

Wie der Klimawandel Allergien und den Pollenkalender verändert.
Länger und intensiver, so lässt sich zusammenfassen, was Millionen Allergiker jedes Jahr durchmachen. Studien zeigen, dass die Pollenbelastung in den letzten Jahren stärker geworden ist. Einer der Hauptgründe: der Klimawandel. Was wann fliegt, welche Maßnahmen helfen und warum besonders Ambrosia als gefährlich gilt.
Es ist nicht nur eine gefühlte Wahrnehmung, sondern auch wissenschaftlich erwiesen: Studien zeigen, dass die Pollensaison wegen des Klimawandels stärker und länger ausfällt. Schnief, hatschi und schneuz hört man immer öfter. Betroffen sind laut Allergieinformationsdienst rund 12 Millionen oder 15 % der Menschen in Deutschland. So viele leiden nämlich an Heuschnupfen. Aber auch die Zahl der Herz-Kreislauferkrankungen nimmt durch den Klimawandel zu.
Die schlechte Nachricht zuerst: Die Heuschnupfen-Saison zieht sich inzwischen zäh wie ein Kaugummi fast das gesamte Jahr über. Höchstens die Monate November und Dezember und teils Januar sind weitgehend pollenfrei.
Von wann bis wann ist Pollenzeit?
Wann fliegen die ersten Pollen? Sobald die Temperaturen über 5 Grad steigen, ist mit den ersten Pollen zu rechnen, so der Allergieinformationsdienst. So kann es sein, dass je nach Temperatur auch im Dezember einige Pollen unterwegs sind. Es lässt sich also sagen, dass die Pollenzeit von Januar bzw. Anfang Februar bis Oktober geht. Definitiv stärker wird der Pollenflug ab Februar, wenn die ersten großen Bäume mit Pollen starten. Hasel, Erle, Birke, Esche und Weide sind dann mäßig bis stark unterwegs.
Erst im Herbst wird der Pollenflug deutlich weniger, so dass Fachleute zumindest in den Monaten November und Dezember von nur sehr geringer Pollenaktivität sprechen.
Mit Oktober verschwinden die Pollen dann langsam. In diesem Monat spürt man noch meist schwach:
- Brennnesseln
- Beifuß
- Gräsern
- Spitzwegerich
- Ambrosia
Als Heuschnupfen wurde ursprünglich die allergische Reaktion auf Heu bezeichnet. Heute wird unter dem Begriff aber auch die Reaktion auf den Pollenflug von Frühblühern verstanden. Der Fachausdruck ist allergische Rhinitis.
Für Allergiker:innen wichtig: Pollenkalender und Pollenwetter.
Heuschnupfen ist dank des Klimawandels und der deutlichen Erwärmung der Durchschnittstemperatur inzwischen fast ein ganzjähriges Problem. Sehr gut zeigt das der Pollenflugkalender unten. Der Pollenflugkalender verrät dir Monat für Monat, wann welche Pollen fliegen, und welche Belastung in der Luft ist. Man sieht gut, dass es nur wenige Wochen im Jahr gibt, in denen kaum oder kein Pollenflug ist.
Pollenflugkalender: Wann was fliegt.
Beste Wohnorte für Allergiker:innen sind übrigens Orte in Küstenregionen. Die Nordseeinsel Borkum etwa gilt als erste allergikerfreundliche Insel. Die idealsten Wohnorte für Allergiker bieten pollenarme Luft, wie Küstenregionen mit auflandigem Wind oder Hochgebirgslagen über 1.500 Metern Seehöhe, wo Pollenflug und Hausstaubmilben selten sind.
Neben dem Pollenflugkalender ist auch das tägliche Pollenwetter entscheidend. Denn bei Regen können auch in der Hochsaison mal weniger Pollen in der Luft sein. Hier solltest du dir am besten eine Wetter-App zulegen, die auch eine tägliche Pollenvorhersage hat. Alternativ kannst du das aktuelle Pollenflugwetter auf Webseiten wie dem Elektronischen Polleninformationsnetzwerk (ePIN) Bayern oder dem Pollenflug-Index des Deutschen Wetterdiensts (DWD) checken.
