Immer häufiger installieren Immobilienbesitzer von Wohn- und Geschäftsgebäuden Ladestationen für Mieter und Kunden. Werden diese mit Solarstrom vom eigenen Gebäude versorgt, sind die Ladekosten besonders attraktiv. Für Mieter ist das ein großer Vorteil, schließlich findet die Mehrheit der Ladevorgänge zuhause statt.

von Anna

 

Es gibt heute kaum noch ein Energiekonzept im Mieterstrom, in welchem Ladelösungen für Elektroautos nicht berücksichtigt sind. Besonders im Neubau und bei größeren Sanierungen ist ihre Integration fast schon ein Muss. Schließlich steigern die Ladestationen den Wert der Immobilie, verbessern den Direktverbrauch der erzeugten Energie - was wiederum die Amortisation in die Anlagentechnik verbessert - und sie ermöglichen darüber hinaus attraktive Konditionen für das Laden von Elektroautos im Mehrfamilienhaus. 

 

Planung von Ladestationen im Mehrfamilienhaus.

2019 wurden 75,5 % mehr Elektroautos zugelassen als im Vorjahr. Mit der steigenden Anzahl an E-Autos, E-Rollern und E-Bikes wächst die Nachfrage nach Ladestationen in den Tiefgaragen und an den Stellplätzen der Bewohner. So können Mieter und Kunden bequem ihr Elektroauto laden. Ein echter Mehrwert, der mit Blick auf die Luftverschmutzung in den Städten allen Vorteile bietet und das Interesse an Angeboten rund um die Elektromobilität steigert.

Werden die Ladestationen zusätzlich mit Solarstrom vom Dach des Gebäudes versorgt, dann ist das Laden nicht nur bequem, sondern auch grün und günstig.

>>> Mieterstrom-Referenzen inklusive Ladestationen für Elektroautos

 

Bei der Planung von Ladestationen im Mehrfamilienhaus spielt die Nutzung eine wichtige Rolle. Sie beeinflusst nicht nur das Mess- und Abrechnungskonzept, sondern auch die Anlagentechnik.

Photovolatikanlage plus Ladestation.

Prinzipiell passen Photovoltaik und Ladestation sehr gut zusammen, da mit den teilweise hohen Leistungen der Solarerzeugung das Elektroauto tagsüber direkt geladen werden kann. Steht das Elektroauto tagsüber auf dem Parkplatz, kann seine Batterie auch als Speicher genutzt werden und so die Stromautarkie der Bewohner steigern. Dieses sogenannte bidirektionale Laden ist aktuell noch schwer umzusetzen, weil die Messkonzepte und Abrechnungsmethoden noch erprobt werden und erst ein einziger Autohersteller sein Fahrzeug für diese Form des bidirektionalen Ladens freigegeben hat. Sobald es möglich ist, die Batterien der Elektroautos auch als Stromspeicher für Haushaltsstrom zu nutzen, stünde theoretisch in einem Mehrfamilienhaus mit 30 Parkplätzen für Elektroautos inklusive Ladeanschluss eine zusätzliche maximale Speicherkapazität von bis zu rund 1.500 kWh zur Verfügung (Annahme E-Autos mit einer durchschnittlich Batteriegröße von 50 kWh). Ob jedoch die volle Kapazität zum bidirektionalen Laden freigegeben wird, steht in den Sternen.

Blockheizkraftwerk plus Ladestation.

Neben Photovoltaikanlagen können Ladestationen auch mit Strom versorgt werden, der in einem Blockheizkraftwerk (BHKW) erzeugt wird. Der Vorteil liegt hierbei darin, dass ein BHKW besonders dann Strom produziert, wenn die Bewohner zuhause sind, also auch abends und nachts - und auch im Winter. Sprich die Stromerzeugung des BHKWs und der Strombedarf zum Laden des Elektroautos passen in vielen Fällen noch besser zusammenpassen als bei einer PV-Anlage. Aus unserer Erfahrung sind Blockheizkraftwerke mit einer mittleren elektrischen Leistung (ab 20 kWel) besonders geeignet.

Hinweis: Damit die Elektroautos dann auch wirklich klimafreundlich laden, muss das BHKW mit Ökogas aus erneuerbaren Energien versorgt werden. Denn nur mit erneuerbaren Energien sind Elektroautos wirklich klimafreundlicher als Verbrenner.

Integration von Stromspeicher.

