CO2-Fußabdruck: Wie OK ist eigentlich Kaffeetrinken?

Wie umweltfreundlich und fair ist ein Produkt wirklich? Reicht es, sich dafür nur das Endergebnis anzusehen? Wie ist das zum Beispiel beim Kaffee? Die Antworten auf diese Fragen: ziemlich erstaunlich. Plus: eine Checkliste für das, was du in Sachen Kaffee selbst verbessern kannst. Und ein Tipp für die ideale Kaffeemaschine daheim.

Inhalt:

 

Getrübter Genuss: Kaffeekonsum in Zahlen.

Brodel, zisch, fauch ... Milchaufschäumen ist mein Morgenritual. Dazu der Geruch der frisch gemahlenen Kaffeebohnen, der Espresso, der schön ölig aus dem Auslauf des Siebträgers rinnt ... Jetzt kann der Tag beginnen! Wäre da nur nicht diese Zahl. Vor Kurzem bin ich über sie gestolpert – und seither stört sie meinen morgendlichen Kaffeeritus. Mit jeder Tasse Kaffee (125 ml Wasser, 7 g Kaffee) fallen durchschnittlich 74,9 g CO2 an*. Mein statistischer Pro-Kopf-Verbrauch liegt bei 0,41 Litern Kaffee am Tag. Im Jahr sind das also 149,65 Liter (= 1.197 Tassen). Das heißt: Allein auf mein Kaffeekonto gingen demnach jährlich 89,65 kg CO2. Und damit bin ich ja nicht allein. Kaffee ist das meist konsumierte Getränk in Deutschland. Hochgerechnet auf 83 Mio. Einwohner hieße das also: Nur durch unseren Kaffeegenuss fallen pro Jahr 7.440.950 Tonnen CO2 an. Richtig krass. Kann das sein? Nochmal nachrechnen: Leider ja ... Das musste ich mir einfach genauer ansehen!

 

CO2-Fußabdruck: Das ganze Produktleben im Blick.

Erste Frage: Woher kommt eigentlich diese Zahl? Die Spur führt zum Product Carbon Footprinting – und damit zu einem ziemlich spannenden Ansatz, um die Emissionen, die Produkte tatsächlich verursachen, zu erheben. Entscheidend bei diesem „CO2-Fußabdruck“: Es werden dafür alle Emissionen berücksichtigt, die während des gesamten Lebenszyklus eines Produkts anfallen – also von der Rohstofferzeugung bis zur Entsorgung. Für Kaffee hat das Öko-Institut eben jenen durchschnittlichen CO2-Fußabdruck von 74,9 g CO2 pro Tasse ermittelt**. Nur kurz zum Vergleich: Bei nichtalkoholischen Kaltgetränken sind es durchschnittlich 0,6 kg CO2/kg. Kaffee bringt es leicht auf das 18-fache! Ein großer Kaffeehandelskonzern wollte das ganz genau wissen – und hat nach dieser Methode eine seiner Sorten untersuchen lassen. Im besten Fall kamen dabei 50,43 g CO2 pro Tasse raus, im schlechtesten sogar 101,35 g!

Eine Tasse Kaffee verursacht bis zu 101,35 g CO2.

Besonders überraschend dabei: Man denkt bei Kaffee ja sofort an die Riesentanker, auf denen die Bohnen über die Ozeane schippern. Aber der Transport macht hier gar nicht so viel aus. Die größten Anteile fallen an beim Anbau (32,99 g) – und bei der Produktnutzung (je nach Szenario 9,82 - 60,10 g). Das heißt auch: Du daheim hast einen großen Einfluss darauf, wie groß der CO2-Fußbdruck deines Kaffeekonsums ist. Gut, Carbon Footprinting ist nicht ganz unumstritten. Es fehlen hier noch international verbreitete Definitionen und Standards. Und Kritiker bemängeln, dass dabei längst nicht alle Umweltbelastungen berücksichtigt werden. Aber: Der CO2-Fußabdruck hilft uns zu verstehen, was eigentlich im Ganzen anfällt, wenn wir im Alltag ein fertiges Produkt verwenden – und wo die Stellschrauben liegen, an denen wir drehen können. Beim Kaffee sind das eindeutig: Anbau und Nutzung. Also schauen wir uns diese zwei Bereiche doch etwas genauer an ...

