Wahlzettel

Ob wir unsere Klimaziele erreichen, hängt auch davon ab, wo wir unser Kreuzchen bei der nächsten Bundestagswahl machen. Andererseits ist jeden Tag Klimawahl. Unsere Alltagsentscheidungen zahlen immer auf den Klimaschutz ein. Die Parkplatzsuche kostet Zeit? Lass das Auto öfters stehen. Das Fleisch im Kantinengericht schmeckt wie Gummi? Nimm was Vegetarisches. Wir zeigen dir, wie sehr dein CO2-Fußabdruck mit diesen Wahlmöglichkeiten zu- und abnimmt – und wie die Bundestagswahl da mit reinspielt.

von Michael

Warum die Bundestagswahl eine Schicksalswahl ist. 

Dass diese Bundestagswahl eine Schicksalswahl sein soll, wird bei jeder Wahl behauptet. Aber dieses Mal ist da mehr dran als sonst. Es ist eine Schicksalswahl gegen die Zeit. Denn um die Erderwärmung gegenüber der vorindustriellen Zeit auf 1,5 Grad Celsius zu begrenzen, bleibt nicht mehr viel Zeit. Nach Einschätzung des Weltklimarats IPCC müssten die Treibhausgasemissionen für dieses Ziel bis 2030 weltweit um die Hälfte sinken. Verfehlen wir das 1,5-Grad-Ziel, werden klimatische Kettenreaktionen in Gang gesetzt, die in ihrem Zusammenspiel die Erde noch schneller aufheizen. Dabei hat die Erde 2021 schon genug gebrannt; stand jetzt schon bis zum Hals im Wasser. Deutschland darf für das Klimaziel noch 6,7 Milliarden Tonnen CO2-Äquivalente ausstoßen. Nach jetzigem Emissionsstand wäre dieses Budget 2038 verbraucht.

Die Politik muss handeln? Wir alle.

Der Löwenanteil des Klimaschadens wird von der Wirtschaft verursacht – aber von der Politik reguliert. Und deshalb ist diese Wahl besonders wichtig. Das Geturtel von Politik und Wirtschaft muss aufhören. Genau das hat den Klimaschutz in den letzten Legislaturperioden verschleppt. Es ist Zeit, die Liebenden auseinanderzusetzen. Als Konsument:innen können wir diesen Prozess unterstützen. Indem wir zur Wahl gehen und Klimaschutz wählen. Und, indem wir im Alltag Entscheidungen treffen, die positiv auf die Klimapolitik einzahlen. Aktuell schleppen die Deutschen pro Kopf noch 11,17 Tonnen pro Jahr mit sich rum. Das muss runter.

10 Wahlentscheidungen fürs Klima in deinem Alltag.

Bei einer Regierung kann man im Vorfeld noch nicht berechnen, welche Leistung oder Schaden sie anrichtet. Leider. Anders ist das bei unserer täglichen Klimawahl. Du kannst tatsächlich grob berechnen, wie dein CO2-Fußabdruck mit jeder Wahl größer oder kleiner wird.

1. Fossile oder Öko-Energie? Die größte Klimafrage unserer Zeit.

Grafik: Anteil der Energie am CO2-Fußabdruck

Rund 85 % der Treibhausgasemissionen sind laut Umweltbundesamt energiebedingt. Eine Folge unseres Konsums von fossiler Energie. Privat kannst du deine Energiewende sofort durchziehen. Mit einer einfachen Umstellung auf Ökoenergie wirst du mit einem Schlag richtig viel CO2 los. Schon ein 3-Personen-Haushalt spart mit seinem Wechsel zu Ökostrom eine Tonne im Jahr. Der Bezug von Ökostrom und Ökogas in einem spart zwischen zwei und drei Tonnen CO2 im Jahr und senkt den CO2-Fußabdruck im Idealfall gleich um ein ganzes Viertel. Energie ist wirklich der einfachste Weg, auf die Schnelle etwas fürs Klima zu unternehmen. Ganz ohne Aufwand. Mit einem Klick auf den nächsten Button erfährst du deine persönliche CO2-Ersparnis – und was es kostet: Mach’s.

