Mit der EEG-Umlage wird der Ausbau erneuerbarer Energien in Deutschland gefördert. Die EEG-Umlage ist fester Bestandteil des Strompreises. Wer mit einer PV-Anlage selbst Strom für sein Eigenheim erzeugt, muss bei einer Anlagengröße bis 10 kWp keine EEG-Umlage zahlen. Anders ist das jedoch bei Mieterstrom. Hier fällt die EEG-Umlage an. Das Gesetz zur Förderung von Mieterstrom soll diesen Nachteil ausgleichen. Durch einen im EEG verankerten Mieterstromzuschlag sollen Mieterstromprojekte für Vermieter und Bewohner rentabler werden.

von Anna & Michael

Mit dem Erneuerbare-Energien-Gesetz, kurz EEG, wird der Ausbau von Wind-, Wasser-, Solarkraft und Biomasse in Deutschland zur Energieerzeugung gefördert. Im Kern regelt das Gesetz, dass erneuerbar erzeugter Strom bevorzugt ins deutsche Stromnetz eingespeist wird. Die Produzenten erhalten eine festgelegte Einspeisevergütung. Sie wird über die EEG-Umlage finanziert.

Lange Zeit konnten fast ausschließlich Eigenheimbesitzer vor Ort erzeugten Strom auch profitabel selbst nutzen. Während sie für den vor Ort erzeugten und genutzten Strom nur eine reduzierte EEG-Umlage zahlen müssen, fällt bei Mieterstrom die volle EEG-Umlage an. Die EEG-Umlage macht fast ein Viertel des Strompreises aus. 2010 lag sie noch bei 2,05 Cent je Kilowattstunde, zehn Jahre später hat sich die EEG-Umlage mehr als verdreifacht.

Mieterstrom-Projekte ansehen

 

Dieser Nachteil macht viele mögliche Mieterstromprojekte unwirtschaftlich – obwohl anders als beim Strombezug aus dem Netz keine Netzentgelte, Konzessionsabgaben und Stromsteuer anfallen, weil der Strom nicht ins öffentliche Netz eingespeist wird. Diese Situation sollte das Gesetz zur Förderung von Mieterstrom ändern. Es trat im Sommer 2017 in Kraft. Die Mieterstromnachfrage hat es  bisher nicht wie erhofft unterstützt. Die Hürden, der bürokratische Aufwand und die am Ende niedrige bis nicht mehr vorhandene Förderung haben die Wirkung des Mieterstromzuschlags abgewürgt. Nach wie vor ist eine erfahrene Planung und Umsetzung im Mieterstrom entscheidend, um Mieterstromprojekte für alle Seiten wirtschaftlich attraktiv umzusetzen.

 

Direktförderung für Mieterstrom im EEG. 

Mit der Änderung im EEG sollte Mieterstrom für Vermieter und Mieter finanziell attraktiver werden: Im Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG 2017) wurde ein Förderanspruch für direkt gelieferten Strom aus Solaranlagen auf Wohngebäuden verankert. Mit dem Mieterstromzuschlag für Anlagenbetreiber wird jede Kilowattstunde (kWh) Mieterstrom gefördert.

Die genaue Höhe des Anspruchs pro lokal verbrauchter Kilowattstunde bestimmt sich nach dem sogenannten „anzulegenden Wert“ der EEG-Vergütung abzüglich 8,5 Cent je kWh für den Leistungsanteil Photovoltaikanlagen unter 40 kWp. Bei Anlagen für den Leistungsanteil ab 40 kWp werden 8,0 Cent /kWh abgezogen. 

Allerdings wurde der Zuschlag im Zuge von Sonderkürzungen von Februar bis April 2019 schrittweise reduziert. Das heißt, in dieser Zeit wurde die normale, im EEG festgeschriebene Degression ausgesetzt. Die Kürzung der EEG-Vergütung wirkt sich auch auf die Direktförderung für Mieterstrom, weil diese direkt daran gekoppelt ist. Das macht eine individuelle Mieterstrom-Planung umso wichtiger, um auch sektorenübergreifend Anlagen zu vernetzen und den Eigenverbrauch zu steigern.

Inzwischen, Stand August 2020, liegt der Mieterstromzuschlag für Anlagen wischen 40 kWp und 750 kWp nur noch bei 7,19 Cent pro Kilowattstunde. Das bedeutet, für diesen Anteil gibt es keine Direktförderung mehr. Diese Situation soll eine EEG-Novelle ändern.

