Zum Inhalt

Das ist bidirektionales Laden.

Durch bidirektionales Laden können Elektroautos Strom sowohl aufnehmen als auch abgeben. Bidirektional bedeutet wörtlich, dass der Strom in zwei Richtungen fließen kann. Entweder aus dem Stromnetz in die E-Auto Batterie oder:

  • von der Batterie ins Netz → Vehicle-2-Grid (V2G)
  • von der Batterie in Haus → Vehice-2-Home (V2H)
  • von der Batterie in ein elektrisches Gerät → Vehicle-2-Load (V2L).

E-Autos übernehmen durch bidirektionales Laden auch eine wichtige Funktion für die Energiewende, weil sie Ökostrom-Überschüsse speichern – und sie bei einer Stromlücke wieder zur Verfügung stellen können.

Bidirektionales Laden: Der Unterschied von V2L, V2H und V2G.

Vehicle-to-load (V2L).

Vehicle-to-load (V2L) bedeutet, dass man elektronische Geräte an eine herkömmliche Steckdose im oder am Elektroauto anschließen kann – oder dass die Elektroautos einen V2L‑Adapter am Ladeanschluss haben. E-Auto-Modelle mit Steckdose gibt es zum Beispiel von Hyundai, Kia, BYD, MG, Genesis und Honda. Diese Modelle können elektrische Geräte wie Laptops, Küchengeräte oder Werkzeuge mit bis zu 3,6 kW versorgen. Interessant ist das vor allem für Vielfahrer:innen, Handwerker:innen und Camper:innen.

Vehicle-to-Home (V2H).

Bei Vehicle-to-Home fungiert das E-Auto als Stromspeicher fürs Haus. Der Strom wird über die Wallbox ans Stromnetz im Haus abgegeben. Das ist zum Beispiel sinnvoll, um Stromberschüsse aus der PV-Anlage zu speichern und zu einem späteren Zeitpunkt zu nutzen.

Vehicle-to-Grid (V2G).

Wer von bidirektionalem Laden spricht, meint meistens Vehicle-to-Grid (V2G). Dabei wird der Strom aus der E-Auto-Batterie ins öffentliche Stromnetz eingespeist. Die Halter:innen des E-Autos erhalten dafür einen vertragsspezifischen Bonus – und in der Summe dienen E-Autos als virtuelles Kraftwerk, das bei Versorgungsengpässen Strom bereitstellt.

Für wen lohnt sich bidirektionales Laden?

Haushalte mit PV-Anlage: Eigenverbrauch steigern.

Bidirektionales Laden ist besonders für Haushalte mit einer Photovoltaikanlage spannend, die noch keinen Stromspeicher zu Hause haben oder zusätzliche Speicherkapazität brauchen. Das E-Auto kann einen stationären Stromspeicher ersetzen oder unterstützen. Überschüssiger Strom aus der Photovoltaianlage wird in die Batterie des E-Autos geladen – und kann zum Beispiel abends an den Haushalt oder elektrische Geräte abgegeben werden.

Mit V2G Bonus erhalten.

Genauso kann bidirektionales Laden dazu genutzt werden, um Strom von der E-Auto-Batterie ins Stromnetz einzuspeisen. Dafür gibt es bei einem V2G-Stromvertrag einen Bonus vom Energieversorger.

Die Energiewende profitiert vom bidirektionalen Laden.

Vom bidirektionalen Laden profitiert auch die Gesellschaft. Sollten erst mal viele E-Autos bidirektional laden, fungieren sie im Verbund wie ein großer Speicher, der Versorgungsengpässe ausgleichen kann. Die Speicher beziehungsweise E-Autos können Strom aufnehmen, wenn Erneuerbare-Energien-Anlagen gerade viel Ökostrom produzieren – und den Strom wieder ans Netz abgeben, wenn Ökostrom gebraucht wird. Die Halter:innen der E-Fahrzeuge erhalten dafür je nach Anbieter einen Bonus bezeihungsweise eine Vergütung über einen bestimmten V2G-Tarif.

Wer kann bidirektional laden?

V2L.

Vehicle-to-Load (V2L) kann praktisch jetzt schon jeder nutzen, der das passende E-Auto hat. Es bedeutet ja lediglich, dass elektronische Geräte über eine Steckdose im oder am Auto – oder per Adapter geladen werden.

V2H und V2G.

