Berge im Allgäu

Die Alpen sind doppelt gestresst. Vom Klimawandel einerseits und einem wachsenden Bergtourismus. So können wir unsere Berge schützen.

von Michael

 

So stark hat der Tourismus in den Bergen zugenommen.

An manchen Tagen findet man in den Bergen genau, was man sucht: Die Ruhe, die Kraft, das Weite, eine Idylle, die höchstens von der einsamen Glocke einer Kuh gestört wird. An anderen Tagen sieht es aus wie in einem Wimmelbuch. Überfüllte Straßen und Wege, Selfie-Sticks und Hüttengaudi, Leichtsinn und Rettungseinsatz, Berge und Bauprojekte – alles dicht nebeneinander.

90 Millionen Tagesgäste in einer Saison.

Die Bayerischen Alpen haben eine Fläche von rund 5.300 Quadratkilometern. Und trotzdem kommen sich Wanderer, Kletterer, Biker oder Paddler immer öfter in die Quere. Kein Wunder. Laut BUND Naturschutz in Bayern e.V. stieg die Zahl der Übernachtungsgäste in den Bayerischen Alpengemeinden von 2000 bis 2019 um 37 % – von 4,5 Millionen auf 7,2 Millionen. 2019 kamen noch 90 Millionen Tagesgäste dazu. Vor allem der Boom des Tagestourismus sorgt mancherorts für Chaos. 

Dass in den Bergen so viel los ist, hat auch mit dem Städtewachstum in Süddeutschland zu tun. Zum Beispiel hat sich laut BUND die Zahl der Personen, die etwa Oberstdorf in zweieinhalb Stunden mit dem Auto erreichen können, zwischen 1970 und 2020 verdreizehnfacht. Was 1970 nur 660.000 Menschen geschafft haben, gilt jetzt für über 8,5 Millionen.

Heini-Klopfer-Skiflugschanze in Oberstdorf

Lass uns in die Berge fahren, es gibt neue Parkplätze!

Was folgt, ist ein Teufelskreis. Damit die Ausflügler nicht Straßen und Ortschaften verstopfen, erweitern Gemeinden die Infrastruktur, bauen Straßen aus, schaffen neue Parkmöglichkeiten und machen hier und da Platz für Hotelketten oder Event-Bauten. Aber das zieht letztlich noch mehr Leute an. „Wenn wir nicht gegensteuern, wird der Ausbau von Hotels, Ferienwohnungen, Gewerbeflächen immer weiter zunehmen", mahnt Julian Braasch,  Referent für Nachhaltigkeit der DAV Sektion Hamburg und Niederelbe. Er sieht eine Chance im Alpinen Klimazielsystem 2050. Der Plan will den Alpenbetrieb klimaneutral machen. Unter anderem durch eine Minimierung des Flächenverbrauchs und des Individualverkehrs sowie der Verlegung des Transitverkehrs auf die Schiene. Immerhin: Nach dem Bayerischen Alpenplan stehen 43 % des bayerischen Alpenraums unter besonderem Schutz. Der Bau von öffentlichen Straßen oder Bergbahnen ist hier schon seit Jahrzehnten verboten. 

Scho schee: Der Geroldsee bei Krün mit Karwendelpanorama.

 

Der Klimawandel in den Alpen. 

Der Klimawandel wird den Tourismus in den Alpen aber wohl eher verstärken. Denn auch wenn der Klimawandel den Wintersport langfristig unmöglich macht, sorgt er dafür, dass Menschen noch häufiger Urlaub im eigenen Land machen werden. Der Sommer und Herbst des Corona-Jahres 2020 boten einen Vorgeschmack. Für die meisten blieben die Berge die einzige Möglichkeit, das Weite zu suchen. Für die Alpen ist es eine Doppelbelastung. Noch mehr Touristen – und noch mehr Hitze. Die Berge leiden jetzt schon massiv unter der Erderwärmung. Dort steigen die Temperaturen doppelt so schnell wie in den umliegenden Gebieten.

