei geht es unter anderem um Nachhaltigkeit in der gesamten Lieferkette, dem Verbot von Kinderarbeit und der Einhaltung bestimmter Abwassergrenzwerte. Bisher werden jedoch noch nicht alle Arbeitsbereiche überprüft. Grüner Knopf ist ein freiwilliges Label.

>>> Mehr über faire Mode erfahren.

Als verlässliches Siegel für Textilien gilt die GOTS-Zertifizierung. Nur Kleidungsstücke, die mindestens zu 70 % aus biologisch angebauten Naturfasern bestehen und bei deren Herstellung keine bedenklichen Chemikalien verwendet werden, werden zertifiziert. Auch für Färben und Bleichen werden strenge ökologische Anforderungen gestellt. Soziale Kriterien beinhalten beispielsweise ein Verbot von Kinderarbeit, einen Mindestlohn sowie faire und sichere Arbeitsbedingungen.

 

So wichtig ist deine Kaufentscheidung.

Fair-Trade-Kaffee, -Kleidung und -Blumen – es gibt viele Möglichkeiten, nachhaltig zu konsumieren und dabei auf das Wohl anderer Menschen zu achten. Du selbst entscheidest mit jedem Kauf, wie es weitergeht.

>>> Hier findest du mehr über nachhaltigen Kaffeekonsum heraus.

>>> Sozialunternehmen in der Mode findest du hier.

Wenn auch deine Energieversorgung nachhaltig sein soll, haben wir genau das Richtige für dich: Wirklich Ökostrom aus deutscher Wasserkraft und Wirklich Ökogas aus organischen Reststoffen. Wir bei Polarstern glauben, dass nicht nur bei Lebensmitteln, Mode und Co. global gedacht werden muss und genauso auch bei der Energiewende. Deshalb setzen wir uns weltweit für den Ausbau erneuerbarer Energie ein. Nur gemeinsam bewirken wir wirklich viel. 

>>> Mehr über unser weltweites Engagement erfahren.

Wenn du wissen willst, wie viel du mit deinem Wechsel oder einer Weiterempfehlung wirklich für die Umwelt und das Leben anderer Menschen bewirken kannst, probiere einfach mal unseren Impact-Rechner aus:

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