Für den Mieterstrom-Newsletter anmelden

 

Die Eckdaten zur Mieterstromförderung nach dem EEG zusammengefasst.

Voraussetzungen zur Förderung

  • Die Direktförderung von Mieterstrom tritt rückwirkend zum 25. Juli 2017 in Kraft: die beihilferechtliche Genehmigung durch die EU Kommission erfolgte am 20. November 2017.
  • Mindestens 40 Prozent der Gebäudefläche im Mieterstromprojekt muss Wohnfläche sein.

 

Höhe der Förderung

  • Der Mieterstromzuschlag orientiert sich an den im EEG genannten Einspeisevergütungen abzüglich eines Abschlags von 8,5 ct/kWh für den Leistungsanteil bei PV-Anlagen unter 40 kWp. Für Photovoltaikanlagen ab 40 kWp werden 8,0 Cent /kWh abgezogen. 
  • Die Höhe des Mieterstromzuschlags hängt am Ende von der Größe der Solaranlage und dem Photovoltaik-Zubau insgesamt ab. Der lange Zeit geltende 52-Gigawatt-Deckel für den Photovoltaik-Zubau wurde im Sommer 2020 abgeschafft.

 

Beschränkungen

  • Eine Photovoltaikanlage darf eine Maximalleistung von 100 kWp nicht überschreiten.
  • Der Solarstrom muss innerhalb desselben Wohngebäudes oder in unmittelbarem Zusammenhang dazu erzeugt und verbraucht werden, ohne Durchleitung durchs Netz der öffentlichen Versorgung.

 

Finanzierung

  • Die Förderung wird über die EEG-Umlage finanziert.

 

Mieterfreundliches Gesetz

  • Mieter haben nur einen Vertragspartner für die gesamte Stromlieferung, sprich er liefert vor Ort erzeugten Strom und Reststrom aus dem öffentlichen Netz.
  • Mieter können ihren Stromanbieter weiterhin frei wählen.
  • Das Gesetz begrenzt die Laufzeit von Mieterstromverträgen auf ein Jahr bei stillschweigender jährlicher Verlängerung.
  • Eine Kopplung mit dem Mietvertrag ist nicht erlaubt, so dass der Mieterstromvertrag getrennt gekündigt werden kann.
  • Der Preis für Mieterstrom darf maximal 90% des örtlichen Grundversorgertarifs betragen.
Mehr Infos über Wirklich Mieterstrom

 

Bewertung: Die Direktförderung von Mieterstromprojekten ist ein Kompromiss.

Anstelle einer echten Gleichstellung von Einfamilienhausbesitzern und Mietern wurde die oben genannte Direktförderung beschlossen, offiziell der Mieterstromzuschlag nach §23b Abs. 2 EEG. Sie ist ein Kompromiss der verschiedenen Anspruchsgruppen. Eine komplette Gleichstellung von Eigenheimbesitzern und Mietern ist bislang politisch nicht durchsetzbar. Inwieweit die Mieter vom Mieterstromzuschlag profitieren, hängt maßgeblich von den Zielen des Immobilienbesitzers und der Verteilung der Direktförderung ab. Chancen, mit der Mieterstromförderung auch die Mieter an den Vorteilen der Energiewende zu beteiligen, sind vorhanden.

Richtig realisiert kann Mieterstrom ein Gewinn für Mieter, Immobilienbesitzer und uns alle sein – und vor lauter Diskussion um Fördersätze geht manchmal unter: die Mieterstromförderung ist ein weiterer kleiner Schritt, die Energiewende konkret und wirtschaftlich umzusetzen.

 

Weitere Mieterstrom- und Elektromobilitäts-Artikel gibt's auch als Gastartikel bei energyload von unserem Experten Manuel Thielmann.

Jetzt Mieterstrom-Team kontaktieren

Mehr Artikel zu den Themen

Ökostrom ist viel günstiger als du denkst!

Wirklich besserer Strom ist keine Rolex. Und sogar meist günstiger als die Grundversorgung.

Weiterempfehlen vervielfacht deine Wirkung!

Und wir bedanken uns mit 20 Euro. Schnapp dir jemanden, der auch zu wirklich besserer Energie wechseln möchte – und ihr bekommt beide 20 Euro auf eure nächste Stromrechnung gutgeschrieben. Gemeinsam verändern wir mehr!

Polarstern weiterempfehlen