Legehennen leben kurz und schmerzhaft, ihre Brüder gar nicht. Dabei geht es auch anders. Echt nachhaltige Betriebe ermöglichen den Tieren ein Leben wie früher auf dem Bauernhof.

von Michael

 

Der Eierkonsum und seine Folgen.

300 Millionen tote Küken in Europa. 

Geschwister zu haben ist schön. Außer es ist Ostern und die Geschwister sollen die Ostereier aufteilen. Da bleibt der kleinere Bruder schon mal auf seinem Nest sitzen, als müsste er die Eier selbst ausbrüten. Dagegen lernen Hühner, die den Job tatsächlich machen, ihre Brüder gar nicht erst kennen. Denn in der Regel geht’s den Hähnen gleich nach der Geburt an den Kragen. Laut Fleischatlas, den die Heinrich Böll-Stiftung regelmäßig veröffentlicht, werden EU-weit jedes Jahr rund 300 Millionen männliche Küken noch am ersten Lebenstag getötet. 50 Millionen davon allein in Deutschland. Die Industrie hat keine Verwendung für die männlichen Tiere. Sie setzen wenig Fleisch an, sodass es sich nicht lohnt, sie durchzufüttern. So mancher Hahn steht vielleicht noch einer Herde vor, der Rest wird umgebracht und als Futter für andere Tiere verwendet. 

 

Wer lebt, hat’s auch nicht besser. 

Die weiblichen Tiere leben zwar länger, sind allerdings sehr anfällig für Krankheiten, da die sogenannten Legehybriden auf Hochleistung gezüchtet sind. Die durchschnittliche Legeleistung der Legehybride lag 2018 laut Fleischatlas bei 290 Eiern im Jahr. Eine Belastung, die Knochen und Organe nicht lange aushalten. Die Tiere sterben oft an Erschöpfung, Legedarmentzündung oder Organversagen. Ein wildes Huhn, das mit dem Menschen nichts am Hut hat, würde vielleicht ein halbes Dutzend Eier pro Jahr legen. Aber auch nur, um sich fortzupflanzen. Was auch sonst?

 

So können die Hähne gerettet werden. 

Zwei Wege für mehr Nachhaltigkeit in der Hühnerzüchtung.

Für Konsumenten, die sich mit dem Thema beschäftigen, stand lange die Haltung der Hühner im Fokus. Eine bessere Haltung ist ein Muss. Sie löst aber noch nicht die Frage, wie die männlichen Tiere gerettet werden können. Die In-Ovo-Selektion, wie man die frühe Geschlechtserkennung im Ei nennt, verschiebt lediglich den Todestag des Kükens vom ersten Lebenstag auf den 9. Bruttag. Dabei gibt es zwei Wege, auch den Hähnen ein längeres Leben zu ermöglichen. 

 

1. Geschwister-Eier – die Übergangslösung. 

Die Übergangslösung sind Geschwister-Eier, die unser Kooperationspartner die Biohennen ausschließlich im Natur- und Feinkosthandel anbietet. Die cremefarbenen Eier stammen von der Legehybride Sandy. Ihre Eier sind ein bisschen teurer, weil der Kunde so die Aufzucht der Hähne ermöglicht. Der Aufpreis wird vor allem für das Futter der Bruderhähne genutzt. Denn damit die Hähne der Sandy-Rasse genetisch bedingt auch nur geringfügig Fleisch ansetzen, müssen sie mit hochwertigem, teurem Eiweißfutter versorgt werden. Bei den Biohennen haben alle Hennen genügend Platz, dürfen raus, haben Licht und Auslauf, wo sie auch Gras, Würmer oder Käfer fressen können. Die eigenen Standards liegen weit über den meisten Bio-Betrieben – und über der EU-Verordnung sowieso.

>>> Mehr über die Biohennen in unserem Interview erfahren. 

Zweinutzungshühner mit Auslauf
Ein Hühnerleben in der Natur.

 

