Größer, leistungsstärker und schneller – das waren lange Zeit für viele die wichtigsten Kriterien beim Autokauf. Jetzt wird auch im Zuge der IAA deutlich: Der Kunde möchte vor allem auch immer CO2-ärmer fahren. Was planen hierzu Branche und Regierung – und wo ist der Wandel bereits sichtbar?

von Michael

Inhalt:

 

Wenn sich Fans und Kritiker der Elektromobilität mal wieder im Netz streiten wie Katzen und Mäuse, postet garantiert jemand dieses Zitat von Kaiser Wilhelm II.: „Das Auto ist eine vorübergehende Erscheinung. Ich glaube an das Pferd“. Das hat er wahrscheinlich nie so gesagt, dennoch ist so ein Post ein gutes Beispiel dafür, wie gravierend die Verkehrswende wahrgenommen wird. Eben vergleichbar mit dem Übergang vom Kutschen- ins Automobilzeitalter. Dabei wird heute nicht das Vehikel getauscht, sondern gerade mal der Kraftstoff. Benzin und Diesel gegen Strom – hoffentlich Öko, denn nur dann fahren Autos wirklich klimafreundlich. 

>>> Du hast ein E-Auto? Berechne deinen Stromtarif. 

 

Wie das Klima die neuen Spielregeln diktiert.

Früher war die Marktentwicklung der Autobranche vorrangig am Kunden ausgerichtet. „Er will es so“. Heute diktiert der Klimawandel verstärkt die Spielregeln. Und da gehört neben dem Energie- und Gebäudesektor der Verkehr zu den größten CO2-Emittenten. Laut EU-Parlament ist er für fast 30 % der gesamten CO2-Emissionen in Europa verantwortlich. Bislang halten sich Verbesserungen und Verschlechterungen die Waage: So konnten laut Umweltbundesamt in Deutschland seit 1995 die kilometerbezogenen CO2-Emissionen der Pkw dank besserer Abgastechnik und sauberer Kraftstoffe um 15 % gesenkt werden, bei LKW sogar um 30 %. Nur ist im gleichen Zeitraum der Verkehr massiv gewachsen. Allein der LKW-Verkehr ist um rund 70 % gestiegen. Im Ergebnis ist die Mobilität insgesamt keinen Deut sauberer geworden.

>>> Wirklich sauber: unsere Autostrom-Tarife. 

 

So will die Regierung die CO2-Emissionen im Verkehr senken.

Die Regierung plant deshalb, die Treibhausgasemissionen des deutschen Verkehrssektors bis 2030 von aktuell rund 160 Millionen Tonnen CO2 pro Jahr auf 95 bis 98 Millionen Tonnen zu senken. Bei diesem Ziel ist schon einkalkuliert, dass die Fahrleistung der Pkw im gleichen Zeitraum vermutlich um ca. 10 % steigen wird, die der LKW sogar um 28 %. Bis 2030 will die Regierung daher mindestens 7 Millionen Elektroautos auf den deutschen Straßen sehen. Die Entwicklung passiert schneller, als der Kritiker dem E-Auto hinterher schimpfen kann: Anfang 2019 gab es laut Kraftfahrtbundesamt KBA bereits 83.175 Elektroautos auf den Deutschen Straßen. Ein kleiner Prozentsatz, wenn man bedenkt, dass es derzeit ca. 47,1 Millionen Pkws in Deutschland gibt. Interessant ist aber das Wachstum. Und da gab es laut KBA in der ersten Hälfte des Jahres 2019 in Deutschland bereits 80 % mehr neu zugelassene Elektroautos als ein Jahr zuvor. Zusätzlich soll die Zahl der öffentlichen Ladepunkte von derzeit rund 19.200 auf 1 Million aufgestockt werden. Hinzu kommen 100.000 Schnellladepunkte und massenhaft private Ladepunkte in Eigenheimen.

 

 

Entwicklung der Ladepunkte 2011 bis heute.

 

So will die Autobranche CO2 senken. 

Und dann ist da noch die Autobranche. Was wollen die?  Das konnte man jetzt im Zuge der Internationalen Automobilausstellung IAA erfahren. Laut Bernhard Mattes, dem Präsidenten des Verbandes der Automobilindustrie (VDA) möchte die deutsche Branche in den nächsten drei Jahren 40 Milliarden Euro in die Elektromobilität investieren und ihr Angebot der E-Modelle verfünffachen. 150 Modelle soll es dann zur Auswahl geben. Ebenso möchte sich die IAA nicht mehr als reine Automesse verstanden wissen, sondern als Plattform für nachhaltige, individuelle Mobilität. Das diesjährige Motto der IAA war Driving Tomorrow. Aber wir driven wir denn tomorrow? 