CO2 senken – 6 einfache Tipps

Von den Gletschern ist bald nichts mehr übrig. 

Bergansässige konnten in den letzten Jahren ihren Gletschern regelrecht beim Schmelzen zusehen. Laut Lehrstuhl für Physische Geographie der LMU München ist die Fläche der bayerischen Gletscher von 1820 bis 2010 von 4 km² auf 0,7 km² geschrumpft. 2015 waren es nur noch 0,55 km². Von den fünf deutschen Gletschern wird bald nicht mehr viel übrigbleiben. Ein Schicksal, das sie mit ihren rund 220.000 Artgenossen weltweit teilen. Aufgrund des Temperaturanstiegs setzt zudem die Schneeschmelze in den Alpen immer früher im Jahr ein. Dadurch werden die Flüsse nicht mehr gleichmäßig mit Wasser gespeist. Was das heißt, konnte man 2018 am Rhein sehen. Sein Pegel war so niedrig, dass die Transportschiffe geradezu kriechen mussten. Es gab Lieferengpässe, und Kraftwerke mussten ihre Leistung runterfahren, weil ihr Kühlwasser den Fluss zusätzlich erwärmt hätte.

 

Tipps für einen naturverträglichen Bergsport. 

Heißt das, dass wir zu Hause bleiben sollen? Nein, überhaupt nicht. Es heißt, dass wir alle helfen müssen, den Klimawandel auszubremsen und die Schönheit der Berge zu bewahren. Jede:r von uns kann sich ganz konkret um die Berge kümmern. Und es ist wirklich nicht schwer.

1. Tipps für die Anreise. 

Such dir den richtigen Tag aus. 

Die erste Maßnahme ist eine Kopfsache. Jede:r muss sich vor einem Ausflug in die Berge erst einmal die Frage beantworten, ob heute wirklich der richtige Tag dafür ist. Wenn ich eh schon ahne, dass sich der Stau von der A8 bis zur Klotür auf der Berghütte zieht, nehme ich mir vielleicht lieber einen Tag unter der Woche frei und genieße dann auch wirklich die Ruhe. Als Alternativprogramm am Wochenende gibt es auch Kletterhallen. Über die Kletterhallen-Suche des DAV findest du die nächste Halle in deiner Umgebung.

Fahr mit den Öffentlichen. 

Viele Alpengemeinden packen die Masse an Autos nicht mehr. Sie verstopfen die Straßen, die Ortschaften und werden wild auf Wiesen geparkt. Motorräder nehmen vielleicht nicht so viel Platz weg, dafür setzen sie Tiere und Anwohner unter Stress. Außerdem ist der Verkehr laut BUND für 75 % der CO2-Emissionen in den Alpen verantwortlich.

Mit dem Zug entzerrst du den Verkehr, musst dich bei der Rückfahrt nicht erschöpft hinters Lenkrad klemmen und sparst CO2. Aus Norddeutschland fahren auch Spezialzüge in die Berge. In einen Zug, der Schnee-Express heißt, möchte man doch sofort einsteigen, oder? Zur Skisaison bietet die Bahn das Angebot aus Bahnfahrt, Skipass und bestimmten Bergbahnen an. Im Moment gibt es nicht viel zu buchen. Aber erstens ist Corona, zweitens Sommer. Und beides geht vorbei. Also, Augen nach dem Schnee-Express offenhalten.

Gut, aber wie komm ich vom Bahnhof zum Berg?

Der Weg vom Bahnhof zum Berg ist manchmal eine Wanderung für sich. Im Alpenland haben die Kommunen aber ein gutes Busnetz geschaffen. Oft stehen die Busse schon am Bahnhof, um Wanderer direkt zum Berg zu bringen.

Nutzt Fahrgelegenheiten. 

Gut, manche entlegenen Ziele sind mit dem Auto besser zu erreichen. Wenigstens sollte dann nicht jede:r der Wandergruppe im eigenen Auto hocken. Eine Fahrt von München nach Oberstdorf hin und zurück verursacht bei einem Benziner, der etwa 7 Liter auf 100 Kilometer verbraucht, etwa 9,6 Kilogramm CO2. Wenn die Gruppe auf vier Autos verteilt ist, kommen bereits 38,4 Kilogramm zusammen.

