Wenn es darum geht, Energie- und speziell Heizkosten zu sparen, machen wir längst nicht mehr bei Omas Wollsocken halt. Die Deutschen sind im Sparfieber – gezwungenermaßen. Doch bei aller Motivation gilt es, sich nicht von gutgemeinten Ideen aber schlecht gemachten Lösungen beirren zu lassen. Wir decken die größten Vorsorge-Fails für euch auf. 

von Sabrina

Vorsorge-Fail Nr. 1: Mit Radiator statt mit Gas heizen.

Um Gas zu sparen einfach einen Radiator besorgen und mit Strom heizen? Das bringt leider gar nichts. Im Moment kostet die Kilowattstunde Gas noch deutlich weniger als die Kilowattstunde Strom: Gas kostet im Mittel 28,3 Cent für Neukunden, Strom im Durchschnitt 51,58 Cent (Verivox, Stand Oktober 2022). Der Gaspreis müsste also noch deutlich steigen, damit sich der Umstieg auf Strom lohnt. 

Radiatoren sind im Prinzip Heizkörper auf Rädern, die an eine Steckdose angeschlossen werden. Im Inneren befindet sich Öl als Wärmeträger. Es heizt sich auf und gibt die Wärme über die Rippen ab. Durch sogenannte „Konvektionswärme“ wird die Luft erhitzt und im Raum verteilt. Ist die gewünschte Raumtemperatur erreicht, schaltet sich das Gerät ab oder gibt weniger Wärme ab. Bei einer durchschnittlichen Leistung von 2 kWh, einer täglichen Nutzung von 2 Stunden und einem Strompreis von 60 Cent ergeben sich monatliche Stromkosten von 67,20 €*. 

*2 kWh x 0,60 €/kWh x 2 h x 28 Tage = 67,20 €

Alternative Heizgeräte werden dann interessant, wenn tatsächlich kein Gas mehr fließt oder der Gaspreis über den Strompreis steigt.“

Thomas Zwingmann, Energieexperte der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen

Vorsorge-Fail Nr. 2: Mit Heizlüfter heizen.

Heizlüfter erwärmen die Luft, indem sie diese über ein Heizelement leiten und dann wieder in den Raum schicken. Aber: Sie benötigen jede Menge Strom, der im Moment je Kilowattstunde noch um einiges teurer ist als Gas. Wer viel Strom verbraucht, verursacht nicht nur bei sich hohe Stromkosten, sondern verstärkt in der Summe mit anderen Heizlüfter-Besitzer:innen mögliche Stromengpässe. Es ist also keine rein individuelle Entscheidung. Bei über 600.000 verkauften Heizlüftern zwischen Januar und Juni 2022 (Quelle: BUND) ist die Auswirkung auf den Energiemarkt nicht zu unterschätzen.

Leider sind Heizlüfter nicht nur große Energieschlucker, sondern oft billig produziert: Hallo Elektroschrott! Sie tragen auch nicht – wie viele andere Haushaltgeräte – das EU-Energielabel, sodass ihre Effizienz schwer zu ermitteln ist.

Mehr zum EU-Energielabel
Heizlüfter
Heizlüfter werden mit sehr viel Strom betrieben: eine teure Art, zu heizen.

Worstcase: zusätzlich verbrauchter Strom wird mit Gas produziert. 

Anstelle von Gas mehr Strom zu nutzen, ist im Moment der falsche Ansatz. Denn immer noch wird in Deutschland ein Teil des Stroms in Gaskraftwerken produziert. Das liegt auch an Strom-Exporten nach Frankreich, wo aufgrund abgeschalteter Atomkraftwerke ein erhöhter Bedarf herrscht. Aber auch der Verbrauch der deutschen Haushalte beeinflusst natürlich, wieviel zusätzlicher Strom durch Gas produziert wird.  

Effiziente Alternativen: Infrarot- oder Stromdirektheizung.

Wer eine alternative Wärmequelle nutzen will, fährt mit einer Infrarotheizung oder einer Stromdirektheizung besser. Beide beheizen nicht die Luft des ganzen Raums, sondern das Objekt, das sich vor ihnen befindet: also uns, wenn wir uns passend positionieren. Dabei wird die Wärme durch Wärmestrahlung übertragen. Die Infrarotheizung ist besonders behaglich, denn sie wirkt direkt auf der Haut. Wer zum Beispiel am Schreibtisch schnell fröstelt und das Gerät nicht (!) durchgehend laufen lässt, für den ist eine solche Heizung eine gute Lösung.