Preis für Wirklich Ökostrom berechnen

2. Secondhand-Mode oder neu? Die 600-kg-CO2-Frage.

Kleidung

Was soll ich bloß anziehen? Das ist auch immer eine Frage, wie viel CO2 man mit sich rumtragen möchte. Laut Europäischer Umweltagentur verursacht jede:r Europäer:in jährlich 654 Kilogramm CO2 mit dem Kauf neuer Kleidung. Allein die Deutschen kaufen sich im Schnitt rund 60 neue Teile im Jahr. Gut, da sind auch Socken und Unterwäsche dabei, aber es ist trotzdem zu viel. Die Welt ist ja jetzt schon aus wie ein Kleiderhaufen. Laut einem Bericht von Quarks stieg die Zahl der weltweiten Kleiderkäufe zwischen 2000 und 2015 von 50 auf 100 Milliarden. Und bis 2030 soll sich der Kleiderberg noch mal verdoppeln. Dabei verursacht die Textilindustrie jetzt schon 10 % der weltweiten CO2-Emissionen. 

Kauf dir Anziehsachen, die du wirklich magst und gib im Zweifel lieber einmal Geld aus, statt immer wieder Fast-Fashion zu kaufen, die schnell kaputtgeht. Am klimafreundlichsten ist Secondhand-Mode. Sie spart Wasser, giftige Chemikalien und natürlich CO2. Laut Nachhaltigkeitsberatung Systain sparst du allein bei einem langärmeligen Shirt, das nicht neu gekauft werden muss, 10,75 Kilogramm CO2. Stell dir vor, die 60 neuen Kleidungsstücke, die jede:r Deutsche pro Jahr kauft, bestünden nur aus diesen Langarm-Shirts. Dann könntest du genau 645 Kilogramm CO2 von deinem CO2-Fußabdruck abziehen. Das Gute an Secondhand: Alte Trends kommen eh wieder. Und wenn es so weit ist, bist du ein Original und kein:e Mitläufer:in.

3. Fleisch oder Gemüse? Die Tonne Unterschied.

Gemüse

Man isst, was auf den Tisch kommt? Wenn es um die Klimabilanz geht, dürfen wir ruhig etwas picky sein. Wer die Beilagen sowieso lieber mag als das Schnitzel, sollte es gleich weglassen. Es gibt sie immer noch, die Leute, die drei mal am Tag unbedingt etwas Fleischhaltiges essen müssen. Laut CO2-Rechner des WWF verursacht ein Fleischkonsum in dieser Höhe schon bis zu 1,29 Tonnen CO2 im Jahr. Wer dagegen nur noch selten Fleisch isst, bringt nur noch 60 Kilogramm CO2 auf die Waage. Der Fleischrechner verrät zusätzlich, wie viele Tiere du letztlich verschonst. Beispiel: Wenn du dich nur ein Jahr vegetarisch ernährst, rettest du statistisch gesehen schon 12 Hühnern, einem halbes Schwein und dem Zehntel einer Kuh das Leben.

Grafik des Fleischkonsums in  Deutschland
Grafik: Fleischrechner.

4. Viel oder wenig Milch? Wirklich nicht egal.

Grafik: Umweltbilanz von Pflanzen- und Kuhlmilch

Auch eine vegetarischen Ernährung kann klimamäßig reinknallen. Zum Beispiel bei der Menge an Milchprodukten. Wenn du mehr als 10 Milchprodukte am Tag zu dir nimmst, verursachst du laut WWF satte 810 Kilogramm CO2 im Jahr. Greifst du nur noch sehr selten zu Milch, Käse und Joghurt speckst du bis auf 20 Kilogramm CO2 runter. Allerdings ist die Angabe selten auch etwas relativ.

