Die gängigen Energiespartipps um ein paar smarte Anwendungen erweitern? Warum nicht. Zum Glück muss es nicht gleich das komplette Smart-Home-System sein, vor allem weil mehr nicht unbedingt mehr bringt. Sinnvolle, einzelne Smart Home-Lösungen gibt es auch für Mieter:innen, um die Wohnung schnell und einfach ein ganzes Stück smarter zu machen und damit Energie zu sparen. Aber welche Smart-Home-Anwendungen bringen wirklich was?

von Michael

Energiekosten: Das kannst du sparen.

Eine frühe Erkenntnis von 2022 lautet: Energie wird auch nicht mehr billiger. Auf einmal ist Energie sparen keine Option mehr, sondern eine gesellschaftliche Aufgabe. Das Gute: Mit einem bewussten Energieverbrauch kann sich jede:r Geld zurückholen. Noch 2021 konnten Haushalte laut co2online beim Stromverbrauch durchschnittlich 320 Euro Stromkosten pro Jahr sparen, beim Heizen sogar 490 Euro. Und 2022 rechnet sich das Energiesparen einmal mehr.

Gute Smart-Home-Anwendungen für die Wohnung. 

Smart-Home-Anwendungen können dabei helfen, diesen kleinen Schatz zu heben, denn sie denken ans Energie sparen, wo wir es vergessen. Dafür muss man nicht in einem durchautomatisieren Luxus-Neubau leben, vieles lässt sich auch in der Altbauwohnung installieren. Erlaubt ist, was sich bei Auszug wieder abbauen lässt und die bauliche Substanz nicht verändert. Aber welche Anwendungen bringen auch wirklich was?

1. Smarte (Heizkörper-) Thermostate.

Smartes Thermostat

Die meisten Haushalte heizen zu viel. 

Beim Heizverbrauch sind smarte Anwendungen wirklich sinnvoll. Durchschnittlich fallen in diesem Bereich 86 % des Energieverbrauchs an. Und meistens verbrauchen wir dabei zu viel Energie. Wie gesagt: Die deutschen Haushalte könnten im Schnitt knapp 500 Euro Heizkosten sparen. Denn so einfach es auch ist, eine Heizung zu bedienen, mit Wärme effizient umzugehen, ist eine andere Geschichte. Wer hat zum Beispiel schon immer die richtige Raumtemperatur eingestellt oder dreht die Heizung runter, sobald ein Fenster geöffnet wird oder wenn er morgens ins Büro fährt?

So funktionieren smarte Thermostate. 

Smarte Thermostate sind in dieser Angelegenheit sehr konsequent. Sie regulieren die Heizung intuitiv nach der Ab- und Anwesenheit der Bewohner, berücksichtigen oftmals Wetterberichte und reagieren auf die Außentemperatur. Wenn etwa nach einem bewölkten Tag die Sonne doch noch aufs Fenster knallt, reduziert das smarte Thermostat automatisch die Temperatur. Es erkennt auch, wenn irgendwo ein Fenster offen steht.

Smarte Thermostate können bis zu 30 % Heizenergie sparen. 

Weil Mieter:innen so kaum Heizenergie verschwenden, können sie mit smarten Thermostaten deutlich ihre Heizkosten und Emissionen senken. Laut Verbraucherzentrale sparen smarte Heizsysteme bis zu 8 % Energie. Andere Einrichtungen haben weitaus größere Einsparungen beobachtet. So konnte etwa eine Studie des Borderstep-Instituts Einsparungen von bis zu 30 % feststellen. Warum das so ist? Das hängt vermutlich auch stark mit dem individuellen Verhalten zusammen, also wie du mit den smartem Geräten umgehst.

Einfache Installation.

Die Thermostate sind zudem relativ einfach zu installieren. Klar, man muss sich mit der Technik auseinandersetzen, aber eine:n Techniker:in braucht man in der Regel nicht. Als Mieter:in solltest du die alten Heizkörper-Thermostate aufheben, damit du im Falle eines Umzugs die Wohnung in ihrem ursprünglichen Zustand übergeben kannst. Außerdem solltest du bedenken, dass die smarten Thermostate nicht dich als Person wahrnehmen, sondern die App auf deinem Handy. Wenn du Besuch hast und dieser hat die App nicht installiert, denkt das Thermostat, niemand sei da – und heizt nicht von alleine. Das gleiche gilt für Familien mit Kindern, wenn diese mal ohne die Eltern daheim sind. Zum Glück kann man in der Regel dies in der App zum smarten Thermostat dann manuell einstellen.

