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Supermarkt Lebensmittel

Bio-Lebensmittel nicht immer besser: Ein Leitfaden für nachhaltiges Einkaufen.

Supermarkt Lebensmittel
Immer mehr Menschen wollen nachhaltige Lebensmittel kaufen. Doch wie mache ich das am besten? Lieber die unverpackten Nicht-Biotomaten nehmen oder doch das Öko-Produkt in Folie? Oder noch besser beim Hofladen ums Eck einkaufen? Und wie gut sind eigentlich Discounter-Eigenmarken? Echt bio oder echter Schwindel? Wir sagen dir, wie du gute Kaufentscheidungen triffst, auch wenn's auf den ersten Blick verwirrend ist.

von Ludwig. - Lesezeit: 5 Minuten

Unser Leben ist voller Entscheidungen. Pro Tag trifft ein Mensch rund 20.000 Entscheidungen, zum Teil blitzschnell in Sekundenbruchteilen, wie der Hirnforscher Ernst Pöppel sagt. Krass oder? Ein Ort, wo wir abgesehen von unserem Beruf besonders viele Entscheidungen treffen, ist der Supermarkt. Volle Regale, ein und dasselbe Produkt von fünf Herstellern, Bio- oder normales Gemüse, verpackt oder unverpackt. Die Entscheidungsmatrix im Supermarkt kann komplexer sein als eine Steuererklärung.

Hinzukommt der Zwiespalt zwischen schlechtem Gewissen und verfügbarem Haushaltsbudget. Dabei können sich nicht alle aussuchen, welches Produkt sie aus dem Regal nehmen – einfach, weil sie sich für das günstigste entscheiden müssen.

Dieser Artikel soll dir helfen, das Dilemma im Supermarkt zu überwinden. Und du erfährst, wie gut und nachhaltige Bio-Lebensmittel bzw. Eigenmarken bei Discountern sind.

Wo gibt’s überall Bio-Lebensmittel – und wie ist die Qualität?

Der Siegeszug der Bio-Lebensmittel ist inzwischen beachtlich. Und auch Discounter wie Aldi und Lidl haben längst eine gute Auswahl an biologisch produzierten Lebensmitteln im Sortiment. Wo gibt es also Bio-Lebensmittel? Grundsätzlich hast du folgende Möglichkeiten, um Bio-Produkte zu kaufen:

  • Bio-Supermärkte
  • Hofläden
  • Bauernhöfe
  • Wochenmarkt
  • Supermärkte
  • Discounter

Die Bio-Eigenmarken von Supermarktketten.

Neben den bekannten Bio-Siegeln und -Zertifikaten haben einige Supermarktketten auch hauseigene Biomarken, die immer in Kombination mit einem anerkannten Bio-Standard gelabelt sind. Hier ein kurzer Überblick über die Bio-Eigenmarken:

SupermarktBio-EigenmarkeBewertung*
Aldi NordGUT BIOEmpfehlenswert
Aldi SüdBio SmileyEmpfehlenswert
Lidlkeine Eigenmarke, Kooperation mit BiolandEmpfehlenswert
NettoBioBioEmpfehlenswert
EdekaEdeka BioEmpfehlenswert
ReweRewe BioEmpfehlenswert
PennyNaturgutEmpfehlenswert

*Bewertung durch den Nabu-Siegelcheck, Stand: September 2023.

Laut Nabu-Siegelcheck sind die meisten Bio-Siegel der Supermärkte sehr empfehlenswert, viele Produkte seien „sogar besser als EU-Mindeststandard“. Falls du gegenüber Bio-Produkten von Discountern skeptisch bist, können wir dir diese Sorge nehmen, denn: Wo Bio drauf steht, ist auch Bio drin. Du kannst dich auch bei Aldi, Lidl & Co. auf alle Bio-Siegel verlassen. Der Begriff ist für Lebensmittel gesetzlich geschützt und die Erzeugerbetriebe werden regelmäßig kontrolliert.

Und dennoch gibt es bei Verbraucher:innen eine Grundskepsis: In einer Umfrage von Utopia im Jahr 2019 gaben 30 % der Befragten an, bei Produkten mit Bio-Siegel im Discounter kritischer hinzuschauen als im Bio-Markt. Insgesamt schlägt Bio-Läden, -Bäckern und -Metzgern weniger Skepsis entgegen, ihre Vertrauensquoten liegen zwischen 47 und 55 % und so deutlich höher.

Darum sind Eigenmarken bei Supermärkten und Kund:innen angesagt.

"Gut & Günstig" und "ja!" sind nur zwei bekannte Beispiele: Eigenmarken, egal ob bio oder nicht, sind immer preisgünstiger, was ein gewichtiger Kaufgrund aus Sicht der Kundschaft ist. "Produkte in Markenqualität können ohne "Markenaufschlag" gekauft werden", sagt die Marketingplattform HubSpot. Aus der Sicht von Händlern bieten Eigenmarken mehrere Vorteile.