 

Kaffeeanbau: Wie lässt sich nachhaltiges Produzieren fördern?

Mono- oder Mischkultur? Ziemlich schnell fand ich heraus: Das ist die Gretchenfrage, wenn es um umweltschonenden Kaffeeanbau geht. Denn die Monokulturen der Kaffeeplantagen verdrängen die Regenwälder, entziehen dem Boden Nährstoffe, müssen deshalb aufwändig gedüngt werden, verursachen Bodenerosion, gefährden die Biodiversität, erfordern Unkraut- und Insektenvernichtungsmittel usw. usw. Ein entscheidender Punkt ist also, auf Kaffee zu achten, der aus Mischkulturen mit Schattenbäumen kommt. Doch nachhaltig heißt nicht nur umweltgerecht. Laut Fairtrade werden 80 % des Kaffees von 25 Mio. Kleinbauernfamilien produziert. Viele von ihnen müssen von weniger als 2 Dollar pro Tag leben. Wie aber kann ich sichergehen, dass mein Kaffee ökologisch verantwortungsbewusst und sozial fair produziert wird?

 

Fairtrade, Naturland Fair & Co: Buch mit 7 Siegeln?

Zuerst fallen einem da natürlich die Siegel und Zertifikate für fairen und umweltverträglichen Handel ein. Doch was sagen die eigentlich aus? Und vor allem: Auf welche ist wirklich Verlass? Zum Glück hat sich das auch die Stiftung Warentest gefragt – und fünf Nachhaltigkeitssiegel auf Herz und Nieren geprüft. Das Ergebnis: Auf drei von ihnen kann man sich tatsächlich verlassen! Naturland Fair wird sogar mit „sehr hoher“ Aussagekraft bewertet. Fairtrade und Rapunzel Hand in Hand mit „hoch“. Weniger gut weg kommen Rainforest Alliance und UTZ. Deren Anforderungsniveaus weisen gerade im ökologischen und sozialen Bereich Lücken auf.

 

Das Fairtrade-Siegel. 

Doch was sagen die Siegel tatsächlich aus? Bei Fairtrade geht es in erster Linie um das Soziale. Die Bauern erhalten einen etwas höheren Abnahmepreis. Vor allem aber verschafft Fairtrade vielen Kleinbauern überhaupt erst einen Marktzugang und sichert sie durch Mindestpreise gegen den stark schwankenden Kaffeemarkt ab. Heißt also: Wer neben Fairness Wert auf ökologischen Anbau legt, sollte darauf achten, dass der Fairtrade-Kaffee zusätzlich bio-zertifiziert ist.

 

Naturland und Rapunzel.

Naturland Fair und Rapunzel (Anm. ist auch Polarstern-Kunde) dagegen stellen auch hohe Anforderungen an den umweltgerechten Anbau. Naturland Fair etwa zertifiziert ausschließlich Kaffee, der – statt in Monokulturen – in schonenden Agroforst-Mischkulturen angebaut wird.

 

Gepa fair +.

Etwas verwirrend ist dagegen die Sache mit Gepa fair +. Denn dabei handelt es sich in Wahrheit gar nicht um ein Siegel, sondern um ein Logo. Viele Gepa fair + Produkte erfüllen allerdings die Kriterien von Faitrade, Naturland Fair oder Fair for Life. Die Stiftung Warentest bewertet Gepa fair + daher als glaubwürdig.

Also schon mal ganz gut: Im Supermarkt geben uns bestimmte Siegel tatsächlich eine gewisse Orientierung. Doch deren Aussagekraft bezieht sich – auch das habe ich bei meinen Nachforschungen gelernt – vor allem auf den Massenmarkt. 

>>> Diese Siegel bekommt Polarstern für seine Energie. 

 

Die stylishe Alternative: Craft-Coffee aus nachhaltigem Anbau.