 

Die IAA liefert Antworten, wenn auch versteckt. 

Dazu gab es auf der IAA Antworten. Aber sie werden immer noch überschattet von den neuesten SUVs. Das liegt nicht nur an der Messe selbst, sondern genauso an einer Berichterstattung, die immer noch den Fokus auf die beeindruckendsten Automodelle legt. Bei einer Autoschau ist das auch legitim, nur: Wenn die IAA eine Plattform für nachhaltige Mobilität sein soll, dann muss man sie auch so wahrnehmen. Dann dürfen ökologische Mobilitätskonzepte keine Randnotizen bleiben. Wer den Newsroom der IAA besucht, sieht, dass es abseits der neuen Automodelle genau jene Neuigkeiten gibt, die man von einer Plattform für nachhaltige, individuelle Mobilität auch erwartet. Zum Beispiel Entwicklungen über effiziente Ladetechniken, automatisierten und vernetzten Verkehr, der Ressourcen spart und den Menschen in Städten ihren Raum zurückgibt. Auch bei den Herstellern gibt es ein paar Auffälligkeiten, wenn auch wenige. 

• Von den großen Marken lässt sich niemand mehr ohne Elektroauto auf der Messe blicken. Und 2019 war das Jahr, in dem endgültig die Modelle für die zweite Welle der Käufer nach den Early Adoptern kommen. Zum Beispiel der Opel Corsa in der E-Version. Oder der ID .3 von Volkswagen, den es im Zuge der Autoschau zum ersten Mal ungetarnt zu sehen gab und der so etwas wie der Golf oder Käfer der Elektromobilitätsära werden soll. Bis jetzt sieht es ganz gut aus – die erste Auflage ist über Vorbestellungen praktisch schon verkauft. 

• Einige Hersteller stellen jetzt schon komplett auf elektrischen Antrieb um. So gibt es zum Beispiel ab 2020 alle Smarts nur noch als Elektroautos. Auch Honda wird ab 2025 komplett auf E-Autos und Hybride umsteigen. Den Honda e, das erste Elektroauto der Japaner für den europäischen Markt, gab es auf der IAA schon mal zu sehen. 

• Eine CO2-arme Lieferkette wird auch in der Autobranche wichtiger. So war der elektrische Porsche Taycan für Autofans bestimmt eines der Highlights der IAA, spannend ist aber vor allem seine CO2-neutrale Produktion. Unter anderem nutzt der Autohersteller Abwärme für mehr Effizienz sowie zwei Blockheizkraftwerke, die mit Biogas aus Bioabfall und Reststoffen betrieben werden. 

 

Der Wandel: nicht nah – da.

Ein wachsender Teil der Öffentlichkeit interessiert sich ohnehin nicht mehr für neue Autos. Sie möchte nicht wissen, wie man am bequemsten durch den Klimawandel cruist, sondern wie man ihn am effektivsten begegnet. Wer in der Stadt lebt, nimmt sie schon war, die Verkehrswende. E-Tretroller und Sharing-Angebote werden genauso genutzt wie E-Bikes, von denen die Deutschen schon 5,9 Millionen in deutschen Haushalten gibt. Ladesäulen schießen nicht wie Pilze aus dem Boden, aber man sieht sie immer öfter. Und mit ihnen Elektroautofahrer, die das Angebot dankbar nutzen. Die sich längst keinen Kopf mehr machen um Reichweite oder Lademöglichkeiten. Die machen das eben. Zum Glück.  

>>> Wirklich Energiewende mit Wirklich Ökostrom. 

 

Bild: IAA. 

Ähnliche Beiträge

Weiterempfehlen vervielfacht deine Wirkung!

Und wir bedanken uns mit 20 Euro. Schnapp dir jemanden, der auch zu wirklich besserer Energie wechseln möchte – und ihr bekommt beide 20 Euro auf eure nächste Stromrechnung gutgeschrieben. Gemeinsam verändern wir mehr!

Polarstern weiterempfehlen

Ökostrom ist viel günstiger als du denkst!

Wirklich besserer Strom ist keine Rolex. Und sogar meist günstiger als die Grundversorgung.