Sie werden immer mehr, aber noch längst rollen nicht genug Elektroautos auf unseren Straßen, um das Klima zu schützen. Doch die Revolution spielt sich leise ab – das zeigen die Zulassungszahlen der vergangenen Jahre. Zeit, auf die Kosten-Unterschiede zwischen Elektroautos und Verbrennern zu schauen. Wie sieht es mit Anschaffung, Fixkosten und Verbrauch aus? Wann lohnt sich der Kauf? Wie lädt man effizient? Wie hoch ist der Wertverlust bei E-Autos im Vergleich zu Verbrennern? Wir haben den ultimativen Check gemacht und interessante Antworten gefunden.

von Ludwig

Jetzt mal Klartext: Sind Elektroautos einfach ein Hype oder rechnen sie sich wirklich? Klar ist, sie sind immer gefragter: Im Jahr 2021 hat sich die Zahl der Neuzulassungen laut Kraftfahrbundesamt im Vergleich zum Vorjahr nahezu verdoppelt (+ 83,3 %). Der Anteil der rein elektrischen Fahrzeuge am gesamten Pkw-Markt lag Ende 2021 bei 13,6 %. Dagegen sanken laut Kraftfahrbundesamt die Neuzulassungen bei Pkw mit Benzin- und Dieselantrieb deutlich. Die Entwicklung bei E-Autos und Verbrennern könnte also kaum gegensätzlicher sein.

Doch wie sieht es mit dem Finanziellen aus? Das wollen wir hier klären. Erstmal müssen wir uns vor Augen führen, was in einen ehrlichen Kostenvergleich der Fahrzeuge alles reinspielt:

  • Anschaffungskosten
  • Ladeinfrastruktur fürs Elektroauto bzw. Sprit
  • Förderungen und Steuervergünstigungen
  • Verbrauch
  • KFZ-Steuer
  • Fahrzeug-Versicherung
  • Wartung und Service

Anhand einiger Aspekte wagen wir im Folgenden den Vergleich von elektrischen Autos und Verbrennern. Kleiner Spoiler: Der Kostenvorteil ist nicht in allen Fahrzeugklassen gleich hoch, aber die alten Verbrenner sehen teils echt alt aus.

Für wen und wann lohnt sich ein Elektroauto?

Jetzt ist ein guter Zeitpunkt für ein E-Auto. Denn es kommen zwei Aspekte zusammen: Zum einen gibt’s nach wie vor staatliche Förderungen beim Kauf eines Elektroautos. Und zum anderen sind die Preise für Batterien, die teuerste Komponente eines E-Autos, in den vergangenen Jahren stark gesunken, wie der Batterie-Report von Bloomberg NEF zeigt. Lag der Preis für eine Lithium-Ionen-Batterie 2013 noch bei rund 469 US-Dollar, kostete sie 2021 nur noch rund 100 US-Dollar. Die Akkupreise sollen Bloomberg NEF auf diesem Niveau bleiben.

Übrigens: Ein Ausblick auf die Verbesserungspotenziale der Batterieherstellung ergibt, dass sich die Treibhausgasemissionen bei der Batterieherstellung bis 2030 laut Agora Verkehrswende halbieren könnten. E-Autos werden künftig also noch klimafreundlicher als sie es ohnehin schon sind.

Wer ein vollelektrisches Fahrzeug kauft, bekommt mit Umweltbonus und Innovationsprämie bis Ende 2022 eine doppelte Förderung von bis zu 9.000 Euro. Für einen Plug-in-Hybriden gibt es bis zu 6.750 Euro. Ab 2023 bis Ende 2025 soll es dann wieder nur den einfachen Bundesanteil (Umweltbonus) geben. Durch die hohen Förderungen ist der Kauf von Elektroautos verglichen zu Verbrennern also mehrere tausend Euro günstiger.

Mit dem erhöhten Umweltbonus inklusive Innovationsprämie gibt es den Renault Zoe, das beliebteste Elektroauto Deutschlands, heute schon ab ca. 21.000 Euro (ab ca. 30.000 ohne Umweltbonus). Den Mittelklassewagen Hyundai Kona gibt es ab 27.650 Euro in der günstigsten Variante (ca. 36.650 ohne Umweltbonus).