  • Handelsunternehmen beziehen sie direkt beim Hersteller und können damit Einfluss auf die gesamte Lieferkette sowie Vermarktung und Vertrieb nehmen.
  • Dadurch können sie über Preis und Marge bestimmen und damit über die Gewinnspanne eines Produkts.
  • Da Eigenmarken in der Regel nur wenig beworben werden, kann der Preisvorteil gegenüber Herstellermarken an die Kundschaft weitergegeben werden.

Regionalität ist kein Alleinstellungsmerkmal mehr von Bio-Märkten. Auch die großen Supermärkte setzen auf regionale Produkte.

Regional, saisonal, unverpackt: Was ist wichtig beim Einkauf?

Also einfach die Bio-Marke kaufen und alles ist geritzt? Ganz so easy ist es auch wieder nicht. Das fängt schon damit an, dass die meisten Biosiegel ja nur etwas über die Erzeugung und die Betriebe aussagen, etwa über den Schweinebetrieb oder die Käserei. Wie es aber mit Verpackung und Transportweg aussieht, steht auf einem anderen Blatt Papier. Anders gesagt, können die unverpackten Karotten vom regionalen Bauernhof ums Eck aus Klimasicht die bessere Wahl sein, als die in Folie verpackten Bio-Möhren, die aus Polen kommen.

Was also machen? Die Wahrheit liegt in der Mitte und wir helfen dir, sie zu finden.

Discounter und Supermärkte: Das solltest du beachten.

Erst einmal sei gesagt, dass es für die Verbreitung von Bio-Lebensmitteln gut ist, dass Aldi, Lidl, Edeka und Rewe Bio-Produkte im Angebot haben. Allerdings sollte man sich bei den großen Supermarktketten auch darüber im Klaren sein, dass die weiterhin ihr Geld mit herkömmlich und konventionell produzierten Lebensmitteln machen und viel Müll erzeugen.

  • Der Anteil an Bio-Produkten ist bei Ketten also nur ein Teil des großen Geschäfts, das mitunter wenig nachhaltig ist.
  • Gut sichtbar ist das etwa bei Fleisch, wo Discounter und Co. fragwürdiges Billigfleisch von Tönnies und Co. im Sortiment haben.
  • Oder aber beim Fehlen von Mehrweg-Angeboten in großen Discountern.
  • Zudem ist die Nähe zum Erzeuger bei Bio-Produkten von großen Supermarktketten oft nicht gegeben, weil auch Bio-Produkte aus dem Ausland importiert werden. Eine peruanische Bio-Avocado, die in Plastik verpackt um die halbe Welt reist, ist eben nicht gut in Sachen Nachhaltigkeit.

Und noch eine Kehrseite gibt es bei Aldi und Lidl. Wie eine Analyse der Deutschen Umwelthilfe (DUH) im Sommer 2023 gezeigt hat, sind die Discounter weiterhin die Verpackungssünder unter den Märkten. Größte Verpackungsmüllsünder im Test waren Aldi Nord, Aldi Süd, Norma, Penny und Lidl. Zudem sind die Discounter bei Flaschen noch nicht in das Mehrwegsystem eingestiegen. Lidl, Aldi Nord und Aldi Süd boten in den getesteten Filialen null Prozent Mehrwegflaschen an, bemängelte die DUH.

Bio-Supermärkte: Das solltest du beachten.

Anders ist das bei Bio-Supermärkten, die neben Mehrweg in der Regel auch ganz bewusst auf die Regionalität ihrer Bio-Lebensmittel achten. Hier kannst du dir sicher sein, dass du nur biologisch erzeugte Lebensmittel und Produkte bekommst. Vom Gemüse über die Nudeln bis hin zur Handseife. Insofern musst du dir beim Einkauf im Bio-Supermarkt keine Gedanken mehr machen. Allerdings gibt es auch in Bio-Supermärkten Plastikverpackungen. Allerdings weist etwa Allnatura darauf hin, dass Verpackungen auch notwendig sind.

Warum es nicht mehr Frei-von-Verpackung-Produkte gibt, erklärt Allnatura so: Weil auch "unverpackt" eine Kehrseite der Medaille hat, und die heißt Lebensmittelabfälle. Vor allem empfindliche Lebensmittel sollten geschützt sein, um einen vorzeitigen Verderb zu verhindern. Auch ein weggeworfenes Lebensmittel zahle in die Ökobilanz ein. Verpackungen haben oft nur einen geringen Anteil am gesamten Fußbadruck eines Produkts, im Schnitt etwa 3,2 %.

© Allnatura

Thema Verpackung.

Verpackung ist manchmal einfach nötig. Bei Kräutern, Minigurken oder Snack-Tomaten ist der Anteil der Verpackung am ökologischen Fußabdruck aber mies – und auch dämlich. Im Durchschnitt entstehen etwa 3,0 – 3,5 % der Klimawirkungen verpackter Lebensmittel durch die Verpackung, hat ein Forschungsprojekt gezeigt. In Einzelfällen kann der Anteil deutlich höher liegen, zum Beispiel bei sehr schweren Verpackungen in Kombination mit sehr kleinen Portionsgrößen.

