von Anna

Mieterstrom wird typischerweise mit Photovoltaikanlagen in Verbindung gebracht. Auch politisch wird meist – wie im Falle der Förderung von Mieterstrom – diese Art der Mieterstromversorgung thematisiert. Dabei gibt es viele Mieterstromprojekte mit einem Blockheizkraftwerk (BHKW). Sie ist der Klassiker der sektorenübergreifenden Mieterstrom- und Quartiersversorgung. Nach Einschätzung von Polarstern hat ein BHKW aktuell viele Vorteile, allerdings wird es immer mehr bei Sanierungen und im Neubau durch Wärmepumpen ersetzt.

Voraussetzung für BHKW-Mieterstromprojekte ist ein ganzjährig ausreichend hoher Wärmebedarf, sodass die im BHKW erzeugte Wärme auch vor Ort abgenommen werden kann. Daher wird das BHKW in der Regel sowohl zum Heizen, als auch für die Warmwasserversorgung eingesetzt. Andernfalls ist in den wärmeren Monaten der Wärmebedarf der Bewohner zu niedrig und die Energieerzeugung unrentabel.

 

 

 

 

BHKW ist ideal für Quartierslösungen geeignet.

Weil sie viel Wärme benötigen und Platz für große, effiziente BHKWs haben, sind Quartiere für eine Mieterstromversorgung mit Kraft-Wärme-Kopplung prädestiniert. Polarstern realisiert dies beispielsweise im neuen Esslinger Quartier Lok.West. Auch eine 100-prozentige Klimaneutralität ist hier gegeben, da das BHKW mit Wirklich Ökogas aus 100 Prozent erneuerbaren Ressourcen betrieben wird.

>>> Mieterstrom-Beispiel ansehen: Smartes Quartier mit BHKWs.

 

Ganzjährig hohe Autarkie und Direktverbrauch.

Ziel der Mieterstromversorgung ist es, die Bewohner zu attraktiven Konditionen mit Energie zu versorgen und so gleichzeitig den Immobilienwert zu steigern. Manchmal sind auch Förderungen im Spiel wie KfW 40 Plus, für die Mieterstrom quasi Voraussetzung ist.

>>> Mehr zu KfW 40 Plus im Mehrfamilienhaus erfahren.

Im Schnitt kann allein mit einem BHKW rund 60 bis 80 Prozent des Strombedarfs eines größeren Mehrfamilienhauses gedeckt werden – und das ganzjährig. Zum Vergleich: Mit einer PV-Anlage sind es meist nur bis zu 50 Prozent möglich. Ein weiterer Vorteil von BHKWs gegenüber Photovoltaikanlagen ist der, dass sie gesteuert gefahren werden können und sich so der Nachfrage durch die Mieter anpassen. Das ermöglicht einen hohen Direktverbrauch und damit eine verbesserte Rentabilität der Anlageninvestition.

Meist handelt es sich im Mieterstrom um ein wärmegeführtes BHKW, also eines, dessen Produktion primär an der Wärme-Grundlast der Bewohner ausgerichtet ist.

Auch bei der Kombination von PV-Anlage und BHKW ist eine wärmegeführte Fahrweise ratsam. In diesem Fall lohnt es sich, die Wärmeerzeugung in Tageszeiten zu verschieben, in denen wenig bzw. kein PV-Strom produziert wird. Denn grundsätzlich ist bei Photovoltaikanlagen, genauso wie bei BHKWs der lokale Direktverbrauch attraktiver als die Einspeisung von überschüssig erzeugtem Strom.

Der Anlagenbetreiber eines BHKWs erzielt im Falle des Direktverbrauchs von erzeugtem Strom Zusatzerlöse in Höhe von ca. 15 bis 20 Prozent gegenüber der Einspeisung ins öffentliche Netz. Gleichzeitig liegen solche BHKW-Mieterstromtarife in der Regel mindestens 10 Prozent unter den Strompreisen der lokalen Grundversorgung.

 

CO2-Vorteile durch Ökogas.

Noch sind die Auswirkungen der CO2-Bepreisung in der Wärme kaum spürbar. Doch das ändert sich. Angesichts der Nutzungsdauer typischer Wohngebäude von bis zu 85 Jahren bei Mehrfamilienhäusern, wird ein hoher CO2-Preis bei Brennstoffen die Bewohner mittel- bis langfristig spürbar treffen. Wird ein BHKW im Mieterstrom mit Biomethan bzw. Ökogas aus 100 Prozent erneuerbaren Energien betrieben, ist eine klimafreundliche Strom- und Wärmeversorgung gegeben. Leider wurde bislang im aktuellen Entwurf des Gebäudeenergiegesetzes verpasst, den Einsatz von Biogas in Brennwertkesseln zu fördern. Die Bioenergieverbände kritisieren, dass bei der Berechnung des Primärenergiebedarfs eines Gebäudes oder Wärmenetzes die Wärme aus Biogas gleichgesetzt wird mit der Wärme aus Erdgas, Flüssiggas, Heizöl und Steinkohle. Diese vermeintliche Gleichwertigkeit stehe jedoch allen wissenschaftlichen Erkenntnissen entgegen und widerspreche auch dem Begleitgutachten, das das Bundeswirtschaftsministerium selbst habe erstellen lassen.