Heizkosten senken – mit diesen Tipps!

2. Smarte Steckdosen.

Wer auf smarte Weise den Stromverbrauch senken will, findet mit smarten Steckdosen einen guten Einstieg. Sie kosten je nach Leistung zwischen 10 und 40 Euro und machen jedes noch so alte Gerät smart steuerbar. Smarte Stecker sind der kleinste Nenner eines Smart Homes. Man steckt sie einfach zwischen Gerätestecker und Steckdose – und selbst eine Vintage-Lampe lässt sich dann per Sprachbefehl oder unterwegs per App an- und ausschalten. Höherwertige Smart-Home-Stecker bieten über die App eine Übersicht des Stromverbrauchs einzelner Geräte in Echt- und Langzeit. Dadurch kannst du zurückverfolgen, ob du der Stromverbrauch bereits gesunken ist. Sind smarte Stecker erst einmal installiert, lässt sich auch unterwegs übers Smartphone überprüfen, ob ein Gerät wirklich ausgeschaltet ist. Klassische Timerfunktionen bieten smarte Stecker natürlich auch. Für Gerätschaften wie Lichterketten, die nur zu bestimmten Uhrzeiten genutzt werden sollen, ist das bequem und energieeffizient.

Auch bequem: Der Wechsel zu wirklich besserer Energie.

3. Smartes Licht. 

Smarte Lichter sind insofern praktisch, weil man nicht im Dunkeln die Wand nach einem Schalter abtasten oder alles einzeln an- und ausklicken muss. Das Licht geht über Bewegungssensoren an, wenn du den Raum betrittst – und aus, wenn du ihn wieder verlässt. Smarte Lichter passen sich auch automatisch ans Tageslicht an. Wenn an einem grauen Tag das Sonnenlicht doch noch durch die Wolkendecke bricht, reduziert eine smarte Lichtsteuerung die Helligkeit der Lampen. Auch für die Lichter benötigt man nicht gleich ein komplettes Smart-Home-System – vorhandene Lichtschalter können ebenso nachgerüstet werden. Ob sich smarte Lichter für die Wohnung lohnen, hängt von der Anzahl der Personen und Leuchten im Haushalt ab. In einer Einzimmerwohnung wird eine smarte Lichttechnik eher wenig Strom sparen. In größeren Haushalten kann sich die Sache dagegen auszahlen. Eine Studie des Borderstep-Instituts ergab, dass größere Gebäude in den Strombedarf fürs Licht mit smarter Technik um 20 % senken können.

Energie investieren, um Energie zu sparen. 

Trotzdem zeigt sich am Licht ein generelles Problem von smarten Anwendungen: Man braucht Energie, um Energie zu sparen. Und nicht immer zahlt sich das aus. Während etwa eine normale LED-Leuchte lediglich 7 Watt verbraucht, kommt die smarte Philips Hue im angeschalteten Zustand auf 8,5 Wattstunden. In einem Smart Home muss die Lampe jedoch immer im Standby sein. In diesem Bereitschaftsdienst verbraucht die Lampe immer noch 0,4 Wattstunden. Sie zieht also andauernd Strom. Bei einer einzelnen Lampe macht das vielleicht nicht viel aus. Aber je mehr solcher smarten Lampen installiert sind, desto größer fällt der zusätzliche Verbrauch ins Gewicht.

4. Smarte Haushaltsgeräte. 

Inzwischen wird jedes Haushaltsgerät, das auf den Markt kommt, irgendwie als smart beworben. Kaffeemaschinen, die man schon vom Bett aus per Handy steuern kann oder Kühlschränke, die Rezepte auf Basis des Inhalts vorschlagen, erinnern an Geräte aus Entenhausen. Sie machen Laune, reduzieren aber kaum den Stromverbrauch. Oft ist es genau andersrum. Man sollte immer genau hinsehen, wofür eine Funktion gut ist. Zusätzliche Features wie etwa die Abtauautomatik bei Kühlschränken brauchen zusätzlichen Strom. Waschmaschinen hingegen, die je nach Verschmutzungsgrad der Wäsche die Wassertemperatur von alleine einstellen und auch die Wasser- und Waschmitteldosierung vornehmen, können durchaus beim Energie sparen helfen.

Nutz Vorhandenes besser. 