Während Ladestationen für Kunden und Mitarbeiter in den Innenstädten oft mit Solarstrom aus der Photovoltaikanlage versorgt werden, ergänzen in Mehrfamilienhäusern immer öfter Speicher die Energieversorgung. Schließlich sind die meisten Bewohner tagsüber, wenn die Sonne scheint und Strom erzeugt wird unterwegs oder im Büro und stellen abends, wenn die Sonne untergegangen ist, ihr Auto zum Laden ab. Um dann den tagsüber erzeugten Solarstrom zumindest anteilig laden zu können, braucht es einen Speicher.

Partner für die Umsetzung.

Die Umsetzung von Mieterstrom inklusive Ladestationen im Mehrfamilienhaus ist eine komplexere Angelegenheit, die idealerweise direkt mit der Planung des Energiekonzepts erfolgt. Mieterstrom-Dienstleister wie Polarstern kümmern sich nicht nur um die Mieterstromversorgung der Wohnungen, sondern auch um die gesamte Installation der Ladestationen, die Auswahl der benötigten Komponenten, die Absprache mit dem Verteilnetzbetreiber, die Integration in die Kundenanlage und dann auch um Inbetriebnahme, Monitoring, Lastmanagement sowie um die Abrechnung der Ladevorgänge. Das reduziert den Aufwand für den Immobilienbesitzer erheblich und beugt Schnittstellen-Schwierigkeiten vor.

 

Wie viel Solarstrom kommt an?

Mit einem vollen 120 kWh-Stromspeicher, wie er in Mehrparteiengebäude vorkommt, und eine C-Rate von 1, können theoretisch knapp drei BMW i3 94 Ah mit einer Brutto-Kapazität von 33,2 kWh über Nacht geladen werden. In Realität werden die Elektroautos immer mit einer Mischung aus Solarstrom vom Dach und Strom aus dem öffentlichen Netz geladen. Schließlich wird der gespeicherte Strom in der Regel auch zur Stromversorgung von Elektrogeräten und Licht in den Wohnungen genutzt. Umso wichtiger ist es, dass im Sinne der CO2-Bilanz der restliche Strom ebenfalls aus erneuerbaren Energien gewonnen wird. Das ermöglichen Ökostromtarife für Elektroautos etwa von Polarstern.

 

 

Bei der Planung von modernen Mieterstromprojekten werden Stromtankstellen für Solarstrom gleich mitgeplant.

 

Hoher Hausanschluss für die Ladestation erforderlich.

Werden Ladesäulen in das Energiekonzept von Wohnhäusern integriert, muss gemäß geltender DIN-Normen die Hausanschlussleistung höher angesetzt werden als typischerweise benötigt wird. Denn die Leistung der Ladestation wird in der Regel mit einem sogenannten Gleichzeitigkeitsfaktor von g=1 angesetzt. Das bedeutet, die Leistung des Hausanschlusses muss so dimensioniert werden, dass theoretisch alle Ladesäulen gleichzeitig die volle Leistung aus dem Netz der öffentlichen Versorgung ziehen können. Das macht den Hausanschluss unnötig teuer.

Eine Ausnahme wird seitens mancher Verteilnetzbetreiber gemacht, wenn ein Lastmanagement vorhanden ist, durch das die maximale Leistung begrenzt wird.

 

Intelligente Vernetzung der Ladestationen.

Ein dynamisches Lastmanagementsystem sorgt dafür, dass sich die verfügbare Ladeleistung, sprich der produzierte Solarstrom aus einer PV-Anlage, optimal auf alle zu ladenden Elektroautos verteilt wird. Das ist besonders fair, wenn mehrere Elektroautos an den Ladestationen stehen. Außerdem können so Lastspitzen beim Netzbezug – die teuer sind – vermieden und die lokal erzeugte Energie optimal genutzt werden.

 

Priorisierung im Messkonzept: Wohnung oder E-Auto?

Bei der Planung von E-Ladestellen in Wohngebäuden ist eine zentrale Frage: Wie wird sichergestellt, dass alle Mieter gleichermaßen vom lokal erzeugten Strom profitieren können, ganz gleich, ob sie ein Elektroauto besitzen oder nicht?

