Bio-Eier von den Biohennen: So geht ökologische Landwirtschaft | Polarstern Magazin

Unser Kooperationspartner Die Biohennen AG legt seit über 20 Jahren die Messlatte für den Bio-Standard bei Eiern höher und höher. Die Erzeugergemeinschaft gab sich Richtlinien zur artgerechten, ökologischen Legehennenhaltung, bevor es verbindliche von der EU gab. Zur Erzeugergemeinschaft gehören heute – überwiegend in Bayern  – 30 Höfe. Wir haben einen der Gründerhöfe der Gemeinschaft besucht – den Biohof Rettermayer in Vohburg an der Donau. Von Biohennen-Vorständin und Geschäftsführerin Gerlinde Wagner und Bio-Landwirt Max Rettermayer haben wir erfahren, wie Eier wirklich biologisch erzeugt werden und welche Werte sich beim Handel und der Gesellschaft durchsetzen müssen, um Tieren wie Bauern ein gutes Leben zu ermöglichen.

von Anna & Michael

Inhalt

 

Was unterscheidet Die Biohennen von anderen Biobetrieben?

MAX Wir waren zum Beispiel die ersten, die nur hundertprozentiges Biofutter gefüttert haben. Als ich noch in meiner Ausbildung zum Tierwirt war, haben alle zu mir gesagt: Ihr spinnt doch! Das ist viel zu teuer, und auch keine Pflicht. Aber es geht nicht um Pflicht, sondern um Überzeugung. Das gilt auch für den Platz. Pro Herde haben wir maximal 3.000 Hühner, wobei auf einen Quadratmeter 4,5 Hühner kommen, EU-Vorgabe für Biobetriebe sind 6.

 

Die haben doch noch viel mehr Platz!

MAX Ja, die Vorgaben gelten für den Stall. Raus dürfen die Tiere bei uns auch. Die Junghennen können in den großen Wintergarten, die Legehennen haben zusätzlich einen richtigen Grünauslauf – mit Bäumen, Sträuchern und allem, was so ein Huhn braucht. Es ist ja ursprünglich ein Buschtier. Bei uns kann es draußen auch Insekten fressen.  

 

Woher bezieht ihr euer Biofutter?

MAX Zur Hälfte von unseren eigenen Feldern rund um den Hof. Zu Bio gehört für uns auch, dass du nicht Soja aus Argentinien herkarrst, sondern – soweit möglich – Futter aus der eigenen Region nutzt. Sonst versaut dir die CO2-Bilanz deine kompletten Bio-Bemühungen. Deshalb machen wir auch beim Anbau vieles anders. Wir nutzen zum Beispiel die Dammmethode, die für eine bessere Bodenfruchtbarkeit und Belüftung sorgt. Da geht das Unkraut wie von selbst. Den Rest bekämpfen wir mit Hacken und Striegeln. 

 

 

Bio-Landwirt Max Rettermayer. Foto: Tilo Wondollek.

 

Das ist alles harte Arbeit. Und trotzdem müssen viele Bauern „nebenher“ arbeiten. Wie geht das?

GERLINDE Der Nebenerwerb ist leider üblich, trotz Subventionen. Wobei die in 70 % der Fälle sowieso nicht bei den Bauern landen. Ich bin selbst auf einem Nebenerwerbsbetrieb aufgewachsen, da ist die ganze Familie gefordert. Die Menschen stehen um 4 auf, kommen gegen 2 oder 3 Uhr mittags vom Job nach Hause, dann geht’s bis 9 auf dem Hof weiter. Das ist krass. Neben dem Tierschutz sehen wir es bei den Biohennen deshalb ebenso als unsere Aufgabe, den Bauern die Wertschätzung zukommen zu lassen, die sie verdienen – in unserer Gemeinschaft wie in der Gesellschaft allgemein. Bauern sind Techniker, Tierärzte, Betriebswirte und Aufklärer, nehmen sich unbezahlt Zeit für Schulklassen und Kindergärten. Und nicht zu vergessen: Bauern sorgen für unsere Ernährung. Umso schöner ist es, dass viele in unserer Gemeinschaft den Sprung vom Nebenerwerbsbetrieb zum Vollerwerbsbetrieb geschafft haben.

 

Wie haben die das geschafft? 

GERLINDE Für viele waren Die Biohennen ein Anlass auf Bio umzustellen. Und das hat sich eben gelohnt – auch wenn man jetzt nicht damit reich wird. Die Bauern wollen so eine „bessere“ Landwirtschaft betreiben und damit den Hof fit für die nächste Generation machen. Ob das Geschäft jetzt besonders lukrativ ist, ist nicht die Motivation. Wem es allein darum geht, der ist nicht lange bei den Biohennen. Denen geht unser Gefühlsgetue hart auf die Eier (lacht). 

 

Apropos auf die Eier gehen: Warum flattern die Hennen gerade so rum?