Kompensiere CO2.

Wenn du größere Reisen zu Bergen in ferne Länder oder auf andere Kontinente planst, weil es dein Traum ist, einmal im Leben auf einem bestimmten Gipfel zu stehen – dann kompensiere das CO2 für den Flug. Du zahlst einen Aufpreis, der in ein Klimaschutzprojekt investiert wird. Das ist nicht optimal, aber besser als gar nichts. Kompensieren kannst du dein Flug-CO2 zum Beispiel über Atmosfair oder myclimate.

Fiderepasshütte in den Allgäuer Alpen.
Die Fiderepasshütte in den Allgäuer Alpen.

 

2. Tipps für die Ausrüstung. 

Kauf was Gescheites. 

Auch mit der Wahl der Ausrüstung schonst du die Umwelt und das Klima. Kauf dir nicht ständig neue Kleidung, sondern lieber einmal etwas Gescheites. Outdoor-Kleidung sollte warmhalten, leicht und atmungsaktiv sein und trotzdem vor Wind schützen. Entscheide dich für einen Hersteller, der auf ökologische und recycelte Materialien setzt und sich für faire Arbeitsbedingungen einsetzt. Der Blaue Engel, das EU Eco Label oder Blue Sign stehen für ökologische Standards in der Herstellung. Die Label Global Organic Textile Standard (GOTS und Fair Wear stehen für faire Arbeitsbedingungen. Erkundige dich auf den Websites der Hersteller über die Philosophie und Herstellung.

Kauf Secondhand und leih Sachen aus.

Wenn du nur sporadisch wanderst, brauchst du wahrscheinlich keine eigene Ausrüstung. Leih sie dir von Freunden aus oder kauf sie aus zweiter Hand, zum Beispiel beim Alpinflohmarkt des DAV. In vielen DAV-Sektionen gibt es Ausrüstung auch zum Ausleihen. Kauf neue Sachen wie Jacken, Schuhe oder Stöcke lieber am Ort, wo du besonders gerne wandern gehst. Dann stärkst du die lokale Wirtschaft.  

 

3. Tipps für die Müllvermeidung.

Auch eine Banane ist Müll.

Vermüllung ist ein riesiges Problem in den Bergen. Gerade in höheren Lagen brauchen Materialien aufgrund der niedrigeren Temperaturen lange, bis sie sich zersetzen. Bei einer Plastiktüte darf man schon mal 120 Jahre warten, bis sie sich endlich aufgelöst hat. Eine Plastikflasche braucht sogar 500 bis 1.000 Jahre. Doch auch Bio-Müll hat nichts in der Landschaft zu suchen. Eine Bananenschale benötigt 1 bis 3 Jahre, bis sie abgebaut ist. Und selbst wenn es nur einen Tag dauern würde, die Regel ist ganz einfach: kein. Müll.

Wirf den Ballast ab.

Geh so leicht ins Gebirge wie möglich, das heißt: Lass sämtliche Verpackung von Schachteln über Folien zu Hause. Benutz für dein eigenes Essen eine Brotzeitbox und verzichte auf Alu- und Frischhaltefolie. Nimm immer eine Mülltüte mit und verlass dich nicht darauf, dass du auf dem Bergkamm Mülleimer findest. Die Mülltüte eignet sich auch dafür, fremden Abfall mitzunehmen. Nicht mein Müll, gibt’s nicht. Wenn du keine Mülltüte dabei hast, bekommst du bestimmt eine in der Hütte. Auch Trinkflaschen sollte man immer griffbereit haben. Allein schon, weil Bergwasser das Beste, Frischeste ist, das man trinken kann. Im Tal geht die Müllaufgabe weiter. Dort sollten die Abfälle in der richtigen Tonne landen. Nur so kann er sinnvoll recycelt werden. 