Eine Alternative zur sektorenübergreifenden, klimafreundlichen Mieterstromversorgung ist die Kombination von PV-Anlagen mit Wärmepumpen. Das funktioniert vor allem in Neubauten, die einen geringeren Wärmebedarf haben, der auch durch Wärmepumpen weitestgehend gedeckt werden kann.

 

Förderungen für BHKW Mieterstrom-Projekte.

Prinzipiell können die Kriterien von Förderungen wie KfW 40 Plus auch mit einem BHKW erfüllt werden.

Die 2017 eingeführte und vermutlich bald novellierte Förderung nach dem Mieterstromgesetz umfasst bislang nur PV-Mieterstromprojekte. Dabei wird verkannt, dass der Einsatz von Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen (KWK) wie beschrieben in einigen Fällen besonders sinnvoll ist. Zielführend wäre auch eine Mieterstrom-Förderung von ganzheitlichen technologischen Ansätzen etwa von PV und BHKW. Somit ließen sich weitergehende Effizienz- und Klimaschutzpotenziale erschließen.

Dass das Gesetz zur Förderung von Mieterstrom nicht für BHKW-Projekte greift, bedeutet zwar weniger Förderung, gleichzeitig müssen solche Mieterstromprojekte nicht zwangsweise den Tarif des Grundversorgers um 10 Prozent unterschreiten.

Ohne KfW 40 Plus Förderung gibt es nach KWKG 4 Cent je Kilowattstunde für den direkt vor Ort erzeugten und genutzten Strom.

 

Einspeisevergütung nach KWKG oder nach EEG.

Der in einem BHKW erzeugte Strom kann genauso wie Strom aus einer Photovoltaikanlage ins öffentliche Netz eingespeist werden. Dafür erhält der Anlagenbetreiber entweder die Vergütung nach dem EEG oder nach dem KWKG. Ausschlaggebend dafür ist, wie es betrieben wird. Kommt Biomethan zum Einsatz, wird gilt die EEG-Einspeisevergütung, wird es mit Erdgas gefahren, kommt das KWKG zur Anwendung.

Hinweis: Wird mit dem BHKW eine Förderung nach KfW 40 Plus angestrebt, muss die Anlage mit Biomethan betrieben werden.

Aktuell liegt die KWKG-Vergütung bei Einspeisung ins öffentliche bei ca.13 ct/kWh. Die EEG Vergütung liegt etwas höher.

Wie oft BHKWs im Mieterstrom eingesetzt werden, ist nicht offiziell erhoben. Schätzungen des Instituts für Ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW) gehen von rund 40 Prozent KWK Mieterstrom-Projekten und etwa 12 Prozent mit Kombination von PV-Anlage und BHKW aus. Fest steht auf alle Fälle: Sie rechnen sich. Und gerade bei großen Gebäuden mit vielen Bewohnern zum Teil besser als eine reine PV-Mieterstromversorgung.

 

 

 

Wärmepumpen sind die neuen BHKWs.

Bei energieeffizienten, gut gedämmten Gebäuden reicht immer öfter die Wärmeversorgung mittels Wärmepumpen aus. Die Installation eines Blockheizkraftwerks ist nicht mehr nötig. Wir erwarten seitens Polarstern, dass diese Entwicklung zunimmt, zumal Wärmepumpen viele Vorteile haben:

1) Wärmpumpen können mit dem erzeugten PV-Strom betrieben werden. Das wird durch das neue Gebäudeenergiegesetz (GEG) auch auf den Primärenergiefaktor angerechnet. Dazu kann ein pauschaler Betrag vom Jahres-Primärenergiebedarf abgezogen werden, in Abhängigkeit von der installierten Nennleistung.

2) Wärmepumpen können zeitversetzt zu ihrem Strombedarf, Strom aus der Photovoltaikanlage aufnehmen und bilden damit einen funktionalen Stromspeicher. Das erhöht den Direktverbrauch des erzeugten Solarstroms, was sich wiederum positiv auf die Amortisationszeit auswirkt.

3) CO2-Bepreisung wird immer spürbarer. Werden mittelfristig Brennstoffe entsprechend ihrer CO2-Emissionen besteuert, wirkt sich das auch auf den Betrieb von BHKWs mit Erdgas aus.

4) Unterschätzter CO2-Effekt von Erdgas: Standardmäßig werden BHKWs weiterhin mit Erdgas betrieben, zumal sich die Nutzung erneuerbarer Energien nach aktuellem GEG oft nicht rechnet. Allerdings haben jüngst erst wieder Studien darauf verwiesen, dass die durch Erdgas verursachte Treibhauswirkung deutlich höher ist als gedacht. Schuld ist der Methanschlupf, sprich das bei der Förderung austretende Methan, welches deutlich klimaschädlicher ist als CO2. Unterm Strich könnte sich der Treibhauseffekt des Energiesektors um bis zu 40 Prozent erhöhen, wenn der Strom- und Wärmesektor von Kohle und Öl auf Erdgas umgestellt würde, heißt in einer Studie der Energy Watch Group (EWG).

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