Infrarotheizung
Eine Infrarotheizung wärmt nur die Objekte in ihrer Umgebung auf, nicht die Raumluft.

Mit Strom zu heizen ist immer teuer.

Elektro-Direktheizungen zu betreiben kostet immer verhältnismäßig viel. Ob sich die Anschaffung lohnt, hängt von der Wärmedämmung des Gebäudes und vom eigenen Heizverhalten ab. Bei schlechter Dämmung muss entsprechend öfter nachgeheizt werden. Für Räume, die generell selten oder wenig beheizt werden und in denen nur punktuell Wärme benötigt wird, kann sich eine Infrarotheizung lohnen.

Vorsorge-Fail Nr. 3: Gar nicht mehr heizen.

Die Heizung ganz auszulassen, kann nicht nur ungemütlich, sondern sogar gefährlich werden. Wo Menschen wohnen, entsteht immer auch Feuchtigkeit: beim Kochen, Duschen, Wäschewaschen ... Sind die Räume gleichzeitig sehr kühl, kann sich Schimmel bilden, was schwere gesundheitliche Folgen haben kann. Laut Umweltredakteurin Alice Thiel-Sonnen sollte ein Raum mindestens 16 Grad warm sein. Natürlich spielt auch das richtige Lüften eine Rolle, um Schimmel vorzubeugen.  

Hygrometer gegen Schimmel.

Ein Hygrometer ist ein Gerät, dass die relative Luftfeuchtigkeit misst. Es geht dabei um das Verhältnis von aktuell in der Luft enthaltenem Wasserdampf zum maximal möglichen. Der angezeigte Prozentwert gibt somit gewissermaßen den "Sättigungsgrad" an. Wer die Raumfeuchtigkeit im Blick behalten will, kann seine Räume mit Hygrometern ausstatten. Einen 6er-Pack Mini-Hygrometer gibt’s schon für 16 Euro.

Hygrometer

Und welche Raumtemperatur ist die „gesündeste“? Ob ein Raum nun mindestens 19, 20 oder 21 Grad warm sein sollte, darüber scheiden sich die Geister. Wichtig ist, dass die Bewohner:innen warm bleiben und nicht auskühlen oder frieren. Wer sich zuhause viel bewegt, braucht wahrscheinlich eine geringere Raumtemperatur als jemand, der viel am Schreibtisch sitzt. Auch ältere oder kranke Menschen brauchen es häufig etwas wärmer. Wichtig ist es, wirklich nur die Räume zu heizen, in denen sich Menschen aufhalten. Während man das Wohnzimmer wärmer hält, kann es zum Beispiel im Schlafzimmer oder Flur kühler sein.  

Weitere Tipps, um daheim die Temperatur um ein paar Grad senken zu können – und es dabei trotzdem warm zu haben: 

  • Schließe die Türen auch in Wohnung und Haus. 
  • Zieh Vorhänge zu und lass die Rollos runter, wenn es dunkel wird. 
  • Zieh Hausschuhe und warme Kleidung an. 
  • Lege dir Decken griffbereit hin, wo du stillsitzt. 
  • Trinke warme Getränke und esse warme Speisen.

Vorsorge-Fail Nr. 4: Mit Campingkocher Strom sparen.

Um Strom zu sparen einfach mit dem Campingkocher statt mit dem E-Herd kochen? Das klingt nach einer schlauen MacGyver-Idee, ist aber im Hausgebrauch nicht zu empfehlen. Gerade in geschlossenen Räumen ist das riskant, zum Beispiel wenn das Gas zu schnell austritt oder fliegende Funken ein Feuer verursachen.  

Achte lieber darauf, energieeffizient zu kochen. Zum Beispiel, indem du auf das Vorheizen verzichtest, die Ofentür zulässt oder immer mit (passendem!) Deckel kochst.  

Energie sparen, aber wirklich: So hältst du deine Vorsätze ein

Vorsorge-Fail Nr. 5: Nur noch kaltes Wasser nutzen.

Beim Duschen, Händewaschen oder Abspülen lässt sich prima Energie sparen, wenn wir uns dabei mit dem Warmwasser zurückhalten. Schließlich muss dieses jedes Mal via Therme erwärmt werden.  

Gerade wenn wir den Hahn nur kurz aufdrehen, lohnt sich das Erwärmen oft nicht. Denn erst nachdem das in der Leitung vorhandene kalte Wasser durchgelaufen ist, kommt das erwärmte bei uns an. Drehen wir den Hahn schnell wieder zu, landet das warme Wasser nur in der Leitung und kühlt dort wieder ab.  