Von größerem Interesse dürfte sein, wer V2H und V2G nutzen kann. Hier müssen viele technische Voraussetzungen erfüllt sein, damit ein E-Auto nicht nur Strom aufnehmen, sondern auch wieder abgeben kann. Bidirektionale Wechselrichter sind nötig.

Was du zum bidirektionalen Laden technisch brauchst.

Zur Eklärung: E-Autos benötigen Gleichstrom (DC), das Stromnetz liefert jedoch nur Wechselstrom (AC). E-Autos haben deshalb ein Onboard‑Ladegerät mit einem Gleichrichter, der den Netzwechselstrom in Gleichstrom für die Batterie umwandelt. Für V2H oder V2G reicht dieses Bordladegerät jedoch nicht aus. Damit Strom wieder aus der Batterie ins Haus oder Stromnetz fließen kann, ist ein Wechselrichter erforderlich, der DC-Strom in AC-Strom umwandelt. Der Wechselrichter ist entweder im Fahrzeug selbst oder in einer bidirektionalen DC‑Wallbox integriert. Standard-Wallboxen haben das bislang nicht. Welche technischen Voraussetzungen erfüllt sein müssen, haben wir in der folgenden Liste zusammengefasst.

🔌 Übersicht: Technische Voraussetzungen für bidirektionales Laden.

1. Kompatible Wallbox (DC-bidirektional).

Wer bidirektional laden will, braucht zu Hause die entsprechende DC-bidirektionale Wallbox. Die sind im Moment jedoch noch teurer als Standard-Wallboxen. Meistens liegen sie im Bereich von ein paar Tausend Euro plus Installation. BMW bietet zum Beispiel für sein V2G-Angebot eine bidirektionale Wallbox für knapp 3.000 Euro. Allerdings muss es bei den höheren Preisen nicht bleiben. Die Erfahrung mit erneuerbarer-Energien-Technik lehrt, dass die Technik meistens billiger wird, sobald sie aus der Nische in den Mainstream kommt.

2. Bidirektionales On‑Board‑Ladegerät oder DC‑Schnittstelle.

Auch dein E-Auto muss mit der passenden Hardware ausgerüstet sein, um bidirektionales Laden zu ermöglichen. Entweder ein bidirektionales On-Board-Ladegerät oder eine DC-Schnittstelle.

3. Unterstützung der Norm ISO 15118‑20.

Um bidirektional laden zu können, müssen außerdem dein Eektroauto und die Wallbiox über den ISO-Standard 15118-20 kommunizieren.

4. Smart Meter.

Damit die Rückspeisung zuverlässig funktioniert, benötigst du einen Smart Meter. Der intelligente Zähler macht sichtbar, wie viel Strom du lädst und wieder einspeist – und stellt sicher, dass alles korrekt verbucht wird. So lassen sich die eingespeisten Mengen nachvollziehen und vergüten.

5. Energiemanagementsystem (EMS).

Ein Energiemanagementsystem (EMS) zu Hause hilft bei der Entscheidung, wann das Elektroauto Strom laden – und wann es Strom entladen soll. Das System weiß zum Beispiel, wann es besser ist, PV-Strom zu laden oder einzuspeisen. Eine PV-Anlage ist dafür kein Muss – aber sie macht ein bidirektionales System deutlich sinnvoller, weil mehr eigener, günstiger Strom im Spiel ist.

Apropos Technik: Schadet bidirektionales Laden der Batterie?

Wird die Batterie durch Laden und Entladen so stark beansprucht, dass sie schneller verschleißt? Eine Studie von RWTH Aachen in Kooperation mit The Mobility House kommt zu dem Ergebnis, dass die zusätzliche Alterung durch V2G in den untersuchten Fällen nur gering ausfällt. Bei einer Simulation von zehn Jahren lag die Alterung bei nur 1,7 bis 5,8 Prozentpunkten gegenüber reinem Laden ohne Rückspeisung.

Schonend laden mit Smart Charging.

In der Praxis wird bidirektionales Laden häufig über Smart Charging oder ein Energiemanagement gesteuert, das schont die Batterie. Solche System vermeiden zu lange hohe Ladezustände und berücksichtigen Temperaturgrenzen. Das kann helfen, die Alterung zu reduzieren. Lange Standzeiten bei sehr hohem Ladezustand beschleunigen dagegen die Alterung von Lithium-Ionen-Akkus.

Wer bidirektionales Laden anbietet.