Ganz anders sieht es nämlich bei den sogenannten „Craft-Coffees“ aus. Kleine, feine Kaffeeröstereien sind voll im Trend. Was sie vom Massenmarkt unterscheidet: Es geht hier um Kaffeespezialitäten in besonders hoher Qualität. Das Problem: Fairtrade- und Ökosiegel greifen hier nicht so richtig. Einer der angesagten jungen Craft-Röster ist der Polarstern-Kunde Hoppenworth & Ploch aus Frankfurt am Main. Super Gelegenheit also, um einfach mal persönlich nachzufragen. Mitinhaber Julian Ploch stellt dabei erst mal klar: „Rohkaffee von sehr hoher Qualität – das ist ein ganz anderer Markt. Und da bezahlen wir schon mal das Drei- bis Vierfache von dem, was sonst so üblich ist. Entsprechend mehr bleibt auch beim Erzeuger hängen.“

Polarstern-Kunde: das Hoppenworth & Ploch in Frankfurt.

Eine Zeit lang hatten Hoppenworth & Ploch versucht, direkte Handelsbeziehungen mit Kaffeefarmern aufzubauen. „Aber so ein kleines Unternehmen kann das im Grunde nicht stemmen,“ so Julian Ploch. „Wir gehen deshalb einen anderen Weg – und arbeiten mit Rohkaffeehändlern zusammen, die unsere gesuchte Qualität bieten und direkten Kontakt zu den Farmern pflegen.“ Da wäre zum Beispiel der niederländische Kaffeehändler This Side Up. Tatsächlich lässt sich auf dessen Website genau zurückverfolgen, von welchem Bauern welcher Kaffee stammt, wie genau die Wertschöpfungskette aussieht – und wieviel vom Preis beim Farmer ankommt. Das ist echt konsequent und transparent, nur eben nicht so einfach zu kommunizieren wie ein simples Siegel.

„Rohkaffee von sehr hoher Qualität ist ein anderer Markt. Und da bezahlen wir schon mal das Drei- bis Vierfache von dem, was sonst so üblich ist. Entsprechend mehr bleibt auch beim Erzeuger hängen.“ – Julian Ploch, Hoppenworth & Ploch.

Und wie steht es mit der Ökoqualität? Julian Ploch: „Um die von uns gewünschten Qualitäten zu liefern, muss ein Bauer von vornherein gut mit dem Land umgehen. Monokultur geht da nicht. Er braucht zum Beispiel Schattenbäume, damit sich die Bohnen langsamer entwickeln und komplexere Aromen bilden.“ Für alle, die besonderen Kaffee lieben – und die bereit sind, auch etwas mehr dafür zu zahlen – ist das also vielleicht sogar die noch bessere Wahl: eine Qualitätsrösterei, die glaubhaft die nachhaltige Herkunft ihrer Produkte aufzeigen kann. 

 

Produktnutzung: Guter Kaffee braucht gute Energie.

Bleiben wir noch kurz bei Hoppenworth & Ploch. Die Frankfurter haben nämlich ebenfalls festgestellt, dass der zweite große Bereich, in dem man etwas ändern kann, die Zubereitung hier vor Ort ist. Ihre Konsequenz: Sie betreiben die Rösterei und ihre zwei Ladencafés mit Ökostrom und Ökogas von Polarstern. Die Sache mit der Energie ist aber auch im Privathaushalt der Knackpunkt. Und der ist, sagen Umweltexperten, gar nicht mal so ohne. Echt jetzt? Bei dem bisschen Strom, um Wasser kurz zum Kochen zu bringen?

In der Küche ziehen Kaffeemaschinen das meiste Standby.

Tatsächlich brauchen Kaffee- und Espressomaschinen im Normalbetrieb gar nicht so viel Strom. Das Öko-Institut fand jedoch etwas anderes heraus: Im Bereich Küche sind sie die Geräte mit dem größten Verbrauch im Bereitschafts- und „Schein-Aus“-Betrieb. Pro Jahr kommen da durchschnittlich 590 GWh zusammen. Also ein Riesenpotenzial, um supereinfach Energie zu sparen! Seit 2014 dürfen allerdings nur noch Geräte mit Abschaltautomatik in den Handel kommen. Das hat die EU verfügt. Aber: Es stehen immer noch genügend Maschinen rum, die den ganzen Tag still und heimlich Strom im Stand-by-Modus saugen. Also zurück zum Filterkaffee? Gut, viele schwören ja ohnehin längst wieder darauf. Doch für alle anderen: Hey, wir schreiben Ende 2018 – und nicht 1980! Es gibt immer energieeffizientere Geräte, du kannst darauf achten, sie auszuschalten, wenn du sie nicht brauchst – und mit Wirklich Ökostrom von Polarstern betreibst du deine Kaffee- oder Espressomaschine 100 % umweltfreundlich. 