In der Regel wird das über eine Mischkalkulation sichergestellt, bei der alle Mieter den gleichen Arbeitspreis zahlen, unabhängig von ihrem individuellen Anteil am lokal erzeugten Solarstrom. Allerdings wird im Messkonzept stets festgelegt, welche Nutzungsart priorisiert wird. Indem der erzeugte Solarstrom zunächst den Strombedarf in den Wohnungen stillt und erst danach für das Laden von Elektroautos genutzt wird, ist die faire Stromversorgung mit eigenem Solarstrom vom Dach gewährleistet.

 

Effizientes und günstiges Laden von Elektroautos.

Am effizientesten und günstigsten werden Elektroautos direkt mit Solarstrom geladen. Wird der erzeugte Strom hingegen erst in einen Stromspeicher geleitet und gelangt dann in das Auto, gibt es immer Wirkungsgradverluste.

Auch durch das Angebot von flexiblen Preisen kann das Laden des E-Autos zu günstigen und effizienten Zeiten gefördert werden. Das heißt, wird das Auto zeitgleich zur Erzeugung von Solarstrom geladen, ist der Strompreis günstiger als beim nächtlichen Laden.

 

Lademanagement: Tipps zum Stromkosten sparen.

Während es kaum Spielraum gibt, die Investitionskosten zu senken, kann insbesondere ein intelligentes Lademanagement zusammen mit einem Batteriespeicher im Mehrparteienhaus die Strombezugskosten von Ladestationen spürbar reduzieren. Sprich, das Laden an diesen Ladesäulen ist günstiger.

Verfügt das Mieterstromprojekt über einen Hausanschluss, der über eine registrierende Leistungsmessung (RLM) berechnet wird, kann durch ein intelligentes Lademanagement etwa der Strombezug bei absoluten Leistungsspitzen vermieden werden. Das heißt, die Elektrofahrzeuge werden nur dann geladen, wenn der gesamte Strombezug am Hausanschluss eine definierte Grenze nicht überschreitet und auch der lokale Batteriespeicher im Gebäude diese erhöhte Leistung nicht zur Verfügung stellen kann.

Die Ladesäulen haben allerdings zu diesen Zeiten dann auch nur eine verminderte Leistung, um die Batterien der Elektrofahrzeuge aufzuladen, das heißt, der Ladevorgang dauert länger.

E-Autos – besonders umweltfreundlich mit Ökostrom

 

Möglichkeiten zur Abrechnung von Ladevorgängen.

Es gibt im Grunde zwei Möglichkeiten, um das Laden von Elektroautos und anderen Elektrofahrzeugen abzurechnen.

  1. Abrechnung jedes Ladevorgangs per Karte 
    Die Abrechnung per Karte, wie sie von öffentlichen Ladesäulen bekannt ist, lässt sich auch für halb-öffentliche Ladesäulen über individuelle Ladekarten – meist auf RFID-Basis – realisieren. Das ist vor allem dann notwendig, wenn eine Ladesäule mehreren Nutzern oder auch unterschiedlichen Nutzergruppen zur Verfügung steht. Dabei wird in der Regel nach geladenen Kilowattstunden abgerechnet.
  2. Abrechnung über die Stromrechnung des Mieters
    Verfügt jeder Bewohner über einen fest zugewiesenen Stellplatz draußen oder in der Tiefgarage, kann die Ladestation fest dem Stromzähler der jeweiligen Wohnung zugeordnet und direkt mit dem Mieter abgerechnet werden. Bei diesem Konzept lässt sich eine Vermischung von sogenanntem Allgemeinstrom und individuell genutzten Strom für das Elektroauto vermeiden. Es bietet ein hohes Maß an Transparenz.
  3. Abrechnung über Ladenetzwerke
    Gäste der Bewohner können ihr Elektroauto über gängige Ladenetzwerke ebenfalls an den halb-öffentlichen Stationen laden.

 

Elektroauto als Stromverbraucher und Stromspeicher nutzen.

In Projekten rund um das Konzept Vehicle-to-Grid werden bereits Batteriespeicher in den Elektroautos als dezentrale Speicher zur Energieversorgung von Gebäuden genutzt. Schließlich stehen durch die Batterien in den E-Autos zusätzliche Strommengen zur Verfügung, die ein parkendes Fahrzeug nicht benötigt. Sie können vielmehr durch eine intelligente Verknüpfung dort eingesetzt, wo Bedarf entsteht. Eine weitergehende Nutzung der Batterien zur Stabilisierung des Stromnetzes befindest sich noch im Forschungsstatus.

 

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