Hühnereier

Legehennen leben kurz und schmerzhaft, ihre Brüder gar nicht. Zwar soll das Töten von männlichen Eintagsküken ab 2022 verboten werden. Aber erst nachhaltige Betriebe ermöglichen den Tieren ein Leben wie früher auf dem Bauernhof.

von Michael

So brutal ist der Eierkonsum.

300 Millionen tote Küken in Europa. 

Geschwister zu haben ist schön. Außer es ist Ostern und die Geschwister sollen die Ostereier aufteilen. Da bleibt der kleinere Bruder schon mal auf seinem Nest sitzen, als müsste er die Eier selbst ausbrüten. Dagegen lernen Hühner, die den Job tatsächlich machen, ihre Brüder gar nicht erst kennen. Denn in der Regel geht’s den Hähnen gleich nach der Geburt an den Kragen. Laut Fleischatlas, den die Heinrich Böll-Stiftung regelmäßig veröffentlicht, werden EU-weit jedes Jahr rund 300 Millionen männliche Küken noch am ersten Lebenstag getötet. 50 Millionen davon allein in Deutschland. Zwar soll das Töten von Eintagsküken ab 2022 verboten werden, trotzdem hat die Industrie keine Verwendung für die männlichen Tiere. Sie setzen wenig Fleisch an, sodass es sich für viele Betriebe nicht lohnt, sie durchzufüttern. So mancher Hahn steht vielleicht noch einer Herde vor, der Rest wird umgebracht und als Futter für andere Tiere verwendet. Laut Fleischatlas 2021 wurden im Jahr 2019 jeden Tag in Deutschland 1,7 Millionen Hühner geschlachtet. Insgesamt waren es 652.700.000. 

Wer lebt, hat’s auch nicht besser. 

Die weiblichen Tiere leben zwar länger, sind allerdings sehr anfällig für Krankheiten, da die sogenannten Legehybriden auf Hochleistung gezüchtet sind. Laut Statistischem Bundesamt legte jede Legehenne in Deutschland im Jahr 2020 im Schnitt 301 Eier. Das ist eine Belastung, die Knochen und Organe nicht lange aushalten. Die Tiere sterben oft an Erschöpfung, Legedarmentzündung oder Organversagen. Ein wildes Huhn, das mit dem Menschen nichts am Hut hat, würde vielleicht ein halbes Dutzend Eier pro Jahr legen. Aber auch nur, um sich fortzupflanzen. Was auch sonst? Insgesamt haben 42,9 Millionen Hühner zusammen rund 12,9 Milliarden Eier gelegt.

So retten wir die Hähne.

Für Konsument:innenen, die sich mit dem Thema beschäftigen, stand lange die Haltung der Hühner im Fokus. Eine bessere Haltung ist ein Muss. Sie löst aber noch nicht die Frage, wie die männlichen Tiere gerettet werden können. Die In-Ovo-Selektion, wie man die frühe Geschlechtserkennung im Ei nennt, verschiebt lediglich den Todestag des Kükens vom ersten Lebenstag auf den 9. Bruttag. Dabei gibt es Wege, auch den Hähnen ein längeres Leben zu ermöglichen. 

Zweinutzungshühner: Weniger Eier, mehr Fleisch und ein gutes Leben.

Unser Kooperationspartner die Biohennen macht es vor. Sie bieten Eier vom ursprünglichen Zweinutzungshuhn an. Unter der Zweinutzung versteht man die Verwendung von alten Rassen, die sich sowohl für die Eier-, als auch für die Fleischerzeugung eignen. Hennen und Hähne wachsen nebeneinander auf, wie sie geschlüpft sind; wie früher auf den Höfen. Da wurden Gockel gegessen und auch Legehennen als Suppenhuhn verspeist. In der Zwischenzeit verbrachten sie ein gutes Bauernhofleben. Verschwunden ist die Zweinutzung, weil diese ursprünglichen Rassen weniger Eier legen. Dafür stehen sie aber nicht unter diesem Hochleistungsdruck – sind so weniger anfällig für Krankheiten und leben länger. Und die Hähne der Zweinutzungsrassen setzen von Natur aus ausreichend Fleisch an, dass es sich lohnt, sie aufzuziehen. 

