Fadenspiel

Echt Öko? Diese nachhaltigen Marken gehören zu Großkonzernen.

Fadenspiel
Große Konzerne schmücken sich gerne mit grünen Marken und Produkten. Dahinter stehen aber häufig weniger ökologische oder soziale Überzeugungen, sondern vielmehr die Absicht, neue Zielgruppen zu erschließen. Die Konsumbewusste Käuferschaft soll eben zusätzlich abgespeist werden. Nicht immer entstehen dabei ökologische und soziale Verbesserungen. Und manchmal gehört das alternative Produkt ausgerechnet dem Unternehmen, das man eigentlich umgehen wollte. Wir zeigen, warum zu viel Marktmacht ein Problem ist, wer zu wem gehört und wie du unabhängige Unternehmen findest.

von Ludwig. und Michael. - Lesezeit: 4 Minuten

Ob Lebensmittel oder Mode: Wir kaufen fast immer bei denselben Firmen ein.

Wäre Einkaufen nicht so eine extrem habituelle Sache, bei der sowieso immer das gleiche im Einkaufswagen landet, würden wir vermutlich bei jedem Supermarktbesuch aufgrund der scheinbar endlosen Auswahl verzweifeln. Doch wenn man all die Produkte ihrem Mutterkonzern zuordnet, merkt man: Im Grunde kaufen wir bei wenigen Dutzend Unternehmen ein.

Im Lebensmittelbereich etwa dominieren Nestle, Pepsico, General Mills, Kellog's, Associated British Foods, Mondelez, Mars, Danone, Unilever und Coca Cola den Markt. Im Modemarkt geben unter anderem H&M, Inditex (Zara), LVMH (z.B. Louis Vuitton, Rimowa, Tiffany & Co.), Nike oder Fast Retailing (z.B. Uniqlo) den Ton an.

Viel Marktmacht – wenig Druck sich zu verändern.

Zu viel Markmacht ist in vielerlei Hinsicht problematisch (mehr dazu weiter unten), zum Beispiel weil man leichter die Spielregeln im Markt diktieren kann – etwa die Löhne am Anfang der Lieferkette drücken – und hohe Preise am anderen Ende der Kette durchdrücken. Wenn nur wenige Anbieter den Markt bestimmen, ist auch der Druck sich zu verändern, wesentlich geringer. Dabei könnten gerade bei großen Unternehmen Klima-, Umwelt- und Arbeitsschutzmaßnahmen riesig sein. Doch steht das Prinzip der Gewinnmaximierung den ökologischen und sozialen Zielen meistens im Weg. Viele Konzerne standen stattdessen schon mit Umweltzerstörung und Ausbeutung in Verbindung. Man denke nur an die Ausbeutung in der Mode- oder Kakaoindustrie oder die Zerstörung von Regenwäldern für Palmölplantagen.

Ökofaire Produkte vom Großkonzern?

Für nachhaltige Konsument:innen ist die Marktmacht vor allem dann ein Problem, wenn sie sich bewusst für ein ökologisches oder fair gehandeltes Produkt entscheiden – und dann doch wieder bei einem Unternehmen landen, dem sie mit ihrer bewussten Kaufentscheidung eigentlich den Rücken kehren wollten. In diesem Fall ist das nachhaltige Produkt lediglich ein Köder, um eine konsumbewusste Zielgruppe zu halten oder hinzuzugewinnen. An der prinzipiellen Ausrichtung des Unternehmens – Profit first, Umwelt, Klima und Arbeitnehmer:innenrechte second – ändert dies kaum etwas. Noch dazu kaufen Großkonzerne gerne mal kleinere ökologische Unternehmen auf, um sich grüner darzustellen. Wenn die die Biomarke dann nicht liefert (also Geld), wird die Marke eben eingestampft. Damit gehen einst gute Alternativen verloren. Bald soll etwa die Marke Stop the Water While Using Me eingestampft werden, die der Kosmetikriese Beiersdorf (u.a. Nivea, Labello, 8x4) erst 2020 gekauft hatte. Welche Naturkosmetik-Marken hier wirklich unabhängig sind, siehst du in der Grafik.

Auch in der Kosmetikbranche gibt es "echte" nachhaltige Marken und Hersteller, die zu Großkonzernen gehören.

Greenwashing durch grüne Subunternehmen.

Auch der Energiemarkt ist ein gutes Beispiel für Greenwashing durch grüne Subunternehmen. In Deutschland gibt es eine Menge Ökostromanbieter, die häufig aber nur Subunternehmen von den Energieriesen sind, die ihr Hauptgeschäft mit fossiler Energie verdienen. Welcher Ökostromanbieter zu welchem Konzern gehört, haben wir in diesem Artikel festgehalten.