MAX Die Hennen, die wir hier sehen, sind 15 Wochen alt und legen bald Eier. Das sind totale Teenager, scheu, aber neugierig. Dem Hahn hat gerade offensichtlich was nicht gepasst und er hat jetzt für Ordnung gesorgt. Das ist auch seine Aufgabe. Die Hähne schaffen Ordnung, suchen gutes Futter für die Hennen und warnen vor Feinden. Deshalb gehen die Hennen auch lieber raus in den Wintergarten, wenn die Hähne dabei sind. 

 

Die Hühner legen bald Eier, was passiert mit den Hähnen?

GERLINDE Neben den 30 Hähnen, die wir pro Herde behalten, ereilt auch unsere männlichen Legehennenküken das Schicksal fast aller Legehennenbrüder: Sie werden am ersten Lebenstag getötet und in Zoos verfüttert. Wir halten allerdings immer ein bis zwei sogenannte „Sandy“-Herden. Hier werden die Brüder in Österreich in einem ökologischen Partnerbetrieb aufgezogen. Erhältlich sind diese cremefarbenen Eier in unserer „hahn-henne-ei“-Verpackung bzw. in unserer „Geschwister-Ei“-Verpackung. 

 

Klingt nach einer guten Sache. 

GERLINDE Aber auch hier handelt es sich um eine sogenannte Hybridrasse. Sprich, die Tiere werden seit über 70  Jahren rein aufs Eierlegen gezüchtet und setzen kaum Fleisch an. Also benötigen die Legehennenbrüder eine hohe Menge hochwertiges Eiweißfutter, um ein Minimum an Fleisch anzusetzen. Dieses muss von weit her transportiert werden, was nicht gut für unsere CO2-Bilanz ist. Daher muss die Bruderhahnaufzucht über einen höheren Eierpreis subventioniert werden. Nichtsdestotrotz ist die Bruderhahnaufzucht ein erster Schritt in die richtige Richtung. Aber wir müssen noch größer denken! Am besten sind Zweinutzungshühner, wie es sie früher auf den Bauernhöfen gab. Da wachsen dann Hühner und Hähne ganz natürlich miteinander auf, so wie sie geschlüpft sind. Später legen die Hühner Eier – zwar weniger als unsere üblichen Hochleistungstiere, dafür sind die Hennen aber wesentlich gesünder – und die Hähne liefern Fleisch. Und zwar genügend dass sie nicht durch die Eier ihrer Schwestern finanziert werden müssen.

 

 

Gerlinde Wagner, Vorständin und Geschäftsführerin bei den Biohennen. Bio-Landwirt Max Rettermayer. Foto: Tilo Wondollek.

 

Wann lohnt sich ein zweiter Versuch? 

GERLINDE Zusammen mit den Biohennen haben wir schon eine Idee, die wir momentan ausprobieren, um Zweinutzung wirtschaftlicher zu machen. Ob sich die Zweinutzungslösung durchsetzt, hängt aber auch vom Handel und den Verbrauchern ab, also ob sie den Preis für ein Ei eines Zweinutzungshuhns akzeptieren. 6 Cent mehr müsste der Bauer für ein Ei wahrscheinlich verlangen, damit er davon leben kann. Das ist schon eine hohe Hausnummer. 

 

Wie viel Eier werden hier verpackt?

GERLINDE In den Anfangstagen waren es 5.000, heute verpacken wir 600.000 bis 650.000 Eier in der Woche. Unsere Sortiermaschine schafft 45.000 Eier in der Stunde. Die werden in die LKWs geladen und ausgefahren, auf dem Rückweg holen wir die Eier wieder von den Biohennen-Höfen ab. Im Herbst bekommen wir außerdem einen neuen LKW, der mit Gas betrieben wird. Wenn sich das bewährt, werden wir alle LKWs auf Gasbetrieb umstellen. Außerdem betreiben wir die Biohennen-Zentrale und Packstelle mit Wirklich Ökostrom. Das spart alles CO2!

>>> Preis für Wirklich Ökostrom berechnen. 

 

Wo gibt es Die Biohennen zu kaufen?

GERLINDE In kleinen Bioläden, ebenso wie in Filialen großer Supermarktketten, zum Beispiel Edeka. Es ist wichtig, dass gute Bioware in den Supermärkten verfügbar ist. Denn wenn jetzt alle am Wochenende auf die Bauernhöfe fahren, wäre das nicht gut für die CO2-Bilanz. Der Sinn von Bio darf nicht sein, dass man sich ins Auto hockt. Zu unseren Läden haben wir tolle, persönliche Beziehungen, nicht nur zu den kleinen, sondern auch zu den Großen wie Edeka. Die haben schon vor 20 Jahren erkannt, dass sich im Markt etwas ändern muss. 

 

Das finden wir auch. Danke, dass ihr’s schon macht!

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