Ist das Reduzieren der Warmwassertemperatur direkt  an der Warmwasserttherme also am wirkungsvollsten? Ja, aber das ist nur eingeschränkt zu empfehlen. Bei manchen Wassertemperaturen fühlen sich bestimmte Bakterien – die „Legionellen“ – besonders wohl und das kann dann die Gesundheit der Bewohner:innen am Ende sogar gefährden.

Hat das Wasser zwischen 25 und 45 Grad, vermehren sie sich die Legionellen am liebsten. Bei weniger als 20 Grad können sie sich kaum vermehren, bei mehr als 60 Grad werden sie abgetötet. Deshalb sollte die Temperatur an der Warmwassertherme im Haus nicht auf unter 55 Grad Celcius eingestellt werden. Was zählt, ist also die eingestellte Temperatur am Warmwassererzeuger. Und nicht (!) die Temperatur, die aus dem Hahn kommt, da hier meist schon Kaltwasser zugemischt wurde.

 

Damit sich Legionellen nicht vermehren können, empfiehlt die Verbraucherzentrale, die Warmwassertemperatur an der Therme auf mindestens 55 Grad einzustellen.

Vorsorge-Fail Nr. 6: Internet-Trends zu ernst nehmen.

Lösungen, die besonders einfach und genial klingen, sind meist mit Vorbehalt zu betrachten.

Teelicht-Öfen sind gefährlich und ineffizient.

Teelicht-Öfen sind zum echten Social-Media-Trend geworden. Hierbei handelt es sich um selbstgebaute Öfen aus einer Schale, einem Blumentopf und Teelichtern. Inzwischen gibt es immer mehr Warnungen bezüglich der Brandgefahr, die von den selbstgebauten Öfen ausgeht. Immerhin kann ein einzelnes Teelicht bereits im Topfinneren eine Temperatur von 250 Grad erreichen. Stehen mehrere Lichter nebeneinander und staut sich zusätzlich die Wärme, kann ein Wachsbrand entstehen. Besonders leistungsstark ist der Mini-Ofen übrigens auch nicht: Drei Teelichter haben zusammen eine Leistung von 120 Watt, ein Heizkörper hat über 2.000 Watt. Um einen Raum auf 20 Grad zu erwärmen, braucht es 75 Watt pro Quadratmeter. Um einen 16 m2 großen Raum zu heizen, müsste man 30 Teelichter aufstellen. Das sind eine Menge Kerzen und Kosten und heizt in keinem Fall effizienter als eine herkömmliche Heizung.

Ein Wachsbrand im Teelicht-Ofen kann gefährliche Folgen haben und lässt sich nicht mit Wasser löschen.

Rettungsdecken ans Fenster hängen.

Rettungsdecken haben eine silberne und eine goldene Seite. Die silberne Seite reflektiert Wärme, die goldene absorbiert Sonnenstrahlen. Warum diese Funktion also nicht nutzen? Übers Fenster gehängt soll die Decke die Sonne absorbieren und verstärken und gleichzeitig die Raumwärme zurückstrahlen. Theoretisch kann das funktionieren, allerdings scheint die Sonne in den kälteren Jahreszeiten nicht besonders stark, lang und oft. Und wenn ein Raum sowieso schon kalt ist, kann auch keine Wärme zurückgestrahlt werden. Wer also kein Fan von silberner Folie und verdunkelten Räumen ist, hält sich lieber an Energiespar-Maßnahmen, die wirklich funktionieren.

Antworten auf deine Heizfragen: Vom Kondenswasser bis zur richtigen Temperatur.

Vorsorgen, aber richtig.

Am besten beugst du steigenden Energiekosten vor, wenn du auf vernünftige Weise Energie sparst – und so den Energiemarkt entspannst. Durch richtiges Heizen, Kochen oder Waschen, durch effiziente Geräte oder indem du Standby-Geräte ausschaltest. Möglichkeiten gibt es viele. Du brauchst noch Inspiration? Dann bist du hier richtig.

99 Energiespar-Tipps. Wirklich.

Vorsorgen heißt aber auch, wirklich an die Zukunft zu denken. Zum Beispiel indem du Ökostrom beziehst – am besten von einem Anbieter, der den Ausbau erneuerbarer Energie verstärkt fördert. Polarstern bezieht Ökostrom aus Deutschland und investiert in den Ausbau erneuerbarer Energien hierzulande und weltweit. Wie groß dein Impact mit Wirklich besserer Energie tatsächlich ist, kannst du im folgenden Link berechnen.

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