Elektroautos schon jetzt günstiger unterwegs als Verbrenner.

Der ADAC kommt bei seiner Untersuchung zu dem Schluss, dass im Betrieb und mit Unterhalt jetzt schon beim Kauf viele Elektroautos günstiger unterwegs sind als Verbrenner – unterstützt auch durch die Prämien. Beim echten Kostenvergleich ist allerdings nicht nur der Kaufpreis entscheidend, sondern ebenso die Nutzungskosten. Auch die fallen bei Elektroautos in der Regel deutlich geringer aus. Kurzum: Elektroautos werden kostengünstiger. Dazu tragen sinkende Kaufpreise, höhere Stückzahlen sowie auch die bis Ende 2025 verlängerte Umweltprämie bei. Und für ihre CO2-Ersparnis gibt’s für Besitzer:innen eines vollelektrischen E-Autos einmal jährlich die Treibhausgasminderungsquote – kurz THG-Quote.

Mehr zur THG-Quote erfahren

Förderungen für E-Autos: Wie du an die Geldtöpfe kommst.

Bei wem schon die Euro-Zeichen in den Augen blitzen, der sollte bei der Anschaffung eines E-Autos auf staatliche Förderungen achten. Wie schon erwähnt gibt es aktuell (Mai 2022) den Umweltbonus mit Innovationsprämie. Bis zum Jahresende 2022 erhältst du so für reine E-Autos eine Förderung von bis zu 9.000 Euro netto. Ab dem 1.1.2023 soll es „nur“ den Umweltbonus geben und damit eine niedrigere Förderung. In den Plänen zur neuen E-Auto-Förderung ab 2023 wurde auch diskutiert, ob eine Abwrackprämie Voraussetzung sein sollte. Also, dass beim Neukauf eines Elektroautos dafür ein altes Verbrenner-Auto verschrottet werden muss. Noch sind die Fördervoraussetzungen ab 2023 in der Diskussion.

Welche E-Autos sind aktuell förderfähig:

  • Reine Elektrofahrzeuge und Plug-in-Hybride* sowie Brennstoffzellenfahrzeuge
  • Neuwagen, die nach dem 3. Juni 2020 zugelassen wurden.
  • Gebrauchtwagen, die erstmalig nach dem 4. November 2019 oder später zugelassen wurden, und deren Zweitzulassung nach dem 3. Juni 2020 erfolgt ist.
  • Und das Fahrzeug muss sich in der Liste [AZ|p1] der förderfähigen Elektrofahrzeuge des BAFA befinden.
  • Den Förderantrag stellst du über das BAFA.

* Sie dürfen höchsten 50 g CO2/km verursachen oder mindestens 60 km Reichweite haben.

Unterhalts- und Betriebskosten von Verbrennern und Elektroautos.

Sowohl der Wertverlust als auch die Unterhaltskosten sind bei elektrisch angetrieben Fahrzeugen oft geringer im Vergleich zu Verbrennern – es gibt aber auch Ausnahmen. Besonders beim Wertverlust sind die Unterschiede teilweise recht groß. Das zeigt beispielsweise ein Vergleich des Tesla Model 3 mit einem BMW 3er, wie es das Forum Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft (FÖS) in seiner Studie untersucht hat.

Vergleich im oberen Mittelklasse-Segment.

Im Fahrzeugsegment der oberen Mittelklasse war der Tesla Model 3 sowohl in Deutschland als auch weltweit zurzeit das meistverkaufte Elektroauto Ende 2019. In dieser Fahrzeugklasse ist der Kostenvorteil des Elektroautos besonders deutlich: Ganze 409 Euro im Monat günstiger ist Tesla Model 3 im Betrieb und Unterhalt verglichen zum BMW 3er. Ersterer kostet 827 Euro monatlich bzw. 66,2 Cent pro Kilometer, der BMW 1.236 Euro im Monat bzw. 98,9 Cent pro Kilometer. Der BMW als Verbrenner ist laut der Studie somit im Unterhalt um gut 50 % teurer als das Tesla-Modell.