Polarstern Selfie-Time.

 

4. Tipps fürs Hiken und Biken. 

Komm nicht vom Weg ab.

Nachdem wir jetzt die richtige Kleidung tragen, nachhaltig angereist sind und die Natur sauber gelassen haben, geht es jetzt um das richtige Verhalten gegenüber der Natur. Es muss einem immer klar sein, dass man da oben Gast ist. Eine Grundregel: Bleib auf den Wegen und nimm keine Abkürzungen querfeldein. Auch zu deiner eigenen Sicherheit.

Meide Großveranstaltungen.

Veranstaltungen stressen die Tiere und belasten die Natur. Vor allem abends und nachts. Angeschnapst vergisst auch mal der größte Naturliebhaber seinen Müll. Und klar sind Partys was Schönes. Aber die Aufteilung sollte fortbestehen: Das Laute gehört in die Stadt, die Ruhe in die Berge.

Nutz Social Media social.

Auch Social Media hat Folgen für die Natur. Die Posts von Influencer:innen erreichen tausende Menschen, die dann ihren Idolen an bestimmte Plätze nachfolgen. Manchmal an Stellen, die auf den Andrang nicht eingestellt sind oder aus gutem Grund noch nicht erschlossen sind. Wir alle müssen verantwortungsvoll posten, am besten keine Orte angeben und mehr die Natur mit den Augen statt der Linse genießen. Besonders gefährlich: Wenn Tiere für die Posts herhalten müssen. Kühe können auch anders.

Bike besser.

Durch E-Bikes werden die Berge zugänglicher, und noch mehr Gebiete werden erschlossen. Dadurch sind auch geschützte Gebiete nicht vor den Reifen sicher. Wichtig ist, ohne aggressive Fahrtechnik bergab zu fahren und auf präparierten Trails zu bleiben. Die dicken Reifen sorgen durchaus für Erosionsschäden. Beim Biken gilt außerden: Fußgänger:innen haben Vorrang, Tiere sowieso.

Wechsel zu Wirklich Ökostrom. 

Beim DAV findest du unter dem Hashtag #machseinfach noch mehr Tipps für einen nachhaltigen Bergsport. Der Hashtag fasst gut zusammen, was Nachhaltigkeit ist: eben etwas Einfaches. Zum Beispiel musst du Ökostrom ja nicht selbst erfinden, sondern einfach nur bestellen. Und das dauert nur wenige Minuten, verändert aber wirklich viel. Der DAV Sektion Hamburg und Niederelbe e.V. ist schon bei Polarstern und spart mit seinem Wechsel zu Wirklich Ökostrom und Wirklich Ökogas über 100 Tonnen CO2 im Jahr. Versorgt werden die Geschäftsstelle, Hohensteinhütte und die Sepp-Ruf-Hütte. Privat kannst du selbst mit wirklich besserer Energie deinen CO2-Fußabdruck um bis zu einem Viertel senken. Außerdem schützt du auch ganz konkret die Natur. Dein Wechsel unterstützt den Bau von Biogasanlagen in Kambodscha sowie den Aufbau einer solaren Stromversorgung in Madagaskar. Das verhindert die weitere Abholzung in den Ländern. Auf unserer Weltweit-Seite erfährst du mehr darüber – und mit einem Klick auf den Button erfährst du, was wirklich bessere Energie kostet. 

Jetzt Preis für Wirklich Ökostrom berechnen

Ähnliche Beiträge

Mehr Artikel zu den Themen

Ökostrom ist viel günstiger als du denkst!

Wirklich besserer Strom ist keine Rolex. Und sogar meist günstiger als die Grundversorgung.

Weiterempfehlen vervielfacht deine Wirkung!

Und wir bedanken uns mit 20 Euro. Schnapp dir jemanden, der auch zu wirklich besserer Energie wechseln möchte – und ihr bekommt beide 20 Euro auf eure nächste Stromrechnung gutgeschrieben. Gemeinsam verändern wir mehr!

Polarstern weiterempfehlen