Maßnahmen und Tipps bei Pollenallergie.
- Bettwäsche, Vorhänge und Teppiche regelmäßig reinigen
- Wäsche nur drinnen trocknen lassen
- Getragene Kleidung nicht im Schlafzimmer ausziehen oder aufhängen
- Abends die Haare waschen, um Pollen auszuspülen
- Gezielt stoßlüften: In der Stadt ist die Pollenkonzentration zwischen 6 und 8 Uhr am geringsten, auf dem Land zwischen 19 und 24 Uhr
- Staubsauger mit Pollenrüster nachrüsten bzw. allergikergeeignetes Gerät anschaffen
- Indoor-Sport treiben (Wer trotz Heuschnupfens draußen trainieren möchte, sollte dies in den Zeiträumen mit niedriger Pollenkonzentration tun)
Regionale Unterschiede der Pollensaison.
Zu den wärmsten Regionen Deutschlands gehören unter anderem der Oberrheingraben, der Breisgau, die Bodenseeregion und die Kölner Bucht. Anschließend schreitet die sogenannte "Blühfront" von Südwest (Breisgau) nach Nordost (Vorpommern) voran. Das kann mehrere Wochen dauern, weswegen Allergiker:innen nicht zeitgleich überall betroffen sind. Dauert der Winter länger und gab es viele Frosttage, so startet die Pollensaison auch im Südwesten später und kann erst ab Mitte/Ende Februar losgehen.
Warum Feinstaub Pollen aggressiver machen kann.
Der Pollenflug ist vor allem für Menschen in Städten ein immer größer werdendes Problem. Studien zufolge weisen gerade Städter:innen häufiger Antikörper gegen Baum- und Gräserpollen auf als die Landbevölkerung. Es gibt Hinweise darauf, dass Pollen dadurch aggressiver werden könnten. Das bedeutet, dass sie stärker allergieauslösend wirken. Zusätzlich wirken Luftschadstoffe negativ auf die Schleimhäute der Menschen.
Einer Studie zufolge veränderten Feinstaub und Stickoxide die Allergene in den untersuchten Birkenpollen. Sie beeinflussten aktiv die Struktur der Pollen. Diese erreichten dadurch eine höhere Allergenität, hatten also eine intensivere Wirkung.
Wie der Klimawandel die Pollensaison verändert.
Die Pollenflugaktivität hängt maßgeblich von Temperatur und Niederschlag ab. Die Durchschnittstemperatur hat sich in den vergangenen Jahrzehnten deutlich erhöht. Für Deutschland wurde ein Anstieg um 1,6 Grad Celsius (seit Beginn der Wetteraufzeichnungen 1881) gemessen. Bereits in den letzten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts haben sich deshalb die phänologischen Jahreszeiten, also die Eintrittsdaten unterschiedlicher Entwicklungsstadien von Pflanzen wie Austrieb, Blüte bis zum Blattfall, deutlich verschoben. Und das alles verschiebt die Pollensaison. Das Beispiel der Haselpollen zeigt: Der Beginn der Blüte liegt laut Robert-Koch-Instituts (RKI) verglichen zu 1951 rund einen Monat früher.
Die Entwicklung der Pollensaison zeigt auch die folgende Grafik des RKI. Der Trend für die Blüte der Haselpollen (untere Linie mit Punkten) geht seit etwa drei Jahrzehnten in Richtung im Januar. Zuletzt dauerte es teils nur rund 20 bis 25 Tage nach Jahresbeginn, bis die ersten Haselpollen flogen. Zum Vergleich: In den 50er- und 60er-Jahren begann die Haselblüte meist zwischen 60 bis 80 Tage nach Jahresstart.
👉 Tipp: Eine Übersicht, welche Pollen in welchem Monat fliegen, findest du auch beim Deutschen Allergie- und Asthmabund (DAAB).