Wirklich bessere Energie.

Bei Polarstern gibt es ausschließlich Ökoenergie aus Deutschland. Und mit jeder Kilowattstunde, die du nutzt, investieren wir für dich in den Ausbau der erneuerbaren Energien. Zusätzlich unterstützt du auch die Energiewende in Kambodscha und Madagaskar. Schließlich ist die Energiewende eine weltweite Aufgabe. Wirklich Ökostrom ist unter anderem von Grüner Strom-Label und TÜV Nord zertifiziert und wird von Öko-Test, Utopia und Robin Wood. Weil wir auch die Wirtschaft zu einem besseren Ort machen wollen, sind wir von B Corp und der Gemeinwohl-Ökonomie zertifiziert.

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So erfährst du, wer zu wem gehört – und wie das unternehmen tickt.

Wie abhängig oder vernetzt Unternehmen sind, wem sie gehören und welche Unternehmenstöchter dazugehören, ist zwar oft nicht transparent. Und doch gibt es Tricks, um genau das herauszufinden.

  • Ziemlich einfach geht es mit der App Buycott. Einfach beim Einkaufen den Barcode eines Produkts scannen und direkt erfahren, zu welchem Konzern die Marke gehört, bevor das Produkt im Korb landet.
  • Was sagt das Internet zu nachhaltigen Bemühungen? Gute Hintergrundinformationen erhältst du meistens bei Portalen wie Utopia oder Verbrauchermagazinen wie Öko-Test.
  • Häufig lohnt sich auf der Website auch ein Blick aufs Impressum oder die Kontaktadresse, um herauszufinden, wem eine Marke eigentlich wirklich gehört.
  • Anhand von Unternehmenssiegeln wie B Corp oder Gemeinwohl-Ökonomie erkennst du, dass Unternehmen nicht einfach nur hier und da ein grünes Produkt auf den Markt schmeißen, sondern daran arbeiten, sich insgesamt nachhaltiger aufzustellen.
So entlarvst du Greenwashing von Unternehmen

Die Großen müssen sich wandeln. Wirklich.

Die Umweltbilanz großer Unternehmen ist oft schon negativ, weil die Produktionsstufen und Lieferketten globale Dimensionen haben. Bestes Beispiel ist die Herstellung einer Jeans. Die verbraucht im Normalfall nicht nur extrem viel Wasser; obendrein werden umweltschädliche Chemikalien verwendet und das Stück Stoff durch ein halbes Dutzend Länder verschifft, bis die Jeans vor uns im Regal liegt. Ökonomische Nachhaltigkeit ist kaum gegeben. Die großen Player in der Modeindustrie müssten – sofern sie völlig nachhaltig sein wollen – ihr Geschäftsmodell im Kern umstellen. Mehr ökologische und ökonomische Nachhaltigkeit lautet die Devise.

Dass es auch anders geht, zeigen Modemarken und Social-Business-Firmen wie Armedangels, Nudie Jeans, Bleed oder Mud Jeans. Diese Jeans-Hersteller produzieren ökonomisch und ökologisch nachhaltig und haben sich zum Teil dem Prinzip der Kreislaufwirtschaft verschrieben. Dabei werden Produkte möglichst lange wiederverwendet, um den Abfall auf ein Minimum zu reduzieren.

Erfahre mehr über Social Business

Kreislaufwirtschaft. Das musst du wissen.

Die Kreislaufwirtschaft ist ein Modell der Produktion und des Verbrauchs, bei dem bestehende Materialien und Produkte so lange wie möglich geteilt, geleast, wiederverwendet, repariert und recycelt werden. Das verlängert den Lebenszyklus von Produkten erheblich und reduziert Abfälle. Nachdem ein Produkt das Ende seiner Lebensdauer erreicht hat, verbleiben die Ressourcen und Materialien so weit wie möglich in der Wirtschaft. Die Kreislaufwirtschaft steht im Gegensatz zum traditionellen, linearen Wirtschaftsmodell.

Einige große Modekonzerne wie Esprit, Levi’s und H&M haben sich nachhaltige Standards verpasst und werben mit einer umweltfreundlichen Produkt-Serie. Bei H&M tragen nachhaltig produzierte Kleidungsstücke etwa das Label „Conscious-Produkte“. Das ist gut und ein Anfang auf dem langen Weg zur Nachhaltigkeit. Doch meist wird der Großteil des Sortiments bei Modekonzernen weiterhin ohne große Rücksicht auf Umwelt und Mensch produziert. Allein deswegen solltest du bei jedem Kauf genau hinschauen, wen du da genau unterstützt mit deinem Geld. Denn am Ende zementieren wir mit jeder unüberlegten Kaufentscheidung die bestehenden (ökonomischen) Verhältnisse. Dass die gerade in der Textilwirtschaft mitunter katastrophal sind, haben Tragödien in asiatischen Ländern in den vergangenen Jahren leider immer wieder gezeigt.