2. Die Zweinutzung – das Ziel. 

Die Aufzucht der Sandy-Bruderhähne ist ein richtiger Schritt, aber nicht frei von Mängeln. Damit die Hähne überhaupt Fleisch ansetzen, werden sie mit hochwertigem Eiweißfutter versorgt, das aus Übersee importiert werden muss. Ökologische Betriebe wie Die Biohennen wollen deshalb zurück zur Zweinutzung. Darunter versteht man die Verwendung von alten Rassen, die sich sowohl für die Eier-, als auch für die Fleischerzeugung eignen. Hennen und Hähne wachsen nebeneinander auf, wie sie geschlüpft sind; wie früher auf den Höfen. Da wurden Gockel gegessen und auch Legehennen als Suppenhuhn verspeist. In der Zwischenzeit verbrachten sie ein gutes Bauernhofleben. Verschwunden ist die Zweinutzung, weil diese ursprünglichen Rassen weniger Eier legen. Dafür stehen sie aber nicht unter diesem Hochleistungsdruck – sind so weniger anfällig für Krankheiten und leben länger. Und die Hähne der Zweinutzungsrassen setzen von Natur aus ausreichend Fleisch an, dass sie nicht wie bei der Bruderhahn-Lösung über einen Preisaufschlag auf die Eier der Hühner finanziert werden müssen. Vielmehr können sie mit preiswertem, einheimischen Biofutter gefüttert werden; ohne ökologische Konsequenzen, die der Import von Futter mit sich bringt. In der Summe verschafft man sowohl den männlichen als auch weiblichen Tieren eine artgerechte Lebensperspektive. 

Zweinutzungsküken bei den Biohennen.
Kükenvielfalt ist Lebensvielfalt.

 

Wie du die Zweinutzung unterstützt. 

Warum ist die Zweinutzung nicht längst Standard? Weil ihr Erfolg auch von uns Konsumenten abhängt. DIE BIOHENNEN haben die Zweinutzung schon vor Jahren ausprobiert. Aber die Konsumenten waren noch nicht so weit, für Hahn, Henne und Ei, das zu bezahlen, was sie wert sind. Die Biobetriebe wollen ihren Tieren ein gutes Leben ermöglichen, aber natürlich müssen sie davon leben können. Und die Kunden müssen ebenso bereit sein, diesen Preis zu bezahlen. 

 

Tipps für den Eierkauf. 

1. Kauf Eier vom Zweinutzungshuhn, zum Beispiel von den BIOHENNEN. Damit unterstützt du nicht nur die Verbesserung des Tierwohls, sondern auch die Bio-Bauern aus der Region und erhältst ein Ei mit höchsten Biostandard. Die Hühner werden wirklich gut gehalten (davon konnten wir uns schon selbst überzeugen).

2. Achte auf den Code, der auf dem Ei steht und kauf wirklich nur Biohaltung und deutsche Eier. Du erkennst die Eier an dem Code „0-DE“. Ziffer 1 steht für Freilandhaltung, 2 für Bodenhaltung und 3 für Kleingruppenhaltung, was ein anderes Wort für Käfighaltung ist. Ist es keine 0, solltest du am besten auf die Eier verzichten.

Code zu Herkunft und Haltung von Eiern.
Der Code auf dem Ei verrät, wo es herkommt und wie die Hennen gehalten werden.

 

3. Achte bei deinem Kauf von gefärbten Eiern zu Ostern auch auf Qualität. Gefärbte Eier sind häufig verarbeitet, nur lässt sich der entsprechende Code nicht mehr lesen. Vermutlich ist es das billigste Ei. Also eins aus der Kleingruppenhaltung wie die Käfighaltung mittlerweile heißt, damit es nicht so hart klingt. Die bunten Ostereier der Biohennen sind aus artgerechter, ökologischer Freilandhaltung und mit naturidentischen, wasserunlöslichen Erdfarben gefärbt. Diese Farbpigmente dringen nicht durch Osmose in das Ei. Noch dazu sind sie nicht in einer transparenten Plastikschachtel verpackt, wie meist üblich, sondern in einer recyclefähigen Kartonverpackung.

4. 235 Eier verbrauchen die Deutschen laut statista jährlich pro Kopf. Fahr den Konsum zurück und verzichte auf Produkte, in denen Eier verarbeitet sind. Hier werden Eier aus der Kleingruppenhaltung besonders häufig verarbeitet. 

5. Probiere Alternativen zu Eiern aus. Gerade beim Backen ist das Ei die Zutat, die alles zusammenhält. Es bindet, lockert, verdickt, spendet Feuchtigkeit und Geschmack. Probiere Alternativen, die auch einen guten Job machen. Zum Beispiel Seidentofu, Ei-Ersatz-Pulver, Sojamehl, Leinsamen, Bananen und zig andere Lebensmittel.

6. Die richtige Energie zum Kochen nutzen: Es macht keinen Sinn, Biolebensmittel zu kaufen, um sie dann mit konventioneller Energie zu kochen. Wir bieten mit Wirklich Ökostrom und Wirklich Ökogas wirklich tierfreundliche Energie. CO2 verbannst du damit auch von der Herdplatte. Also weg damit!

Preis für Wirklich Ökostrom berechnen

Mehr Infos über die Zweinutzung findest auch auch im Kurzfilm "Ei-Volution". Er steht gerade zur Abstimmung für einen Kurzfilm-Preis. Hier kannst du mitmachen

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