>>> Preis für Wirklich Ökostrom berechnen. 

 

Tipp: Die ideale Kaffeemaschine für daheim.

Kapselmaschinen?

Und welche Maschinen sind besonders empfehlenswert? Gleich vorab: Kapselmaschinen gehen leider gar nicht. Die Energie und die Rohstoffe für die Kapselproduktion, der viele Alu- oder Kunststoffmüll: Ganz abgesehen von den hohen Kapselpreisen ist das bisschen „Convenience“ mit Blick auf den „CO2-Fußabdruck“ ganz schön teuer erkauft.

Kaffeevollautomaten.

Vielleicht ein Kaffeevollautomat? Ich habe in einem Fachmarkt nachgefragt. Die Antwort: Am Ende wollte mir der Verkäufer unbedingt eine deutlich günstigere Alternative verkaufen. Denn erschwingliche Vollautomaten haben oft Siebträger aus Aluminium. Die werden sehr heiß und können das Pulver verbrennen: Nicht gut für den Geschmack! Außerdem haben sie viele komplexe Bauteile – und sind daher wartungsintensiver und störanfälliger.

Siebträgermaschinen.

Für viele deshalb die bessere (und günstigere) Alternative: eine gute, kompakte Siebträgermaschine mit einem Siebträger aus Edelstahl. Die einfachere Technik benötigt auch deutlich weniger Material und Energie bei der Herstellung. Und das Beste daran: Auch diese Maschinen haben Milchschaumdüsen, die so richtig schön brodeln, zischen und fauchen.

 

Zum Abschluss unsere Checkliste: Was kannst Du selbst im Alltag tun?

Wenn – wie beim Kaffee – globale Märkte und große Konzerne im Spiel sind, hat man leicht das Gefühl, herzlich wenig ausrichten zu können. Aber (Good News!): Wie wir gesehen haben, geht hier in Sachen Nachhaltigkeit doch eine ganze Menge. Und es ist nicht mal schwer! Hier haben wir eine Checkliste zusammengestellt, die dir hilft, deinen Kaffee deutlich ungetrübter zu genießen.


  • Beim Kaffeekauf auf „starke“ Nachhaltigkeitssiegel achten (siehe oben).
  • Oder den Kaffee bei einem Qualitätsröster kaufen, der glaubhaft zeigen kann, dass er auf faire und umweltgerechte Anbau-, Handels- und Produktionsbedingungen achtet
  • Muss wirklich jede Tasse Kaffee sein? Zum Beispiel die, die jetzt schon seit Stunden nur halb ausgetrunken neben dem Rechner steht?
  • Verpackungen reduzieren. Kleine Röstereien und Händler bieten zunehmend auch verpackungsfreie Lösungen an.
  • Zu Fuß oder mit dem Fahrrad einkaufen statt mit dem Auto oder per Paketlieferung. 
  • Wenn es sich herausfinden lässt: Kaffee von Herstellern und Röstern beziehen, die Ökoenergie verwenden.
  • „Coffee to go“: Mehrweg- statt Einwegbecher nutzen.
  • Kapseln nein danke!
  • Beim Kaffee- oder Espressomaschinenkauf auf die Energieeffizienz achten.
  • Überlegen, ob die Maschine wirklich ein Kaffeevollautomat sein muss.
  • Maschinen ausschalten, wenn sie nicht genutzt werden.

... und um den CO2-Ausstoß beim Strom praktisch auf Null zu reduzieren:

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* Genauer gesagt handelt es sich um Kohlendioxid (CO2) sowie sogenannte „CO2-Äquivalente“  (CO2e), wie z.B. das Treibhausgas Methan. Um Emissionen besser miteinander vergleichen zu  können, werden diese auf Kohlendioxid umgerechnet. Um nicht unnötig zu verwirren,  verwenden wir hier statt  „CO2e“ „CO2“.

**  Umgerechnet sind das 10,7 kg CO2 pro Kilo Kaffee. Die Bandbreite reichte von 8,9 kg bis  13,0 kg.

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