In Deutschland gibt es bereits ein erstes Vehicle-to-Grid-Angebot (V2G) für Privatkund:innen. Seit März 2026 kann man bei BMW für den BMW iX3 eine bidirektionale Wallbox plus V2G-Stromtarif von E.ON bestellen, der das Zurückspeisen von Strom ins Netz ermöglicht. Die Vergütung erfolgt als Bonus von 24 Cent pro angesteckter Stunde. Maximal gibt es 60 Euro pro Monat und 720 Euro pro Jahr. Für die maximale Summer müsste das Auto allerdings rund 8,3 Stunden pro Tag angesteckt sein – machbar, aber schon ne Challenge.

Lohnt sich bidirektionales Laden finanziell?

Ob sich das finanziell lohnt, kommt vor allem auf die Kosten der Hardware an und wie oft dein Auto wirklich V2G-aktiviert ist. Der Preis für die dazugehörige BMW Wallbox Professional liegt bei rund 2.100 Euro, Installationskosten nicht mitgerechnet. Wenn du im Jahr realistisch auf einen Bonus von 360 bis 720 Euro kommst, liegt die Amortisation für die Wallbox ohne Installation zwischen rund 3 und 6 Jahren. In der Realität dauert's wahrscheinlich länger weil die Installationskosten dazukommen und noch nicht gesagt ist, dass man einen hohen Bonus erreichen wird.

Welche Elektroautos können bidirektional laden?

E-Auto-Modelle, die die technischen Voraussetzungen fürs bidirektionale Laden bereits erfüllen, sind zum Beispiel:

  • Audi Q4 e-tron
  • BYD Atto 3
  • Cupra Born
  • Hyundai IONIQ 5
  • Kia EV6
  • MG4 Electric
  • Renault Megane E-Tech Electric
  • Škoda Enyaq
  • Volkswagen ID.3, ID.4, ID.5

Mit Autostromtarif Ladekosten sparen.

Wer bereits eine Wallbox zu Hause hat, wird sie jedoch vermutlich nicht gegen ein neues Modell austauschen, das bidirektionales Laden ermöglicht. Möchtest du mit deiner aktuellen Wallbox Geld sparen, hast du viele Möglichkeiten. Am einfachsten ist es einen Autostromtarif zu bestellen. Ist dein Stromzähler für den Haushalt oder dein separater Zähler für die Wallbox beim Netzbetreiber als steuerbare Verbrauchseinheit nach §14a EnWG angemeldet, profitierst du je nach Abrechnungsmodell und Zählersituation von einem günstigen Strompreis (Modul 2) oder erhältst eine pauschale Vergütung (Modul 1).

    Modul 1.

    Beim Modul 1 nutzt du keinen Extra-Zähler für die Wallbox. Du nutzt einen Zähler gemeinsam für den Haushalt und die Ladestation. Ist der Zähler beim Netzbetreiber als steuerbare Verbrauchseinrichtung gemeldet, bekommst du über deinen Stromversorger einmal im Jahr eine pauschale Vergütung. Die Höhe der Vergütung ist immer vom Netzbetreiber abhängig und reicht bis zu 190 Euro.

    Modul 2.

    Beim Modul 2 nutzt du einen separaten Zähler für die Wallbox. Ist dieser Zähler beim Netzbetreiber als steuerbare Verbrauchseinrichtung nach §14a EnWG, erhältst du für diesen Zähler einen reduzierten Strompreis. Konkret eine prozentuale Reduzierung des Netzentgeltes um 60 %.

Kaskadenmessung.

Haushalte, die eine PV-Anlage nutzen, können doppelt sparen, indem sie ihr E-Auto sowohl mit PV-Strom laden als auch mit einem Autostromtarif versorgen. Voraussetzung dafür ist eine bestimmte Zählerkombination: die Kaskadenmessung. Der erforderliche Zwei-Richtungszähler wird am Hausanschluss verbaut und ein zweiter Stromzähler wird ihm nachgeschaltet. Um die Kaskadenmessung nutzen zu können, müssen der Haushaltsstrom und der Autostromtarif vom gleichen Stromversorger kommen. Wer das anbietet? Na, wir.

1. Deine Postleitzahl
Portrait von Michael.

Michael. | Team Wirklich

E‑Mail:  michael@polarstern-energie.de

Michael ist ein alter Hase im Marketing-Team und schon seit 2012 dabei. Als Online-Redakteur stammen viele Texte auf unserer Seite und im Polarstern Magazin aus seiner unverwechselbaren Feder.