Besser, als sich neue smarte Geräte anzuschaffen, sind die Energiespar-Einstellungen bereits vorhandener Geräte. So braucht das Eco-Programm von Wasch- und Spülmaschinen üblicherweise nur halb so viel Wasser wie Standardprogramme. Auch die Energiespar-Einstellungen von Display-Geräten sind sinnvoll. Sie passen etwa automatisch die Bildschirm-Helligkeit an das Tageslicht an. Das senkt den Stromverbrauch des Geräts. 

5. Smart-Home-Kit für die Wohnung.

Streng genommen spricht man erst von einem Smart Home, wenn viele Haushaltsgeräte miteinander vernetzt sind und diese auch mit der Haustechnik kommunizieren können. Wenn du einzelne Smart-Anwendungen wie Stecker oder Thermostate ausprobiert hast und auf den Geschmack gekommen bist, kannst du im zweiten Schritt ein Smart-Home-Kit ausprobieren. Hier kannst du viele Geräte so vernetzen, dass sie miteinander agieren können. In deinem persönlichen Morgen-Szenario würdest du dich zum Beispiel vom Radio aus dem Schlaf schnulzen lassen, während die Rollläden automatisch hochfahren, die Kaffeemaschine in der Küche schnurrt und der Handtuchtrockner im Bad warm wird. Statt dich bei der Konfiguration mit vielen Apps rumzuschlagen, steuerst du alles über eine zentrale Steuerungseinheit, dem Gateway. Hier laufen alle Sensordaten zusammen und von hier gibst du die Befehle an Haushaltsgeräte. Das Gateway kannst du von Handy, Tablet oder ähnlichen Geräte aus steuern.

Smart Home braucht Platz und etwas Geduld. 

Eine Herausforderung ist die Beschäftigung mit der Technik. Vermutlich hat jede:r schon die Erfahrung gemacht, dass sich Geräte nicht immer so miteinander verknüpfen lassen, wie man sich das vorgestellt hat. In jedem Fall solltest du dich für ein offenes System entscheiden. Dann kannst du auch nach und nach Geräte unterschiedlicher Anbieter miteinander verknüpfen. Das geht zum Beispiel bei Funksystemen wie Bluetooth LE, EnOcean, WLAN, ZigBee oder Z-Wave.

Funk oder Kabel?

In der Wohnung eignet sich außerdem ein funkbasiertes System besser als kabelbasiertes. Kabelsysteme sind meistens teurer, und um die Verkabelung muss sich auch irgendjemand kümmern. Kabelsalate, das Geblinke von Statusleuchten und Geräte wie Modem, Router und Mehrfachsteckdosen schaffen zudem ein optisches Problem, gerade in kleineren Wohnungen.

6. Smart Meter. 

Auch unser Stromverbrauch wird in Zukunft smarter gemessen. Seit 2020 werden alle Haushalte mit einem digitalen Zähler ausgerüstet. Haushalte, die über 6.000 kWh Strom im Jahr verbrauchen, eine PV-Anlage oder eine steuerbare Verbrauchseinrichtung nutzen, bekommen sogar einen smart Meter. Das sind Zähler, die Daten senden und empfangen können und so Angebot und Nachfrage von Ökostrom besser steuern können. Inzwischen haben laut einer Bitkom-Studie 42 % der Haushalte Interesse an einem smart Meter. Denn die intelligenten Zähler könnten in Zukunft flexible Stromtarife ermöglichen. Man würde dann wenig für Strom zahlen, wenn gerade viel Ökostrom im Netz ist – und etwas mehr, wenn es kein guter Tag für die Erneuerbaren war. Abschläge und Nachzahlungen würden so der Vergangenheit angehören. 

Digitale und intelligente Zähler regen aber auch zum Strom sparen an, weil sie den eigenen Stromverbrauch im Zeitverlauf visualisieren. Das lässt zum Beispiel Rückschlüsse auf den Stromverbrauch einzelner Haushaltsgeräte zu. Dadurch wächst das Verständnis, wo im Haushal viel Strom verbraucht wird – und wo man am meisten sparen kann.

Zu unseren Stromspartipps

Wann sich Smart-Home nicht lohnt. 