5. Wo kommt dein Essen her? Die CO2-Überraschung. 

Grafik: So viel CO2 spart regionales Obst

Was ist für die Klimabilanz besser: ein Apfel aus der Region – oder aus Übersee? Aus der Region, rufen jetzt alle. Und das stimmt natürlich auch. Für die beste Klimabilanz sollten Produkte aber auch immer noch den Zusatz saisonal tragen. Denn regionale Produkte haben nur dann eine bessere Klimabilanz, wenn sie auch nach ihrer Saison gegessen werden. Einen Apfel muss man selbstverständlich nicht aus Argentinien einfliegen lassen. Trotzdem empfiehlt etwa das Institut für Nutzpflanzenwissenschaften und Ressourcenschutz der Universität Bonn auf co2online, von September bis Mai heimische Äpfel zu essen und in der übrigen Zeit Äpfel aus Chile oder Neuseeland zu bevorzugen. Warum das denn? Weil wohl die Kühlung der hiesigen Äpfel außerhalb der Saison mehr Treibhausgasemissionen verursacht als der Transport aus Übersee. Wenn Obst und Gemüse nach dem Saison-Kalender gegessen werden, ist es für deine Klimabilanz am besten. 

Wie groß ist der regional-saisonale Anteil deines Obst- und Gemüseeinkaufs?

Gering 640 kg CO2/Jahr
25 % 480 kg CO2/Jahr
50 % 320 kg CO2/Jahr
75 % 160 kg CO2/Jahr
Fast 100 % 40 kg CO2

Quelle: WWF.

6: Wie kommst du zur Arbeit? Die rhetorische Klimafrage.

Straße von oben

Bei deinem CO2-Fußabdruck geht ein Fünftel auf die Mobilität. Aktuell verursachen die Deutschen hier laut Umweltbundesamt 2,09 Tonnen CO2 im Jahr. Wer also sowieso morgens grübelt, ob er:sie nun das Fahrrad, die Bahn oder das Auto nimmt, sollte die Entscheidung schon am Vorabend wissen: das Rad. Im Stadtverkehr ist es ohnehin das schnellste Fortbewegungsmittel und abgesehen davon emittierst du direkt: nichts. 

Autofahren hinterlässt dagegen Spuren. Laut Umweltbundesamt schon 143 Gramm CO2 pro Personenkilometer. Bei einer täglichen Strecke von 10 Kilometern kommen 1,43 Kilogramm CO2 zusammen und aufs Jahr gerechnet 521,96 Kilogramm. Tram-, U-Bahn und Stadtbahn sind natürlich viel klimafreundlicher und liegen in ihren CO2-Werten praktisch gleichauf: bei 0,55 Kilogramm CO2 auf 10 Kilometer. Am Ende des Jahres hast du gegenüber dem Auto einen Vorteil von 300 Kilogramm CO2. Der Stadtbus liegt in seiner Klimabilanz in der Mitte: bei 80 Gramm CO2 pro Personenkilometer und 292 Kilogramm CO2 im Jahr. Wie lang ist deine tägliche Arbeitsstrecke? Mit den Zahlen des Umweltbundesamts kannst du ausrechnen, wie viel CO2 du im Jahr emittierst. 

Verkehrsmittel CO2 pro km   Auf 10 km 10 km an 365 Tagen 10 km an 232 Arbeitstagen  
Pkw 143 g  1,43 kg      521,95 kg 331,76 kg  
Eisenbahn (Nahverkehr) 55 g  0,55 kg 200,75 kg 127,6 kg  
Linienbus (Nahverkehr)  80 g   0,8 kg 292 kg  185,6 kg   
Straßen-, U-Bahn etc. 55 g  0,55 kg 200,75 kg 127,6 kg  

Quelle: Umweltbundesamt 11/2020.

Der Unterschied von besser und schlechter.

Oft haben die Menschen beim Klimaschutz so eine Ganz-oder-gar-nicht-Haltung. Dabei verändern auch Einschränkungen etwas. Und das ist wichtig zu betonen. Denn bei der Mobilität sind die Möglichkeiten ungleich verteilt. Wer auf dem Land lebt, kann eben nicht einfach mal den Bus nehmen. Und wer Kinder hat, muss sie auch mitnehmen können. Wer trotzdem Alternativen findet, hilft mit, das Klima zu schützen. Beispiel: Wer pro Jahr mehr als 30.000 Kilometer mit dem Auto fährt, stößt laut WWF bereits 7,82 Tonnen CO2 im Jahr aus. Wer das Autofahren auf unter 2.000 Kilometer bringt, verursacht nur noch 300 Kilogramm. Ein Möglichkeit dafür ist Carpooling. Denn wer beim Pendeln noch mitnimmt, teilt sich einen Großteil der CO2-Last.