Zweinutzungshühner mit Auslauf
Ein Hühnerleben in der Natur.

Die Biohennen sind eben Vorreiter für artgerechte, ökologische Legehennenhaltung und zudem ein klimaneutrales Unternehmen. Die Tier bekommen 100 % Biofutter. Dazu zählen ganze Körner, Bio Biokräuter sowie Pflanzen und Insekten aus dem Auslaufgarten. Die Tier dürfen nämlich raus. Es gibt einen Grünauslauf, einen Wintergarten und sogar ein Sandbad. In den Ställen haben die Hühner außerdem ausreichend Platz. 

Wie du die Zweinutzung unterstützt. 

Warum ist die Zweinutzung nicht längst Standard? Weil ihr Erfolg auch von uns Konsument:innen abhängt. Die Biohennen boten die Zweinutzung schon vor Jahren an. Damals waren die Konsument:innen noch nicht so weit, für Hahn, Henne und Ei, das zu bezahlen, was sie wert sind. Das hat sich zum Glück geändert. Die Biobetriebe wollen ihren Tieren ein gutes Leben ermöglichen, aber sie müssen davon leben können. Und die Kund:innen müssen ebenso bereit sein, diesen Preis zu bezahlen. 

Tipps für den Eier-Kauf. 

1. Kauf Eier vom Zweinutzungshuhn, zum Beispiel von den BIOHENNEN. Damit unterstützt du nicht nur die Verbesserung des Tierwohls, sondern auch die Bio-Bauern aus der Region und erhältst ein Ei mit höchsten Biostandard. Die Hühner werden wirklich gut gehalten (davon konnten wir uns schon selbst überzeugen).

2. Achte auf den Code, der auf dem Ei steht und kauf wirklich nur Biohaltung und deutsche Eier. Du erkennst die Eier an dem Code „0-DE“. Ziffer 1 steht für Freilandhaltung, 2 für Bodenhaltung und 3 für Kleingruppenhaltung, was ein anderes Wort für Käfighaltung ist. Ist es keine 0, solltest du am besten auf die Eier verzichten.

Code zu Herkunft und Haltung von Eiern.
Der Code auf dem Ei verrät, wo es herkommt und wie die Hennen gehalten werden.

3. Achte bei deinem Kauf von gefärbten Eiern zu Ostern auch auf Qualität. Gefärbte Eier sind häufig verarbeitet, nur lässt sich der entsprechende Code nicht mehr lesen. Vermutlich ist es das billigste Ei. Also eins aus der Kleingruppenhaltung wie die Käfighaltung mittlerweile heißt, damit es nicht so hart klingt. Die bunten Ostereier der Biohennen sind aus artgerechter, ökologischer Freilandhaltung und mit naturidentischen, wasserunlöslichen Erdfarben gefärbt. Diese Farbpigmente dringen nicht durch Osmose in das Ei. Noch dazu sind sie nicht in einer transparenten Plastikschachtel verpackt, wie meist üblich, sondern in einer recyclefähigen Kartonverpackung.

4. Pro Kopf verbrauchen die Deutschen 235 Eier im Jahr. Fahr den Konsum zurück und verzichte auf Produkte, in denen Eier verarbeitet sind. Hier werden Eier aus der Kleingruppenhaltung besonders häufig verarbeitet. 

5. Probiere Alternativen zu Eiern aus. Gerade beim Backen ist das Ei die Zutat, die alles zusammenhält. Es bindet, lockert, verdickt, spendet Feuchtigkeit und Geschmack. Probiere Alternativen, die auch einen guten Job machen. Zum Beispiel Seidentofu, Ei-Ersatz-Pulver, Sojamehl, Leinsamen, Bananen und zig andere Lebensmittel.

6. Nutze die richtige Energie zum Kochen. Es macht keinen Sinn, Biolebensmittel zu kaufen, um sie dann mit konventioneller Energie zu kochen. Wir bieten mit Wirklich Ökostrom und Wirklich Ökogas wirklich tierfreundliche Energie. CO2 verbannst du damit auch von der Herdplatte. Also weg damit!

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Michael | Team Wirklich

E-Mail: [email protected]

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