Das Hauptproblem von Smart-Home-Geräten bleibt, dass man Energie braucht, um Energie zu sparen. Das gelingt nicht immer. Vor allem wenn man sich Szenarien programmiert, für die man viel Strom einsetzt, die aber praktisch keinen Mehrwert bieten. Beispielhaft wäre eine Coming-Home-Szene, bei dem jedes Mal der Fernseher eingeschaltet wird – und nebenbei läuft – während du gerade etwas anderes machst, zum Beispiel kochst. Hinzu kommt, dass Smart-Home-Anwendungen im Standby sein müssen, dass sie intuitiv auf deine Bewegungsabläufe reagieren können. Gerade im Standby verplempern die Deutschen aber richtig viel Strom. Laut co2online macht der Standby-Betrieb in einem durchschnittlichen 3-Personen-Haushalt bereits 8 % des Stromverbrauchs aus. Zusätzlich sind Smart-Home-Anwendungen aufgrund des Datenverkehrs mit dem Internet eine stromintensive Geschichte. Man kennt es vom Handy oder Computer: Je intensiver die Anwendung, desto schneller ist der Akku wieder leer.

Energie sparen ist Einstellungssache.

Meistens entscheidet die eigene Erwartungshaltung, ob man mit smarten Geräten Energie spart oder nicht. Wer sich Geräte zum Energie sparen gekauft hat, wird vermutlich auch seinen Energieverbrauch im Blick behalten und bewusst mit Strom und Heizenergie umgehen. Anders sieht es aus, wenn man die smarte Geräte eher aus Komfortgründen kaufen.

Spannend ist in diesem Zusammenhang eine Studie der Technischen Hochschule Köln. Im Forschungsprojekt Smart Home Rösrath gab es teilnehmende Haushalte, die mit einem smarten Heizsystem ihren Gasverbrauch tatsächlich um 30 % senken konnten. Es gab aber auch Haushalte, die nach der Installation des Systems 27 % mehr Heizenergie verbrauchten. Energieeffiziente Technologie verführt manche auch, verschwenderisch mit Energie umzugehen. Oft sogar ganz unbewusst, getreu dem Motto, dass es die Technik schon richten wird. Tut sie nicht. Sie kann am Ende nur so effizient sein, wie wir mit ihr umgehen. Ohne die klassischen Energiespartipps klappt das Energiesparen nicht. Zum Glück fallen uns spontan schon 99 ein.

99 Energiespartipps

Den Teilnehmer:innen, die mehr Energie verbrauchten als vorher, sollte man übrigens nicht vorschnell Verschwendung vorwerfen. Manche kamen einfach nicht mit der Technik zurecht. Hier sind auch die Hersteller gefragt, die Benutzerfreundlichkeit kontinuierlich zu optimieren. 

Mietwohnungen: Smart bald Standard?

Gut möglich, dass sich die Frage nach dem Kauf von smarten Geräten für viele Mieter:innen in Zukunft erübrigen wird. Denn in Neubauten sowie im Zuge von Sanierungen werden smarte Gebäudeautomationen oft längst mitgeplant. Smarte Anwendungen werden im Gebäudebereich als wichtiger Pfeiler der Energiewende betrachtet und von der Bundesregierung unterstützt. So fördert die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) im Rahmen einer Gebäudesanierung Smart-Home-Technik.

Das Borderstep Institut konnte bei einer Untersuchung zur Gebäudeautomation mit 10 Gebäudetypen Energieeinsparungen von durchschnittlich 20 % ermitteln. Selbst in einer Berliner Altbauwohnung (Baujahr 1906) wurden Einsparungen von 21 % erreicht. Betrachtet man die Heizenergie isoliert, lag die Energieeinsparung sogar bei 26 %. In einem Mehrfamilienhaus mit Baujahr 1964 konnten pro Quadratmeter insgesamt dank Gebäudeautomation sogar 30 % Energie gespart werden. Die Mietparteien sparten so 260 Euro im Jahr.

Smart Home ist nur mit Ökostrom wirklich sinnvoll. 

So wichtig es ist, über Energiepreise zu sprechen, das Hauptziel der Energieeffizienz sollten wir dabei nicht aus den Augen verlieren: den Klimaschutz. Mit smarten Geräten und Energiespartipps reduzierst du deinen Energiebedarf. Aber erst mit der richtigen Energie verursachst du auch kein CO2 mehr. Mit Wirklich Ökostrom erreichst du das. Und noch so viel mehr! So investieren wir zum Beispiel für jede Kilowattstunde Wirklich Ökostrom, die du verbrauchst, 1 Cent in den Ausbau der erneuerbaren Energien. Außerdem investieren wir für alle Kund:innen jährlich jeweils 20 Euro in die Energiewende in Kambodscha und Madagaskar. Denn die Zukunft können wir nur gemeinsam retten. Mach mit! 

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Michael | Team Wirklich

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