Die Ergebnisse einer forsa-Umfrage im Auftrag der AOK verdeutlichen die zunehmende gesundheitliche Belastung durch Pollenallergien in der Bevölkerung: Nahezu ein Viertel der diagnostizierten Pollenallergiker (23 Prozent) berichtete von einer Verschlimmerung ihrer Symptome in den vergangenen Jahren. Noch besorgniserregender ist, dass 59 Prozent der Befragten erwarten, dass sich die Allergiesaison infolge des Klimawandels verlängern und intensivieren wird.
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Zeitliche Veränderungen bei Pollenauftreten und Vegetationsbeginn.
Allergieauslösende Pollen wie die von Erle und Birke fliegen früher und stärker als noch vor 30 Jahren, das zeigt eine aktuelle internationale Studie aus April 2026. Verantwortlich ist demnach der Klimawandel mit steigenden Temperaturen. Der Pollenflug von Bäumen wie Birke, Erle und Olive beginne ein bis zwei Wochen früher als noch in den 1990er-Jahren, wie Daten des Lancet Countdowns zeigen. Teilweise sei die Pollensaison intensiver und länger, so der Bericht weiter.
Die Pollensaison hat sich klimabedingt nach vorne verschoben. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) misst den Zeitpunkt des Vegetationsbeginns in Deutschland jedes Jahr und vergleicht den Vegetationsstart mit der langjährigen Referenzperiode. Für 2023 fällt in der Gegenüberstellung deutlich auf, um wie viel früher die Vegetation vor allem in Süddeutschland zu blühen beginnt (rote und dunkelrote Bereiche d. Karte rechts). Auch in den nördlichen Bundesländern Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern hat die Vegetation 2023 deutlich eher begonnen als üblich. Zwar ist das nur ein Ausschnitt eines Jahres, aber die Grafik oben zur Haselblüte zeigt, dass der Trend langfristig und konsistent ist.
Die beiden Grafiken des DWD zeigen den Vegetationsbeginn einmal im langjährigen Mittel (links) und für das Jahr 2023 in Deutschland (rechts). Je dunkler die rote Farbe, desto stärker hat sich der Vegetationsbeginn nach vorne verschoben. Für Allergiker:innen bedeutet das eine längere Pollensaison.
Diese Pflanzen und Bäume sind allergieauslösend.
Besonders häufige Allergieauslöser sind Birken-, Erlen-, Hasel- und Gräserpollen. War der Winter mild, fliegen die Pollen schon ab Januar, sonst ab Februar. Diese Pflanzen und Bäume sind allergieauslösend und haben teils eine hohe bis sehr hohe allergene Potenz.
- Ambrosia (besonders gefährlich wegen hoher Potenz)
- Ampfer
- Beifuß
- Birke
- Brennnessel
- Buche
- Eiche
- Erle
- Esche
- Gräser
- Hainbuche
- Hasel
- Kiefer
- Pappel
- Roggen
- Ulme
- Wegerich
- Weide
Eine der gefährlichsten allergieauslösenden Pflanzen ist Ambrosia (auch bekannt als beifußblättriges Traubenkraut oder aufrechte Ambrosie). Die große Problematik dabei ist, dass laut Hexal von einer einzelnen Ambrosia-Pflanze eine Milliarde Pollenkörner freigesetzt werden können, aber bereits eine Konzentration von nur sechs Körnern pro Kubikmeter Luft ausreicht, um allergische Beschwerden zu verursachen.
Ihr Pollen kann laut Umweltbundesamt schon in kleinen Mengen heftige Gesundheitseffekte auslösen. Dazu zählen allergische Reaktionen wie Heuschnupfen, Bindehautreizungen und allergisches Asthma. Fies ist auch ihre lange Blütezeit: Wer schon mit Allergien zu kämpfen hatte, dem kann Ambrosia wegen ihrer langen Blütezeit von Juli bis Oktober zusätzlich zu schaffen machen.
Ambrosia-Ausbreitung Behörden melden.
Um die Ausbreitung der Pflanze einzudämmen, sind alle gefragt: Wer Ambrosia-Bestände sichtet, etwa auf Brachen, Äckern oder an Straßenrändern, sollte dies dem örtlichen Grünflächen- oder Pflanzenschutzamt oder dem Julius Kühn-Institut melden.