Vergleich Tesla Model 3 BMW 3er
Der Kostenvergleich obere Mittelklasse aus der Studie des FÖS.

Vergleich von Klein- und Kleinstwagen.

In der Erhebung zeigt sich auch, dass die Unterschiede bei den Gesamtkosten zwischen Stromer und Verbrenner bei den Klein- und Kleinstwagen nicht ganz so hoch sind.

Nichtsdestotrotz gilt auch hier: Die Stromer schneiden bei den monatlichen Betriebs- und Unterhaltskosten immer besser ab als die Verbrenner. Hierzu wurden zum Beispiel der VW eUP und der VW up verglichen.

Vergleich VW up e-up
Der Kostenvergleich Klein-/Kleinstwagen aus der Studie des FÖS.

Vergleich von Mittelklasse-Fahrzeugen.

In der Mittelklasse – hier am Beispiel von Hyundai untersucht – ergeben sich größere Unterschiede in den monatlichen Gesamtkosten zwischen E-Auto und Verbrenner. Der Hyundai i30 als Verbrenner ist im Unterhalt und Betrieb pro Monat rund 60 Euro teurer als der Hyundai IONIQ als Stromer.

Mit Gesamtkosten von 564 Euro im Monat bzw. 45,1 Cent pro Kilometer liegt der IONIQ gut 9 % unter den Kosten für den i30. Letzterer kostet 622 Euro monatlich bzw. 49,8 Cent pro Kilometer. Die Fixkosten für den Stromer liegen monatlich mit 93 Euro unter denen für den i30, für den man dafür 118 Euro im Monat veranschlagen sollte (davon 16,67 Euro für Kfz-Steuern). Auch die Werkstattkosten sind mit durchschnittlich 49 Euro im Monat geringer, als die 60 Euro im Monat, die für den Benziner anfallen.

Vergleich Hyundai Mittelklasse
Der Kostenvergleich Mittelklasse aus der Studie des FÖS.

Der Kostenvorteil der E-Autos liegt auf der Hand: Sowohl bei den Werkstatt- als auch bei Betriebs- und Fixkosten liegen die meisten Modelle deutlich unter denen vergleichbarer Verbrenner, wie die hier vorgestellte Studie des Forum Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft (FÖS) unterstreicht. Die Kostenvorteile für E-Autos zeigen sich in allen Fahrzeugklassen, wenngleich sie bei den Kleinwagen geringer ausfallen.

Laden vs. Tanken, E-Auto vs. Benziner – was ist günstiger?

Seit Anfang 2022 sind die Spritpreise in die Höhe geschossen. Doch auch die Energie- bzw. Strompreise haben ordentlich angezogen und Rekordstände erreicht. Was ist also günstiger?

Aus Umweltsicht und für den Klimaschutz ist das Fahren mit Ökostrom die klar bessere Option. Von fossilen Energieträgern wie Diesel und Benzin müssen wir wegkommen, wollen wir unsere Erde nicht komplett an die Wand fahren. Wirklich.

Tatsächlich ist es preislich nach wie vor günstiger mit einem E-Auto anstatt mit einem Verbrenner unterwegs zu sein, wenn du die Lade- bzw. Spritkosten berücksichtigst. Erst recht günstig fährst du mit einem E-Auto, wenn der Strom dafür von der eigenen Photovoltaik-Anlage kommt. Im Schnitt ist eine selbst erzeugte Kilowattstunde Strom, die rund 10 Cent kostet, viel günstiger als eine aus dem Netz mit 35 bis über 40 Cent (Stand Mai 2022).

Im Vergleich zu den teuren Kraftstoffpreisen gewinnt das Elektroauto erst recht, wenn bei einem mehrköpfigen Haushalt, der preiswert zuhause lädt anstatt an öffentlichen Ladesäulen zu laden. Das ist das Ergebnis einer im März 2022 veröffentlichten Studie von Greenpeace. Die monatlichen Kosten unterschieden sich laut Greenpeace-Rechnung sogar um bis zu 300 Euro.