7. Reiseziel: Klimabilanz komplett versauen.

Flugzeug

Natürlich ist es wichtig, dass man mal etwas von der Welt gesehen hat. Aber ist es wirklich so wichtig, dass inzwischen jeder Junggesell:innenabschied in einem anderen Land stattfinden muss? Das sind genau die Trends, die man sich wirklich sparen kann und muss. Denn nichts versaut einem so die Klimabilanz wie das Fliegen. In wenigen Stunden kann man easy seinen CO2-Fußabdruck verdoppeln. Wer zum Beispiel in den letzten 5 Jahren mehr als 50 Stunden mit dem Flugzeug geflogen ist, hat laut WWF bereits 18 Tonnen CO2 verursacht. 

Beliebte Reiseziele und ihre CO2-Bilanz.  

Strecke Durchschnittliche CO2-Emissionen
Frankfurt – London 366 kg CO2
Frankfurt – Mallorca 568 kg CO2
Frankfurt – Dubai 2.762 kg CO2
Frankfurt – Bali 8.551 kg CO2
Frankfurt – Melbourne 12.936 kg CO2

Quelle: Atmosfair.

8. Wir fahren nach Berlin! Aber wie am besten?

Grafik: CO2-Emissionen der Strecke München-Berlin

Bei Inlandsflügen verschleuderst du verhältnismäßig viel CO2, obwohl noch nicht mal ausgemacht ist, dass du wirklich schneller ankommst. Ein Hin- und Rückflug von München nach Berlin verursacht 206 Kilogramm CO2, eine Bahnfahrt dagegen nur 36 Kilogramm. Und eine Autofahrt? Auch nur latent besser als der Flug: etwa 168 Kilogramm CO2.

9. Mal so generell: Was brauchst du wirklich? 

Teilen statt kaufen

Bei den meisten Klimaentscheidungen stellt sich immer die Frage, was man im Leben eigentlich wirklich braucht. Muss ich immer nach Bali – oder mach ich es mir in den Bergen schön? Esse ich Fleisch, weil ich’s gewohnt bin – oder weil ich es wirklich will? Im Alltag fallen ständig solche Entscheidungen. Verpackung ist ebenso ein gutes Beispiel. Wenn dir zum Beispiel jemand eine Plastiktüte oder einen Coffee-to-go-Becher anbietet: Lehn dankend ab und bring lieber deine eigenen Behälter und Beutel mit. Mit jeder dieser Entscheidungen sparen wir Ressourcen. Denn wir verbrauchen ohnehin schon mehr, als die Erde natürlich hergeben kann. Und es gibt ohnehin schon alles, was wir benötigen. Autos, Wohnungen, Bohrmaschinen, Jacken – das alles gibt es Secondhand oder zum Teilen. Und immer ist es eine Chance, Treibhausgase zu senken. Laut einer Studie des Umweltbundesamts könnte allein der Ausbau des Carsharings in Verbindung mit dem öffentlichen Personennahverkehr mehr als 6 Millionen Tonnen CO2 pro Jahr sparen.

10. Deine Klimawahl: Schweigst du – oder nicht?

Klimastreik für 1,5 Grad

Im Alltag fällt nicht jede Entscheidung immer leicht. Umso schöner ist es, zu wissen, dass man mit diesen Fragen nicht alleine ist. Vermutlich wird es nicht gemütlicher auf der Welt. Aber es gibt langsam aber sicher eine Mehrheit, die sich wünscht, dass sie lebenswert bleibt.  Beim Klimastreik am 24. September können wir das nächste Mal zeigen, wie viele wir sind. Wir sehen uns!

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