Quelle: Leitfaden Forschungsprojekt „STOP waste – SAVE food“

Regionale Bauernhöfe: Das solltest du beachten.

Der große Pluspunkt von Bauernhöfen und Hofläden ist der Transportweg. Der fällt quasi weg. Es gibt nur den Transport der Lebensmittel vom Feld auf den Hof. Außerdem kannst du hier nahezu immer unverpackt einkaufen. Um Bio-Lebensmittel, aber auch konventionell angebaute Produkte zu kaufen, sind Bauernhöfe also eine wirklich gute Alternative. Diese Option ist natürlich nicht für alle machbar, gerade wenn man in einer Großstadt wohnt und der nächste Bauernhof weit weg ist.

Der Bauernhof ums Eck kann so gesehen also dann die bessere Alternative sein, wenn die Lebensmittel nicht bio sind. Denn der weggefallene Transportweg sorgt für eine deutlich bessere Umweltbilanz.

Tipp: Hofautomaten in deiner Nähe findest du mit der Plattform Boxenscout.

Nachhaltig kaufen: Achte auf einen guten Mix aus allen Faktoren.

Du siehst, je nachdem wo du einkaufst, hast du unterschiedliche Aspekte, die eine Rolle spielen.

  • Während du bei den Discountern zwar viel Bio-Auswahl hast und kontrollierte Lebensmittel bekommst, hapert es bei ihnen in Sachen Verpackungsmüll und Mehrwegsystem.
  • Bei Biobauernhöfen und Hofläden gibt es regionale und saisonale Lebensmittel, die oft kaum bis gar nicht verpackt sind. Nur bekommst du dort meist nicht alle Lebensmittel, die du brauchst und musst daher längere Strecken zurücklegen und mehr Zeit einplanen.
  • Bei Biosupermärkten gibt es nur Bio-Produkte und es wird auf kurze Transportwege und Herkunft geachtet, aber ohne Verpackung geht's auch hier nicht. Auch wird die Ware immer hertransportiert. Allerdings wirst du bei Bio-Märkten kaum Erdbeeren aus Südspanien bekommen, wo die intensive Landwirtschaft schon schwere Folgen für das Ökosystem und die Wasserverfügbarkeit hat.

Beispiel Gesundheit und (Bio-)Lebensmittel.

Du denkst sicher, bio ist immer gesünder, oder? Naja. Der Apfel vom Biohof ist nicht grundsätzlich gesünder, das zeigen Studien, wie quarks.de erklärt. Ein paar Unterschiede zwischen biologisch und konventionell angebautem Obst und Gemüse gibt es aber. Bio-Lebensmittel sind nicht so sehr mit Pestiziden belastet. Aber auch beim konventionellen Anbau werden die vorgeschriebenen Grenzwerte nicht überschritten. Und noch ein Beispiel: In Bioprodukten ist mehr Vitamin C, weil weniger Wasser drin ist. Konventionelle Milch enthält dafür mehr Jod. Ein klares Fazit in Sachen Gesundheit kann man deshalb nicht ziehen, so Quarks.

Lebensmittel-Einkauf: 8 clevere Tipps für deinen Alltag.

Damit wir mehr bio und nachhaltiger einkaufen, kann man eine Menge Tipps im Alltag beachten.

  1. Kaufe in Supermärkten die Produkte der Bio-Eigenmarken.
  2. Mache deinen Wocheneinkauf oder kleinere Einkaufe auch mal bei Bio-Supermärkten, wenn du einen in der Nähe hast.
  3. Achte auf möglichst wenig Verpackung bei Obst und Gemüse, aber auch allgemein.
  4. Setze auf Ökokisten, die kannst du selbst oder mit Nachbarn teilen.
  5. Kaufe beim nächsten Ausflug in die Berge gleich den Käse in der Sennerei oder am Automaten. Hier gibt’s eine tolle Automaten-Suche für Deutschland.
  6. Kein Bauernhof ums Eck? Auf dem Rückweg vom Wochenendausflug oder deinen Eltern kannst du beim Bauernhof einkaufen.
  7. Auch Supermärkte haben viel Regionales im Angebot – schau einfach genau hin und kaufe gezielt regionale Lebensmittel.
  8. Baue Obst und Gemüse selbst an, sofern du einen Garten hast (alternativ kann man in manchen Städten auch Gärten und Gemüsebeete mieten wie etwa bei Ackerhelden).
Ressourcen schonen: Darum ist es so wichtig
Portrait von Ludwig.

Ludwig. | Team Wirklich

E‑Mail:  ludwig.o@polarstern-energie.de

Ludwig ist ausgebildeter Journalist und hat viele Jahre bei einem großen Medienhaus in München gearbeitet. Bei Polarstern ist er Redakteur im Marketing-Team und schreibt Artikel für das Polarstern-Magazin und Neuigkeiten für unsere Newsletter. Außerdem kümmert er sich um Events wie die Earth Hour und den Isar Cleanup.