Mobilität Optionen Vergleich
Greenpeace hat verschiedene Mobilitätsoptionen verglichen.

Eine Beispielrechnung zeigt, dass Laden günstiger als tanken ist: Ein gängiges Elektroauto verbraucht auf 100 km gut 15 kWh bei einem durchschnittlichen Strompreis von 40 Cent je kWh. Ein vergleichbarer Benziner braucht 5,5 Liter auf 100 km, wobei man von einem durchschnittlichen Benzinpreis von aktuell rund 2,05 Euro ausgehen kann (Stand Mai 2022).

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Das solltest du beachten, um dein E-Auto effizient zu laden.

  • Lade dein E-Auto möglichst mit PV-Strom aus deiner eigenen Anlage. Das erhöht die Wirtschaftlichkeit der Anlage und du zahlst deutlich weniger pro Kilowattstunde als aus dem Netz.
     
  • Lade das Elektroauto zum Beispiel dann zuhause, wenn die Sonne scheint. So wird der erzeugte Ökostrom direkt genutzt.
     
  • Die Leistung der Ladestation hat ebenfalls einen Einfluss darauf, wie viel eigener PV-Strom geladen wird. In der Regel werden Heimladestationen mit einer Leistung von 11 kW eingebaut, möglich sind auch 22 kW. Bei der höheren Ladeleistung ist die Fahrzeugbatterie zwar schneller aufgeladen – sofern das E-Auto die Leistung aufnehmen kann – allerdings wird nicht so viel PV-Strom geladen wie bei einer 11-kW-Ladestation. Bei der schnelleren Variante benötigst du mehr Strom aus dem öffentlichen Netz – und der Preis fürs Laden wird teurer.
     
  • Lade generell so oft es geht zuhause. Das Laden an öffentlichen Ladepunkten ist teurer als zuhause.
Mehr Tipps gefällig? Hier findest du alles rund ums Laden mit PV-Strom

Wertverlust bei Elektroautos.

Wie die Grafik oben zeigt, können sich viele Stromer auch beim Wertverlust und der Lebensdauer wirklich sehen lassen. Vor allem Tesla kommt gut weg. Besonders stark zeigt sich das bei Teslas Model 3.

Ein neues Auto verliert laut Allianz-Versicherung im ersten Jahr ungefähr ein Viertel seines Listenpreises an Wert. Statistische Daten zeigen, dass ein Tesla Model 3 selbst nach drei Jahren nur 10,2 % oder durchschnittlich 3,4 % pro Jahr an Wert verliert. Das ist ein Wertunterschied von im Mittel etwa 20 % pro Jahr zugunsten des Teslas. Aber auch der Mini Cooper SE Electric Trim und der VW ID.4 Pro schneiden laut Autobild sehr gut ab in Sachen Wertstabilität.
 

„Nimmt man alle Kosten eines Autos zusammen, vom Kaufpreis über sämtliche Betriebs- und Wartungsaufwände bis zum Wertverlust, schneiden Elektroautos immer häufiger besser ab als Verbrenner.“ – ADAC


Das ist das Ergebnis einer Vollkosten-Berechnung von fast allen auf dem deutschen Markt aktuell erhältlichen Elektroautos sowie Plug-in-Hybriden mit Benzinern oder Dieseln mit vergleichbarer Motorleistung und ähnlicher Ausstattung (Stand Mai 2022).

Egal also ob Unterhalts- oder Fixkosten, das E-Auto hat meist die Nase vorn. Hier sind sich sämtliche unabhängige Studien und Erhebungen von verschiedensten Verbänden, Organisationen und Think Tanks wie dem ADAC, Greenpeace und dem FÖS einig. Das sind doch mal gute Argumente für ein Elektroauto, wenn du nächstes Mal einen Kauf planst. Das gilt schon jetzt – und in Zukunft einmal mehr.

Ludwig von Polarstern

Ludwig | Team Wirklich

E-Mail: [email protected]

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