Die großen Modekonzerne haben eigene Label für umweltverträgliche oder faire Mode entwickelt. Wirklich nachhaltig sind aber vor allem unabhängige Marken wie Manomama, Bleed oder Mud Jeans.

Der Ball in Sachen Ressourcen- und Klimaschutz liegt nun mal stark bei den großen Konzernen. Oft haben nur sehr wenige Unternehmen aufgrund ihrer Marktmacht einen enormen Impact. Und den sollten sie wirklich besser nutzen. Für eine gerechtere Welt und eine bessere Zukunft.

Die "andere" Seite der Wirtschaft unterstützen.

Wir können als Verbraucher:innen diesen Wandel hin zu einer nachhaltigen Wirtschaft unterstützen, ja sogar vorantreiben, wenn wir konsequent sind. Wir müssen nicht auf die Großen warten. Indem wir zum Beispiel die Unternehmen wählen, die bei Klima- und Umweltschutz schon weiter sind und wirklich verantwortungsvoll handeln, leisten wir einen wichtigen Beitrag auf dem Weg zu einer wirklich lebenswerten Zukunft.

Kauf mal um die Ecke ein.

Statt im großen Supermarkt einzukaufen, lohnt sich der Gang zum Metzger, Bäcker oder Bioladen ums Eck. Eine gute Flasche Wein bekommst du auch bei der Vinothek ums Eck statt beim großen Online-Weinhändler. Und wer sich neue Kleidung kaufen möchte, findet in vielen Städten eine beachtliche Zahl an unabhängigen Modelabels, die oft sehr nachhaltig und bewusst produzieren.

Suche kleine Unternehmen.

Oft braucht es schlicht nur etwas mehr Zeit, um Unternehmen jenseits der großen Konzerne zu entdecken. Wer aber einfach mal seinen Wohnort plus lokale Unternehmen googelt, dürfte schnell fündig werden. Darüber hinaus helfen Suchbegriffe wie „Support your Locals“ oder „lokal kaufen“.

Finde nachhaltige Firmen mit Ecosia.

Ähnliches gilt für die Suche nach nachhaltigen Unternehmen. Ganz viele haben inzwischen Online-Shops und sind so für dich jederzeit erreichbar, egal wo du wohnst. Unser Tipp: Nutze die „grüne“ Suchmaschine Ecosia und gebe das Stichwort Nachhaltig sowie einen Produktbegriff wie Mode ein. In der Ergebnisanzeige siehst du viele Angebote. Die mit dem grünen Blättchen sind besonders nachhaltig. Denn seit kurzem kennzeichnet Ecosia gemeinwohlorientierte und nachhaltige Unternehmen mit einem grünen Blatt. So findest du schnell die wirklich guten Unternehmen.

Top-Tipp: Sieh dir die Social-Business-Landkarte an!

Ein guter Ratgeber ist auch unsere Social-Business-Landkarte von Polarstern. Die erste Karte ihrer Art! Mit der deutschlandweiten Karte findest du ganz easy gemeinwohlorientierte Unternehmen – von Gastronomie über Energieversorger bis hin zu Finanzen. Sie alle haben gemeinsam, dass sie nicht so wirtschaften, dass Profite und Wachstum um jeden Preis im Fokus stehen, sondern das verantwortungsvolle Handeln für unsere Gesellschaft und die Zukunft. Wir bei Polarstern haben die Social-Business-Map entwickelt, weil wir der Überzeugung sind, dass sich in der Wirtschaft und in unserem Konsumverhalten etwas verändern muss. Finde jetzt Unternehmen, die wirklich etwas verändern wollen.

Hier geht's zur Social-Business-Landkarte
Portrait von Ludwig.

Ludwig. | Team Wirklich

E‑Mail:  ludwig.o@polarstern-energie.de

Ludwig ist ausgebildeter Journalist und hat viele Jahre bei einem großen Medienhaus in München gearbeitet. Bei Polarstern ist er Redakteur im Marketing-Team und schreibt Artikel für das Polarstern-Magazin und Neuigkeiten für unsere Newsletter. Außerdem kümmert er sich um Events wie die Earth Hour und den Isar Cleanup.

Portrait von Michael.

Michael. | Team Wirklich

E‑Mail:  michael@polarstern-energie.de

Michael ist ein alter Hase im Marketing-Team und schon seit 2012 dabei. Als Online-Redakteur stammen viele Texte auf unserer Seite und im Polarstern Magazin aus seiner unverwechselbaren Feder.